Mo, 15.11.2010TV | Into the Wild - Die Geschichte eines AussteigersEdelkitschDass der Film auf einer wahren Geschichte beruht, und nicht dem fantasievollen Hirn eines Drehbuchautors entsprungen ist, ist noch lange keine Qualitätsgarantie. Wenn sie dann noch in wunderschönen Bildern von Landschaften und Tieren mit goldenen Gegenlichtaufnahmen erzählt wird, kann man ins Stutzen geraten. Und nachdem das unausweichliche Ende vorgezeichnet ist, da man die Intention des Aussteigers konsequent zu Ende schildert, geht auch die Spannung flöten und das Ganze schrammt am Rande von Edelkitsch vorbei. Unterwegs sind wir mal zu Gast in einer Hippiesiedlung mit FKK Gehalt und der Held philosophiert mit einem alten Mann, warum er aussteigen will, nicht ohne die altbekannten amerikanischen Tugenden zu preisen. Die Sozialkritik am American Way of Life trifft die Eltern und ist platt und unverblümt. Das Beste ist noch der Soundtrack unter anderem mit musikalischen Topvertretern der achtziger Jahre wie Canned Heat. Penn ist eigentlich eher bekannt für erstes Kino. Hier quält er den Zuschauer am Ende wie in einer nicht enden wollenden Seifenoper: der Held ist tot und singt noch eine ewig lange Soloarie. Mannn! | |
Sa, 13.11.2010TV | Die Liebenden von Pont-NeufZwei AußenseiterEine lange Einleitung führt direkt mitten ins Milieu. Der ’Lumpensammler’ der städtischen Polizei sammelt die Gestrandeten ein. Langsam kristallisieren sich zwei Typen heraus. Die eigentlich unmögliche Liebe zweier Außenseiter wird in beeindruckende Bilder umgesetzt: Michele, die erblindende Malerin und Alex, der hinkende Feuerschlucker. Im Verlauf der Handlung erfährt man noch etwas über ihre unterschiedliche soziale Herkunft. Der vergrößert die Unmöglichkeit und schafft Spannung, die die beiden Hauptakteure unglaublich gut rüberbringen. Juliette Binoche in ihrer wohl eindrucksvollsten Rolle. Ebenso fantastisch agiert Denis Lavant. Sehr kraftvoll wird die unbändige Lebensgier geschildert, die vor Selbstverstümmelung nicht Halt macht. Die beiden Outcasts müssen sich im pickelharten Überlebenskampf der Großstadt behaupten und offenbaren doch eine sensible Verletzlichkeit, die den mühsam geschaffenen gemeinsamen Rahmen jederzeit sprengen kann. Ihre Liebessehnsucht treibt sie auf einander zu in eine unabdingbare Zweierbeziehung. Wen die wundersame Heilung der beiden nicht weiter stört, der wird auch das Ende goutieren. | |
Di, 09.11.2010TV | Mr. KleinMr Klein sucht Mr KleinJoseph Losey hat eine politische Parabel von zeitloser Bedeutung geschaffen. Dabei ist es nur von marginaler Bedeutung, dass es um Judenverfolgung im von den Deutschen besetzten Paris geht. Wichtiger ist einerseits die Suche nach der eigenen Identität: Wer ist dieser Mr Klein eigentlich? Und andererseits die Bedeutungslosigkeit des Einzelnen, der in die Mühlen einer (faschistischen) Diktatur gerät. Dabei spielt Losey mit den Erwartungen der Zuschauer, und enttäuscht sie gelegentlich. Er legt neue Fährten aus, die ins Nichts führen. Alain Delon (sexiest man of the 70s) ist diese Rolle auf den Leib geschrieben: der Womanizer mit dem Gesicht des eiskalten Engels. Wenn man von Ende zurückblickt wird deutlich, dass jeder ein potentielles Opfer sein kann; egal ob Sympathisant oder Mitläufer. Sehr kritisch wird außerdem noch die Rolle der kollaborierenden französischen Behörden dargestellt, sowie der etwas undurchsichtige Part der Vertreter der Justiz. Rechte nationalistische Kreise haben damals Delon diese Rolle übel genommen, obwohl er heute einstellungsmäßig gar nicht so weit weg von ihnen anzusiedeln ist. Großartig und prominent besetzt, verdient preisgekrönt. | |
Di, 09.11.2010TV | Freie ZoneFlüchtige JudenDie Geschichte ist eigentlich ganz interessant erzählt und in schöne Bilder gefasst. Die Schauspieler, allen voran der alte Jean-Paul Roussillon sind auch nicht schlecht. Doch alles bleibt an der Oberfläche. Die Gefährlichkeit der Situation für die verfolgten Juden im nicht besetzten Frankreich des 2. Weltkrieges blitzt nur gelegentlich kurz auf. Jedesmal geht nach kurzer Schwierigkeit alles wieder glatt. Zu glatt. Teilweise auf dem Niveau von Ferien auf dem Bauernhof kann man die überbordende Freundlichkeit des Gastgebers nur als Paradebeispiel für einen Gutmenschen zur Kenntnis nehmen. Man könnte meinen die Franzosen haben die deutschen Juden doch geliebt und ihnen nach Kräften geholfen. Wenn’s nur so einfach gewesen wäre. Christophe Malavoy war vor der Kamera doch besser als dahinter. Zu seicht, zu unproblematisch, zu viel der Blicke durch die rosarote Brille. So darf man mit diesem Thema nicht umgehen. | |
Di, 09.11.2010TV | Untraceable - Jeder Klick kann tötenDie Mörder im NetzAnders als der Titel Glauben machen will, ist der Mörder doch aufzuspüren. Wie das geht ist spannend gemacht. Und die Einschläge kommen immer näher. Ein Mord live im Internet und die Zuschauer sind daran beteiligt. Bei Formulierungen wird fein säuberlich differenziert: den Mörder nennen die einen korrekt ’die Person’, andere einen ’Haufen Scheiße’. Ähnlich ist es mit den Internet-Usern: für die einen sind es schlicht ’Fans’, für die anderen ’Mittäter’. Und genau das ist der Punkt. Hier werden die Gaffer und Glotzer vorgeführt. Für sie gelten wie für den Mörder wohl eher die zweiten Bezeichnungen. Und als am Ende die Kollegen die Selbstbefreiung live der FBI Agentin Diane Lane bejubeln - was verständlich ist - reihen sie sich aber ein in die hirnlos grölende Masse der Zuschauer. Und dann setzt Regisseur Hoblit noch einen drauf: Kommentare und Anfragen der User entlarven diese endgültig als sensationsgeile, gefühllose Deltas. Erschütternd realistisch. | |
Mo, 08.11.2010TV | Diane Arbus - Eine besondere LiebesgeschichteGeliebtes FellDie titelgebende Fotografin (Nicole Kidman) lernt von Neugier getrieben ihren völlig zugewachsenen Nachbarn Lionel kennen. Seine Haut ist mit einem Fell überzogen. Eine seltsame Liebesgeschichte entwickelt sich. Die beiden geraten in die Welt der Deformierten, der Außenseiter der Gesellschaft. Wenn man mit viel Vorstellungskraft dabei ist, kann man der Handlung folgen, staunen und stutzen. Manchen werden die emanzipatorischen Aktivitäten der Frau gefallen, die sich über eher abstoßende Äußerlichkeiten hinwegsetzt, anderen die stilvollen Bilder, die einen ins Reich der bizarren Groteske entführen, ohne abzuheben. Bis zuletzt bleibt immer ein Bein auf dem Boden. Man wird mitgenommen auf einen Trip in das unendliche Reich der Fantasie, in dem nichts unwahrscheinlich ist. Und selbst der eigentlich mögliche Schluss ist zu akzeptieren. Es kann dann sogar eine Annäherung an Arthouse gelingen, falls man bisher dieser Gattung nicht sonderlich nahe gestanden hat. | |
So, 07.11.2010TV | Töte AmigoDer arme RevolutionärHier nahm sich der politischer Regisseur Damiano Damiani die mexikanische Revolution zum Hintergrund der Handlung und schaffte eine äußerst unterhaltsame politische Parabel im Stil eines Italowestern. Es geht einerseits um viel Geld und andererseits um die Ideale der Revolution. Chuncho (großartig Gian Maria Volonté) der brutale Anführer von Freiheitskämpfern muss sich für das eine oder das andere entscheiden und sich außerdem mit einem undurchsichtigen amerikanischen (sic!) Gringo (supercool Lou Castel) auseinandersetzen. Diese Figur ist für die anhaltende Spannung verantwortlich, denn man ahnt, dass der etwas vorhat. Der Revolutionär muss abwägen zwischen Freundschaft und Dankbarkeit, zwischen Verrat seiner Ideale und dem Streben nach Reichtum. Mehrere ausweglose Situationen sind zu überstehen, bevor das überraschende aber durchaus ehrenwerte Ende kommt. Damianis Held widersteht den Verlockungen des Goldes auch wenn „leben manchmal schlimmer ist als sterben.“ | |
So, 07.11.2010TV | Taxi 4Kein echtes TempoDas Beste ist die Anfangssequenz dieser Polizeiklamotte. Hier wird der Zuschauer bereits eingestimmt auf das, was ihn in den nächsten 90 Minuten erwartet: leichte Unterhaltung. Danach entfaltet sich innerhalb der mehr oder weniger sinnfreien Handlung ein Strauß von Gags, von denen viele vorhersehbar sind, andere einen Anflug von Spaß an der Freud’ wiederspiegeln, manche aber auch regelrecht dämlich sind. Egal! Kritische Anmerkungen bleiben außen vor. Erwähnenswert ist lediglich die Folter mit Musik von Jacques Brel (was natürlich nur für einen Belgier gilt) und der demonstrative Tango des kleinen Gangsters mit der großen, muskulösen Gangsterlilly. Es reicht nicht zum Schenkelklopfen, sondern nur zum gelegentlichen Schmunzeln. Da war Louis de Funès schon besser, weil originärer. | |
Fr, 05.11.2010TV | Fluchtpunkt NizzaJagd nach dem PhantomDie Spannung bezieht der Film anfänglich aus der Unmöglichkeit der Situation, in der sich die beiden Protagonisten befinden. Man fragt sich, warum macht der Typ das mit. Es ist wie in einem Traum. Ist es Liebe zur Agentin Sophie Marceau oder lässt der Typ es sich einfach mal gut gehen? Bevor man sich von der Unglaublichkeit einlullen lässt, beginnt die große Ballerei als mutmaßlicher Höhepunkt. Die schafft aber auch keine Klarheit. Und so lernen wir den Gejagten nie näher kennen. Die ominöse Gesichtsoperation ist da auch keine ausreichende Erklärung. Schade um die Zeit, denn wir hätten’s doch schon ganz gern gewusst wer’s war.
Einzige Überraschung der unerwartet plötzliche Abspann. Dabei hatte jeder auf die Auflösung gewartet. Gut fotografiert d.h. schön anzusehen. Das war’s. | |
Mi, 03.11.2010TV | Face - Abgerechnet wird zum SchlussNichts wird gutDilettantische Möchtegern-Gangster rauben weniger als geplant und lassen sich die Beute dann auch noch klauen. Die zwischenmenschlichen Probleme innerhalb der Hierarchie der Ganoven sowie echte Zuneigung und Abhängigkeit stehen in krassem Gegensatz zur plötzlich auftretenden Brutalität. Und als am Ende alles den Bach runter gegangen ist und die drei Übriggebliebenen in einem Fluchtauto sitzen sagt der Anführer (Robert Carlyle) auch noch mehrmals „Alles wird gut!“ Man sucht nach einer Message. Dass der letzte Satz stimmt, ist ja wohl mehr als unwahrscheinlich. Vielleicht etwa ’Verbrechen lohnt sich nicht!’? Oder aber auch ein früher aktiver Kommunist schlägt sich nun als Verbrecher durch? Mama schimpft ihn zwar, unterstützt ihn aber weiterhin finanziell. Viele Fragezeichen bleiben. Wie etwa der Titel oder der etwas reißerische deutsche Untertitel. Und der reine Unterhaltungswert schwankt so zwischen ’geht so’ und ’na ja’!? | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.