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Do, 21.10.2010
TV | Madeinusa
Made in USA4 Sterne
Abgesehen vom Titel, hinter dem ein lustiges Wortspiel steckt, gibt es in diesem Film nichts zu lachen. Und der Umstand, dass Gott während der Grabesruhe echt tot sei und die dann begangenen Sünden nicht sehen kann, verdeutlicht die religiöse Schlichtheit eines Andendorfes. Oder hat man die Missionare nur beim Wort genommen? Hinter all den Liedern und folkloristischen Bildern von Tänzen und Feuerwerk erlebt man das Drama eines Mädchens. Obwohl die Darstellung des unvorstellbaren Leides oft nur angedeutet wird, manchmal nur akustisch bemerkbar, beeindrucken die dunklen, bunten Bilder durchaus. Außerdem wird der Gegensatz von Stadt und Land, Einheimischen und Fremden betont. Freiheit von archaischen Bräuchen gibt es nur in der Hauptstadt Lima. Und da muss die Titelheldin unbedingt hin. Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt und reibt sich verwundert die Augen, ohne zum Voyeur zu werden.
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Di, 19.10.2010
TV | Mr. Brooks - Der Mörder in dir
Mr Brooks is murcks1 Stern
Die Idee, dass ein Mörder mit seinem Bruder Innerlich/Dämon/Gewissen spricht, ist noch das Beste an dem Streifen. Ansonsten ist die Story arg konstruiert und unglaubwürdig (Wie das vererbbare Mörder-Gen!?). Die gelegten Falschfährten entpuppen sich als Seifenblasen. Das Konstrukt bleibt oberflächlich weil die Ausgangssituation bereits ziemlich abstrus ist und keine tiefgehende Charakterzeichnung erfolgt. Soll Absicht sein! Möglich wäre auch Unvermögen. Die drei Hollywood-Größen kommen gelangweilt daher, außer William Hurt, der zu oft nur lacht. Demi Moore ist glatt fehlbesetzt und Kevin Costner ist wie immer gaaanz coool, bis an die Grenze zur Schlaftablette. Nachdem man fast 60 Minuten vor sich hingedämmert hat, weckt einen endlich eine mehrere Minuten dauernde Actionfahrt. Danach ist wieder Schnarch und Company angesagt, bis nach einer weiteren Viertelstunde etwas halbwegs Interessantes passiert. Am Ende scheint den Machern wohl die Kamera kaputt gegangen zu sein oder das Drehbuch ist abhanden gekommen. Es war einfach Schluss. Ach, hätte man die letzten 105 langen Minuten doch sinnvoller verbracht.
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Mo, 18.10.2010
TV | Grüne Tomaten
Vier Frauen4 Sterne
Ein Südstaatendrama aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts um vier Frauen. Alle machen eine erstaunliche Entwicklung durch. Die beiden jungen Ruth und Idgie (Mary-Louise Parker und Mary Stuart Masterson) kennen und mögen sich seit ihrer Kindheit. Idgie ist sehr selbstbewusst und lässt den Männern der Umgebung keine Chance. Sie hilft ihrer eher ängstlichen Freundin gegen deren Ehemann, die dadurch zu einer eigenständigen Persönlichkeit wird. Geschickt wird deren Geschichte von der alten Dame( Jessica Tandy) im Krankenhaus einer Besucherin (Kathy Bates) erzählt. Die Verbindung der beiden Handlungsstränge gelingt genial und die Art und Weise der Erzählung bewirkt Spannung, denn es liegt ein Mord in der Luft. Emotional durchaus anrührend und mit Witz und Charme dargeboten werden zeitlose Themen wie Rassismus und Emanzipation vor allem durch die tolle schauspielerische Leistung der vier Ladys rübergebracht. Obwohl er 1991 entstand, ist der Film immer noch aktuell und ein optisches und gefühlvolles Highlight. An der Aufklärung des Mordes hätte Roald Dahl seine Freude gehabt.
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Sa, 16.10.2010
TV | Modigliani
Der destruktive Maler3 Sterne
Obwohl die Story frei erfunden ist, steckt sie doch voller prominenter Persönlichkeiten aus dem Künstlermilieu von Paris der zwanziger Jahre. Und auch der Hinweis am Anfang, dass die Gemälde, die man sieht, nicht die Originale sind, ist nicht unwichtig. Denn man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass wir hier keinen echten Modigliani sehen. Seine Legitimation erhält der Film durch die Tatsache, dass man kaum etwas über die Lebensumstände des Malers weiß. Also ist Fantasie gefragt. Aber die Atmosphäre der wilden Zwanziger stimmt und Andy Garcia überzeugt. Seine Lebendgefährtin und Model Jeanne (Elsa Zylberstein) ist besonders gut gecastet, denn ihre Physiognomie zeigt den dominant langen Nasenrücken, der das Gesicht in typischer Modigliani-Manier schmal und lang erscheinen lässt. Man sieht die innere Zerrissenheit eines Künstlers. Dabei gibt’s sogar ab und zu gefühlsmäßig aufgeladene Szenen und nette optische Spielereien wie den blauen Schnee.
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Fr, 15.10.2010
TV | Rembrandts Nachtwache
Rembrandts Rache4 Sterne
Außer für Greenaway-Fans ist es ein Muss für alle Kunstliebhaber, besonders für die aus der Abteilung Gemälde. Wir bekommen einen Überblick über die Titanen unter den europäischen Malern um den Titelhelden und ihre gegenseitige fachliche Beeinflussung. Dabei erfahren wir etwas über die Bedeutung von Kerze und Spiegel für das künstliche Licht. Doch dann legt Greenaway mit einer gut recherchierten und genialen Interpretation los, die einem den Atem verschlägt. Ein gestelltes Gruppenbild wird zu einer flammenden Anklage wegen Mordes. Das allseits bekannte Riesenbild wird in seine dargestellten Figuren zerlegt. Dabei nimmt Greenaway schon im Originaltitel Bezug zu Zola, der mit seinem ’J’ accuse’ den französischen Staat um 1900 gegen Antisemitismus und nationalen Nepotismus anklagte. Und er bezieht sich auf die Morde von religiösen Fanatikern im heutigen Holland (Rembrandts Heimat). Rembrandt fungiert in Greenaways Interpretation als Ankläger und Lieferant von Beweisen. Greenaway zwingt uns genau hinzuschauen und öffnet uns die Augen für das Verborgene. In nachgespielten Szenen wird ein fiktives Gerichtsverfahren quasi als Dokumentary dargeboten. Unglaublich und überzeugend innovativ.
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Do, 14.10.2010
TV | Kino, Aspirin und Geier
Johann und Ranulpho3 Sterne
Wenn ein Film wie dieser nicht gerade mit einer prallen Handlung gefüllt ist, Action-Szenen völlig fehlen und die Bilder den Zuschauer auch nicht gerade vom Hocker reißen, dann muss man sich ihm wohl anders nähern, wenn er nicht schlecht ist. Und das ist er keineswegs. Etwa so: ’Das Leben ist eine Reise’ oder ’Es gibt tatsächlich noch echte Männerfreundschaft’. Vielleicht ist es aber auch einer der vielen südamerikanischen Filme, die zeigen, wie eng die Deutschen und der 2. Weltkrieg mit diesem Teil der Welt verbunden waren? Dadurch kommt sogar so etwas wie Spannung auf. Egal! Die unterschiedliche Lesart ist individuell möglich. Und der Titel ist ein Sammelsurium des Inhalts, wobei die Geier nur ganz kurz am Ende optisch auftreten. Und wenn sie nicht im Titel vorkämen, vollkommen übersehen würden. Bleiben die Atmosphäre und die Langsamkeit als erwähnenswerte Komponenten. Und der Eindruck, dass es auf der Lebensreise letztlich doch nicht vorangeht, weil man sieht dass die Landschaft immer gleich bleibt, unverändert monoton.
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Mi, 13.10.2010
TV | Mit meinen eigenen Augen
Können Blinde sehen?1 Stern
Die Geschichte an sich erfreut jeden Kunsthistoriker: ein unbekanntes Gemälde zu entdecken. Die wird hier aber ziemlich kryptisch erzählt, wobei die detektivische Spurensuche nicht immer nachvollziehbar ist. Manches wirkt aufgesetzt weil unerklärlich. Man bewegt sich eben in Insiderkreisen. Unangenehme Längen schleichen sich ein. Personen tauchen auf, die überhaupt nichts mit der Handlung zu tun haben. Und so kann am Ende selbst die Neuentdeckung wenig Freude aufkommen lassen. Als der eigentliche spiritus rector, der Kunstprofessor (Jean-Pierre Marielle) völlig unerwartet und bedeutungslos verstirbt, beginnt das grosse Kopfschütteln. Zuvor musste man sich mit dem tiefen Sinn eines Taubstummen abquälen, den die Kunststudentin (Sylvie Testud) auch nicht versteht (sic!). Das soll wohl ein Kunstfilm sein, ist aber keine Filmkunst.
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Mi, 13.10.2010
TV | La Zona
Ghetto der Reichen4 Sterne
Der Film beschreibt ein inzwischen immer weiter verbreitetes Phänomen: die Reichen siedeln in gut bewachten Arealen, geschützt vom eigenen Wachdienst. Die Verfolgung von jugendlichen Einbrechern, die hier einen Beutezug durchführen, findet auf drei Ebenen statt: die offizielle (Polizei), die eigene Bürgerwehr (Wachdienst) und eine Gruppe abenteuerlustiger Teenager. Die ersten beiden werfen sich gegenseitig Korruption vor - womit sie offenbar recht haben und sind meistens damit beschäftigt so viel wie möglich unter den besagten Teppich zu kehren. Die Sicherheit kann nur auf Kosten der Freiheit garantiert werden. Die Mehrheit der Anwohner setzt mit pseudo-demokratischen Mitteln eine Menschenjagd durch. Es herrscht Misstrauen und Angst und es entsteht ein rechtsfreier Raum mit Lynchjustiz, Lieblosigkeit und individueller Katastrophen. Nur Wenige erkennen das Unrecht und die Bedrohung der Freiheit und sind zu einer inneren Wandlung fähig. An der Sache selbst ändert das nichts. Schockierend realistisch und deshalb sehenswert.
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Di, 12.10.2010
TV | Die Männer, die ich liebte
Catherine und ihre Männer2 Sterne
Es ist Claude Berris persönlichster und vielleicht schwächster Film, der ihm wohl ein echtes Anliegen gewesen sein muss. Auch hier bleibt uns sein Können nicht verborgen, (Schnitt und Bildeinstellungen) aber die allgemeine Message ist etwas fragwürdig. Im Zentrum Catherine Deneuve und ihre vier Männer (Trintignant, Depardieu, Gainsbourg, und Souchon). Ihr Problem ist, dass sie eine längere Beziehung zu einem Mann nicht aushält. Darüber ist sie selbst nicht glücklich, obwohl sie zwei Kinder von ihnen hat. Berri zeigt sie innerlich zerrissen, stetes spontan und distanziert, aber zur Depression neigend. Ein Frauenportrait einer Unglücklichen, die ständig auf der Suche ist und die, wenn sie fündig wird, sogleich den Abschied mit einplant. Gedanklich nicht immer nachvollziehbar und durch ewig lange Gesangseinlagen unnötig verwässert. Man schaut einfach nur den prominenten Schauspielern, die man ja gut kennt, interessiert zu, was die da so bringen.
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Mo, 11.10.2010
TV | In den Wind geschrieben
Kyle und Mitch3 Sterne
Der Altmeister des emotionalen Melodrams bringt das Gefühl der 50er Jahre in dichter Atmosphäre rüber. Er vertraut dabei auf vier Größen des klassischen Hollywood. Machart und Thematik sind etwas angestaubt, aber den echten Nostalgiker der Filmkunst kann das nicht vom Schauen abhalten. Zu tief und aufwühlend ist die Gefühlslage, zu unüberbrückbar die Möglichkeit einer einvernehmlichen Lösung. Und die Gesellschaft ist klar unterscheidbar in Gute und Böse eingeteilt. Wobei der Gute der Arme ist und der Taugenichts der Reiche. Und natürlich geht es zentral um die Liebe. Die legendäre Eingangsszene nimmt das Ende vorweg und der Wind blättert symbolträchtig die Kalenderblätter zurück. Das Thema bezieht sich aber wohl eher auf einen Tatbestand, der unsichtbar bleibt: unausgesprochene Gefühle, unausgelebte Beziehungen, unerfüllte Liebe… Zeitlos schön wegen der menschlichen Tragik und die spiegelt sich in den Gesichtern der Akteure.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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