Mo, 06.09.2010TV | Die siebente SaiteVater und Sohn DepardieuBereits die gewöhnungsbedürftige lange Einleitung setzt Akzente. Die minimalistische Handlung ist in wunderschöne Bilder verpackt, wie wir sie von den zeitgenössischen niederländischen Meistern des 17. Jahrhunderts kennen. Lange Passagen mit der melancholischen Gambe bereiten den Freunden der klassischen Musik sicherlich viel Freude. Und damit wir nicht in den höheren Sphären der geistigen Kammermusik unter den Klängen des Saiteninstruments abheben, erleben wir die Erdung durch handfeste irdische Liebeleien, enttäuschte Sehnsüchte und sogar einen Suizid. Im Hintergrund schwelt der ewige Streit zweier Musikgiganten, die sich misstrauisch belauern. Beide gehen unterschiedliche Wege. Für den einen ist Musik die Brücke zum Jenseits und zu den lieben Verstorbenen, für den anderen die Grundlage für Wohlstand und Ruhm. Beim finalen Zusammentreffen philosophieren beide ausgiebig über Sinn und Zweck der Musik. „Jede Note muss so enden, als ob sie stirbt.“ | |
Mo, 06.09.2010TV | Das Leben des David GaleDer Tod des D.G.Wenn ein überführter Mörder hingerichtet wird, ist das kaum ein Stoff für einen Film, wenn er unschuldig ist, schon. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten schwankt Alan Parkers Film und spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Parker findet hier noch eine dritte Lösung. Ein echter Überraschungsknaller! Den ganzen Film hindurch staunten und litten wir mit Kate Winslet und waren von der Unschuld Kevin Spaceys überzeugt. Teilweise sieht man ja sogar den Mord. Kate ist zu überzeugend, sodass wir mit ihr mitbangen und uns wie sie gegen den Lauf der Dinge stemmen. Alle Argumente für und vor allem gegen die Todesstrafe werden in den Dialogen abgearbeitet. Und am Ende ist es gar nicht mehr die Frage, ob Spacey unschuldig ist oder nicht, sondern es bleibt ein flammender Appell, die Todesstrafe abzuschaffen, denn einmal vollzogen ist sie irreversibel. Der Lebenswandel des David Gale bietet nur eine Voraussetzung für seinen Tod. | |
So, 05.09.2010TV | Flight 93 - Todesflug am 11. SeptemberTapfere PassagiereDer Film behandelt ja eigentlich ein dramatisches aber auch allseits bekanntes Thema, aber Spannung kommt nicht auf. Das liegt teilweise an den schlecht gecasteten Entführern. Die sind überhaupt nicht furchterregend und schauen so unintelligent und ängstlich drein, dass man ihnen ihr Vorhaben nie und nimmer abnimmt. Auch die Betroffenheit des Zuschauers wegen der dargestellten menschlichen Tragik bleibt nur oberflächlich. Diese Flugzeugentführungsstories kennt man doch und sei gehen immer gut aus. Der einzige Pluspunkt ist hier der Schluss: ohne Kommentar oder Dialoge sehen wir die Hinterbliebenen und ihr Entsetzen beziehungsweise ihre Trauer. So ist die Leere nachvollziehbar, die die umgekommenen Lieben hinterlassen. Man sieht und kann einfach nachempfinden, der oder die ist einfach weg. Und diese letzten fünf Minuten gehen schon unter die Haut und berühren emotional. Aber der Rest ist Schweigen…
Nur für wen soll dieser Film sein? Die Helden sind tot und die betroffenen Angehörigen wollen den Albtraum bestimmt nicht noch einmal durchleben. | |
Fr, 03.09.2010TV | Die Liebe in den Zeiten der CholeraFlorentino und FerminaDem Film, der sich eng an die literarische Vorlage anlehnt, gelingt es lediglich einen Teil des Zaubers zu übernehmen. Das macht letztlich auch den Unterschied zwischen Roman und Film aus. Die Cholera spielt zunächst nur eine marginale Rolle und erlangt erst am Ende wieder eine gewisse Bedeutung. Márquez/Newell philosophieren ausgiebig über die Liebe, “als Zustand der Gnade, für die nichts eine Bedeutung hat als Anfang und Ende, ein Ende in sich.“ Das lebenslange Warten (53 Jahre) auf die große, unerfüllte Liebe steht im Gegensatz zu 622 vorübergehenden Abenteuern. Die Liebe zunächst als pure Illusion in Frage gestellt und als eines der schwierigsten Phänomene überhaupt bezeichnet, findet dann doch mittels der Cholera ein spätes aber glückliches Ende.
Die musikalische Untermalung passt, die Bilder sind nicht schlecht und es wird etwas betulich erzählt. So schaut man zu, ohne von Hochstimmung ergriffen zu werden, selbst wenn einen das Glück mit über siebzig anrührt. | |
Do, 02.09.2010TV | Dominick & EugeneDie ungleichen ZwillingeWarum die beiden Zwillingsbrüder so unterschiedliche geistige Fähigkeiten haben wird im Laufe des Films dargelegt. Doch das liegt lange zurück. Ein Ereignis aus ihrer Gegenwart verdeutlicht, dass es damals Kindesmisshandlung gewesen sein muss, warum Nick etwas zurückgeblieben ist. Der jüngere Bruder Gino (ganz toll Ray Liotta) kümmert sich rührend um den nur um Minuten Älteren. Dass es zwischen den Zwillingen zu Problemen kommt, wenn eine Frau auftaucht, ist klar. Viel bitterer sind die Reaktionen des sozialen Umfeldes. Diese reichen von der üblichen Verarsche bis zu kriminellen Aufträgen für Nick. Tom Amadeus Hulce spielt den freundlichen Einfaltspinsel geradezu überwältigend. Obwohl es von der Anlage her zu einem echten Drama reichen würde, überzeugen die Darsteller in einem kitschfreien und für alle zufriedenstellenden Ende. Nicht nur in Richtung ’Happy’, sondern eher in Richtung Selbstständigkeit. | |
Mi, 01.09.2010TV | Das geheime FensterDer gespaltene JohnnyDie zwei selbstständigen Seiten einer schizophrenen Persönlichkeit sind gut nachvollziehbar filmisch umgesetzt. Obwohl die Darstellung über weite Strecken hinweg mainstream-mäßig unterwegs ist, gibt es immer wieder Hinweise auf das was in Johnnys Kopf abläuft. Er spricht zunächst mit sich selbst, es folgen zwanghafte Gesichtszuckungen und erst gegen Ende sieht man die Figuren, die sich eigentlich nur in seinem Kopf befinden. Sogar das Haus spaltet sich dann auch noch in zwei Hälften. Die großen leeren Augen erlauben den Blick in sein Innerstes - vielleicht durch ein geheimes Fenster. Aber auch hier ist Doppelbödigkeit vorhanden, denn es gibt es irgendwo im Haus und auch der Titel der geklauten Erzählung lautet so. Gut, dass uns der Film die mörderischen Aktivitäten optisch vorenthält. Der Zuschauer weiß aber aus der Geschichte, was da abgelaufen sein muss. Und Johnny spricht am Ende mit einer anderen, tieferen Stimme, die seiner zweiten Hälfte. Ein psychologisches Phänomen wird allgemein verständlich sichtbar gemacht - wenn man es denn erkennt… | |
Di, 31.08.2010TV | Spiel mit der AngstSchmetterling auf dem RadDer Originaltitel enthält das Bild vom ’Schmetterling auf dem Rad’. Damit sollen wohl Macht und Ohnmacht beziehungsweise Täter und Opfer beschrieben werden. Oder steht der Schmetterling für Unbeständigkeit, der von Blüte zu Blüte fliegt? Dann wäre das Rad Symbol für Mobilität? Es wird mal ganz kurz im Dialog erwähnt. Zu kurz um es nachzuvollziehen.
Im Endeffekt läuft es aber auf eine Bestrafung und das Ende einer Ehe hinaus. Die flott inszenierte Handlung bietet Spannung und überraschende Wendungen, weil man nicht im Stande ist, hinter die Kulissen zu schauen. Pierce Brosnan nimmt man trotz 5-Tage-Bart den boshaften Hahnrei nicht so recht ab. Und während der Abspann läuft, kommt man ins Grübeln, wieso die betrogene Ehefrau als leidendes Opfer und gleichzeitig Rachegöttin so lange mitspielt und die Ahnungslose mimt. | |
Di, 31.08.2010TV | Zum Ausziehen verführtDie gekaufte BrautNatürlich drängt sich der inhaltsmäßige Vergleich mit ’Tanguy’ auf, obwohl das schon für die Macher des französischen Streifens eine Beleidigung wäre.
Der deutsche Titel kokettiert etwas mit einem zweideutigen Hinweis auf einen Striptease. Das ist der erste Trugschluss. Der des Originals geht hingegen eher so in die Richtung ’Misslungener Start (ins Leben). Ganz allgemein kann man sagen, dass die gesamte Handlung ziemlich weit hergeholt ist, die Dialoge eindimensional unkomisch sind, und die Hauptdarsteller recht schlicht daherkommen. Wenigstens einige Nebenfiguren versuchen ab und zu auf Komik zu machen. Die Szenen mit den beißenden Tieren sind obwohl vielleicht gewollt an Dämlichkeit fast nicht mehr zu übertreffen. So etwas kennt man nur aus der Werbung und da können sie auch noch sprechen. Darüber hinaus ist der größte Teil Reklame für die Freizeitindustrie: segeln, klettern, Gotcha etc. Dabei gerät das ursprüngliche Thema zeitweise völlig aus dem Blickfeld. Und dann noch das gewaltsam herbeigeführte Ende - ob’s Happy ist, muss man wohl bezweifeln. | |
Mo, 30.08.2010TV | Ein Vater kämpft um seine KinderEvelynWenn der Titel schon Inhaltsangabe ist, braucht man sich den Film gar nicht erst anschauen. Man kennt ja das Ende ohnehin schon. Im deutschen fehlt nur noch das Wort ’erfolgreich’, um alles zu verraten. Das Original heißt einfach ’Evelyn’. Das ist die Jüngste von drei Kindern.
Hier hat der Altmeister Bruce Beresford einen emotional hoch aufgeladenen Film abgeliefert und gleichzeitig ein Dokument irischer Rechtsgeschichte erstellt. Nach eine wahren Begebenheit wird ein juristischer Widerspruch aufgedeckt, wobei mit Kritik an der klösterlichen Erziehung im Irland der 50 Jahre nicht gespart wird. Die Atmosphäre hier sowie auch die im Pub sind durchaus authentisch: äußerste Härte hier und ausgelassene Sauffreudigkeit da, aber immer streng katholisch!
Von den tollen Promi-Schauspielern ragt besonders Pierce Brosnan heraus. Man traut seinen Augen und Ohren kaum, wenn man ihn überzeugend singen hört und saufen sieht. Vor allem die letzten eindrucksvollen Bilder, die wortlos und nur mit einem irischen Song unterlegt sind, erlauben ein sanftes Hinübergleiten in die Zukunft dieser neuen Familie. | |
Mo, 30.08.2010TV | Vier BrüderVier RächerMan kann den Rachefeldzug mit viel Empathie verfolgen, weil es ja um eine gerechte Sache geht. Die beiden gedanklichen Rückblenden, in denen die ermordete Mutter (mit viel Wärme Fionnula Flanagan) auftritt, sind auch recht nett. Im Verlauf der Handlung gewinnt dann die Gewalt die Oberhand. Aber weil es ein ziemlich komplexes Gebilde ist, was da aufgedröselt wird, bleibt es spannend. Und die Jungs haben jede Menge coole Sprüche drauf, was den Unterhaltungswert hoch hält. Die vier Typen sind durchaus überzeugend handfest.
Lediglich der Schluss ist nicht nur unglaubhaft, sondern auch noch sehr zuckersüß. Mammi ist gerächt und alles ist wieder F.F.E. Was man als Lösung in einem Western noch tolerieren würde, ist hier doch etwas fragwürdig. Es ist halt die amerikanische Antwort: Selbstjustiz, die uns Europäern eher etwas fremd vorkommt. Aber lassen wir mal die moralische Sinnfrage außen vor und opfern sie auf dem Altar der Unterhaltung. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.