Mi, 01.12.2010TV | Küss mich bitte!Ein Kuss oder mehr?Eine charmante Idee, die aber nicht genug Stoff für einen Spielfilm bietet. Die neue junge Garde des französischen Films (Ledoyen, Gayet, Mouret) bietet hier eine lockere Komödie. Ihren Charme bezieht sie aus der Umständlichkeit und der verklemmten Intellektualität und der verkopften Emotionalität der Akteure. Wo man sonst in allen anderen Filmen nach einem gemeinsamen Essen (vielleicht auch davor) gleich in die Kiste steigt, wird hier jeder Schritt der Annäherung langatmig diskutiert. Selbst die Erzählung innerhalb der Erzählung bringt nicht viel mehr Schwung, weil man sich auf beiden Ebenen im gleichen Sujet bewegt. Da wird dann schon das Wegschnappen eines Handys oder ein Ballwechsel auf dem Tennisplatz zum Ereignis. Aber all der anfangs noch bezaubernde Charme verflacht etwas, je länger diskutiert wird. Na ja, ist halt mal was anderes, vielleicht etwas für übersättigte Sextiger/Innen. | |
Di, 30.11.2010TV | Lornas SchweigenLornas MännerEs dauert etwas, bis man die Situation dieser Lorna begriffen hat. Das scheint wohl beabsichtigt, denn die Details werden in den Dialogen erst nach und nach eingebracht. Lorna hat einen Mann für die Liebe, einen fürs Geschäft und einen für die Erlangung der belgischen Staatsbürgerschaft. Alle drei können nur agieren, weil ihnen Lornas Schweigen die Möglichkeit dazu bietet. Sie bleibt äußerst wortkarg und verfolgt unbeirrt ihren Weg. Wie eine Spinne sitzt sie im Zentrum ihres Aktionsnetzes und behandelt ihre drei ’Männer’ wie Marionetten. Verfolgt dabei das Gesetz von Actio und Reactio. Das gelingt, bis es Komplikationen gibt. Sie erkennt, dass es zwei von ihren Männern nur ums Geld geht, der Dritte, den sie liebenswürdig ausnutzt, bleibt auf der Strecke. Das unerwartete Ende überrascht und bietet Anlass für weiterführende Diskussionen. Es bleibt gewollt offen, denn der weitere Verlauf der Geschichte ist eine andere Geschichte. Nachdenkenswert, kantig und unangenehm, aber durchaus real. | |
Di, 30.11.2010TV | BordertownChance vertanDas Drama, auf dem der Film basiert ist ernst und real. Ort der Handlung ist die mexikanisch-amerikanische Grenzregion. Doch wenn wir dann die gut gestylte Jennifer Lopez permanent durchs Bild hasten sehen, ungeachtet der slumartigen Umgebung, kann man nur verdutzt die Stirn runzeln. Als Schauspielerin ist sie hier glatt fehlbesetzt. Sie versinkt mit ihrer Minimalmimik (Gesichtslähmung) in der Hektik der Aktionen und hält lediglich ihr hübsches Gesicht im Blickwinkel der Kamera Auch das Zusammentreffen mit Antonio Banderas wirkt aufgesetzt und unrealistisch. Jeder weiß von vorne herein, dass sie zusammenarbeiten werden. Die Spannung verabschiedet sich dann vollends, wenn auf die Tränendrüse gedrückt wird. Aber das verpufft ohne Wirkung. Da wäre ein echtes Sozialdrama dringewesen. Doch hier gibt’s Action um der Action willen. Das ist an sich durchaus akzeptabel, aber nicht wenn es um Vergewaltigung und Mord um Diskriminierung und Korruption geht. Das war wir hier sehen ist überflüssig wie ein Kropf, es sei denn, man will lediglich Banderas oder/und Lopez bewundern. | |
Mo, 29.11.2010TV | Das tote MädchenZuschauer als DetektiveDie Geschichte wird in ruhigen, teils melancholischen Bildern erzählt, die aber durch heftige, emotionale Ausbrüche unterbrochen werden. Durch die geschachtelte, episodenhafte Erzählweise wird eine bemerkenswerte Dichte erreicht, die das überaus eindrucksvolle Ensemble voll rüberbringt. Das Bemerkenswerteste an diesem Film ist aber, dass der Zuschauer ständig gefordert ist, die Versatzstücke in eine plausible Reihenfolge zu bringen. Dazu gehört sowohl das Wiedererkennen der Akteure sowie auch deren Einordnung in ihren neuen sozialen Kontext. So muss man dicht am Geschehen bleiben, auftretende Lücken selbst gedanklich füllen und eventuell gewisse Handlungsfäden eigenständig verknüpfen. Auf diese Weise wird man in einen Gefühlsstrudel mitgerissen, empfindet das Leid intensiver und kann durch die unterschiedliche Perspektive als Detektiv unterwegs sein. Wie der Tod des Mädchens das Leben der anderen verändert bietet Spannung und gute Unterhaltung ohne Wohlfühleffekt. Stattdessen Betroffenheit und weitere Überlegungen über den Hintergrund und den Ausgang der Geschichte. Einfach toll! | |
Fr, 26.11.2010TV | Antarctica - Gefangen im EisNetter TierfilmWunderschöne Landschaftsaufnahmen bilden den Rahmen für einen von der menschlichen Thematik her gesehen eher dürftigen Film. Ohne Love Story geht es natürlich halt überhaupt nicht, sonst hätte man die gut hundert Minuten kaum füllen können. Aber selbst die ist an den Haaren herbeigezogen und wirkt etwas aufgesetzt, wie die ganze Rettungsaktion der acht Schlittenhunde, um die es hier wohl hauptsächlich gehen soll. (vgl. den seltsamen Originaltitel ’Die acht da unten’).Das einzig Erstaunliche sind die cleveren Huskies. Wie die sich auf sich allein gestellt durch das ewige Eis durchschlagen übertrifft Lassie und Fury. Es muss Monate gedauert haben bis die Aufnahmen im Kasten waren. Hunde, die sich die Beute einvernehmlich teilen bzw. sich gegenseitig zu Füssen legen sind schlichtweg unglaublich. Fast hätte ich erwartet, dass sie sich über Sprechblasen verständigen. Aber es ist alles schön anzuschauen, eher wohl etwas für Hundeliebhaber und Südpolfreaks. Die übersehen dann wahrscheinlich auch den virtuellen Seeleopard, der so komisch ins Bild springt und als Schocker eingesetzt wird. | |
Fr, 26.11.2010TV | Wolke 9Sex im AlterEs war schon mutig von Andreas Dresen diesen Film zu machen. In einer Zeit, in der die Anti-Aging Welle boomt und der Jugendwahn in allen Medien fröhliche Urstätt feiert, zeigt er alte, schlaffe, faltige Körper beim Sex. Er tut das äußerst behutsam und mit sehr viel Einfühlungsvermögen. Bewundernswert ist der Mut der beiden Hauptdarsteller (Ursula Werner und Horst Rehberg), die ganz ungeniert vor der Kamera nackt agieren. Und in den Dialogen wird die Problematik ausreichend dargestellt. Nur der Schluss überfordert die Dramatik. Wenn man die Unwahrscheinlichkeit des ganzen Konstrukts mal außen vor lässt, passt das Ende nicht. Hier wird mit der moralischen Keule der Frau eigentlich zu Unrecht die Schuld aufgebürdet. Eine typisch deutsche Erklärung, die im Sumpf von spießigem Anstandsdenken versinkt und den Zuschauer mit einem faden Gefühl zurücklässt. Wenn schon Konstrukt, dann aber bitte nicht mit so einem finalen Realitätshammer. Davon einmal abgesehen, ist der Film aber trotzdem zu empfehlen. | |
Fr, 26.11.2010TV | O'HortenSeltsamer RuhestandWas mit einer sonderbaren Verabschiedung eines Lokführers in den Ruhestand beginnt, entwickelt sich im Verlauf immer mehr zu einer Farce mit Zufälligkeiten. Als Tragikomödie kann man den Film nicht durchgehen lassen, denn er ist überhaupt nicht tragisch und schon gar nicht komisch. Der irgendwo ganz tief unten vergrabene, leise Humor lässt sich nur selten erahnen, deutlich an die Oberfläche kommt er so gut wie nie. Der Rentner taumelt irgendwie ziellos von einer seltsamen Situation in die andere. Ungewöhnliche Auftritte erfordern kurze Hingucker, bleiben sonst aber ohne nennenswerte Eindrücke. Sogar als ein Tod eintritt, ist die Entwicklung bereits von schal zu fade gegangen in Erwartung eines baldigen Endes oder von der Hoffnung vor dem Bildschirm gehalten, dass doch noch etwas Sehenswertes passiert. Sinnsuche!? Erfolglos. Unterhaltungswert geht gegen Null. Einen Preis kann man dem Film allerdings verleihen: Bent Hamer - ein ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet - hat hier den Humor gut versteckt. Wetten dass sie ihn nicht finden werden!? Vielleicht ist der Film etwas für ein Filmfestival, wo er auf ein anspruchsvolles Publikum trifft, das sich bemüht, dem Regisseur zu folgen und eher bereit ist, das dröge Tal der Trübsal zu durchschreiten. | |
So, 21.11.2010TV | Jennas Kuchen - Für Liebe gibt es kein RezeptQueen of PiesDer Film passt in die Reihe der guten ’Kochfilme’. Alle überzeugen wie dieser hier stets mit umwerfenden Aufnahmen von Gerichten und Backwaren und deren farbenprächtiger Zubereitung. Hier werden fantasievolle Kuchen gemacht, die jeweils situationsbedingte Namen tragen wie die ’Ich-hasse-meinen-Mann Pie’. Die Protagonistin Keri Russell (die schon in ’August Rush’ überzeugt hatte) steht zwischen ihrem hirnlosen Brutalo-Ehemann und einem etwas schusseligen Frauenarzt. Eigentlich arbeitet sie als Kellnerin (Originaltitel!). Dabei gibt es groteske Szenen, manchmal auch ein wenig Melodramatik und dann durchweht das Ganze noch so ein Hauch von Emanzipationsmärchen. Alles recht unterhaltsam. So kann man auch den Schluss mit einem Schmunzeln honorieren. | |
Sa, 20.11.2010TV | Die Rache der ColombaRache oder VersöhnungEine ordentliche Literaturverfilmung, die nicht nur der Vorlage durchaus gerecht wird, sondern auch sehr unterhaltsam daherkommt. Es ist ein gediegen gemachter Film, der ohne technisch oder optisch herausragende Highlights auskommt. Dafür aber die Problematik beziehungsweise die Fragwürdigkeit der Blutrache deutlich macht. Und zwar so eindeutig, dass sie am Ende sinnlos erscheint. Hier wird um der Ehre willen mit Lug und Trug gearbeitet, mit Verrat und Bestechung. Ein Phänomen das es nicht nur im 19. Jahrhunderts gab. Die eingebundene Lovestory wird etwas distanziert geschildert, aber durch den Gegensatz der beiden unterschiedlichen Frauenfiguren (eindrucksvoll Olivia Bonamy und Claire Borotra) sorgt sie für Spannung. Besonders der Schluss ist gelungen, weil er auch die Unbelehrbarkeit von gewissen Betroffenen zeigt und damit auf die Endlosigkeit der Vendetta hinweist. Sicherlich im Sinne von Prosper Mérimé. Der wunderschöne Rahmen von Korsika wird gekonnt ins Bild gesetzt. | |
Di, 16.11.2010TV | Helden der NachtBruderliebeDie Spannung in diesem Thriller hält sich in Grenzen. Die Ausgangsituation: der Vater (Robert Duval) selbst Polizist hat einen guten (Mark Wahlberg) und einen bösen Sohn (Joaquin Phoenix). Es ist nicht uninteressant zu sehen, wie der Böse sich vom Saulus zum Paulus wandelt. Dass als Motiv hierfür die enge Bindung zwischen den beiden Brüdern dienen soll, ist anfänglich nicht so recht nachvollziehbar. Joaquin Phoenix spielt jedoch diese schillernde Persönlichkeit recht überzeugend: lustbetont, gewaltbereit, gefühlvoll passt er sich dem halbseidenen Milieu an, in dem er sich bewegt. Eigentlich stand er ja aber immer schon mit einem Bein im Lager der Guten. Der letzte Schritt überrascht also nicht sonderlich. Das familiäre Umfeld wird stimmig dargestellt und die Wackelkamera schafft Aufregung. Eva-Augenweide-Mendes kommt als schmückendes Beiwerk wieder zum Einsatz. Der deutsche Titel übertreibt heldenmäßig etwas. Da die Geschäfte in einem Nachtclub abgewickelt werden, stimmt schon eher ’Uns gehört die Nacht’. Am Ende kann man sich mit dem Wissen beruhigt zu Bette legen: hier hat das Gute gesiegt. Na wer sagt’s denn, wenigstens im Film. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.