Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

Di, 01.03.2011
TV | Entgleist
Brutale Trickbetrüger erpressen2 Sterne
Die Story um die Erpressung einer etablierten Mittelstandsfamilie ist ja wahrlich nicht neu. Und selbst die Wendungen am Ende überraschen nicht wirklich. Aber all das fällt gar nicht besonders ins Gewicht, weil ein tolles Schauspielertrio Spannung verbreitet bis hin zum finalen, bleihaltigen Showdown. Clive Owen ist gut gecastet als locker liebevoller Familienvater, dem man aber auch eine handfeste Auseinandersetzung zutraut. Jennifer Aniston versucht mit mäßigem Erfolg eine neue Facette ihrem Image hinzuzufügen. Aber sie alle werden von Vincent Cassel an die Wand gespielt. Er gibt den brutalen Fiesling, der die Handlung vorantreibt und somit maßgeblich an der Schaffung von Spannung beteiligt ist, auch wenn sich dabei gegen Ende des Plots gelegentlich größere Lücken auftun. Selbst das nicht an allen Ecken und Enden geschlossene Ende kann man akzeptieren, wobei allerdings die Frage aufkommt, ob ein Mord den Raub von 120.000 $ rechtfertigt? Diese Rache war ein Gericht, das nicht kalt genossen wurde. Da ist wohl mehr aus den Gleisen gesprungen als ein Pendlerzug am Morgen.
Trennstrich
Mo, 28.02.2011
TV | Elisa
Tochter sucht Vater2 Sterne
Eigentlich sind es zwei Filme: der erste Teil zeigt andeutungsweise die kaputte Kindheit der kleinen Marie (Vanessa Paradis) und wie sich das elternlose Entlein zum rotzfrechen Geier entwickelt. Das ist flott inszeniert und mit coolen Sprüchen garniert. Man wartet aber eigentlich auf den Auftritt von Gérard Depardieu. Der kommt nach über einer Stunde. Und das Warten hat sich gelohnt. Im zweiten Teil kommt echte Dramatik und menschliche Größe durch seine überzeugende Schauspielkunst hinzu. Aber es geht auch ziemlich viel in Richtung tränenreicher Sentimentalität ab. Wie Becker die an sich alltägliche Geschichte erzählt, ist gut gemacht und deshalb auch durchaus unterhaltsam. Zumal das Finden des Vaters von einem Rachegedanken angetrieben wird. Die Handlung schrammt elegant an der Inzestthematik vorbei und auf ein vorhersehbares Ende zu. Dafür gefällt das Spielen mit dem Namen Elisa.
Trennstrich
So, 27.02.2011
TV | Schande
Afrika einmal anders4 Sterne
Wenn man den Film unter konventionellen Wertvorstellungen betrachtet, findet man den Titel immer wieder bestätigt und kann jedem weiteren schändlichen Ereignis nur zustimmen. Und davon gibt es genug. Zum Beispiel sieht Lucy, eine vergewaltigte Lesbe davon ab, den Übertäter strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen und auch das Kind, das so entstanden ist, will sie nicht abtreiben. Sie macht sogar einen schier unglaublichen Deal mit seiner Familie. Wir sehen die Handlung meistens mit den Augen ihres Vaters (toll John Malkovich!), eines Literaturprofessors, der seinen sexuellen Kohldampf stillt wo er kann. Aber im Outback von Südafrika gelten andere Regeln. Dabei werden fast alle unsere moralischen Einstellungen auf den Kopf gestellt, werden relativiert und damit fragwürdig. Das ist das sonderbare Geheimnis der Spannung dieses Films. Unser Unverständnis wird brüchig, unser Sinn für Gerechtigkeit erschüttert. Genau wie die Romanvorlage von J.M. Coetzee, die hier eins zu eins umgesetzt wurde, verbreitet der Film ein beunruhigendes Unwohlsein, bisweilen sogar Ablehnung. Trotzdem nicht uninteressant!
Trennstrich
Fr, 18.02.2011
TV | Schwule Mütter ohne Nerven
Königinnen3 Sterne
Es geht um eine schwule Massenhochzeit in der Vorbereitungsphase. Natürlich sind nicht die Mütter schwul, sondern ihre Söhne. Was für ein unpassender deutscher Titel also. Im Original heißt es ’Königinnen’. Das kommt dem Sinn schon erheblich näher. Denn die Mütter beherrschen die Szene, mischen sie auf wenn nötig und werden sogar selbst von Amors Pfeilen getroffen. Sie schaffen oftmals Klarheit für sich und ihre Söhne und handeln stets in bester Absicht für ihre Buben. Natürlich werden hier alle gängigen Klichés über Schwule aufgeführt. Man spielt mit den üblichen Vorurteilen, aber immer mit sehr viel Empathie. Die schwungvolle Inszenierung verharrt nicht lange bei einem Problem, sondern eilt mit Witz und überzeugenden Akteuren von einer Katastrophe zur nächsten. Dabei gibt es dann noch diverse Überkreuz-Begegnungen. Man kann anfangs schon mal den Überblick verlieren bei so vielen hübschen Männern. Schmunzelt sich dann aber leicht wieder ins Geschehen zurück.
Trennstrich
Do, 17.02.2011
TV | Der Kreis
Frauenprobleme3 Sterne
Einer der wenigen Filme des Iraners Jafar Panahi, die die freie Welt erreicht haben. Inzwischen sitzt er in seinem Land im Gefängnis und hat Berufsverbot. Es ist unglaublich, dass dort schon der Gedanke einen Film zu machen strafbar ist. Dabei ist dieser Film doch gar nicht mal so systemkritisch, wie die Glaubenswächter meinen. Die Handlung folgt dem Thema: zu Beginn fliehen Frauen aus dem Gefängnis, am Ende sitzen alle wieder drin. Das geniale daran ist, dass man eigentlich nur eine Gesellschaft sieht, in der die Frauen in Angst leben und fast rechtlos sind, behindert von den religiösen Konventionen. Für männliche Iraner doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit. So ist es halt nun mal im Islam! Nur in unserem liberalen, säkularisierten westlichem Blickwinkel erscheinen sie als unterdrückt und geknechtet, als Menschen zweiter Klasse. Uns fehlt halt das religiöse Verständnis! Damit wäre dann wohl der Beweis erbracht, dass es die Ayatollahs eigentlich besser wissen. Denn erst wenn es Verbote gibt, taucht die Frage nach dem ’Warum’ auf. Natürlich verschanzen sie sich offiziell hinter dem muslimischen Argument, dass man von Gott, dem Propheten und der Gesellschaft kein Bild machen soll, d.h. Bilder sind ohnehin böse. Die Intention ist aller Ehren wert, an der filmischen Umsetzung kann Panahi noch etwas arbeiten.
Trennstrich
Di, 15.02.2011
TV | Babettes Fest
Lukullus kontra Calvin4 Sterne
Als der Film in den achtziger Jahren die literarische Hinterlassenschaft von Tanja Blixen entdeckte, war auch ’Babette’ dabei. Abgesehen vom ’Grossen Fressen’ ist das wohl einer der ersten Filme, der das Essen und die Zubereitung köstlicher Speisen thematisiert hat. Obwohl in wunderschöne Bilder gefasst, wirken einige Passagen etwas angestaubt. Die historische Vorgeschichte wie es Babette in den Norden verschlägt, bildet einen stimmungsvollen Rahmen. Der Charme des Films, der immer noch seine Wirkung hat, besteht aus dem Aufeinandertreffen von sinnen- und lustfeindlicher, puritanischer Lebensweise, die jeglichen Genuss verbietet und der Darbietung der köstlichsten Speisen, der französische Küche. Bei den Dörflern ist die höchste Tugend der Verzicht und alles Streben richtet sich nach dem Jenseits. Es wird nicht übertrieben, Mimik ist angesagt, leise Zeichen werden gesetzt. Alles Stoff für die Augen! Und dazu begleitet uns Blixens Kommentar aus dem Off. Gleichzeitig ist es aber auch noch ein Appell an den hedonistischen Genuss, der durch Großzügigkeit erst richtig zum Tragen kommt.
Trennstrich
Mo, 14.02.2011
TV | Chocolat
Vierfache Verführung5 Sterne
Der überaus gelungene Spitzenfilm ist zunächst einmal eine optische Verführung. Es läuft einem das Wasser im Mund zusammen, wenn man die Zubereitung der zahlreichen Leckereien sieht. Schokolade at its best. Die eingebundene Liebesgeschichte (Binoche/Depp) erwärmt das Herz und zwar wie sie beginnt, wie sie dargeboten wird und wie sie hier ausgeht. Dann kommt noch eine märchenhafte Facette hinzu: die Geschichte vom Nordwind und seiner treibenden Kraft sowie das unsichtbare Känguru Pantouffle. Und vor diesem Hintergrund wird die Heuchelei der spießbürgerlichen Gesellschaft zur Freude aller karikiert. Selbst das Phänomen Rassismus wird gestreift. Alle vier Ebenen überzeugen, wegen der beeindruckenden Leistung des ganzen Ensembles, allen voran Judi Dench. Alle Figuren werden mit viel Sympathie dargestellt, bis in kleine Nebenrollen oder selbst die kleinen Vierbeiner. Der Genuss als Verführer, den jeder einfach mögen muss. Genauso wie die erfreulichen Nebenwirkungen des braunen Goldes. Die Musik von Rachel Portman verfeinert das Ganze und macht den Film in mehrfacher Hinsicht zum Hochgenuss.
Trennstrich
So, 13.02.2011
TV | Molly's Way
Ohne Vater5 Sterne
Emily Atef (selbst kurzer Auftritt als Mutter mit Baby) hat ein beachtenswertes Regiedebüt abgeliefert. Die zentrale Rolle ist dem unglaublichen Naturtalent Mairead McKinley auf den Leib geschrieben. Die trägt den Film mit seiner ganzen trübsinnigen Hoffnungslosigkeit. In ihrem Gesicht spiegeln sich aber neben Hilflosigkeit und Traurigkeit auch Kraft und Sturheit. Und alles wird überwölbt von ihrer riesengroßen menschlichen Wärme, die sie erst am Ende - als sie ihren ’Weg’ gefunden hat - teilweise von ihrer Umgebung zurückbekommt. Dieser Film darf nicht synchronisiert werden, denn nur so versteht man das Sprachproblem bei Mollys Suche. Sie als Irin sucht Marcin, den Vater ihres Kindes in Polen, spricht aber kein Polnisch. Ein weiterer Aspekt, der für den Film spricht ist die Diskrepanz zwischen Mollys Realität in Polen und dem, was sie ihren Eltern auf Postkarten darüber berichtet. Die Lösung, die Molly findet, kommt zwar etwas überraschend, ist aber durchaus überzeugend. Ein kleiner Film, Geheimtipp auf manchen Festivals und zu Recht vielfach preisgekrönt.
Trennstrich
So, 13.02.2011
TV | Triff die Elisabeths!
Vater als Loser1 Stern
Man muss schon das Herz sehr weit öffnen, die Toleranzschwelle auf ganz niedrig stellen und den Verstand abschalten, um diese platte Komödie zu ertragen. Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor in einer Person, was bleibt da noch für die anderen: nur Statistenrollen. Die vorhersehbare Handlung ist vollgestopft mit eindimensionaler Komik, oft unterstützt durch Rumgehampel und Schreierei. Lustig ist etwas anderes! Nicht einmal zu echten Slapsticks reicht es. Dafür gibt es dann eher sonderbar spießige Dialoge, die wegen der Diskrepanz zur Realität im Film lustig wirken sollen, aber eigentlich immer nur eine gewisse Sorglosigkeit und Wirklichkeitsferne dokumentieren. Man sehnt das Happy End herbei, nicht wegen dem Happy sondern wegen dem End oder anders gesagt, man ist happy, dass es zu Ende ist. Und dann gibt da noch so ein total überflüssiger Epilog diesem Ende den verdienten Rest. Der Aufforderung des deutschen Titels möchte ich keineswegs nachkommen. Und der des Originals trifft nur für einen kleinen eigentlich unwesentlichen Teil am Ende zu. Wie kann dieser Film nur irgendwann einmal ein Publikumsliebling gewesen sein???
Trennstrich
Fr, 11.02.2011
TV | ... und der Himmel steht still
Der Unschuldige4 Sterne
Einer von vielen deutschen Titeln mit ’Himmel’. Mal war man ihm nah, mal fern, dann wieder ’hat er erlaubt’. Es gab ihn im Königreich und auch über der Wüste. Und fast immer war es eine tränenreiche Herz-Schmerz Angelegenheit. Ganz anders hier. Allein Regisseur John Schlesinger und die beiden Hauptdarsteller Isabella Rossellini und Anthony Hopkins sind Garanten für einen tollen Film. Bei der schwungvollen Action hat der Himmel keine Zeit, um stillzustehen. Das Wissen vom Kalten Krieg ist hier hilfreich, aber nicht unbedingt Voraussetzung zum Verständnis. Die literarische Vorlage von Ian McEwan enthält bereits Spannung genug, die hier ein konventionelles Drehbuch umsetzt, unterstützt von drei großartigen Schauspielern. Der Unschuldige (so der Originaltitel), Campbell Scott, steht zwischen den beiden Vulkanen. Die Handlung erinnert stellenweise an das Ende von Hitchcocks ’Zerrissenem Vorhang’ oder an ’Casablanca’, ohne beide echt zu kopieren. Schlesinger macht eine Hommage draus. Dafür gibt es statt eines zuckersüßen Happyends einen emotionalen Blick auf die Wiedervereinigung 1989. Gut gemachte, niveauvolle Unterhaltung.

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.