Di, 25.01.2011TV | The Bank JobPolitik und PornosDas Besondere an diesem Film ist seine inhaltliche Vielfalt von verschiedenen Facetten. Der Film wechselt seine Genrezugehörigkeit wie ein Chamäleon die Farbe. Am Anfang ist es eine lockere, witzige Gaunerkomödie, in der ein Bankraub geplant wird. Dann gelingt der Coup und plötzlich sehen wir brutale, mafiöse Folterszenen mit viel Blut. Überraschung! Zwischendurch gefühlvoller Familienkram. Und am Ende jagt in einer Gewaltorgie ein Erpressungsversuch den nächsten. Mit dabei die britische Spionageabteilung MI5, neben involvierten Regierungsvertretern und Hobbyganoven. Die Auflösung führt natürlich ein Underdog herbei: ein kleiner britischer Kommissar! Seit den 60 Jahren (Profumo-Skandal) tauchten in England immer wieder mal Fotos von hohen Politikern in kompromittierenden Situationen (Edelbordell) auf. Hier ist es u.a. ein Mitglied der Royals (Prinzessin Margaret). Recht unterhaltsam werden hier Erpresser zu Erpressten und umgekehrt. Doch dann hat Regisseur Donaldson das Rad einen Zacken zu weit gedreht: finale Siegesfeier mit schwesterlicher Aussöhnung der Rivalinnen und Fischfang auf der Hochseeyacht sind überflüssig und unglaubwürdig. Ansonsten ist es gute Schmunzel-Unterhaltung mit Aussetzern bei wohl dosierter Spannung. | |
Mo, 24.01.2011TV | Die Mandela-VerschwörungEnde der ApartheidDer deutsche Titel soll wohl nur die Aufmerksamkeit auf den Prominenten lenken und das Interesse wecken. Der des Originals lautet “Endspiel“ und das trifft den Sachverhalt schon etwas genauer. Es ist das Ende der Apartheid in Südafrika. Das heißt, das Ende der uneingeschränkten Herrschaft einer kleinen weißen Minderheit, die mit einer faschistoiden Ideologie versucht hatte, an der Macht zu bleiben. Manche der damals angeordneten öffentlichen Maßnahmen kommen uns vertraut vor und erinnern an Nazi-Deutschland. Spätestens als ein international beachtetes Rockkonzert in England ’Freiheit für Nelson Mandela’ forderte, kannte jeder den in Südafrika seit Jahrzehnten einsitzenden Gefangenen. Travis hat versucht, diese Endphase mit den Vorverhandlungen darzustellen. Das geht natürlich auf Kosten der Dialoglastigkeit. Und das ermüdet etwas und setzt Detailkenntnisse voraus. Auch wenn mal ein Auto in die Luft fliegt. Sonst bleibt letztlich nur ein Dokument von historischer Bedeutung.Und von einem Drama kann überhaupt keine Rede sein. Wenn’s als Spielfilm etwas mehr hermachen sollte, braucht’s noch etwas mehr z.B. Nebenhandlungen und Details zum persönlichen Umfeld der Akteure oder auch mehr bildliche Umsetzung der Gespräche. | |
Sa, 22.01.2011TV | Schloss des SchreckensDrehen an der SpannungsschraubeDiese TV Produktion ist verglichen mit den Vorgängern einfach anders. Sie kommt ohne das ganz grosse Schocker-Arsenal, das sonst so in diesem Genre üblich ist, aus und arbeitet ähnlich wie die literarische Vorlage visuell/imaginär und deskriptiv. Hierbei kann auch ganz schön an der Spannungsschraube gedreht werden. Vielmehr gibt die Kurzgeschichte von Henry James nun mal nicht her. Da kann der Drehbuchautor schon einen Kindsmord als Ausschmückung hinzufügen mit abschließendem Gang der Täterin zur Hinrichtung. Das wird noch eher verständlich, wenn man das Zwinkern eines Wärters in die Kamera registriert und ihn wiedererkennt. Ein oftmals eingefügter Trick, der relativiert und ein heiteres darüberstehen ermöglicht. Im Original hält die Gouvernante am Ende den kleinen Miles fest an sich gedrückt “Wir waren allein mit dem stillen Tag und sein kleines Herz, jetzt ohne Eigentümer, hatte aufgehört zu schlagen.“ Also eine nah am Original orientierte Fassung, die werksgetreu von der Atmosphäre lebt. | |
Do, 20.01.2011TV | Cold FeverEin Japaner auf IslandEin eiskalter Film mit einer Ansammlung von skurrilen Typen. Island zeigt sich hier von seiner sonderbarsten Seite: etwas abweisend, ab und zu auch etwas erwärmend, fast immer unterkühlt, viel Raum für Einsamkeit, Hilfsangebote, Stehvermögen und ein bisschen Kliché. Wenn dann ein Japaner, der tapfer und mit stoischer Ruhe gegen alle Widerwärtigkeiten der Eisreise ankämpft, in diesen eigenartigen Mix gerät, ist das wirklich cool. Und er ist in einer hehren Absicht unterwegs, denn Japaner achten ihre Ahnen. Die wunderschönen Bilder zelebrieren die polare Kälte und nach jeder ausweglosen Situation öffnet sich immer wieder wie durch ein Wunder eine Tür. Es ist ein leiser Film, der von der Stimmung und der Landschaft lebt, bei dem der Humor allerdings etwas eingefroren ist, quasi unter dem Eis schlummert. Die abwechslungsreiche Parade durchgeknallter Typen wirkt nie aufdringlich. Wie die Feen und Elfen tauchen sie plötzlich auf und sind kurz danach wieder verschwunden. | |
Do, 20.01.2011TV | Seit Otar fort istEka, Marina und AdaEin beachtenswertes Debüt von Julie Bertucelli. Der historisch-geographische Hintergrund ist Georgien zur Zeit des Auseinanderbrechens der Sowjetunion. Zu dieser Zeit erschien den Bewohnern im Osten der Westen als das Paradies auf Erden. In diesen Bewusstseinsbereich ist ein Dreimädelhaus (drei Generationen) eingebettet. Besonders die alte Großmutter Eka (toll Esther Gorintin) steht im Mittelpunkt. Ihr gegenüber stricken Mutter und deren Tochter an einer Dauerlüge, um Eka wegen schlechter Nachrichten nicht das Herz zu brechen. Der Titelheld, um den es dabei geht, ist nur in Fotos präsent. Sehr einfühlsam kommt dieser Frauenfilm daher. Schildert die Lebensverhältnisse jener Zeit zum Teil humorvoll oder auch ernsthaft. Ebenso werden die Beziehungen der drei Frauen zu einander beleuchtet. Hierbei kommt dann schon eine etwas nachdenklichere Stimmung auf. Der Blickwinkel bleibt aber stets ein typisch weiblicher. Das macht den Charme des Films aus. Die überraschende Wende am Schluss denkt das Thema nur sinnvoll weiter. Zu Unrecht zu wenig beachtet. Emotional anrührend ohne sentimental zu werden. Einfach Klasse! | |
Mi, 19.01.2011TV | Rendezvous mit einem MörderQuicky mit FolgenDie Spannung in diesem australischen Thriller speist sich hauptsächlich aus zwei Quellen: recht heftige Brutalo-Szenen und überraschende Wendungen. Die Story an sich ist gar nicht mal so neu, aber hier gut erzählt: der kinderlosen Ehefrau bringt ein Quicky mit Evan (toll Sam Parsonson) den Erfolg. Die Darstellung dieser Figur ist durchaus gelungen und nicht unmaßgeblich für den Spannungsaufbau. Man erkennt allmählich, dass er ein Psychopath ist. Zunächst redet er mit sich selber, dann telefoniert er bei gekappter Strippe und dann sieht man kurz die Vorgeschichte mit seinem Vater. Daher wohl auch der deutsche Titel, denn der des Originals lautet ’Sarg Felsen’, analog zum berühmten Ayer’s Rock. Die Landschaft und das ganze Ambiente inklusive der Bewohner sind durchaus passend für die Story. Das verdeutlicht auch der abschließende, kommentarlose Kameraschwenk über deren Gesichter: alle wissen mehr als sie sagen. Ein Albtraum für alle Beteiligten ist vorüber. | |
Di, 18.01.2011TV | Die unbarmherzigen SchwesternGefallene MädchenBisher kannte man Peter Mullan nur von vor der Kamera, hier steht er dahinter (hat allerdings einen kurzen aber eindrucksvollen Auftritt als prügelnder Vater). Mit diesem Film hat der gebürtige Schotte ein Thema aufgegriffen, dass in Irland lange Zeit für Furore gesorgt hatte. Alle wussten davon, aber keiner redete darüber. Sicherlich hat er sich damit bei der katholischen Kirche keine Freunde gemacht. Die Betroffenen - und davon leben immer noch sehr viele - jubelten nicht, sondern vergossen Tränen der Rührung, denn der Film hat die Erinnerungen an all die Demütigungen und menschenverachtenden Exesse in den Magdalene Heimen für ’gefallene Mädchen’ wieder hochkommen lassen. Es waren KZ-ähnliche Zustände, die aus Verbitterung Hass entstehen ließen. Die Realität war noch viel schlimmer als das hier Gezeigte. Man begreift die unglaubliche Macht der katholischen Kirche, die sich auf den tiefen Glauben der Bevölkerung gründet und die nur deswegen ein ungeheuerliches menschliches Drama Jahrzehntelang unangefochten inszenieren konnte. Der deutsche Titel hilft uns. In Irland kennt jeder die Magdalena Schwesternheime. Sehenswert weil immer noch aktuell, filmisch toll umgesetzt und schauspielerisch überzeugend. | |
So, 16.01.2011TV | Lemmy Caution gegen Alpha 60Kalte neue WeltEs ist schon genial, mit welch raffinierten, visionären Facetten Godard eine Welt beschreibt, die vom Computer Alpha 60 beherrscht wird. Die Bewohner unterscheiden sich von der Außenwelt durch ihren Wortschatz. Statt „Hallo!“ oder „Tschüss!“ sagen sie „Es geht mir gut. Bitte, Danke.“ Bezeichnenderweise fehlen ihrem Vokabular Worte wie ’Liebe, Gewissen oder Gefühl’. Es ist verboten das Wort ’warum?’ zu benutzen und ihre Gesten passen nicht zu ihren Worten: man nickt, wenn man ’Nein’ sagt und zur Bejahung schüttelt man den Kopf. Natürlich bekommt am Ende der Held die Schöne (Anna Karina), aber erst nachdem sie das erlösende ’Ich liebe dich’ gehaucht hat. Manches ist heute nach über 40 Jahren etwas gewöhnungsbedürftig. Und echte Negativbilder, wie hier, sieht man im Film nicht allzu oft. Auch wenn Lemmy Caution mal rumballert und sich prügelt - aber nur kurz - (damit er seinem Nachnamen gerecht wird: ’Vorsicht!’) Es wird doch mehr Wert auf die Darstellung des Lebens in einer futuristischen, totalitären Welt gelegt. Letztlich eine ziemlich unbekannter zeitloser Klassiker. | |
Sa, 15.01.2011TV | Bevor es Nacht wirdDer schwule DichterDer kubanische Schriftsteller Reinaldo Arenas ist nicht einer, der einem bisher sofort eingefallen ist, wenn man von Literatur redete. Doch nach dem Film von Julian Schnabel, der Arenas Autobiographie in beeindruckende Bilder umgesetzt hat, vergisst man ihn nicht mehr so schnell. Dass die Literaten nicht immer die Freunde von Diktatoren waren, ist bekannt, weil den Machthabern (hier Fidel Castro) nicht immer gefallen hat, was die so geschrieben haben. Wenn dann noch Homosexualität mit ins Spiel kommt, ist man verloren. Um zu überleben bleibt dann nur noch nach außen als angepasster Konformist zu erscheinen, seine homosexuellen Neigungen zu leugnen und in die innere Immigration zu gehen. Javier Bardem beeindruckt wie immer und Johnny Depp überrascht in einer schier unglaublichen Doppelrolle. Auch den Unterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus macht Arenas deutlich: „Wenn man dir im Kommunismus in den Arsch tritt, muss du applaudieren, wenn man das im Kapitalismus tut, darfst du wenigstens schreien!“ Mit dem Titel des Romans wollte uns Arenas wohl darauf hinweisen, dass er uns noch alles Wichtige vor seinem Tode mitteilen muss, alles, was sein Leben zu einem Drama hat werden lassen. | |
Sa, 15.01.2011TV | Der SonnenkönigDie reiche Alte und der TölpelIch dachte immer, die Zeit der Männergruppen als Therapie sei vorbei. Ein dänischer Film macht da eine Ausnahme. Und wenn dann noch eine alte, reiche Dame sich einen sonderbaren Tölpel angelt, ist schon Talent bei Regisseur und Schauspielern gefragt, damit es nicht peinlich wird. Doch T.V.Jensen hat eine äußerst schwache an Dämlichkeit kaum zu überbietende Komödie geschaffen, die von der Situation her überhaupt nicht lustig ist. Das Thema ist völlig unglaubwürdig dargestellt, hat einen faden Beigeschmack und selbst die ansatzweise ab und zu durchschimmernde Komik verdanken wir lediglich dem Bemühen der Hauptfigur (N.L. Kaas). Da der aber immer gleich agiert, ermüdet das ungemein auf die Dauer. Das Überdrehte, Schräge und Sonderbare ist an sich nicht einfach einzufangen. Hier gelang es leider nicht. Und selbst die Nebenhandlungen passen überhaupt nicht zum Rest der Veranstaltung. Ein Film, den die Welt nicht mehr braucht. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.