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Fr, 11.03.2011
TV | Claire - Sich erinnern an die schönen Dinge
Liebeserklärung an Alzheimer4 Sterne
Der Therapeut hat die Wahl zwischen nutzloser Therapie und der Zulassung einer Liebesbeziehung. Er entscheidet sich für Letzteres. Und so erleben wir den Verlauf der Krankheit. Anfänglich mit viel Humor erzählt, denn uns Außenstehenden erscheint vieles unheimlich lustig, was die Kranken da so von sich geben. Aber nie werden sie lächerlich gemacht, nie schmunzeln wir auf ihre Kosten. Denn mit sehr viel Sympathie für die Kranken führt uns Zabou Breitman in die zweite Phase, in der sich eine zarte Liebesbeziehung entwickelt. Äußerst sensibel erzählt mit viel verständnisvollem Einfühlungsvermögen begleiten wir Claire in die Endphase. Jetzt verwendet sie Wörter falsch: z.B. 'verraten' statt 'erwarten', und erfindet neue: 'vergaren'. Es ist das unaufhaltsame, schrittweise Ausklinken aus der Gesellschaft. Es wird für Claire immer schwieriger, sich zurecht zu finden. Genial die akustische Umsetzung der Kommunikationsunfähigkeit der beiden Liebenden am Ende. Ein ernstes Thema, das mit leichter Hand inszeniert ist. Dieses Liebesdrama berührt einen durchaus mit seiner gnadenlosen Unabdingbarkeit. Als einzigen Trost gibt es nur Claires letzte Notiz 'sich nur an die schönen Dinge im Leben zu erinnern.'
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Do, 10.03.2011
TV | Mysterious Skin - Unter die Haut
Von Aliens und bösen Onkels4 Sterne
Der Film versucht eine konsequente Entwicklung von missbrauchten Jungen zum fürs spätere Leben gezeichneten Schwulen aufzuzeigen. Die nicht ganz ernst gemeinte zusätzliche Verbindung zum Missbrauch durch Aliens, die mit UFOs kommen, ist eine amüsante Erweiterung der Thematik. Hier wird dies nur dazu genutzt, um zu verdeutlichen, dass der leittragende Bub in ein schwarzes Loch ohne Erinnerung fällt. Ansonsten gibt es aber nicht viel zu lachen. Harte, homosexuelle Begattungsszenen gehen bis an die Schmerzgrenze. Kein Platz für Voyeure. Man sieht meistens nur die Auswirkungen auf den Gesichtern und spürt die Gewalt, die da im Spiel ist. Mary Lynn-24-Rajskub als Behinderte macht aus ihrer Nebenrolle das Beste. Die Eltern (u.a. Elizabeth Shue) bleiben farblos und sind bezeichnenderweise meist abwesend. Und am Ende bleiben die 'Gezeichneten' zurück, tief traurig und lebensunfähig, enttäuscht und elendig unglücklich. Ohne zu werten, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben endet das Ganze dann. Das ist hart, aber durchaus realistisch.
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Mi, 09.03.2011
TV | Macht über die Insel
Biograph als Lebensversicherung2 Sterne
Über das Dreieck von Politik, Kapital und Verbrechen erfolgt hier ein Bericht eines Ex Kommissars. (Francois Berléand). Und der ist recht lang, obwohl immer wieder kleine Szenen dazwischen geschoben werden. Bereits die Einleitung versucht die Situation treffend darzustellen: älterer Ehemann, junge schwangere Ehefrau und ein Biograph. Man merkt, dass wird hier keine Familiensendung. Aber es ist noch ein weiter Weg bis zu den Morden der Beteiligten. Voraussetzung ist das Verständnis für die französische Binnenkolonialpolitik in Bezug auf Korsika. Hier agieren verschiedene Gruppen. Manche sind nationalistisch andere mafiös. Beide versuchen ihr eigenes Süppchen zu kochen und schielen immer nach Paris. Die wunderschöne Landschaft der Insel bildet dabei einen Kontrast zu den Wanderern mit ihren mörderischen Absichten. Man spürt die Gewalt als latente Option und als sie endlich ausbricht, ist man nicht überrascht. Bleibt der Appell 'Hände weg von Korsika' und das kann überall liegen.
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Mi, 09.03.2011
TV | Dolores
Mörderisches Mutter-Tochter Drama5 Sterne
Das geniale an dieser Stephen King Verfilmung ist nicht die Verknüpfung von angeblichen Morden mit einem dramatischen Mutter-Tochter Verhältnis, in dem die Vergangenheit so erdrückend wird, dass sie nach Aufarbeitung schreit. Es ist auch nicht die außergewöhnliche schauspielerische Leisung von Kathy Bates und Jennifer Jason Leigh, sondern es ist das Fehlen des üblichen Horrorszenarios wie er sonst im Genre gang und gäbe ist. Hier knistert es zwischen Mutter und Tochter, sehr sensibel aufgezeigt und fein dosiert. Barsch prallen die verletzten Emotionen aufeinander bis hin zur Selbstzerstörung. Natürlich fehlen nicht die tatkräftigen Schlag-Zu-Szenen. Und außerdem ist es ein Frauenfilm, der die Botschaft enthält „Du musst ein Miststück sein, um zu überleben!“ Die männlichen Rollenträger kommen hier eher suboptimal weg. Und auch die Erzählweise tut ein übriges um Spannung zu erzeugen, oft mit Hilfe von technisch gut gemachten Rückblenden. Packend, erschütternd, unerbittlich!
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Di, 08.03.2011
TV | Kein Mord bleibt ungesühnt
Selbstjustiz2 Sterne
Der deutsche Titel ist keine Übersetzung und etwas plakativer als der des Originals: 'Gegenunterusuchung'. Das Film schichtet die Kenntnis über den Mord und den Mörder der kleinen Emilie mehrmals um und zwar: schuldig, unschuldig, doch schuldig. Nur solide Polizeiarbeit kann aber keine Spannung schaffen. Und das Ende wirkt wie ein seltsamer Wurmfortsatz. Hier werden dem Zuschauer kurz drei überraschende Fakten (in drei Szenen) präsentiert; Schluss, aus, fertig! Regisseur und Ex-Polizist Mancuso hat bestimmt selbst während seiner aktiven Zeit öfters erlebt, dass man einen Mörder wieder freilassen musste. Getreu dem Grundsatz 'im Zweifel für den Angeklagten'. Daher ist es nachvollziebar, dass er in seinem Fall zur Selbstjustiz greift. Er will uns damit sagen, dass Recht und Gerechtigkeit zwei Paar Stiefel sind, die nichts miteiander zutun haben. Hier verletzt am Ende einer klar das Recht, weil er Gerechtigkeit will, genauer gesagt er will seine Gerechtigkeit: d.h. Strafe und Sühne. Man ist zwar irgendwie zufrieden, aber ein Rest von schlechtem Gewissen bleibt. Auge um Auge kann doch wohl aber nicht die Lösung sein ?!
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Mo, 07.03.2011
TV | Enduring Love
Schwuler Stalker2 Sterne
Ein Unfall beim Ballonfliegen hat zwei Folgen: erstens die Suche nach den Ursachen des Unglücks und zweitens eine Stalker-Problematik. Beides wird mit einander verquickt. Der thematische Liebeswahn wird zum Verfolgungswahn und offensichtliche Freundlichkeit zum Horrotrip. Aber auch die Auswirkungen auf das Berufsleben und die Liebesbeziehung sind nicht ganz unwichtig. Lange Dialoge über Liebe, Sex und Ehe strapazieren die Nerven des Zuschauers und beinhalten soche Platitüden wie „der Mensch ist ein dummer Organismus, der nur vögeln will; alles andere ist völlig bedeutungslos.“ Obwohl sich der Film eng an die Romanvorlage von Ian McEwan anlehnt, schaffen seine Bilder enge optische Tatsachen, die die eigene Vorstellungskraft beschränken. Im Buch sind die skurrilen Wendungen offener gehalten, undeutlicher, und bieten somit mehr Raum für die Fantasie. Das bezieht sich besonders auf das lange Ende. Der hohe Anspruch verkrampft sich im Grunde zu einem kryptischen Konstrukt.
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Sa, 05.03.2011
TV | Palindrome
Taboos2 Sterne
Die Erzählweise lässt diese abstruse Groteske fast als Episodenfilm durchgehen, auch wenn sich am Ende einige Handlungsfäden zusammenfügen lassen. Der weitaus größte Teil dieses typisch amerikanischen Mosaiks beschäftigt sich mit einer Aneinanderreihung von Taboos und will bewusst schockieren: optisch durch missgestaltete Figuren, ethisch durch Themen wie Kinderschwangerschaft, Abtreibung und Mord. Mit der Darstellung von fundamentalistischen Gläubigen wird der Film für uns zur Schmunzelklamotte, für Amerika (Bush-Country) zum Gegenstand ernsthafter, heftiger Diskussionen. Die Besetzung mit verschiedenen Darstellern für eine Rolle macht die Verwirrung komplett. Der anspruchsvolle Titel erregt zunächst Aufmerksamkeit, enttäuscht dann aber doch zusehends durch tränenreiche Diskussionen. Die Wirkung der Taboothemen verflacht und mit ihr auch das Interesse. In seiner andersartigen Radikalität ist der Film unangenehm, also nicht wirkungslos.
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Fr, 04.03.2011
TV | Song from the Southern Seas
Blonder Vater, dunkler Sohn2 Sterne
So ungewöhnlich wie der Titel für einen Film aus Kasachstan, ist und auch die Handlung weitgehend schwer zugänglich. Das liegt zum einen an der Kameraeinstellung (man erkennt die Personen oft aus weiter Entfernung nicht), zum anderen an der bruchstückhaften Erzählweise, die viel Verständnis für das Leben in Fernost voraussetzt. Neben wie im Titel angekündigten häufigen Liedern sehen wir noch eine lyrische Einlage in Form von filigranem Schattenspiel in Scherenschnittformat. Aber das was man mitbekommt, ist nicht uninteressant: mutmaßliche falsche Vaterschaft, Auswanderungswille nach Deutschland, die Kluft zwischen Bauern und Kosaken, das handgreiflich grobe Verhältnis zwischen Männlein und Weiblein, schwesterliche Verbrüderung beim Wodka und Selbstjustiz, Feste die in mehrfacher Hinsicht ausarten und ein historischer Rückblicke auf die Herrschaft der Clans. Das Ende ist verwunderlich. Plötzlich alles FFE!? Dabei gab es doch wirklich einige Probleme!?
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Fr, 04.03.2011
TV | Es regnet Pflaumen in Japan
Probe mit Oma2 Sterne
So sonderbar wie der Titel (er wird mal kurz im Dialog erwähnt) ist auch die äußerst handlungsarme Situation, die der Film schildert. Es geht um Sprachprobleme in einer fremden Umgebung und die Annäherung zwischen dem erwachsenen Enkel und seiner Großmutter. Für den Zugang zu diesem Arthouse Special ist es eine Voraussetzung, dass man das äußerst liebevolle Verhältnis der beiden akzeptiert, ohne es verstehen zu müssen. Es bleibt die wichtigste Prämisse bei allen auftretenden Schwierigkeiten. Dabei bewegen wir uns in der Welt der Theaterproben, sind hin- und hergerissen zwischen Arbeit und Urlaubsverhalten des Protagonisten (Gilbert Melki). Was die Großmutter vorübergehend stumm macht, erfahren wir nicht wirklich, ebenso wenig wie den Grund, als sie ihre Sprache wiederfindet. Sie mischt deutsche Satzteile in ihre Sprachfetzen!? Will man die Symbolikschiene fahren, kann man die heutige Sprachunfähigkeit erkennen, die Schwierigkeiten einer anstrengenden Zuneigung, aber auch die globale Einstellung gegenüber kulturellen Jointventures. Abgehoben, überirdisch, anstrengend.
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Mi, 02.03.2011
TV | Black Water
Riesenkroko3 Sterne
Ein Horrorfilm, der mit minimalistischen Mitteln das Grauen erzeugt, ein Vierpersonenstück, das im Outback im Reich der Riesenkrokodile spielt. Die Spannung entsteht durch die bedrückende Atmosphäre. Das Monster sieht man nur ganz kurz sieben oder achtmal. Aber es ist immer präsent. Ständig sucht die Kamera mit unseren Augen die Oberfläche des Wassers ab. Und es ist kein Kindergeburtstag, es gibt Opfer. Diese Schocker sind wohl dosiert. Man ist darüber besonders überrascht, weil man es nicht gewöhnt ist, dass Hauptfiguren umkommen. Und zwar kurz und schmerzlos. Grundlage ist wohl eine wahre Begebenheit und so realistisch, fast dokumentarisch kommt der Fim auch daher. Lässt man die wenigen sachlichen Fragen mal beiseite, wird man schon mitgerissen, vor allem wegen der tollen schauspielerischen Leistungen der beiden Frauen (Diana Glenn, Maeve Dermody), die sich nichts schenken und an ihre physischen Grenzen gehen. Ein Beleg, dass gut gemachter Horror nicht viel kosten muss.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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