Fr, 14.01.2011TV | Frozen RiverWintertransporteBereits die erste Einstellung veranschaulicht den Kern des Dramas: Rays Gesicht, (Melissa Leo): eine Träne rollt…Ein leises aber ergreifendes Sozialdrama vom Überlebenskampf einer Alleinerziehenden, die gezwungen ist, Flüchtlinge über die Grenze zu schmuggeln. Ray gerät aber während der Zusammenarbeit mit einer Indianerin immer tiefer in die Bredouille. Auch ihr halbwüchsiger Sohn versucht krumme Geschäfte zu machen. Das Erstaunliche an diesem Film sind aber die Lösungen: die Behörden reagieren mit viel Einfühlungsvermögen und verständnisvoller Weitsicht und verhindern eine Eskalation. Ohne zu beschönigen zeigt der Film, wie Vertreter des Gesetzes und des Rates der Mohawks ihren Ermessensspielraum nutzen, um für alle Beteiligten eine akzeptable den gesetzlichen Vorschriften genüge tuende Lösung zu finden. Und so bleibt Rays Familie erhalten und bekommt sogar noch indianischen Zuwachs. Klingt alles nach FFE ist es aber nicht, weil die menschlichen Schicksale so authentisch geschildert werden, dass sie unter die Haut gehen. Die Dialoge und die tiefverschneite Umgebung schaffen eine frostige, dichte Atmosphäre, die von Melissa Leo maßgeblich geprägt wird. Zu recht preisgekrönt! | |
Do, 13.01.2011TV | Perhaps LoveGibt es echte Liebe?Die Anfangsidee ist nett: ein Regisseur sammelt die Bilder aus den Lebensfilmen der Menschen und gibt sie ihnen zurück. Und am Ende überreicht er der Hauptdarstellerin Zhou Xun ihre Memoiren. Sie steht in diesem Musicalfilm zwischen zwei Männern: der eine steht für Erfolg und Karriere, der andere für die große Liebe. Der Titel fragt vorsichtig ’Gibt es wirklich echte Liebe?’ Oder liebt sich jeder nur selbst? In den beiden Liebesverhältnissen geht es um Festhalten und Loslassen, Weggehen und Heimkehren, Einfangen und Abweisen. Keiner ist sich sicher, ständig ändert sich alles. Diese melodramatische Liebesgeschichte, die am Ende in tiefe Emotionen taucht, spielt sich auf vier Ebenen ab: da ist zunächst die Glamourwelt des Film, in dem ein dramatisches Musical gedreht wird. In der Realität gibt es Vergangenheit und Jetztzeit und dann gibt es immer wieder echte Traumsequenzen. Die Handlung mäandert durch alle vier, denn sie sind thematisch fast gleich oder ergänzen sich. Dann laufen alle Fäden symbolisch in der Trapeznummer am Ende zusammen und verdeutlichen, Liebe kann Schock sein, aber auch Fake. Und alle Beteiligten sind traurig aber irgendwie voller sprachloser Hoffnung. | |
Mi, 12.01.2011TV | MementoErinnere dich Leonard!Der Hauptdarsteller Leonard (Guy Pearce) verliert das Kurzzeitgedächtnis. Dazu passt recht gut die umgekehrte Erzählweise: von hinten nach vorn. Das schafft Spannung, denn man ist erkenntnismäßig immer nur so weit wie der Held bei seinen Nachforschungen. Das bringt aber auch Verwirrung mit sich, denn unerwartet neue oder abgeschnittene Handlungsstränge oder Personen kreuzen seinen Weg. Mitdenken ist bei dieser komplexen Gemengelage angesagt, keine Entspannung. Und wenn man sich denn schon die Mühe macht, wäre es äußerst befriedigend, wenn am Ende Klarheit herrschen würde. Stattdessen überrascht der Abspann und ein cooler Satz von Leonard. Er lässt uns im Regen stehen. Es war zwar keine Langeweile aufgekommen, allein schon wegen der Anstrengung der Handlung folgen zu können. Andererseits ebnet ja vielleicht das Fehlen letzter Wahrheiten den Weg zum Kultobjekt, für diejenigen, die gern im Unklaren gelassen werden wollen. | |
Di, 11.01.2011TV | Die Witwe von Saint-PierreDas Ehepaar und der MörderWenn am Ende das Schicksal doch seinen Lauf nimmt, ist der Zuschauer ziemlich überrascht. Zulange hat Regisseur Leconte mit unseren Hoffnungen auf eine glückliche Wendung gespielt. Man hat das einfach schon zu oft gesehen, wenn in allerletzter Sekunde die Befreiung, der erlösende Kuss oder der Ritt in den Sonnenuntergang kam. Hier nicht! Die Basis für diese Dreiecksgeschichte, die keine wirkliche ist, ist die unerschütterliche Liebe und das Urvertrauen zwischen dem Kommandanten (Daniel Auteuil) und seiner Frau (Juliette Binoche). Beides hält auch die Sonderbehandlung des verurteilten Mörders (Emir Kusturica) aus, der hier mal nicht Regie führt. Es knistert zwar zwischen Häftling und Offiziersgattin, doch letztendlich kommen sie sich so nahe wie Gott dem Adam an der Decke der Sixtinischen Kapelle. Das Ehepaar ist mitten im 19. Jahrhundert seiner Zeit weit voraus. Sie haben die Ideale der französischen Revolution von 1789 (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) verinnerlicht und leben diese auch. Doch damit stehen sie im krassen Gegensatz zur übrigen feinen Gesellschaft hier am Rande der Welt, die beim Dienst nach Vorschrift nur mit Unverständnis, Häme und duckmäuserischem Opportunismus reagiert. Ganz großes Kino! | |
So, 09.01.2011TV | Vengeance - Killer unter sichVater als RächerEin klasse Krimi aus der Welt der kriminellen Banden. Der Grund für die im Titel verheißene Rache ist der Auftakt: ein Schocker, der später noch durch neue Aspekte erweitert wird. Der Altrocker Johnny Hallyday in der Hauptrolle adelt den Film und hebt ihn aus der Masse heraus. In beeindruckenden Bildern - nicht nur in den Film-Noir-Anlehnungen - wird ein tolles Gangsterpanorama transportiert: z.B. die schlachtähnliche Aufstellung hinter großen recycelten Papierwürfeln fast wie in der klassischer Kriegführung der Antike. Und auch die wortlosen, ruhigen Szenen tragen ebenfalls zu erhöhter Spannung bei, weil man aus der Stille heraus einen weiterführenden Dialog erwartet. Die vereinten Schießübungen dagegen sollen mit ihrer unaufdringlichen Komik etwas auflockern. Auch der gedankliche Hintergrund spricht für den Film: ’ohne Erinnerung kann es keine Rache geben’. So droht das Unternehmen fast zu scheitern, wenn da nicht am Ende noch eine faustdicke Überraschung auf uns warten würde. Der unterlegte Soundtrack passt immer zur Handlung: mal durch wiederholende kurze Riffe als Spannungssteigerung, mal durch klangvolle Harmonien, die sich lediglich schmückend ausbreiten. | |
Sa, 08.01.2011TV | Bittersweet LifeRache ist süßDas Leben ist hier sehr bitter und kaum süß. Das bisschen Restsüße verbirgt sich in der angedeuteten Liebesgeschichte, die den unsichtbaren Rahmen für die Schießereien der Männer bietet. Natürlich bleibt sie unerfüllt. Das eigentliche Motiv jedoch sind fernöstliche Werte, die hierzulande kaum einen Blutstropfen kosten würden. Bestenfalls könnte man sein Gesicht verlieren, wenn es um verletzten Stolz oder um Vertrauen geht; um Loyalität, Offenheit oder Entschuldigungen. In Fernost ist das allemal Grund genug für Mord und Totschlag, für Rache und Genugtuung. Fans werden übersehen, dass der Held trotz Stich- und Schussverletzung noch große Sprünge machen kann. Er besitzt offenbar mehr Leben als die sprichwörtliche Katze. Dafür gibt es aber zur Belustigung auch einige Gangster als der Abteilung ’Dümmer geht’s nicht’ und außerdem natürlich genügend Kampfszenen. | |
Fr, 07.01.2011TV | Young Adam - Dunkle LeidenschaftDer junge JoeEin äußerst düsterer Film, der mit seinen dunklen Bildern eine leicht abstoßende Wirkung auf den Zuschauer haben kann. Und falls die üblichen Moralvorstellungen noch greifen, könnte sich sogar Entsetzen breit machen. Zumindest ist man nachhaltig geschockt, wenn man nicht völlig abgestumpft ist. Die Kamera bleibt ganz dicht am Geschehen dran und bietet bisweilen ungewöhnliche Einstellungen von Enge, Trostlosigkeit und Schmutz. Selbst der Sex verkommt zum voyeuristischen Blick durch eine Ritze. Tilda Swinton, schmuddelig aber willig und Peter Mullen ist wieder der Gelackmeierte. Das ganze Mitleid gehört aber der süßen Emily Mortimer. So kann man seine Sympathien und Antipathien verteilen bei der Geschichte vom jungen Joe (nicht Adam!). Ewan McGregor spielt ihn unbekümmert und nebulös. Er lädt ständig Schuld auf sich, ohne Reue oder Einsicht zu zeigen. (Erst ganz am Schluss versucht er seine Tat aufzuklären, ohne aus der Deckung zu kommen), fernab von Schuld und Sühne. Manche Szenen wirken etwas aufgesetzt, weil direkt aus der Romanvorlage entnommen. Deshalb ist auch wohl eher die Lektüre zu empfehlen. Da kann die Fantasie dann je nach Vorstellungskraft dunkle Leidenschaften zum Leben erwecken. | |
Fr, 07.01.2011TV | Die Hure des KönigsDer verführte VerführerDer Titel gibt das Thema vor und man wartet bis es endlich klappt, dass ein absolutistischer König (Timothy Dalton) eine verheiratete Frau (Valeria Golino) zu seiner Maitresse macht. Doch dann entwickelt sich ein Machtkampf zwischen den beiden. Der König wird von ihr beherrscht und gedemütigt. Sie scheint ihr Ziel konsequent zu verfolgen, nutzt die Macht des Bettes, bis sie von der Pest heimgesucht wird. Er pflegt sie gesund und es ist recht interessant zu beobachten, wie sich die gekaufte Zuneigung in Liebe verwandelt. Die menschliche Entwicklung der beiden auf einander zu wird überzeugend geschildert. Ein Degenkampf zwischen König und Ehemann ist vom Feinsten. Es ist ein Historienspektakel mit viel Action und prunkvollen Kostümen. Nur das Ende zieht sich viel zu sehr in die Länge, obwohl es nicht ganz frei von Überraschungen ist. Und für ganz neugierige Symbolisten huscht immer wieder kommentarlos ein Fuchs durchs Bild. Ihm und den Fasanen ergeht es gar nicht gut. Soll das ein Hinweis auf die üble Lage der Frauen im 17. Jahrhundert sein? | |
Do, 06.01.2011TV | Secretary - Womit kann ich dienen?Liebe zwischen Schmerz und LustGleich die Anfangsszene ist ein echter weil ungewöhnlicher Eye-Catcher. Man denkt an die Männerfantasien vom Chef bezüglich einer unterwürfigen Sekretärin und schmunzelt. Dann merkt man wie Lee (Maggie Gyllenhaal in ihrer ausdruckstärksten Rolle!) und ihr Chef (James Spader, kann so unglaublich irre schauen!) gut zu einander passen. Beide neigen zu Sadismus/Masochismus und betreiben Ersatzbefriedigung. Es entwickelt sich ein Psycho-Duell zwischen den beiden, wobei die Grenze zwischen dem Aufbau einer echten menschlichen Beziehung und einer skurril abgefahrenen Groteske ziemlich fließend ist. Mit Erstaunen verfolgt man die Wandlungsfähigkeit der Lee: vom hässlichen Entlein zum Bürotiger. Sie gewinnt innerlich und äußerlich. Darüber hinaus erfährt man noch den Grund für Lees abartige Neigung zur Selbstverstümmelung: ihr schlimmes Elternhaus. Oder wie es im Epilog heißt: die lange Tradition des Katholizismus! Eine gar nicht mal so abartige Idee wird konsequent durchgezogen und unterhaltsam aufbereitet. | |
Mi, 05.01.2011TV | Whale RiderWalreiterinObwohl hochgelobt und preisgekrönt, finde ich, es ist ein folkloristisches Rührstück aus der Südsee. Wenn zur Rechtfertigung die Dokumentation der Sitten und Gebräuche der Maori herhalten sollte, wäre das in Ordnung. Falls ein emanzipatorischer Gedanke dahintersteckt, weil ein Mädchen Häuptlingin wird, kann man das ebenfalls akzeptieren. Gegen Ende verschwimmt dann aber alles in der Suppe der Emotionen und dehnt sich mit Sphärenmusik in Richtung unendliche Langeweile aus. Das muss wohl bei Mythen so sein. Eine Anmerkung sei aber erlaubt: Wenn die Maori ihre Häuptlinge durch den Ritt auf dem Wal bestimmten, ist es kein Wunder, dass sie selten welche hatten. Das überlebt normalerweise keiner. Und wenn doch, trifft sich das eventuell mit unserem christlichen Glauben an den Messias. Der ist auch wieder auferstanden. Mit dieser Südseeproblematik beschäftigen sich Europäer höchstens im Urlaub, für die Maori mag das von vitalem Interesse sein. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.