Mo, 18.04.2011TV | Das Lied der SperlingeEin Lied vom StraußMan kann den Film als ganz gewöhnliches Abbild des Alltags im Iran sehen oder durch Interpretationen versuchen, eine gewisse Tiefe auszuloten. Zu Letzterem verleitet der Titel. Sperlinge singen nicht, sie chilpen nur. Und sie kommen auch mal im Film kurz vor, aber handlungsbestimmender ist der Vogel Strauß und der kann auch nicht singen. Er taucht immer wieder auf und bildet den optischen Anfang und das Ende. Es kann aber auch sein, dass die schwerhörige Tochter ohne Hörgerät ohnehin nichts hört vom Lied der Sperlinge. Rein äußerlich betrachtet sammelt ein Fahrer eines Moped Taxis den Schrott der Wegwerfgesellschaft. Oder eventuell kann gemeint sein, dass der Spatz ziemlich weit unten auf der Werteskala bei den Menschen steht. Er könnte ein Symbol der kleinen Leute sein, die sich auch schon mal gefangen fühlen, bevor sie in die Freiheit fliegen…(Iranproblematik!)
Aber es ist wohl doch eher eine Alltagsgeschichte, die im Gegensatz zu Majidis anderen Filmen einen klaren Tenor vermissen lässt. Gedämpfte Komik, ein dörfliches Ambiente am Rande einer Großstadt im nahen Osten. Und eine ganz normale Handlung ohne Höhepunkt. | |
So, 17.04.2011TV | Die HalbstarkenFreddy, Jan und SissyDer Titel war in der Sprache der Eltern der damaligen Jugendlichen negativ besetzt, eher ein Schimpfwort also. So ist der Film für die Älteren ein Denkmal der Erinnerung, für die Jüngeren echt gutes Anschauungsmaterial der 50er Jahre. Die Atmo und die Sprache sind authentisch, neben Kaugummi, Buick, Jazzmusik, Lederkleidung und der Schmalztolle. Die Jungs waren schon total cool, die Mädels äußerst kess. Alle riskierten eine lockere, rotzfreche Lippe und fühlten sich von einem autoritären Elternhaus unterdrückt. Im Zentrum stehen zwei unterschiedliche Brüder (Horst Buchholz und Christian Doermer), neben Karin Baal, die schon recht emanzipiert daherkommt. Es geht um Machtstrukturen innerhalb einer kleinen Jugendgang. Ein Coup misslingt und wir erleben einen fatalen und unerwarteten Schluss. Das ist gleichzeitig der Höhepunkt des Films. Die Folgen der Tat sind nicht von Interesse. Wichtiger sind eher die Darstellung der Entwicklung und die Voraussetzung, die zu diesem Weg in die Sackgasse führten. Es sind die Anfänge einer Gegenkultur der Jugend gegen Welt der Alten. Sie setzte sich durch Kleidung, Sprache und Habitus von ihnen ab, obwohl sie letztendlich doch von den gleichen Zielen träumt: einem Leben im Wohlstand mit Frau und Kindern. Für manchen Kult! Das Remake ist dagegen überflüssig wie ein Kropf. KV! | |
Sa, 16.04.2011TV | TierraDer AsseljägerAngel, der Schädlingsbekämpfer, war wegen übermäßiger Fantasie in der Psychiatrie. Der Film versucht beide Hälften seiner gespaltenen Persönlichkeit darzustellen. Sie agieren auch selbstständig aber nie unabhängig von einander. Bei manchen Aktionen dienen kritische Selbstgespräche zwischen der einen und der anderen Hälfte als Korrektiv. Durch zwei Frauentypen wird das verdeutlicht, die er beide zu lieben versucht. Die Eine ein blondes Heimchen am Herd und Mutter, die Andere eine scharfe Schnitte. Er tut es mit beiden, aber eigentlich tut es immer nur eine seiner beiden Persönlichkeitshälften mit einer von beiden. So bewegen sich die Bilder in trockenen, staubigen Brauntönen zwischen gelebter Realität und surrealer Gedankenwelt und streifen dabei Bereiche der Unmöglichkeit. Da gibt es unvorhergesehene Überraschungen. Es bleibt die Frage, ob ’sein Problem im Kopf liegt und er nur falsch angeschlossen ist’? Ist er wirklich verrückt oder hat er nur zuviel Fantasie? Für ihn selbst ist am Ende alles viel einfacher. Deshalb will er aufhören, kompliziert zu sein, obwohl er halb lebendig und halb gestorben ist, wie er sagt. Der Film ist ein schön anzuschauendes, aber kein leichtes Vergnügen. | |
Fr, 15.04.2011TV | Das Massaker von KatynSpäte AufklärungDer polnische Regisseur Andrzej Wajda hat bei einer der letzten historischen Unklarheiten des 2. Weltkrieges eine abschließende Richtigstellung vorgenommen. Auch anhand von Dokumentaraufnahmen und Dialogen wird belegt, wie je nach politischer Lage der herrschenden Besatzer die Schuld für dieses Massaker mal Nazideutschland mal der Sowjetunion zugeschoben wurde. Dabei ist es nicht immer leicht, geäußerte Meinungen und Sachverhalte in den wechselnden Szenen richtig einzuordnen. Für sein Drehbuch hat er einen Roman hergenommen, der die ganze menschliche Tragik durch betroffene Personen besonders unterstreicht und in eine Spielfilmhandlung verwandelt. Es wird auf den Umstand verwiesen, dass es manche besser wussten, aber aus Opportunismus schwiegen und letztlich an diesem Wissen zerbrachen. Das Massaker selbst wird kommentarlos und ohne musikalische Untermalung dargestellt. Was in diesem Film nicht deutlich wird, ist die Frage, wieso es zu diesem Massenmord kam? Warum ordnete Stalin das an? Aber auch ohne eine solche Hinterfragung, kann man diese in vornehmlich dunklen Farben gehaltene Tragödie gut nachvollziehen. | |
Do, 14.04.2011TV | HeroKaisermörderEin Film aus dem letzten Drittel der Schaffensperiode des Altmeisters (2002). Die Handlung ist relativ unwichtig. Er nimmt halt eine Legende aus der chinesischen Geschichte. Aber was er daraus macht und wie er sie erzählt ist aller erste Filmsahne. Mit seiner gewaltigen Bildersprache beeindruckt er auch Leute, die diesem Genre eher etwas skeptisch gegenüberstehen. Es gibt temporeiche und statische Massenszenen, die durch Optik und Dramatik beeindrucken. Dabei schwelgt er in einem Farbenrausch von rot, blau und grün. Ob die obligatorischen fliegenden Kämpfe besser oder schlechter sind als sonst, ist schwer zu sagen. Sie sind hier nur anders: tänzerischer, leichter, aber auch detaillierter. Besonders die Wolke aus fliegenden Pfeilen besticht durch Exaktheit im Wirbel eines Trommelfeuers. Genial die Interdependenz von Musik, Kalligraphie und Kunst des Schwertkampfes, die alle das gleiche Prinzip verfolgen: Streben nach Vollkommenheit. Ihr Wesen erschließt sich einem durch Meditation. Und trotz der alles beherrschenden Kämpfe, gipfelt die zentrale Aussage doch in der Botschaft: Ziel ist nicht das Töten, sondern der Frieden. Zhang Yimou hat Eastern Martial Art auf ein Niveau gehoben, auf dem der ästhetische Farbensymbolist mit dramaturgischem Gespür die übrige Welt begeistert hat. | |
Mo, 11.04.2011TV | Birdwatchers - Das Land der roten MenschenFolgen des KolonialismusEs ist der Kampf zwischen den Indios und den weißen Viehzüchtern um Land. Gleich die ersten Szenen machen die Interdependenz der beiden Volkgruppen vor Ort deutlich: die Weißen bezahlen die Indios für eine Show vor Touristen, in voller Kriegsbemalung und Attacken mit Pfeil und Bogen. Die Indios brauchen das Geld, um zu überleben. Im Verlauf des Films werden die Argumente von beiden Seiten vorgebracht. Der Konflikt eskaliert. Bleibt die Frage: wer verlässt den Boden der Legalität zuerst. Die Indios haben die Wahl, ins Reservat zurückzukehren oder sich als billige Tagelöhner zu verdingen. Bei diesem culture clash ergeben sich aber auch einzelne Begegnungen zwischen Vertretern beiderlei Geschlechts. Dieser universale Drang hebt den Kampf auf eine allgemein menschliche Ebene. Und die Indiofrauen riskieren eine recht offenherzige Lippe dabei.
Es gibt keine Lösung bei dieser Auseinandersetzung, nur individuelle Konsequenzen. Ist die Botschaft also: Gut, dass wir mal drüber geredet haben, sonst wäre das alles womöglich in Vergessenheit geraten? Oder ist es eine Warnung vor dem Konfliktpotential, das hier schlummert?
Auf jeden Fall schafft der Film Einblicke in die Antagonismen des heutigen Lebens der Eingeborenen. Sie müssen mit einem Leben in zwei unterschiedlichen Welten zurechtkommen, die viele Jahrhunderte auseinander liegen. | |
Mo, 11.04.2011TV | Die Zeit nach MitternachtKopfüber in die NachtMartin Scorsese ist vielleicht einer der vielseitigsten Regisseure Amerikas. Auch wenn er sich in seinen Gangsterfilmen am ehesten zu Hause fühlt, bearbeitete er auch religiöse Themen oder ganz zarte Liebesfilme, neben dem Sport thematisierte er auch Spielsucht und fernöstliche Philosophie. Hier hat er sich mit Erfolg an eine Gesellschaftssatire gemacht. Gleich am Anfang beweist er sein Können, wenn Bild und Wort auseinander klaffen und das Ganze mit Musik von Bach unterlegt ist, will sagen einer der Akteure langweilt sich! Der Held (Griffin Dunne) stolpert in einer Nacht von einer Episode in die nächste und da er kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. Scorsese inszeniert das recht flott, wobei Stimmungsumschwung und Tempowechsel keine Langeweile aufkommen lassen: mal locker lustig, dann wieder tragisch ernst. Man bleibt dran, weil man sich fragt ’Und was passiert jetzt?’ Unvergesslich die schwungvollen Aufnahmen von seinem Lieblingskameramann Michael Ballhaus mit der lebensgroßen Gipsskulptur. Das ist gut gemachte, zeitlose Unterhaltung. Er entlässt und am Ende wieder mit klassischer Musik, den etwas mitgenommenen Helden setzt er wieder an seinen Arbeitsplatz. Einfach toll! | |
So, 10.04.2011TV | Tödliches GelübdeToller HirteDie Handlung erscheint arg konstruiert bzw. man hat thematisch fast alles mit verwurstelt, was die katholische Kirche in den letzten Jahren in Schwulitäten oder in die Schlagzeilen gebracht hat: Homosexualität und Pädophilie bei Priestern, das Beichtgeheimnis, die Gehorsamspflicht gegenüber dem Vorgesetzten Bischof, die Beziehung zu einer Frau vor der Berufung und auch kapitalistische Talente. Und damit Christian Slater als Priester Clemens noch besser wegkommt, ist er auch noch Sozialarbeiter. Ebenso unglaubwürdig ist der Showdown am Ende mit Stephen Rea als seinem Bruder. Es ist immer leicht und soll wohl besonders überraschen, wenn man am Ende den Unverdächtigsten zum Übeltäter macht. Auch die übrigen Darsteller wie Molly Parker bleiben blass. Alles dreht sich offenbar nur um den Gutmenschen Slater. Der soll wohl einen von mehreren Originaltiteln „Der gute Hirte“ voll und ganz herauskehren. Die Vertreter der Kirche sind bestimmt nicht besonders von dem Machwerk angetan, den Übrigen ist es vielleicht doch zu schal. | |
Sa, 09.04.2011TV | Wilde HerzenWilde SchilfrohreDer deutsche Titel ist nicht schlecht, trifft aber Téchinés Absicht nur zum Teil. Der verweist auf die Fabel von der ’Eiche und dem Schilfrohr’. Letzteres beugt sich, aber es bricht nicht. Ein Bild, das auch schon mal Politiker gerne verwenden. Hier ist es die Haltung von vier jungen Leuten (drei Jungs und die hübsche Elodie Bouchez), die wie das Schilfrohr mal hier hin und mal dort hin tendieren. Alle Neigungen werden ausprobiert: suizidale, homo und heteroerotische, aber auch politische und allgemein intellektuelle. Dabei raufen und rauchen sie und testen die Wucht ihrer Argumente, die sie mal trotzig, mal schmollend, dann aber auch wieder stolz und verletzend austauschen. Es ist die französische Jugend der 60er Jahre im Wartestand zwischen Algerienkrieg und Rock ’Roll. Die für die Zeit so typischen Musikbeispiele sind aus den Top Ten jener Zeit. Das gemeinsame Bad im Fluss bringt auch keine klare Entscheidung. Alle verbleiben in der Probierphase, ohne sich endgültig festzulegen. Das ist das geniale an diesem Film: er erfüllt keine vom Zuschauer üblicherweise erwartete Pärchenbildung, sondern er bleibt seinem französischen Titel ganz konsequent treu, bis zum letzten Bild. | |
Fr, 08.04.2011TV | Mein Sommer mit SergejVerstrahlter SommerHier vergeht die Zeit tröpfchenweise und manchmal ergeht es ihr so wie der Kameraeinstellung: sie bleibt einfach stehen. Viel Geduld und Ausdauer sind erforderlich, wenn man sich dieses Drama vom Rand der Welt antun will. Der Mensch wird in dieser riesigen Landschaft zu einem winzigen Punkt reduziert. In manchen großformatigen Bildern bemerkt man erst nach einiger Zeit, dass das was sich da punktuell bewegt, ein Mann ist. Und davon gibt es auf der Insel nur zwei, recht unterschiedliche Typen vom Alter und den Interessen her. Der Konflikt, in den sie geraten, erschließt sich einem nicht so recht. Wieso traut sich der Jüngere nicht und wieso reagiert der Ältere so rabiat? Egal, es reicht für Dramatik und Tragik: Umweltkatastrophe und Verlust von Frau und Tochter. Beides sehen wir nicht, wir hören es nur. Auch sonst passiert eigentlich fast nichts außer der täglichen Routine: Wetterdaten abzulesen. Die beiden Typen bleiben uns fremd, weil zu schablonenhaft. Und außerdem hilft am Ende die übermächtige Technik, die das menschliche Leid der Männer überdeckt. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.