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Do, 07.04.2011
TV | Better Things
Hoffnungslos2 Sterne
Duane Hopkins zeichnet ein deprimierendes Gesellschaftsbild von der Insel. Alle Figuren sind einsam, verschlossen und missmutig. Hoffnung ist nicht in Sicht. Alte und Junge sind gleichermaßen betroffen. In dem ganzen Stumpfsinn des erbärmlichen Lebens gibt es offenbar nur kiffen und drücken. Das erste Wort und eines der letzten ist ’Nichts’. Und selbst die Liebe bereitet nur Schmerzen. Wiederholungen und Rückblicke verdeutlichen die Monotonie. Der oftmals fehlende Ton zeigt wie abschottet von der Umgebung jeder vor sich hin vegetiert, quasi im luftleeren Raum. Schlimmer geht’s nicht. Und der Titel als Möglichkeit, dass es besser werden könnte, wird durch nichts gestützt. Im Gegenteil. Da ist der Tod noch das Beste am Leben. Bei den Alten kann es immerhin vielleicht nach einem erfüllten Leben sein, bei den Jungen ist es doppelt schlimm, weil es an der Ausweglosigkeit liegt. Herbe Kost, die erschüttert. Ein Pflichtprogramm für Altenpfleger, Therapeuten, Streetworker und Sozialarbeiter. Die sind ja auch in unserer Gesellschaft immer wichtiger.
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Mi, 06.04.2011
TV | Samaria
Vaterliebe2 Sterne
Mit beeindruckenden Bildern hat uns Kim Ki-Duk immer schon überzeugt. So auch in diesem Film, vor allem am Anfang. Aber hier setzt er uns dann allerdings eine etwas kryptische Story vor: Polizist entdeckt, dass seine Tochter nicht nur Schülerin ist, sondern auch noch Nachwuchsnutte. Dagegen geht er mit asiatischer Ruhe vor. Er redet mit seiner Tochter nicht. Stattdessen reichen seine Methoden von der bloßen Drohgebärde gegenüber den Kunden bis hin zum Mord. Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, wie er sich andererseits in sich selbst vergräbt und wie ein Hund leidet. Es scheint unwichtig zu sein, dass er sich dabei schuldig macht. Handelt er nun aus Rache, um die oft zitierte Besudelung der Familienehre wiederherzustellen? Oder ist sein Ziel die Ausschaltung der Freier seiner Tochter, um ihr den Weg ins Leben weiterhin zu ebnen? Auf alle Fälle wahrt er sein Gesicht gegenüber seiner Tochter. Am Ende bringt er ihr sogar noch das Autofahren bei. Doch sie bleibt im Morast stecken!? Eine symbolträchtige Handlung, die einen erstaunt und nachdenklich machen kann. Eine Sehweise, die uns Europäern eher fremd erscheint. Und unbedeutend, wenn man an die beiden großen Filme ’Frühling, Sommer…etc’ und ’Bin-Jip’ denkt.
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Di, 05.04.2011
TV | Der Typ vom Grab nebenan
Bauer sucht Bäuerin1 Stern
Das Originellste an dem Film ist noch der Titel. Gleich zu Anfang geht’s ganz oben ab auf der tränenreichen Emotionsskala los und auf der wird weitergefahren auch wenn es Tempowechsel gibt. So taucht der flotte Bauer Benny (Michael Nyqvist) danach mit anderer musikalischer Untermalung auf. Er spielt den Bauern in seiner tumben Hilflosigkeit, ohne feine Manieren recht passabel. Seine Stärken liegen ja wohl aber beim Schnackseln. Und das tut er auch immer wieder zwischendurch. Sex (ver)bindet halt. Ihn und seine Auserwählte (Elisabeth Carlsson) trennen die üblichen lokalen, kulturellen und intellektuellen Unterschiede. Und dabei ist er gar nicht ihr Typ (sagt sie!) und zickt noch ein bisschen rum. Dann schiebt er noch eine nicht besonders attraktive Ersatzfrau ein, sie einen langhaarigen Blondschopf von den Chippendales und als Benny endlich ’wie im Himmel’ ist, sind wir völlig überrascht… Ja so was! Wer hätte das gedacht! Der Liebesfilm ist anscheinend nicht tot zu kriegen.
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Di, 05.04.2011
TV | Das Leben und nichts anderes
Nach dem Kriege3 Sterne
Das Auffallendste an diesem Anti-Kriegsfilm sind die streng durchgestylten Bildkompositionen in dunklen Farben. Ab und zu wird ein roter Tupfer gesetzt, über weite Strecken wirkt er fast wie ein s/w Film. Und erst ganz am hoffnungsgebenden Schluss durchflutet goldenes Sonnenlicht die Bilder. Das zweitwichtigste ist das exzellente Drehbuch, das die menschliche Kälte und die gesellschaftliche Hilflosigkeit in Szene setzt. Aber auch die Religion wird bedacht: „Nach dem Krieg müsste die ganze Menschheit gegen Gott sein, vor allem die Frauen…“ Frankreich räumt 1920 auf. Identifikation von Gefallenen, Suche nach Vermissten. Das Hauptthema ist die Suche nach der passenden Leiche eines unbekannten Soldaten für ein nationales Denkmal. („Die vielen Kriegsdenkmäler bringen den wirtschaftlichen Aufschwung durch die Toten.“). Die Überlebenden schaffen das anscheinend nur mit Hilfe des Gedenkens. (Titel!?) Und in dieses triste Ambiente ist eine Liebesgeschichte eingebettet, in der sich die beiden Akteure (Sabine Azéma, Philippe Noiret) selbst im Wege stehen. Beide geben sich nach außen abweisend, gefangen in falschem Stolz, Standesdünkel und sozialer Inkompetenz. Schon glaubt man, sie kämen nie zusammen (der Film ist fast zu Ende) überrascht er uns mit einem hoffnungsvollen, lyrischen Briefwechsel und viel Sonnenschein…
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Mo, 04.04.2011
TV | Leergut
Kolya II4 Sterne
Es ist eine warmherzige, aber durchaus realistische Alltagskomödie über Oldies, wobei die vielen kleinen, liebevollen Details eine Atmosphäre schaffen, dass einem das Herz aufgeht, weil gleich die ersten Szenen volle Zustimmung einheimsen. Ein älterer Lehrer, Beppo Weberknecht, mit Burn-Out-Syndrom (hier ein Zuck-Tick!), der die Kids unerzogen, rotzfrech und lernresistent findet, kündigt und versucht sich beruflich zu verändern. Neuorientierung in einer sich schnell wandelnden Welt, in der die Automaten die menschliche Arbeitskraft ersetzen. Er ist charmant, hilfsbereit und umsichtig und findet einen Job an der Flaschenrückgabe. („Lieber Flaschen als Kinder!“) Aber er ist auch noch visuell wach und sexuell interessiert. („Die Augen sind willig“, sagt er.). So spielt die Kamera immer wieder mit seinen feuchten Männerträumen. Hier erscheinen ihm Frauen, die ihm im realen Leben begegnet sind, ’am Vorabend seines Lebens’. Mit seiner Ehefrau liefert er sich geistreiche Wortgefechte: Er: „Ach ich bin doch ein alter Sack!“ Sie: „Ja, aber ein geiler und lächerlicher!“ Wer genau hinschaut, entdeckt sogar einen kurzen Hinweis auf Kolya. Somit könnte dies hier eine Art Fortsetzung sein. Genauso gut gemacht und doch irgendwie anders!?
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So, 03.04.2011
TV | Der aus dem Regen kam
Notwehr3 Sterne
Ein spannender Psycho-Krimi, bei dem der Zuschauer immer auf der Höhe der Ermittlungen ist, manchmal sogar weiter. Dass sich Mellie, das Vergewaltigungsopfer, erfolgreich wehrt, ist nicht so neu. Dass dann aus einem Fall zwei werden, der Kommissar ein Zocker ist und eigentlich ein ganz Anderer am Fall interessiert ist, das überrascht. Charles Bronson in einer eher ungewöhnlichen Rolle gibt hier den charmanten, unwiderstehlichen Ermittler, den man auch mal für einen möglicher Erpresser, Auftragskiller oder Polizist halten könnte. Nur am Ende muss er dann doch mal kurz auf seine Art Ordnung schaffen. Und Marlène Jobert, die sich leider inzwischen von der Leinwand verabschiedet hat, beweist ihre Wandlungsfähigkeit: mutig, witzig, anhänglich, aber auch selbstständig. Hier gibt es noch einen Bezug zwischen Titel und Film, wobei ein wendungsreiches Drehbuch mit Pointen aufwartet und wo neben wenigen gewaltsamen Szenen auch Komisches vorkommt. Inzwischen etwas seltener zu sehen, aber immer noch sehr gut.
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Fr, 01.04.2011
TV | Liebeswahn
Jesus liebt dich3 Sterne
Natürlich denkt man bei diesem Film an einen 5 Jahre älteren mit Audrey Tautou (’Wahnsinnig verliebt’ von Laetitia Columbani), denn beide behandeln exakt das gleiche Thema: erotomanische Stalkerin. Die erste Fassung ist eine obsessive Komödie mit viel Klamauk und einem bemerkenswert komödiantischem Schluss. Die hier von Michel Spinosa betont wie der Originaltitel dieses Psychodramas verdeutlicht den Krankheitsverlauf der Patientin Anna M. Es werden Kapitelüberschriften gefunden wie: Erleuchtung, Hoffnung, Trotz, Hass und Zuflucht, die den Gemütszustand von Anna beschreiben. Isabelle Carré, die am besten ist, wenn sie Menschen mit psychischen Störungen darstellt, beherrscht auch hier die Szene. Ihr gelingt es auch längere Dialoge durch ihr Mienenspiel zu überbrücken. Man erkennt Verachtung, Freude, Trauer und auch Ernsthaftigkeit. Aber nie ist sie entspannt. Sie ist eine Getriebene. Doch dann überrascht der sonderbare Schluss, in dem das Kind die Heilung bedeutet und der Glaube an den einen Jesus die (Er)lösung sein soll. Freude über der Schwangerschaft wurde schon vorher angedeutet, tiefe Religiosität aber nie. Wird hier das Opfer Dr Zanevsky durch Gottes Sohn ersetzt??? Bis auf das etwas fragwürdige Ende aber nicht schlecht.
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Do, 31.03.2011
TV | Balzac und die kleine chinesische Schneiderin
Drei Dissidenten4 Sterne
Zunächst einmal macht der Film die Lächerlichkeit der Großen Kulturrevolution deutlich. Es herrschen ungebildete Apparatschiks der KPCh, die sinnlosen Aktionismus propagieren und eigentlich dem Fortschritt im Wege stehen. Es ist ein Riesenspaß, wenn denen Studenten, die zur Umerziehung aufs Land geschickt wurden, europäische Kultur nahe bringen sollen. Die tiefen Gegensätze zwischen Stadtmenschen und Dörflern, Intellektuellen und Bauern werden mit viel Humor dargestellt. In der sich anschließenden Liebesgeschichte spielt das Vorlesen von verbotenen französischen Romanen eine wichtige Rolle. Hier gehört der Titel hin. In fast kindlicher Unschuld wird dieses warmherzige Verhältnis geschildert. Und das ist dann auch die Kernaussage des Films: Lesen fördert die Persönlichkeitsbildung, emanzipiert und macht in letzter Konsequenz erst frei. Dann überspringt die Handlung etwa 20 Jahre. Wir sehen wie die wunderschöne Bergregion für den Drei-Schluchten-Damm geflutet wird. Es ist wohl die optisch schönste und lyrischste Umsetzung dieses frevelhaften Eingriffs des Menschen in die Natur. Sehenswert!
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Mi, 30.03.2011
TV | Rotes Kornfeld
Die Schnapsfabrikantin4 Sterne
Sowohl für den Regisseur Zhang Yimou als auch für die Hauptdarstellerin Gong Li war der Film der Start zu einer Weltkarriere. Er hat uns mit seinen kraftvollen Farben und ungewöhnlichen Aufnahmen überzeugt. Sie mit ihrem schauspielerischen Talent. Nicht nur das Kornfeld schimmert rot; alle Bilder haben einen satten rot-braunen Stich. Die Farbe des Kornfeldes wird im Handlungsverlauf noch eine weitere symbolische Bedeutung erlangen. Und auch der hergestellte Schnaps hat dieselbe Farbe. Das Drehbuch wagt sich mit seiner leisen Kritik an männlichen Herrschaftsstrukturen ganz vorsichtig in Grenzbereiche vor, die das ZK damals noch akzeptierte. Dafür zeigt der Film die unbeliebten japanischen Besatzer als brutale Imperialisten. Weniger gewagt war die wirtschaftliche Erfolgsstory einer Frau fernab in der Provinz. Denn offiziell wurden emanzipatorische Tendenzen ja unterstützt. Und auch ihre sexuelle Selbstständigkeit, die man hier erahnt, war nicht selbstverständlich. Im Gegensatz zu seinen späteren Filmen hält sich Zhang hier emotional noch sehr zurück. Überraschend kühl dokumentiert er recht distanziert dieses sehenswerte Drama.
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Mi, 30.03.2011
TV | Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Die Zimmerschlacht5 Sterne
Drei Glücksfälle sind hier zusammengekommen: da war zunächst ein geniales Theaterstück, das Furore machte, dann wurde das kongenial in einen Film umgesetzt und schließlich fand sich noch ein echtes Ehepaar, das hier vor der Kamera großartig und glaubwürdig agierte, weil es einen Zustand ihrer persönlichen Beziehungen darstellen durften. Sie waren miteinander zeitlebens in einer Hass-liebe verbandelt. Es ist die berühmteste Zimmerschlacht der Theater- und Filmgeschichte. Und die ultimativ Denkbarste dazu, denn nach diesem Film musste jeder Versuch, sein Niveau zu erreichen, scheitern. Burton/Taylor provozieren, beleidigen und beschimpfen sich gegenseitig in einer atemberaubenden Redeschlacht, wobei sie die derberen Sprüche draufhat, also mit dem groben Säbel zuschlägt, während er das Florett bevorzugt, also mit Ironie und Euphemismen ihre Angriffe pariert. In diesem Vier-Personen-Stück können Freundlichkeiten blitzschnell in Gemeinheiten umschlagen, denn alle Beteiligten - auch das junge Paar (Segal/Dennis)- haben eine Leiche im Keller. Ein literarisch-filmisches Juwel von zeitloser Relevanz wagt einen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele, wo erlittene Kränkungen wiederum durch Verletzungen des geliebten Menschen kompensiert werden. Vor allem berührt der Schluss, nachdem man sich durch Hölle und Fegefeuer gejagt hat.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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