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Mi, 05.01.2011
TV | Inside Man
Ungewöhnlicher Banküberfall4 Sterne
Lange Zeit sieht es so aus, als ob es ein ganz normaler Banküberfall mit Geiselnahme sei. Alles ist genial geplant. Das perfekte Verbrechen. Doch dann wird ein zweiter Handlungsstrang mit eingeflochten und man ahnt einen völlig anderen Hintergrund für die Tat. Die Verbindung dieser beiden schafft die Spannung, weil es nur bei Andeutungen bleibt, trotz der Gewaltausbrüche die in diesem Genre üblich sind. Und selbst wenn man am Ende den Zusammenhang versteht, gibt es nicht umfangreiche Erklärungen. Spike Lee setzt auf den mitdenkenden Zuschauer. Dabei verwischen sich die Bereiche von Gut und Böse beziehungsweise es erscheint der Gute am Ende als der Böse und der angeblich Böse stellt nur Gerechtigkeit her, wobei er am Recht vorbeischrammt. Will sagen Unrecht verjährt nicht und wir sind gut unterhalten worden, wenn es auf so eine geniale Art und Weise geschieht. Dass das Unrecht an beraubten Juden nicht weiter groß ausgewalzt wird, spricht für den Film. Dafür gibt es coole Sprüche wie „Vorsicht! Ich beiße besser als ich belle!“ oder “Hören sie auf, einem Klempner zu erklären wie Scheiße riecht!“ Die abwechslungsreichste Rolle hat Denzel Washington erwischt. Er spielt sie alle an die Wand. Da kann auch die intelligente, supercoole Jody Foster kaum mithalten, ebenso wenig wie Willem Dafoe, der recht farblos bleibt. Und wer ist hier der Inside Man? Clive Owen etwa?
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Mo, 03.01.2011
TV | Yorkshire Killer 1974
Das Leben ist nicht schön4 Sterne
Ein furchtbar düsterer und deprimierender Film aus dem Bereich des investigativen Journalismus. Ungeschönt aus dem wahren Leben gegriffen geht es hier zur Sache. Mit brutalen Gewaltszenen, die auch noch von den ’Falschen’ verübt werden und Ausflügen in die psychischen Folgen von Betroffenen, Eingeschüchterten, Kaputtgemachten. Damit man vom Standpunkt des aufrechten Zuschauers nicht zu sehr in den Sog der unaufhörlich nach unten trudelnden Handlung gerät, dort wo das Böse wohnt, gibt’s als kleine optische Aufheller kurze überraschende Schnitte. Die passen zu Gesamtbild recht gut dazu, runden es auch irgendwie gekonnt ab. Und dann versteckt Regisseur Jarrold noch ansatzweise im Originaltitel “Rotkäpp“ und schickt uns auf die optische Suche nach Anhaltspunkten. Anscheinend kann aber niemand dem bumsfidelen Lokalreporter helfen. Zu tief ist der Sumpf des Verbrechens. Spannend.
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Do, 30.12.2010
TV | American Gangster
Der Bulle und der Gangster2 Sterne
Wenn zwei Superstars (Russell Crowe und Denzel Washington) als Gegenspieler fungieren, kann nicht einer nur der Gute und der andere nur der Böse sein. Genau das schien aber Ridley Scott zu interessieren. Es gibt hunderte von Polizeikrimis, die von korrupten Bullen handeln und/oder von dreimal schlauen Ganoven. Hier ist die Story so angelegt, dass der grundehrliche Polizist privat Schiffbruch erleidet, aber im Beruf erfolgreich ist und arm bleibt. Bei seinem Gegner führen beide Erfolgskurven steil nach oben bis er abstürzt. Und dann kommt der nicht überraschende Deal zwischen den beiden. Man hat Denzel Washington zu oft als Guten gesehen und ist somit etwas konsterniert über seine blutigen Aktionen. Dieses Image wird er wahrscheinlich nicht mehr los, trotz seiner schauspielerischen Qualitäten. Dafür nimmt man ihm den titelgebenden Gangster ab, der Ordnung und Anstand liebt, sowie seinen Familienclan und der sein mafiöses Unternehmen wie ein Manager leitet. Interessant, weil aus den richtigen Leben. Brennt nicht gerade vor Spannung. Kann man, muss man aber nicht sehen.
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Di, 28.12.2010
TV | Eselshaut
Das Fell als Tarnung2 Sterne
Die vierzig Jahre merkt man dem Film schon an. Vor allem die Gesangseinlagen sind etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür entschädigen einen aber die illustren Darsteller (Deneuve, Marais, Perrin, Seyrig), die sichtlich Spaß an der Aufführung dieses Märchens haben. Mit einigen optischen Spielereien überrascht uns Regisseur Demy dann schonangenehm, wie auch mit den prunkvollen Kostümen und den blau bzw. roten Gesichtern der Bediensteten. Aber der Hubschrauber am Ende als Transportmittel für Feen passt so gar nicht ins bisherige Bild. Alles ganz nett gemacht, unproblematisch, entspannend - ein Märchen eben. Inhaltlich kratzt der Inzestgedanke die Kleinen unter den Zuschauern wenig und die Erwachsenen sehen das alles hoffentlich nicht so eng.
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Di, 21.12.2010
TV | Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins
Die Herrschaft des Bonmots4 Sterne
Am Anfang erscheint einem der Film bei der Fülle der Figuren und Kostüme als Episodenhandlung. Der einleitende Schocker weist den Weg einer Sozialsatire. Man ist gefangen von der prächtigen Ausstattung und der Zungenfertigkeit der Franzosen. Ein Bonmot jagt das nächste und im Wettstreit der besten Repliken hat der verloren, der keine mehr parat hat. Hier kann man mit Esprit Eindruck machen, aufsteigen und in Saus und Braus leben. Die Gesellschaft benutzt das geistreiche Apercu als soziale Waffe, aber auch als Schutzschild für ein Leben in Langeweile und dolce farniente. Erst allmählich kristallisiert sich eine Lovestory heraus, die auf so völlig anderen Prämissen basiert, als die die am Hofe Louis XVI. herrschen: aus Wissenschaft und Forschung. Zwei Frauen stehen symbolhaft für beide Welten: die schöne Judith Godrèche, die allerhand gewagte Experimente macht und die erfahrene Kurtisane Fanny Ardant. So gelingt es Patrice Leconte die Allgemeinheit der Lächerlichkeit preiszugeben von der sich ein liebendes Paar absetzt. Gut gemacht und irgendwie anders.
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So, 19.12.2010
TV | Soeur Sourire - Die singende Nonne
Die lächelnde Nonne4 Sterne
Dieser Film um den Welthit ’Dominique -nique -nique’ ist im Gegensatz zu anderen Versionen keine Schmonzette, obwohl das Thema dazu verleiten könnte. Der Hype, der in den 60er Jahren um den Song gemacht wurde, ist sehr gut nachempfunden und die Atmosphäre wirkt authentisch. Der Song ist ein echter Ohrwurm, den man auch nach dem Film immer noch weiterpfeifen kann. Der natürliche Charme und das unbekümmerte, lockere Auftreten der singenden Nonne verzaubern hier im Film genau wie damals. Und sicherlich ist auch die destruktive Rolle der Kirche in diesem Zusammenhang richtig wiedergegeben. Aber auch Elternhaus und Freunde spielen eine Rolle. Das Ende der Marie Deckers (beachtlich Cécile de France in der Titelrolle) wird nur andeutungsweise erwähnt und das ist auch gut so. Sie war eine Suchende, die sich selbst nie wirklich gefunden hat und deren Musik letztendlich auf der Strecke bleiben musste. So kann man ihr Ende nur erahnen ohne jedwede Melodramatik. Das macht den Film zu einem ernsthaften Dokument der Musikgeschichte. Es ist kein Musikfilm, sondern ein sehenswertes Musikdrama.
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Mi, 15.12.2010
TV | Nur ein Hauch von Glück
Liebe auf der Flucht4 Sterne
Der Film thematisiert nach Georges Simenon die Flucht der Franzosen vor der einrückenden deutschen Wehrmacht. Wenn sich hier die Handlung auf eine deutsche Jüdin (Romy Schneider) und einen ahnungslosen Franzosen (Jean-Louis Trintignant) konzentriert, verspricht das spannend zu werden. Wenn sich beide ineinander verlieben, obwohl sie verheiratet sind, ist es aussichtslos. Aber genau das ist der Punkt. In diesem grandiosen Kammerspiel bieten die beiden Hauptdarsteller Schauspielkunst vom Feinsten. Selten hat die Kamera sichtbar gemacht, was einer denkt. Hier verfolgt sie Zentimeter für Zentimeter das makellose Gesicht von Romy Schneider. Wir wissen Trintignant betrachtet sie! Ansonsten vermag die beredte Mimik der beiden mehr zu sagen als Worte. Beide liefern hier eine ihrer besten Charakterstudien ab. Und dann der unglaublich tolle, wortlose Schluss, eingeleitet nach einer überraschenden Wende. Auf der Bühne würde man das einen dramatischen Schlussvorhang nennen: unerwartet und offen. Einfach genial!
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Di, 14.12.2010
TV | Das Herz der Bärin
Der Trapper und die Frau als Bär2 Sterne
In wunderschöner Schneelandschaft geht ein Mann auf einen Selbsterfahrungstrip. Nachdem sich ihm diverse Frauen anbieten, kommt es zu einer Begegnung der besonderen Art mit einer Bärin. Soweit geht das Ganze noch als Naturfilm durch. Doch als ihm dann ein wildes, brummendes Weib unterkommt geht’s in Richtung Mystery. Dann verschmelzen die Bärin und das wilde Weib ’Emily’ zu einer Person, die nackt im Wald auf ihn zustürmt. Rasch ist ein Kind gemacht. Seine Reise geht weiter mit biblischen Anspielungen und weiblichen Versuchungen. Und immer wieder führt er mit seinem eigenen Ich Selbstgespräche. Man erfährt etwas vom möglichen Tod des Schicksalsführers und kann weiterhin nur folgen, schließt man sich einer mythischen Glaubensgemeinschaft an. Wenn dann noch der Titel zu sehen ist, bzw. wie es pochend herausgeschnitten wird, gibt’s nur noch Wundergläubigkeit durch starke Nerven. Man muss ja auch nicht ständig die Logik bemühen. Dafür ist es hier eh zu kalt und in dieser atavistischen Landschaft herrschen ja ohnehin die Schamanen.
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Di, 14.12.2010
TV | Aus der Mitte entspringt ein Fluss
Zwei unterschiedliche Brüder4 Sterne
Robert Redford hat die Romanvorlage in beeindruckende Bilder mit warmen Farben umsetzen lassen. Aber es geht hier nicht nur ums Angeln, genauer gesagt um seine höchste Form: das Fliegenfischen. Was die üblichen Feld-Wald-und-Wiesen Angler tun, ist ja nur einen Wurm solange baden, bis ein Fisch anbeißt. Die Kunst des Fliegenfischens ist das Zweit-Wichtigste im Leben des Pfarrers und seiner beiden recht unterschiedlichen Söhne (Craig Sheffer, Brad Pitt). Doch von Anfang an kann man das Ende ahnen. So wie die Charaktere der beiden angelegt sind, verläuft ihr Leben zwangsläufig in vorgegebenen Bahnen. Jeder geht seinen eigenen Weg und ist doch innerlich eng mit dem anderen verbunden. Stumme Blicke machen Absichten deutlich, stummes Einverständnis bedarf keiner Worte. Mit viel Feingefühl und großem Einfühlungsvermögen wird ihre persönliche Entwicklung geschildert, begleitet vom Kommentar, der am Ende auch noch den Titel erwähnt, der noch lyrischer ist als der des Originals. Leise und fast unbemerkt zieht sich dann die Kamera nach dem finalen Schocker zurück; ein knapper Kommentar berichtet von einem tragischen Ende und lässt uns mit einem starken Mitgefühl zurück. Und es wäre kein echter Redford, wenn nicht auch auf die Underdogs der Gesellschaft: hier die Indianer aufmerksamgemacht würde. Gutes Erzählkino mit Niveau.
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Mo, 13.12.2010
TV | Ein Freund gewisser Damen - The Walker
Escort Service2 Sterne
Wenn Paul Schrader zum Filmset ruft, kommen die Promis in Scharen. Und er hat einen intelligenten Dreh gemacht. Manchen könnte es stören, dass es hier keine Handlung gibt, (sogar ein Mord geschieht fernab der Kamera) stattdessen geistreiche Dialoge. (z.B. „Das Rad dreht sicht noch, aber der Hamster ist schon lange tot.“) Wir werden mitgenommen in die Welt der Schönen und Reichen. Und die vertreiben sich meistens die Zeit mit Klatsch und Tratsch über andere. Im Mittelpunkt stehen Kristin Scott Thomas und Woody Harrelson, der eigentlich nicht so recht dazugehört, aber den ironischen Randbemerkungen der beiden kann man durchaus entnehmen, dass sie über gutes Insiderwissen verfügen. Man heuchelt Wertschätzung, macht geheimnisvolle, zynische Bemerkungen und wird auf der Woge des Zufalls davongetragen. So sehen wir eine zynische Spiegelung der High Society und zugleich eine Selbstspiegelung. Das geschieht mit cooler Arroganz, grenzenloser Selbstüberschätzung aber stets mittels geistreicher Bonmots, an denen Oscar Wilde seine Freude gehabt hätte.

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