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So, 25.07.2010
TV | 28 Weeks Later
Blut, Schock und keine Tränen1 Stern
Blutiger Horror-Trash, prominent besetzt. Es ist ja wohl der Sinn des Films, die Zuschauer zu schocken. Und das tut er auch. Trotzdem bleibt eine langweilige, weil eintönige Handlung übrig. Selbst an die Schocker gewöhnt man sich im Laufe des Films. Manche ahnt man im Voraus. Und wenn man dann die blutunterlaufene Fratze von Robert Carlyle oder die von Catherine McCormack endlich erblickt, verpufft die Wirkung in der Lächerlichkeit. Die Familie, die im Mittelpunkt steht, soll wohl die Emotionen ansprechen, aber da es bei Beteuerungen der Akteure bleibt, kommt das nicht sehr überzeugend rüber. Das Schlimmste ist aber, dass der Film keinen eigentlichen Anfang hat; er beginnt einfach. Und auch kein Ende; da läuft nur der Abspann. Man weiß alles ist gesagt, wischt sich das Blut aus den Augen und sucht einen besseren Film zu finden. Manche Dinge sollte man einfach nicht fortsetzen!
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Fr, 23.07.2010
TV | Sterben für Anfänger
Tod bei der Beerdigung4 Sterne
Hier passt das Sprichwort „Spaß muss sein, und wenn’s auf der Beerdigung ist“. In dieser recht turbulenten Komödie, deren Herkunft sonst eher in Italien vermutet wird, passieren unglaubliche Dinge. Die Handlung gerät aber niemals zum Klamauk dank der guten Schauspieler und dem gelungenen Schnitt. Von den teils prominenten Akteuren sei nur Alan Tudyk hervorheben, der die Beerdigungsfeierlichkeiten ungewollt auf einem LSD-Trip miterlebt. Und da es ja eigentlich um ein ernstes Thema geht, findet man immer wieder auch beinahe ernste Szenen und Dialoge. Ansonsten ist aber viel Platz für viel Skurriles zum Thema Beerdigung; bisweilen etwas unappetitlich, inmitten der üblichen Familienstreitigkeiten und mit unerwarteten spaßigen Wendungen. Davon abgesehen gibt es keinen Höhepunkt. Stattdessen wird gleich bei der ersten Szene ein humorvoller Ton gefunden, der auf diesem Niveau bis zum Ende durchgehalten wird und somit recht gute Unterhaltung bietet. Ein Remake ist völlig überflüssig!
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Do, 22.07.2010
TV | Bin-jip - Der Schattenmann
Das stumme Liebespaar5 Sterne
Kim Ki-duk ist Kult. Er ist zwar seiner fernöstlichen Philosophie nie ganz untreu geworden, hier scheint er aber mit seiner Story erst einmal recht westliche Wege zu gehen. Er zeigt eine äußerst zärtliche Liebesgeschichte, die ganz sanft von Harmlosigkeit ins kriminelle Milieu übergleitet, obwohl das Pärchen eigentlich nur Gutes tut. Eine echt originäre Geschichte, in der sich die Handlung trotz der spärlichen Dialoge selbst erzählt. Es gibt eine fernöstliche Lösung, die wir Europäer nur mit staunender Fassungslosigkeit verfolgen können. Ab einem gewissen Zeitpunkt beginnt Kim Ki-duk dann zu zaubern und uns zu verzaubern. Dabei nimmt er zwar leichte Anleihen bei Antonionis ’Blow up’, kommt aber doch zu einem eigenständigen Ergebnis. Er führt den Zuschauer langsam und gekonnt dahin, das Unsichtbare zu sehen, den Raum zu überbrücken, die Erdgebundenheit zu verlieren und in die Schwerelosigkeit einzutauchen. Und das alles im Namen der Liebe. Einfach wunderschön und genial.
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Mi, 21.07.2010
TV | Lover oder Loser
Der Nächste bitte1 Stern
Meistens sind hier wohl die Lover die Loser. Sie schlafen sich zwar durch die Nachbarschaft in London, denn es fehlt nicht an Gelegenheit. Das Angebot ist groß, denn alle wollen nur das Eine. Ein one-night-stand jagt den anderen, nie hält es lange. Es soll wohl eine Dokumentation der Bindungsunfähigkeit von heute sein. Auf der Welle der Leichtigkeit des Seins treibt man durch das Leben. Bei ersten Problemchen macht einer immer gleich die Flatter und jeder bleibt so ständig auf der Flucht. Jeder folgt nur seiner eigenen Lust, merkt, dass er eigentlich unglücklich ist und stürzt schon kopfüber in die nächste Kiste. Planlos und ohne Ziel. Es ist offensichtlich nicht leicht erwachsen zu werden. Denn wie lange kann das Lustprinzip ’Ich will Spaß, ich geb’ Gas’ so weiter gehen?! Anspruchslose Unterhaltung mit wenig Witz und noch weniger Charme. Da ist von der Insel schon Besseres gekommen.
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Di, 20.07.2010
TV | Ringo
Die Mutter aller Western5 Sterne
Ich bin mit dem Western aufgewachsen. Er hat für mich das typische Bild dieses Genres geprägt mit allen Zutaten, die dazu nötig sind: es gibt Schießereien mit den Indianern, Verfolgungsjagden der Postkutsche und einen Showdown, den man nicht genau sieht. Hinzu kommt die unverkennbare Kulisse der prägnanten Felsen in der Wüste. Allein schon die Zusammensetzung der Reisegesellschaft enthält genügend Sprengstoff: da ist zunächst das leichte Mädchen, das ehrliche Liebe sucht, dann der versoffene Doktor, der über sich hinauswächst und der windige Glückspieler aus gutem Hause. Dann gibt es eine züchtige Schwangere, einen geldgierigen Banker, einen furchtsamen aber knuffigen Schnapshändler, den feigen Kutscher und natürlich den jungen Helden! Das Klassische an diesem Film ist seine Fülle an zeitlosen Themen: Geburt, Tod, Betrug, Gier, Liebe, Mitmenschlichkeit, sogar Rassismus wird angeprangert. Dabei ist auch noch Platz für Romantik untern Sternenhimmel in s/w. Und man blickt in gesellschaftliche Abgründe in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist die Mutter aller Western.
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Di, 20.07.2010
TV | Casanova
Der brave Herr Neuhaus2 Sterne
Ein nicht ganz ernst gemeinter, prunkvoll ausgestatteter und prominent besetzter Kostümschinken. In der Reihe über den großen Frauenverführer ist dies wohl der prüdeste. In der erwarteten Richtung passiert nichts und man sieht auch nichts. Dafür setzt der Film mehr auf den Modus der Shakespeareschen Verwechslungskomödien und spielt mit falschen Namen. Es beginnt recht schwungvoll, erlahmt dann aber zusehends um am Ende nach ganz kurzem Spannungsaufbau in ein alle zufriedenstellendes Massenhappyend zu münden. Ähnlich wie in den Komödien des großen Briten. Manche Stellen der Dialoge sind aus der Jetztzeit und wirken unglaublich modern. Manche Slapsticks wirken etwas deplaziert, finden aber Gefallen. Na wenn’s sein muss: Spaß muss sein.
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Mo, 19.07.2010
TV | So ist Paris
Paris forever3 Sterne
Die besten Episodenfilme sind die, bei denen man die Verknüpfung der einzelnen Handlungsstränge gar nicht bemerkt. Das ist Cedric Klapisch hier recht gut gelungen. Zumal er ein Pärchen (Bruder und Schwester: Juliette Binoche und Romain Duris) in den Mittelpunkt stellt, um den herum die anderen Figuren ihre Erfahrung mit den kleinen Alltagsproblemen machen. Es geht dabei um nichts Weltbewegendes. Es geht um die Liebe mit ihren Erwartungen und Enttäuschungen, um den Job, um Krankheit und Tod. Mal ist es lustig, mal ernst oder sogar traurig und immer ganz dicht an den Menschen - hier den Bewohnern von Paris. Aber es ist nie uninteressant. Das liegt zum einen an dem Einfallsreichtum des Drehbuchs, zum anderen an den guten, prominenten Schauspielern. Außerdem spürt man den pochenden Puls der Seinemetropole, die niemals schläft genau wie manche Figuren des Films. Gute Unterhaltung.
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Do, 15.07.2010
TV | Glück im Spiel
Ich spiele also bin ich2 Sterne
Der größte Teil des Films dreht sich ums Zocken und ist wohl auch nur für Insider interessant. Es wird zwar versucht mit dem passenden Ambiente und allen nötigen Fachausdrücken die Dramaturgie des Glückspiels einzufangen, doch für Außenstehende bleibt diese Welt ein Buch mit mehr als sieben Siegeln. Der zweite Teil des titelgebenden Sprichwortes lautet ja wohl „Pech in der Liebe“. Doch das trifft hier keineswegs zu. Man ahnt das Happy End. Also sollte es der Vollständigkeit halber im Untertitel wohl heißen „Und auch Glück in der Liebe“. Allein das Verhältnis zwischen Vater (Robert Duval) und Sohn (Eric Bana) rechtfertigt vielleicht das Anschauen. Beide verbindet das Pokerspiel. Aber es ergeben sich auch oberflächliche Probleme. Und dazwischen steht Drew Barrymore als schmückendes Beiwerk, das verhindert, dass es ein reiner Männerfilm wird. Und am Ende fragt man sich, ob die Lovestory oder das Zocken hier wichtiger sind? Oder das eine nur als Transportmittel für das andere dienen soll. Egal! Beides nicht so wichtig. Da gibt es bessere Filme über Glückspiele.
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Di, 13.07.2010
TV | Die Schlange
Die Schlange vergisst nie5 Sterne
Der Film hat einen clever ausgeklügelten Plot, vor allem der psychologisch fundierte finale Befreiungsschlag überrascht und überzeugt. Die beiden Hauptdarsteller: Covis Cornillac als Bösewicht und Yvan Attal als kämpfendes Opfer liefern eine schauspielerische Höchstleistung ab. Aber das Tollste ist die Hochspannung, die rasch aufgebaut und dann gehalten und am Ende nochmals verstärkt wird. Es geht bis an die Unerträglichkeitsgrenze. Das gelingt Eric Barbier durch zwei Stilmittel, die wir seit Hitchcocks Zeiten kennen: wir werden von einer schier unmöglich erscheinenden (Er)lösung zur nächsten gehetzt, wobei sie durch Rückschläge immer unerfüllbarer werden und dann gibt es immer noch kleine aufschiebende Momente, wo etwas vorübergehend hakt oder klemmt oder nicht gelingt und wir am liebsten mithelfen möchten. Wenn man dann noch die packende Action dazunimmt, mit schnellen Schnitten und gewagten Einstellungen könnte man sagen, dieser Barbier ist noch ein bisschen besser als der Altmeister des Suspense. Was sie beide gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass die Frauen in ihren Filmen nicht so gut wegkommen.
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So, 11.07.2010
TV | Der Duft von Lavendel
Der gestrandete Geigenvirtuose5 Sterne
Ein zauberhafter Film, zum Niederknien schön. Eingebettet in die malerische Landschaft von Cornwall gibt es nicht viel Handlung, dafür aber viel Gefühl und Witz. Von dem hochkarätig besetzten Ensemble möchte ich nur Judy Dench hervorheben, die in umwerfend ergreifender Weise die alte Dame gibt, die sich im hohen Alter in den jungen Polen verliebt. Sie spielt das mit so viel Schamhaftigkeit und inneren Tumulten, wie der aufgewühlte Atlantik. Man sieht wie sie mit allem, was eigentlich gegen eine solche unerfüllbare Liebe spricht, kämpft und doch Haltung bewahrt. Es sind fein dosierte, echte, tiefe menschliche Emotionen, die sie auf die Leinwand bringt. Dabei ist es nie kitschig. Charles Dance, der bis dato nur vor der Kamera stand, ist ein Jahrhundertwerk gelungen. Der lyrische Titel weist auf den bevorzugten Duft vornehmer, älterer Damen hin, die eigentlich jenseits der feurigen Liebe leben. Und dann noch die virtuose Musik von Joshua Bell, die einem beim Abschlusskonzert zum Taschentuch greifen lässt.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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