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Sa, 10.07.2010
TV | Miss Daisy und ihr Chauffeur
Geschichte einer menschlichen Annäherung5 Sterne
Es ist der netteste Film des Bruce Beresford und mit Sicherheit einer der warmherzigsten, aus der Traumfabrik. Stilsicher sind die wunderschönen Aufnahmen in dunklem Rot, in Gelb und in Brauntönen gehalten. Gleich von der ersten Szene an wird der Zuschauer vom Charme des Ambientes und der hervorragenden Kunst der Darsteller (Jessica Tandy, Morgan Freeman) verzaubert. Und er wird die Handlung fast immer mit einem verständnisvollen Lächeln begleiten, denn das innere Strahlen der Akteure findet seine Spiegelung auf den Gesichtern des Publikums. Der Titel ist Programm. Dabei könnten die Gegensätze der beiden kaum größer sein in Bezug auf Geschlecht, Hautfarbe und Besitzstand. Und alle diese Gegensätze werden, wenn auch nur am Rande, thematisiert. Es ist die Darstellung einer menschlichen Annäherung: der Domestike wird zum besten und verständnisvollsten Freund der eigensinnigen Lady. Selbst wenn das Lebensende um die Ecke schaut, geschieht das mit großem Einfühlungsvermögen und Humor.
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Sa, 10.07.2010
TV | Blood Simple - Director's Cut
Spannung pur3 Sterne
Den Coen Brüdern geht es nur um die Erzeugung von Spannung. Und das können sie weißgott! Die Dialoge sind super-cool und oft genau so langsam und emotionslos wie die Kameraeinstellung. Bisweilen streifen sie sarkastische Abgründe. Die Optik hilft ebenfalls mit als Suspense-Vehikel: viel dunkel, nicht immer klar erkennbar, wer da gleich agieren wird. Und dann noch die wendungsreiche Handlung. Alle Akteure werden schuldig, manche kommen um und erwachen wieder zu altem Leben - wenn auch nur vorübergehend im Traum oder als Überraschungsgag. Das ist heute weniger eindrucksvoll als noch vor zehn Jahren. Blut gibt’s natürlich auch genug. Und der hängende, drohende, zuckende Wassertropfen als letzte Einstellung steht symbolisch für das Ganze. Und darum ging es den Coens. ’Blood simple’ könnte auch bedeuten: ’Ganz einfach’ oder ’Nur Blut halt’. Gut gemachte, spannende neunzig Minuten.
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Fr, 09.07.2010
TV | Dan - mitten im Leben!
Familientreffen1 Stern
Einer der zahllosen Filme über ein Familientreffen. Dabei wird kein amerikanisches Cliché ausgelassen. Alles landesübliche was man sich nur vorstellen kann wird bemüht: es gibt u.a. Pancake, Pantomime, American Football, Bowling u. v. a. Allein erziehende Väter, pubertierende Töchter, verständnisvolle Großeltern. Das peinlich vorhersehbare Happy End, auf das der Streifen wohl aufgebaut ist, bahnt sich über aufgesetzte Komik und flache Dialoge an. Für die Emotionen muss Juliette Binoche tränenreich herhalten. Hat diese tolle Schauspielerin nichts Besseres zu tun als hier geschwurbelte Gefühlsduselei zu betreiben? Bei den etwas in die Länge gezogenen Gesangseinlagen oder der rhythmischen Frühgymnastik kann man dem Drang nicht widerstehen die Vorlauftaste zu drücken. Dass Regisseur Peter Hedges es besser kann, hat er bewiesen. Hier handelt es sich wohl um einen lauwarmen Nachzieher, aber der hier hat Flasche mehr als leer.
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Fr, 09.07.2010
TV | Felicia, mein Engel
Der ältere Herr und das Mädchen3 Sterne
Ein kleiner Film, der es nie zum ganz großen Erfolg geschafft hat. Dafür ist er aber auch zu ungewöhnlich. Das Ganze wird von den guten Darstellern Bob Hoskins und Elaine Cassidy getragen. Das anfängliche Misstrauen gegen die Hilfsbereitschaft eines älteren Herrn wird kontinuierlich durch kleine optische Zugaben erhöht. Die zunehmende Spannung rührt von der Ungewissheit her: ist er einer oder nicht? Die Ahnung eilt der sich zuspitzenden Handlung voraus. Und dann kommen noch zwei völlig unerwartete Wendungen hinzu: eine vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Bekehrung des Alten im Garten, die mit einer skurrilen Komik etwas überzogen daherkommt. Und dann dessen Ende! Völlig überraschend, blitzschnell, ohne viel Aufhebens. Schließlich pflanzt Felicia Blumenzwiebeln ein. Sie ist wohl inzwischen auf ihrer Reise (so der Originaltitel) an einem Ziel angekommen. Ein Drama voller subtiler Täuschungen, in dem die Gefahr aber auch eine gewisse Komik immer latent mitschwingen.
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Fr, 09.07.2010
TV | The Time Machine - Die Zeitmaschine
Die vierte Dimension4 Sterne
Mit der Erzählung von H.G. Wells hat der Film nur den Titel und einen Teil der Handlung gemein. Ansonsten geht die Story weit über die Vorlage hinaus, was durchaus gerechtfertigt ist, denn Großvater Wells hat sich nur im Deskriptiven ergangen und kam fast ohne Dialoge aus. So konnte sein Enkel viel virtuellen Schnickschnack einsetzen und so wurde es mainstream-kompatibel. Das muss heute wohl auch so sein. Ende des 19. Jahrhunderts genügte noch die äußerst karge Beschreibung, um die Leser zu begeistern. Immerhin ist ein Schluss gefunden worden, der trotz der erfundenen Lovestory nicht im Schmalz ertrinkt. Was dem Autor des Original sehr wichtig war wird nicht deutlich: die englische Zweiklassengesellschaft am Ende des 19 Jahrhunderts, hier Elois und Morlocks genannt. Die tauchen zwar auf, aber ohne den aktuellen Bezug zur Industriegesellschaft.
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Di, 06.07.2010
TV | Eine Schwalbe macht den Sommer
Die Aussteigerin4 Sterne
Eine äußerst sensible, realitätsnahe Handlung, in der sich der alte, mürrische Bauer (ganz toll Michel Serrault) und die junge Agrarökonomin (Mathilde Seigner, nie war sie besser!) auf einander zu bewegen. Außer dem Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Computern und konventioneller Tierhaltung, alt-erprobten Anbaumethoden und neuen Formen, wie ’Urlaub auf dem Bauernhof’, besticht vor allem, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, der beeindruckende menschliche Faktor bei der Begegnung der Generationen. Der Zuschauer kann das Ausmaß der überzeugenden Charmeoffensive an der eigenen Betroffenheit ablesen, wenn er plötzlich mit einem Todesfall konfrontiert wird. Und im Laufe der Zeit balanciert das Geschehen trotz des Altersunterschiedes auf dem schmalen Grat zwischen echter Zuneigung, vielleicht Liebe möglicherweise und Respekt. Die gekonnte Überblendung am Anfang z.B. und der mutige Schluss belegen die Klasse dieses Films. In Abänderung des Sprichwortes ist hier ja wohl die Botschaft: ein Versuch lohnt sich immer!
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Do, 01.07.2010
TV | Stilles Chaos
Treffpunkt der Chaoten2 Sterne
In einer spannungsarmen, uninteressanten Vater-Tochter Beziehung kann der Alte nicht um seine Frau trauern, weil er im Park ständig von durchgeknallten Typen zugetextet wird, die in loser Reihenfolge auftauchen. Es gibt logische Knacks, die in diesem sonderbaren Konstrukt eine Fülle von Fragezeichen hinterlassen. Und damit man nicht einschläft, steckt man plötzlich optisch in einer heißen Sexnummer, die in das Ambiente passt, wie das U-Boot in die Wüste. Die vielgepriesene Behutsamkeit des Vorgehens liegt aber an der Unentschlossenheit der Macher. Und selbst die renommierte Riege von Stars hilft hier auch nicht weiter. Witz und Charme sind von so winzigem Gehalt, dass man sie kaum bemerkt. Das einzige was stimmt, ist der Titel, falls man unter Chaos einen kruden Mix von unausgegorenen Gedankensplittern versteht, der völlig unstrukturiert weder einen Anfang noch einen Höhepunkt oder ein Ende hat und dazwischen leere Hülsen. Was soll’s also?
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Sa, 26.06.2010
TV | Lifeforce - Die tödliche Bedrohung
Die Lebenskraftsauger3 Sterne
Eine Mischung aus Science Fiction und Vampirhorror. Hier saugen die Außerirdischen den Erdbewohnern die Lifeforce aus dem Leibe. Was vor 25 Jahren noch als Schocker gedacht war, ist heute Unterhaltung mit viel technischem Schnickschnack, eingebettet in ein Katastrophenszenario. Doch das Bleibende - weil immer noch anschauungswürdig - ist der Auftritt von Mathilda May, die kostümfrei mit ihrer bewundernswert idealen Figur immer noch ein Hingucker ist. Das war wohl für sie damals der Durchbruch. Inzwischen weiß man, dass sie auch andere schauspielerische Qualitäten hat. Das Ende der Lovestory ist etwas unbefriedigend. Man schaut den beiden Liebenden etwas ratlos und auch lustlos hinterher, wenn sie ins All entschweben.
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Do, 24.06.2010
TV | Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch
Wunder über Wunder3 Sterne
Für gläubige Fundamentalisten der katholischen Kirche ist der Film wahrscheinlich ein Ärgernis, für alle Übrigen eine Mordsgaudi. Und den vielen prominenten Darstellern merkt man an, dass sie auch ihren Spaß an der Inszenierung haben. Vielleicht sind es die Dinge, die sie immer schon mal auf dem Altar der Groteske darbringen wollten: Wundergläubigkeit, Fetischismus, Kommerz und Episoden aus dem Leben des Herrn. Ben Lewin hat sich nicht so weit aus dem Fenster gelehnt wie die Monty Pythons, aber sein Ansatz ist schon äußerst respektlos. Er spielt mit religiösen Symbolen, die jeder kennt und baut so gekonnt Gags und Slapsticks ein, dass die Reaktion darauf Schmunzler oder Lacher sind. Bereits in der Anfangsszene wird deutlich, wo wir hier sind: da stehen die Vertreter der Kirche buchstäblich im Regen. Selbst die etwas überzeichnete Love Story passt ins Bild. Nicht nur hier genießt man die komische Seite von Bob Hoskins u.v.a. Und dann bringt noch ein netter, aber auch gekonnter Schluss alles wieder ins Lot.
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Di, 22.06.2010
TV | Der Frauenmörder von Paris
Der Mann der die Frauen nicht liebte3 Sterne
Das Auffallendste an diesem Krimi des Altmeisters von 1963 ist, dass man weder die vielen Morde noch die Hinrichtung des Mörders sieht. Lediglich durch wiederholt gleiche Einstellungen (rauchender Schornstein) kann man ahnen wie er es angestellt hat. Bemerkenswert ist die Riege von Leinwandikonen (Morgan, Darrieux, Knef, Audran u.a.) die hier die Opfer darstellen. Es wird offenbar kein großer Wert auf blutrünstiges Meucheln gelegt. Das Ambiente ähnelt Theaterkulissen - eine künstlich errichtete Scheinwelt - und die Darstellungsweise offenbart eine gewisse Theatralik, die unterstützt durch die Wortwahl der Dialoge einen gewissen ironischen Unterton einbringt. Als pointierter Seitenhieb wird das zeitgleiche Sterben der Männer im 1. Weltkrieg an der Front erwähnt: dort sterben die Männer, daheim werden die Frauen ermordet. So entsteht ein groteskes Bild einer Gesellschaft, in der der Tod mal offiziell mal kriminell ganz normal auf der Tagesordnung steht. In beiden Fällen ist er aber keineswegs gerechtfertigt.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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