Sa, 30.10.2010TV | JuliaGeld oder TomWir sehen hier eine grandiose Tilda Swinton. Sie beherrscht die Szene von der ersten bis zur letzten Minute. Inmitten von übertölpelten Tölpeln versucht sie erst ihr finanzielles Süppchen zu kochen. Sie passt sich geschickt sich ständig veränderten Situationen erstaunlich gut an und behält den Kopf über Wasser. Interessanterweise gelingt ihr dabei noch die Wandlung von der erpresserischen Entführerin zur mitfühlenden Ersatzmutter. Eine schauspielerische Höchstleistung, die zeigt, welche unterschiedlichen Rollen Swinton überzeugend spielen kann. Sie ist überpräsent und spielt intensiv konzentriert. Und die Rolle als Alkoholikerin verlangt ihr dabei besonders viel ab. Die Geschichte wird in recht farbigen Bildern erzählt, hat aber einige logische Fragezeichen und auch monologartige Längen. Kein Wunder bei 140 Minuten. Unterm Strich ist es annehmbare, recht spannende Unterhaltung mit überraschenden Wendungen und einer umwerfend guten Tilda Swinton. | |
Fr, 29.10.2010TV | Sumpf der BestienSchweine und ZickenWir sehen hier ein ländliches Universum, das mit dem Titel ziemlich genau beschrieben werden kann. Alle Personen werden nur von ihren niedersten Instinkten vorangetrieben. Männer und Frauen gleichermaßen. Alle äußern sich nur abfällig, beschimpfen einander, sind gewalttätig. Dabei spielt der Sex eine wichtige Rolle. Hierbei geht es um Demütigung, um die demonstrative Überlegenheit männlicher Kraft und um das Ausleben animalischer Triebe. Dies spielt sich irgendwo in einem abgelegenen Teil Südamerikas ab. Erschreckend aber durchaus realistisch. Schier unglaublich aber beeindruckend. Man könnte sich wünschen, dass diese Bestien im Sumpf versinken und von dieser Erde verschwinden. Doch anscheinend gehören sie irgendwie dazu. Eine Änderung im Sinne einer Besserung ist nicht in Sicht. Die Männer bleiben Schweine und das junge Mädchen, das bisher vom Onkel gegen Geld nackt ausgestellt wurde, haut ab und…arbeitet aus Nachwuchsnutte. | |
Fr, 29.10.2010TV | Edward IIIsabellas RacheDas Drama um den schwulen englischen König nach Vorlage von Marlowe hat Derek Jarman in eine zeitlose Tragödie um Liebe und Macht, Zuneigung und Sexualität und Treue und Verrat verarbeitet. In einer kahlen, monumentalen Ausstattung arbeitet er mit starken Verfremdungseffekten aus der Jetzt-Zeit: es wird geraucht und man ist modisch gekleidet. Es gibt kleine Spielroboter und Erschießungskommandos, Schwulendemos und echte Fotos. Der angenehme Höhepunkt dieser V-Effekte ist der Song von Annie Lennox und das Überraschendste der Weihnachtsbaum von Rocher. Daneben gibt es groteske Ballettszenen, in denen man ein Streichquartett sieht, aber eine Hammondorgel hört. Die abgewiesene Ehefrau (wunderschön Tilda Swinton) schmiedet eine Dreieropposition. Mit dem Heerführer teilt sie Thron und Bett - vorübergehend und den Bruder des Königs beseitigt sie mit einem Vampirbiss. Den wahren Tod dieses Königs deutet Jarman nur im Traum an. Es ist dies die härteste Bestrafung für einen Homosexuellen und sie hinterlässt äußerlich keine Spuren. Von Marlowe bleiben eigentlich nur noch einige Dialoge. Zeitlos genial, Arthouse total. | |
Fr, 29.10.2010TV | Das Mercury PuzzleDas behinderte GenieEin echter Bruce Willis-Film. Nur dass er diesmal nicht die Welt oder Amerika rettet, sondern nur einen kleinen Jungen. Natürlich wissen wir, dass ihm das gelingen wird. Und die Story mit dem an sich behinderten Wunderkind ist auch nicht neu, aber flott inszeniert. In Gegensatz zu Bruce Willis weiß der Zuschauer inzwischen, wie mit autistischen Menschen umzugehen ist. Es ist trotzdem gut gemachte, spannende Unterhaltung. Man lässt sich über die logischen Knacks hinweggleiten, denn man will ja nur unterhalten werden. Und das gelingt. Die einzige Frage, die den Zuschauer bewegt ist die, wann rafft Bruce endlich welches Juwel er da beschützt. | |
Do, 28.10.2010TV | Sphere - Die Macht aus dem AllGedanken sichtbar machenDie inhaltlichen Anlehnungen an die großen Science Fiction Klassiker wie Solaris, Abyss, Alien oder Space Odyssey stören eigentlich nicht. Dafür sind die Hollywood-Superstars Dustin Hoffman und Sharon Stone zu überzeugend. Sie überdecken besagte Schwächen. Und nachdem man verstanden hat, von was die Akteure da reden, wenn sie Worte wie ’manifestieren’ oftmals verwenden, begreift man, dass es letztlich um Ängste und Psychosen geht, die man sichtbar machen kann. So gesehen kann man auch dieser ominösen, goldenen Kugel (die die titelgebende Macht aus dem All symbolisiert) bei ihrem Rückflug schmunzelnd hinterher schauen. Wahrscheinlich war sich aber Barry Levinson nicht sicher, ob das alles so verstanden wird und ob das nicht vielleicht zu intellektuell wäre. Deshalb schiebt er einen völlig überflüssigen erklärenden Epilog nach. Und wenn dann noch ein finaler Scherz kommt, als die drei Übriggebliebenen bis drei zählen - jeder eine Zahl nennend - um wie in einer Hypnosesitzung alles zu vergessen, setzt sich das Schmunzeln fort. | |
Mo, 25.10.2010TV | Marathon ManDer weiße EngelEs gelingt John Schlesinger in diesem intelligenten Agententhriller von Anfang an Hochspannung zu erzeugen. Anfänglich basiert sie auf Situationskomik. Wenn man genau hinhört, schnappt man gleich im Verkehrschaos und den Beschimpfungen die beiden Gegenpole auf: Jude - Nazi. Dann wird die Spannung hochgehalten, weil zunächst völlig unzusammenhängende Handlungsstränge hinter einander herlaufen. Durch weitere Schocker wird jeweils noch ein Gang hochgeschaltet. Dass Helden sterben, kommt sonst eher selten vor. Doppelagenten verschärfen die Situation, wenn sie die Seiten wechseln. Dann die legendäre Zahnarztfolter mit dem Bohrer. Zur Entspannung geht’s durch grüne Landschaften ins Freie. Durchatmen bevor ein Blutbad entsteht. Der finale Showdown mit einem grandiosen Dustin Hoffman ernüchtert und relativiert. Hier ist es nicht das Nazi-Gold, sondern Diamanten nach denen alles drängt. Ein Klassiker aus den 70er Jahren, bei dem einem immer wieder der Atem stockt. | |
So, 24.10.2010TV | The Golden BowlGeld regiert die WeltDiese Vierecksgeschichte ist wie die literarische Vorlage von Henry James ziemlich dialoglastig. Dafür wird man dann aber mit ästhetisch anspruchsvollen Bildern, einer pompösen Ausstattung und edlen Kostümen versöhnt. Dafür bürgt Regisseur James Ivory. Die Unmöglichkeit der Beziehungen zwischen diesen vier Personen ist zwar ein zeitloses Phänomen, im viktorianischen England um 1900 scheint es aber viel wichtiger alles unter den Teppich zu kehren und dort unter Verschluss zu halten. Symbolträchtig dient die titelgebende goldene Schale einem hintersinnigen Zweck. Sie ist äußerlich kostbar und makellos, für Kenner enthält sie aber einen Sprung und ist fast wertlos. Darüber hinaus ist sie das Corpus Delicti, das zur Aufklärung der geheimgehaltenen Liebesbeziehung dienen kann. Ganz nebenbei werden mehrere Gegensätze sichtbar: wie etwa der zwischen Neureichem Ami und verarmtem italienischen Adel oder Fortschritt statt Kunst, Straßenbahnbau oder Museum. In diesem Zusammenhang erleben wir wie die Neue Welt die Alte kulturell ausplündert.
Der Schluss erscheint vielen unbefriedigend. Er ist für James aber auch nicht so wichtig. Hier ist eher der Weg das Ziel. | |
So, 24.10.2010TV | Tortilla Soup - Die Würze des LebensDer Koch, seine Töchter und die LiebeDie Geschichte vom Vater mit drei Töchtern wird recht munter erzählt. Er ist Koch, sie sind im heiratsfähigen Alter. Die Gefühlswelten der drei Ladys sind gut beobachtet. Alle drei sind ganz unterschiedliche Typen. Und alle sprühen vor Lebensfreude und erleben Höhen und Tiefen, Enttäuschung und Glück. Natürlich strebt alles von Anfang an auf ein mehrfaches Happy End zu. Selbst der verloren gegangene Geschmackssinn vom kochenden Vater kehrt zurück. Die Highlights sind die Großaufnahmen und die Zubereitung von exquisiten mexikanischen Gerichten. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Und nachdem die heiratswütige Witwe (Raquel Welch) ausgeschaltet ist, muss ja auch alles gut werden. Sie spielt ihre Rolle so überkandidelt aus dem Rahmen fallend überzeugend, dass man am Schluss richtig aufatmen kann, dass der angepeilte Vater sie endlich los ist. Die farbigen Bildkompositionen und die warmherzige Atmosphäre stimmen, auch wenn es kurze, heftige Auseinandersetzungen gibt. | |
Sa, 23.10.2010TV | Der SternwandererEntspannend unterhaltsamEin recht amüsantes Fantasy-Abenteuer mit viel Prominenz oder aber auch ein Märchen für Groß und Klein. Mit vielen virtuellen Gags, die einfach dazugehören, ist alles ganz schön anzuschauen. Sogar für die Komik ist Platz. Dafür ist Robert de Niro als tanzende Tunte zuständig und Michelle Pfeiffer als alternde Hexe mit Jugendwahn. An ihr haben die Maskenbildner wahre Wunderwerke vollbracht und sie bis zur Unkenntlichkeit verhässlicht. Der stellenweise breiige und trommelnde Soundtrack soll wohl zur Steigerung der Spannung dienen. Nervt aber im Laufe der Zeit. Vom Titel her gesehen wird der des Originals optisch umgesetzt: Sternenstaub. | |
Do, 21.10.2010TV | Sue - Eine Frau in New YorkLeben in der GroßstadtDie Anfänge von Amos Kolleks Filmen sind schon echte Hingucker. Egal ob sich seine Lieblingsdarstellerin Anna Thomson quer über eine viel befahrene Strasse legt oder ob sie im Park von einem alten Mann aufgefordert wird, ihm ihre Brüste zu zeigen. Aber dann folgen hier tiefe Einsichten in die Psyche der Großstadtbewohner. Die egoistische Männerwelt will ohnehin nur schnell das Eine. Kollek zeigt ein Soziogramm von New York. Einsamkeit inmitten von Menschenmassen, Arbeitslosigkeit in einer boomenden Metropole. Sue versucht gegen beides anzukämpfen. Vergeblich. Beides scheint aber auch irgendwie miteinander verbunden zu sein. Auf dem Weg der Abwärtsspirale verfällt sie zusehends körperlich und auch ihre geistigen Qualitäten nehmen immer mehr ab. Am Erfolg hindern sie auch Misstrauen und kleine Ungeschicklichkeiten aufgrund von Verunsicherung, zumal da sich ihre Kommunikation allein auf den Sex beschränkt. Nicht gerade ermutigend, aber durchaus realistisch. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.