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Do, 10.02.2011
TV | Tokio!
Dreimal Tokio3 Sterne
Drei Regisseure liefern drei völlig unterschiedliche kleine Filme ab. Allen gemeinsam ist das Ambiente der japanischen Hauptstadt und die äußerst skurrilen Geschichten. Die erste beginnt recht locker und findet eine Kim Ki Duk-mässige Lösung mit einer kafkaesken Verwandlung. Film Nummer zwei testet die ästhetischen Grenzen der Zuschauer. Die Hauptfigur heißt Merde, sieht auch so aus und verhält sich so. In dieser grotesken Mediensatire gibt es eine sonderbare Hinrichtung. Der letzte Teil ist der netteste der drei, obwohl ein ernster Sinn durchs Gebälk lugt. Erdbeben ist ja ein wichtiges japanisches Thema. Hier allerdings mit einer positiven Option. Ordnungsfanatiker haben ihre wahre Freude daran. Alle drei sind schrill, fern ab der Wirklichkeit angesiedelt und nicht uninteressant.
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Di, 08.02.2011
TV | Am Morgen danach
Postkoitale Traurigkeit2 Sterne
Der ausgelutschte deutsche Titel ist wirklich etwas platt. Regisseurin und Hauptdarstellerin Brigitte Roüan will mit dem Original in Latein etwas anderes betonen: „Nach dem Koitus ist das Tier traurig“. Hier werden die Leiden einer verheirateten Frau nach der Trennung von ihrem Liebhaber durchlitten. Sie heult, sie schreit, sie windet sich, sie ist auch wieder stumm und apathisch, vernachlässigt Beruf und Familie. Bisweilen ist es etwas zu plakativ oder emotional übertrieben, besonders die Wiederholungen. Interessant ist jedoch die Kontrastierung ihrer Leiden zu einer Mörderin ihres Ehegatten, die ihr Mann gerade verteidigt. Er kommt in seinem Plädoyer zu einer ungewöhnlichen Gleichstellung von Mord und Ehebruch. Nur nachvollziehbar, wenn man an das amerikanische Rechtssystem mit Geschworenen denkt. Unserer ’Heldin’ gelingt möglicherweise mit einem Sprung in den vermeintlichen Tod der Aufbruch in eine neue Zukunft und mit uns in ein versöhnliches Ende. Na ja!? Absicht erkannt, Umsetzung mittelprächtig und mit dem Schluss kann man leben.
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So, 06.02.2011
TV | Séraphine
Séraphine und die Engel4 Sterne
Ein leiser Film über eine autodidaktische Malerin, die ihre Impulse von ihrer tiefen Religiosität (sie hört Engelsstimmen!)und aus der Natur bekommt, von wo sie ihre Farben nimmt. Der Gegensatz zu ihrem Alltag, in dem sie als Putzfrau arbeitet, bildet einen künstlerischen Rahmen. Historisch eingebettet in die Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg, mit kleinen Seitenhieben auf das deutsch-französische Verhältnis. Yolande Moreau gibt dieser Figur ihre unnachahmliche Gestalt. Sie schaut mit naiv mürrischem Blick in die Welt, tapst durch die Landschaft und verändert sich auch äußerlich von einer brav-biederen Zugehfrau zu einer vorübergehend wohlhabenden Künstlerin. Dabei lässt die Kamera sie fast nie aus der Linse. Manche Szenen verschwinden optisch in undurchsichtigem Schwarz, was hier allerdings zur Verstärkung der Atmosphäre verwendet wird. Und dann kommt am Ende eine überraschende Wende, die auch akustisch zulegt. Aber eigentlich ist es nur eine von mehreren Optionen, wenn man den religiösen Wahn von Séraphine in letzter Konsequenz zu Ende denkt. Dieser Film hebt sich inhaltlich und stilistisch wohltuend vom Mainstream ab.
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Fr, 04.02.2011
TV | Coco Chanel & Igor Stravinsky
Sexuelle Obsession1 Stern
Was nicht alles so unter ’Amour fou’ subsumiert wird!? Hier sind es zwei prominente Namen, die jeder kennt. Nur so hat man sie wohl noch nie gesehen. Seine Musik ist von der Klanggestaltung her heute immer noch gewöhnungsbedürftig - außer wenn dazu zur Ablenkung ein Ballett tanzt und mit ihrer Duftkreation (Chanel No.5) beträufeln sich immer noch ältere Damen. Beide Persönlichkeiten verbindet eine sexuelle Obsession. Die nimmt hier breiten Raum ein, bleibt aber so steril und flach, dass sie immer mehr Langeweile verbreitet. Die Szenenfolge hüpft ohne Überleitung von amelodischem Klaviergeklimper (das manche als ganz tolle Musik empfinden) zu Duftlaboren und dazwischen wird immer wieder von den beiden Protagonisten kraftvoller Matratzensport vorgeführt. Auch Stravinskys leidende Ehefrau, die wohl als Heimchen etwas Emotionen einbringen soll, bleibt oberflächlich und streicht seicht vorüber. Nur die einheitlich dunkle Optik ist nicht schlecht. Doch die allein macht noch lange keinen guten Film aus. Chance vertan!
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Do, 03.02.2011
TV | Privatbesitz
Einfach, bequem, problematisch3 Sterne
Eine realistische Darstellung eines aktuellen Problems: erwachsene Kinder wohnen noch bei den Eltern. Dieses weit verbreitete Phänomen wird hier noch brisanter durch die Tatsache, dass die beiden Söhne, Thierry und Francois, Zwillinge sind, die es sich im Hotel Mama bei Isabelle Huppert gut gehen lassen. Obwohl inzwischen volljährig sind sie ganz unbekümmert die Buben von einst geblieben. Doch schon bald werden Spannungen deutlich, die sich noch verstärken, als Mutter einen Freund hat und/oder der eine Zwilling eine Freundin. Die Streitgespräche machen die Position jedes einzelnen der Drei durchaus verständlich. Die Kids argumentieren selbstbewusst, dreist und rein egoistisch. die Mutter schwankt zwischen reaktiver Verantwortung und Neuanfang. Diese Unsicherheit verdeutlicht die Huppert still und eindrucksvoll. Sie macht den Kampf, der in ihrem Inneren tobt nach außen sichtbar. Auch die Stellung des anderswo lebenden Vaters wird nachvollziehbar geschildert. Erst als ein Unfall passiert entsteht eine vollkommen neue Situation. Es entstehen andere Kontakte innerhalb des Quintetts. Am Ende werden sehr symbolträchtig die Scherben aufgesammelt. Offen für Diskussionen.
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Mi, 02.02.2011
TV | Amoureuse - Liebe zu dritt
Das Bermuda Dreieck1 Stern
Eine sonderbare Dreiecksgeschichte. (Marie) Charlotte Gainsbourg zickt zwischen zwei Männern rum und nervt sie und den Zuschauer. In schier endlosen Dialogen ergehen sich die drei - aber stets nur zu zweit - über Liebe, Sex, Kinder ohne Liebe oder Ehe ohne Treue. Das Ziel der Ehe ist die Scheidung, ein kruder Mix! Dabei verbirgt Marie ihre Unsicherheit und ihre Unentschlossenheit hinter dem Umstand, dass sie immer das Gegenteil von dem tut, was sie sagt, das Gegenteil von dem, was sie eigentlich erhofft. Um dann doch eventuell mit einem der beiden in der Kiste zu landen. Währenddessen hauen sich aber alle die üblichen Klichés um die Ohren. Dabei vergrößert noch die Handlungsarmut die Distanz zum Film, denn die eintönigen Machtspielchen ermüden zusehends und ohne Höhepunkte verflacht die schon arg tief gelegte Ausgangsbasis: zwei Gockel eine Henne! Selbst als Marie ihren letzten Trumpf zieht: ’schwanger aber von wem der beiden?’ hat man sich längst gedanklich verabschiedet. Und es interessiert auch nicht, ob sie das Kind verliert oder ob das Ganze nur ein Fake war. Wie nicht anders zu erwarten ist der Schluss dann ein Zufallsprodukt.
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Di, 01.02.2011
TV | Die Klasse
Zwischen diesem Mauern1 Stern
Es ist eine Dokumentation des Schulalltags, detailgenau und realistisch. Man fragt sich allerdings, für welche Zielgruppe ist der Film gedacht. Demonstrationsobjekt bei einer Lehrerfortbildung oder im Rahmen der Referendarausbildung? Jeder hat einschlägige Erfahrungen mit dieser Institution und kann mitreden, sich ein Urteil bilden, ob es bei ihm auch so oder so ähnlich war. Vor allem die äußerst problematische Lage der Lehrkräfte wird ungeschönt und keineswegs übertrieben dargestellt. Das reicht vom Burn-Out bis zur Grenze der Lächerlichkeit aufgrund von zu viel Verständnis. Die dramatische Zuspitzung erfährt der Film im letzten Drittel erst durch die Tatsache, dass die Schüler fast alle aus bildungsfernen mit Migrationshintergrund belasteten Familien stammen. Bei einem Verhaltensauffälligen würde ein Verweis von der Schule die zwangsläufige Rückkehr nach Afrika bedeuten. Diese Problematik wird lang und breit im Kollegium diskutiert und dann entschieden. Ohne Kommentar. Aus der Argumentation ergibt sich ein Mittelweg der Vernunft für ein typisches Phänomen unserer Zeit, nicht nur in Frankreich, aber hier vielleicht besonders brisant. Der Schüleraggression mit Störfaktor wird teils mit Verständnis teils aber auch mit Beachtung der sozialen Spielregeln begegnet. Insider werden weitgehend zustimmen, andere haben schon weggezappt.
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Sa, 29.01.2011
TV | Preis des Verlangens
Knobel Knobel bei Dauerregen3 Sterne
Der Film erfordert die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers, vor allem in der Endphase. Da werden recht flott Namen in Formularen an ihm vorbeigereicht. Es beginnt als Affäre Schwiegervater-Schwiegertochter behandelt dann etwas kryptisch ein literarisches Plagiat und kurz vor der Aufklärung aller Geheimnisse gibt es noch zwei faustdicke Überraschungen. Der Titel bewahrheitet sich hier mehrfach. Der Schriftsteller Boltanski (Daniel Auteuil) zahlt einen hohen Preis für sein Verlangen: er verliert Ehefrau (Greta Scacchi), seine Familie, seinen guten Namen als Schriftsteller und letztendlich muss er auch noch den höchsten Preis zahlen, den es überhaupt für einen Menschen gibt. Das wird sehr cool und distanziert geschildert und so knapp, dass zusätzliche Überlegungen notwendig sind, um alle Umstände ( gesehene und nicht gesehene ) nachzuvollziehen. Dabei regnet es fast unentwegt. Anspruchsvolle, interessante Unterhaltung inklusive Denksportaufgabe.
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Do, 27.01.2011
TV | Still Life
Die Suche nach der Vergangenheit2 Sterne
Nachdem man sich an die langen Einstellungen gewöhnt und ganz ruhig down gechilled hat, kann man dem langsamen, leisen Film in aller Seelenruhe folgen. Zunächst wird hier der verheerende Umgang mit der Natur dokumentiert durch den Dreischluchten Damm. Er ist das destruktive Symbol des angeblichen Fortschritts schlechthin. Man sieht die Zerstörung von Gebäuden, unendliche Trümmerberge wie nach einem Bombenkrieg und Geisterstädte, wo über Jahrhunderte Menschen gesiedelt hatten. Und die Menschen, die hier schlecht und recht zu überleben versuchen. Manche Gruppenszene wirkt etwas unbeholfen wie eine Aufführung eines Schultheaters, andererseits startet einmal überraschenderweise ein Hochhaus als Rakete. (Chinas Erforschung des Weltraumes etwa?) Im eigentlichen Zentrum stehen aber zwei Menschen, die auf der Suche nach der Vergangenheit sind, nach zwei Menschen, die in ihrem früheren Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Sie finden sie und stellen fest: man ist sich fremd geworden. Genauso wie die Natur um sie herum dem Menschen. Es ist kein großes menschliches Drama, eher ein Stillleben eben!
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Mi, 26.01.2011
TV | Luftschlösser
Flotter Dreier1 Stern
Natürlich denkt man bei dem Thema dieses Films an die klassische Vorlage von ’Jules und Jim’. Doch dessen lockeren Charme erreicht dieser flotte Dreier unter Kunststudenten keinesfalls. Bei Truffaut reichten Andeutungen, Gesten, Blicke; hier isst man seine Sexschnitte mit Schweiß und unter Stöhnen. Kaschiert als amour fou oder als sexuelle Freizügigkeit zur Selbstfindung geht es hier zu dritt zur Sache. Manchmal auch ganz normal zu zweit und der Dritte schaut zu. Da dieses Treiben keine neunzig Minuten dauern kann, gibt es noch Gespräche über Fantasie und Kreativität zwecks Anhebung des Niveaus. Sex etwa als Blockierer oder als Startbahn für künstlerische Aktivitäten. Bisweilen scheint es so, als ob die Leinwand (z. B. ganz in rot) nur gestaltet werden kann, wenn es auch sonst problemlos auf der Matratze läuft. Das ist schon mehr als heikel, denn sie ist frigide und er hat Ladehemmung. Die Welt der Eltern findet nur nichtssagend am Rande statt, quasi als Lückenbüßer. Es bleibt offen, ob und wie lange es noch so weiter gehen kann. Ist anscheinend auch nicht so wichtig. Am Ende steht das Symbol von drei parallel verlaufenden Schlangenlinien. Na toll! Ist auch eine Lösung für Luftschlösser aus Karton.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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