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Mo, 02.05.2011
TV | Die große blaue Straße
Krieg der Fischer3 Sterne
Was für ein lyrischer Titel für das Arbeitsgebiet der italienischen Fischer. Dass der Film über ein halbes Jahrhundert auf dem Streifenbuckel hat, merkt man schon. Aber das Emotionskino ist scheinbar nicht tot zu kriegen. Immer wieder gab und gibt es Filme aus diesem Genre. Oft kommt der ’Himmel’ im Titel vor oder der ’Wind’, die ’Sonne’ oder das Meer. Hier schaut mal kurz ein leichter sozialkritischer Aspekt um die Ecke ohne sich in den Vordergrund zu schieben und Happy End Fetischisten haben wenig Freude an diesem Film. Dafür gibt es aber jede Menge Melodramatik und aufgeklebte Tränen. Nur Alida Valli lässt sie echt fließen. Damals hieß Terence Hill noch Mario Girotti, ein echter Frauenschwarm, der aber noch nicht zum Zuge kommt. Und Yves Montand ist nur einfach sympathisch, ohne den Tiefgang in seinen späteren Politdramen. Nicht die Liebe wird thematisiert, sondern der Kampf der armen Fischer ums nackte Überleben. So gesehen ist der Kinotitel schon treffender „Das Leben ist ohne Gnade“. Der Film ist so schnell vorbei und hört so abrupt auf, ohne zu erwähnen, wie es weitergehen könnte.
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So, 01.05.2011
TV | Death Proof - Todsicher
Racheengel2 Sterne
Man muss Tarantino mögen, um auf diesen Trash abzufahren. Zugegeben, der Soundtrack schafft Atmosphäre und lässt einen echt mitrocken. Aber das Wichtigste sind ja wohl die beiden spektakulären Carcrashs. Die sind optisch sehr gut umgesetzt und schockieren echt. Schnitt und Kamera vom Feinsten. Zur Einstimmung gab’s dann noch vorher einen blutigen Innenraum in dem Auto Namens ’Todsicher’ mit einer Blondine. Aber dazwischen viel gähnende Leere. Niveauloses Gequatsche von Thekenschlampen. Da geht es natürlich nur um das Eine und außerdem noch darum, wer die Coolste ist. Wenn man es positiv sieht, läuft aber alles auf diese beiden Crashs hinaus. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass hier mal die Mädels die knallharten sind und dem Macho Kurt Russell mehr als nur kräftig einheizen. Typisch Tarantino: viel Gewalt mit Blut und Schmackes. Nichts zum Lachen, auch nichts zum Weinen. Hat man sich vom ersten Schocker erholt, kommt nach einer halben Stunde der zweite, ultimative. Sonderbar, dass Tarantino hier für ausgleichende Gerechtigkeit plädiert. Aber schon nach der amerikanischen Ethik von Auge um Auge…
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Sa, 30.04.2011
TV | State and Main
Filmen ist schwer3 Sterne
Der nichtssagende Titel täuscht. Es ist eine nette, unterhaltsame Satire auf das Filmgeschäft. Man merkt, dass sich Regisseur und Drehbuchautor, David Mamet, in der Branche auskennt. Nur so konnten die geistreichen Dialoge dieses schwungvoll inszenierten Streifens entstehen. („Frank James war der Gangster, Henry James der Literat“.) Es geht um die Schwierigkeiten in einem Provinznest einen Film zu drehen. Alle kennen sich und fast jeder hat mit jedem etwas zu tun. Es gibt Streit, peinliche Situationen und jede Menge soziale Interaktionen zwischendurch. Selbst für Romantik ist Platz. In einem der Mittelpunkte steht Philip Seymour Hoffman mit seiner Schreibblockade. Man nimmt ihm den unsicheren, linkischen aber überaus liebenswerten Schriftsteller voll ab. Er könnte mit seinem Sinn für Wahrheit fast zu einer tragischen Figur werden, aber mit leichter Hand werden seine Gewissensbisse vom Tisch gewischt. Lange vor ihm merkt der Zuschauer, wer seine Angebetete (Rebecca Pidgeon) ist. Recht einfallsreich und humorvoll das Hinauszögern ihres ersten Kusses. Ebenso erwähnenswert stark ist Sarah Jessica Parker, die wegen einer Nacktszene für viel Wirbel sorgt und am Ende in einer von daher überraschenden Rolle auftritt. Mit viel Prominenz besetzt kommt es zu einer guten Ensembleleistung. Braucht man nicht im Nachtprogramm zu verstecken.
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Fr, 29.04.2011
TV | Bubble - Eine Liebe in Tel Aviv
Israelis und Palästinenser2 Sterne
Es geht um das Problem der Israelis und ihrer palästinensischen Nachbarn. Hier ist es eine homosexuelle Beziehung aus beiden Volkgruppen. Die politische Situation wird besonders am Checkpoint deutlich. Diese peinlichen, schikanösen Kontrollen gehen wirklich unter die Haut. Daneben erleben wir eine muntere WG, in der die Homos überwiegen. Der Sex ist da, der Witz ist allerdings weg. Die Handlung zieht sich hin ohne großen Unterhaltungswert. Und auch so etwas wie Spannung will nicht so recht aufkommen. Bis zum dramatischen Schluss plätschert die Handlung nur so vor sich hin. Alltag in Tel Aviv. Es passiert nichts aufregendes, wenn man vom latenten Gegensatz der Israelis und Palästinenser mal absieht. Und der wird immer wieder von oberflächlichen Albernheiten überdeckt, bevor er eine gewisse Bedeutung erlangen kann. Na gut, wir erfahren, dass es in Israel junge Leute gibt, die ein lockeres Leben zwischen Sex und Beruf führen wollen. Da haben es homosexuelle Paare besonders schwer. Und am Ende steht die Rache als neuer Anfang. Vergeltung für erlittenes Unheil. Kein friedliches Zusammenleben beider Volksgruppen im Nahen Osten. Leider! Tragisch ist das schon, aber komisch???
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Do, 28.04.2011
TV | A. I. - Künstliche Intelligenz
Albtraumhafte Zukunft3 Sterne
Spielberg ist inzwischen virtuell gereift, die Handlung hat mehr Tiefgang, die Bilder sind noch eindrucksvoller. Man bekommt außerdem noch eine visionäre Vorstellung von der Erde in 2000 Jahren, nach Eiszeit und globaler Erwärmung. Das zentrale Thema aber ist der Umgang des Menschen mit künstlicher Intelligenz, sprich Robotern, die wie Menschen aussehen. Und was ist mit ihren Gefühlen, so sie denn welche haben? Das ist kein filmisches Neuland. Hier sehen wir den Gegensatz sowie Vor- und Nachteile von echten Kindern und Robotern (Mechas). Das Science Fiction Märchen kann man in drei Teile zerlegen, die in zunehmendem Maße in eine Fabelwelt vordringen. Zunächst kommt der kleine David (ein Mecha) in eine Familie. Es gibt ganz alltägliche emotionale Turbulenzen. Dann geht es für ihn mit Gigolo Joe in einem Roadmovie mit viel Action weiter. Hier überzeugt vor allem Jude Law. Und schließlich nach Jahrtausendsprüngen gelangen wir in eine Fantasiewelt, wo die Träume schlafen, in der alles und nichts möglich ist. Das Ende dehnt sich ziemlich, das Tempo wird bewusst heruntergefahren, man ertrinkt in einem Schwall von Zuckerguss, obwohl es keine schöne neue Welt ist. Die Wesen sind kalt, abstrakt und uniform, obwohl freundlich. Halt Kopfgeburten eben. Da fehlt es an menschlicher Wärme und Zuneigung, die, wie wir wissen, für uns lebensnotwendig sind, wie Luft und Wasser.
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Mi, 27.04.2011
TV | Ein Sonntag auf dem Lande
Immer wieder sonntags3 Sterne
Der Film läd zum Vergleichen ein. Er zeigt ein Gesellschaftsporträt vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Da ist Manches völlig anders, anderes hat sich dagegen überhaupt nicht verändert. Der auffälligste Unterschied ist wohl das starre Gefangensein in Ritualen in der Vergangenheit bis zum Masochismus hin, während heute alle Aktivitäten Event-Charakter haben müssen. An sich verheißt der Titel bereits keine spannungsreiche Handlung. Alles verläuft wie immer. Und damals wie heute sind die Kids rotzfrech und haben keine Manieren. Das Leben der Eheleute verlief in festen, vorgegebenen Bahnen. Heute ist der Hedonismus die Maxime, die alles weitgehend bestimmt. Damals wie heute gibt es/ gab es Liebeskummer und vielfach war und ist Muttchen das Heimchen am Herd, das ihren Göttergatten vorbehaltlos anhimmelt. Und auch die Altersweisheit ist wohltuend präsent. Sie zieht den Genuss aus der Vergangenheit und erkennt die geniale Schlichtheit im Jetzt. Das verdeutlicht der Vater und Großvater als Maler (Michel Aumont). Sabine Azéma dagegen bringt Leben in die ländliche Sonntagsstille. Tavernier hält uns eine Spiegel vor, zum wiedererkennen und nachdenken.
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Sa, 23.04.2011
TV | There Will Be Blood
Eindrucksvolles Unwohlsein3 Sterne
Ein beeindruckend beunruhigender Film. Man kann gut nachvollziehen, dass das Ölgeschäft im doppelten Sinne ein sehr schmutziges ist. Auch die Gier nach Reichtum des Ölmannes (toll Daniel Day-Lewis) wird überzeugend dargestellt. Anders sieht es mit seinem Verhältnis zu seinem Sohn aus. Der wird vom Öl buchstäblich beschädigt und leidet unter dem dominanten Vater. Es ist dem schauspielerischen Talent von Daniel Day-Lewis zu danken, dass man lange Zeit nicht sicher ist, ob der Ölmann ein elegant beredter Schwätzer ist oder wirklich das glaubt, was er sagt. Sein Leben wird letztlich bestimmt von Geldgier und Mordlust. Der Titel bewahrheitet sich erst ganz am Schluss, nach einer Exkursion hinsichtlich der Moral. Hier gerät der Fundamentalismus zum Lippenbekenntnis. Zwischendrin gibt es immer wieder längere Dialoge, die Spannung und Interesse heruntertransformieren. Trotz kleinerer Einwände sehenswert.
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Do, 21.04.2011
TV | Equilibrium
Welt ohne Gefühle3 Sterne
Gut gemachtes Actionkino mit vielen literarischen Anleihen. Ein bisschen Huxley, ein wenig Orwell und dazu eine Spielart von fernöstlicher Kampfkunst. Und für Kenner von Fahrenheit 451 ist auch noch etwas zum Zungeschnalzen dabei. Es wird in der Tat ein ausgewogenes ’Gleichgewicht’ geschaffen zwischen wilder Ballerei und menschlich anrührenden Szenen. Neben Emily Watson überzeugt vor allem Christian Bale. Man kann einfach die special effects genießen, die Story ist ohnehin klar. Gut, dass man an einem Happy End auf Schmalzbasis vorbeigekommen ist. Dafür gibt es Yeats „Doch weil ich arm bin, hab ich nichts als meine Träume…“ Das ist für all jene, die sich nach einem ’goldenen himmlischen Tuch sehnen’. Den alten William Butler hier mit zu verbraten ist gar nicht mal so schlecht. Wer hätte das gedacht. Und während wir durch eine vorübergehende Welt ohne Gefühle sausen, begleiten uns Choräle. Drum ist es auch nur so ein kleiner Schocker, wenn man bedenkt, wie sich’s lebt ohne Kunst, Musik und Literatur, wenn Worte wie Liebe und Mitleid fehlen und es keine Freunde gibt. Da wird die Aussicht auf ein Leben ohne Krieg fast zur Nebensache.
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Do, 21.04.2011
TV | Der Besucher
Viele Fragezeichen2 Sterne
Ein ganz ungewöhnlicher Film, bei dem Vieles anders ist als sonst üblich. Über weite Strecken gibt es keine Dialoge und fast keine Musik, nur das Rauschen von Regen oder Wind. Was in den Köpfen der wenigen Personen vorgeht, muss man erahnen, sie sagen ja nichts. Dafür gibt es aber ungewöhnliche Kameraeinstellungen, in denen oft nur ein Teil des Bildes sichtbar ist, andere Teile sind verdeckt, dann ein Wechsel zu kleinen Details. Das Entscheidende ist aber die Geschichte und hier bleiben wir mit vielen Fragen zurück. Falls man mit anderen schaut, kann man die schon während des Films stellen und diskutieren, man verpasst ja keine Dialoge: z.B. Was ist in der Blechdose? Was verbindet Vater und Besucher? Welche Bedeutung haben die Raben? Geht es ein wenig in Richtung Mystery? etc Eigentlich passiert fast nichts auf dem abgeschiedenen Hof in den Wäldern Finnlands. Und wenn, dann nur in Bruchstücken. Manche Reaktionen sind schwer nachvollziehbar und werfen weitere Fragen auf. Das scheint wohl beabsichtigt, quasi als interkommunikatives Element. Ansonsten bleiben nur die eindrucksvollen Bilder im Kopf.
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Di, 19.04.2011
TV | Ferien für eine Woche
Burn out3 Sterne
Bertrand Tavernier hat sich bereits 1980 mit der Beschreibung eines Phänomens beschäftigt, das wir heute alle als Burn-Out-Syndrom kennen. Als Beispiel nimmt er sich hier die Lehrerin Laurence (die damals noch junge Natalie Baye). Damals fragte man noch, ob es Faulheit oder wirklich eine Krankheit sei. Wir sehen die physischen und psychischen Auswirkungen dieser Zeiterscheinung. Und wie immer trifft es die Engagiertesten. Lawrence ist in ein stabilisierendes Umfeld eingebettet mit Freund, Freundin, Eltern, Bruder etc. Das macht die Geschichte besonders glaubwürdig. Ruhige, nachdenkliche Szenen verdeutlichen die Phase der Selbstreflexion neben immer wiederkehrenden Stadtansichten. Aussteigen oder weitermachen? Vorübergehend vergrößert sich die Distanz zu ihrer Umgebung. Laut Titel nimmt sie erst einmal eine Woche Ferien, in der auch über das Schulsystem diskutiert wird: ’Lehrer sind Experimentierer, Schüler Versuchskaninchen’. Oder es fallen Sätze wie ’Kinder ähneln weniger den Eltern sondern ihrer Zeit’. Nachdem Laurence das Verhältnis zu ihren Schülern überdacht hat und sich seiner Bedeutung bewusst wird, kann sie eine Entscheidung treffen… Tavernier sieht das cool, aber nicht ganz ohne Emotionen.

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