Mi, 28.04.2010TV | Eine Schlacht im HimmelDer dicke ChauffeurEine Schlacht im Himmel ist es nicht, eher eine auf der Matratze. Oder soll die Matratze der Himmel sein? Das worum es eigentlich geht: eine Kindesentführung sieht man nicht. Lange Kameraeinstellungen, äußerst knappe Dialoge, bewusst ausdruckslos agierende recht korpulente Schauspieler und verwirrende Schnitte könnten zum wegzappen verleiten. Doch dann sieht man völlig unerwartet immer wieder viel nackte Haut und Sex, Frontalansichten der Genitalien beiderlei Geschlechts in Ruhestellung und nach GV. Die karge Handlung lässt viel Spielraum für Interpretationen: ist das Problem der Moloch Großstadt, der Menschen zu solchen Taten treibt? Ist der Sex bzw. die Promiskuität die einzige Erfüllung im Leben? Sind tiefe Religiosität und Kriminalität keine unvereinbaren Gegensätze? Eine Antwort gibt der Film nicht. Er beginnt und endet ohne Kommentar mit einem Phalli Lingus. | |
Mo, 26.04.2010TV | Schwarze AugenEin Italiener in RusslandEiner der profiliertesten russischen Regisseure der 80er Jahre hat einen Film gemacht, der teilweise in Italien und teilweise in Russland spielt mit italienischen und russischen Schauspielern. Herausgekommen ist eine preisgekrönte, romantische Liebesgeschichte mit einem Schluss, den man zwar schon vorher ahnt, ihn aber dennoch genießt. Eindrucksvolle Bilder von unberührter Natur und einheitlich gekleideten Menschen (im Westen meist in schwarz und weiß) und turbulente Szenen im Osten unterstreichen die leichte Hand der Inszenierung. Voller ironischer Seitenhiebe sowohl auf die vornehme Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts, speziell den Bäderbetrieb, als auch auf die Mangelwirtschaft und die Rückständigkeit des zaristischen Russlands. Ein Gipfel der Komik ist die Liebeserklärung im Hühnerstall. Und Marcello Mastroianni kann sein ganzes Talent in diese Rolle hineinlegen: Frauenschwarm und Frauentröster, Hypochonder und Tunichtgut, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und am Ende genauso mittellos ist wie am Anfang. Mittellos aber reich an Erfahrung. | |
Mo, 26.04.2010TV | Der MeisterAuf der Suche nach LiebeDer kleine Wanderzirkus, der hier im Mittelpunkt steht, ist nur das Vehikel für den Transport der Emotionen. Hauptsächlich geht es um die Liebe. Die homo und hetero erotische, die käufliche und die echt tiefe, aber auch die eines Vaters zu seinem kleinen, blinden Sohn. Die bunt zusammengewürfelte Truppe wächst im Laufe der Tourné auf fünf Personen an. Am Ende ist es wieder eine Einmann-Show. Jeder ist auf der Suche, bemüht seinem Leben eine Struktur zu geben. Den meisten gelingt das nicht, aber die Versuche bei der Suche sind aller Ehren wert und nachvollziehbar. Dabei gibt es sehr sensible Szenen, lange philosophische Dialoge und fast immer spielt Brüderchen Wodka dabei keine unwichtige Rolle. Der Zuschauer bleibt zurück in einer positiv melancholischen Stimmung, die durch die wunderschönen Bilder entstanden ist mit der Erkenntnis, dass die Liebe so beständig ist wie der Spieltort eines Wanderzirkuses. | |
Di, 20.04.2010TV | Es beginnt heuteEs liegt bei den ElternEine realistische Sozialstudie, die Regisseur Tavernier geschrieben hat. Im Mittelpunkt steht Daniel, der Leiter einer Vorschule (überzeugend Philippe Torreton), die in einem sozialen Brennpunkt liegt. Er kämpft gegen Behörden, die sich hinter Bestimmungen verschanzen, Politiker, die leere Sprechblasen produzieren aber auch gegen die Eltern, die gewisse Vorschriften nicht beachten. Dabei ist er ein herzensguter Idealist, der im Grunde für die Kinder alles tut, damit es ihnen gut geht.
Die Botschaft ist klar: die Wurzel allen Übels ist das Versagen der Eltern. Sie erziehen ihre Kinder nicht mehr, sondern parken sie vor dem Fernseher und selbst kleinst Selbstverständlichkeiten in Kommunikation und Umgangsformen müssen in der Vorschule eingeübt werden. Der Titel weist darauf hin, dass man sofort handeln muss, bevor es zu spät ist. Einige Figuren erhalten deutlichere Konturen, wodurch Betroffenheit hervorgerufen wird. Ultimative Kurzschlussreaktionen werden nachvollziehbar dargestellt, ohne dem Voyeurismus zu frönen. Neben den Landschaftsbildern aus dem nicht so malerischen Nordfrankreich, hört man als Kontrast noch aus dem Off lyrische Passagen von Daniel. | |
Mo, 19.04.2010TV | Gosford ParkMord im SchlossWenn der Regisseur nicht Großmeister Robert Altman wäre, könnte man diesen Film mit Nichtbeachtung in der Vergessenheit versenken. Doch dann macht zunächst einmal das riesengroße Staraufgebot hellhörig. Andererseits hätte nur ein wirklicher Könner wie er so einen Film machen können. Eine überaus prächtige Ausstattung sorgt für die Atmo im Schloss. Eigentlich passiert fast nichts. 90% sind Small Talk, gemischt mit albernen Gehässigkeiten, blasiertem Snobismus oder arrogantem Standesdünkel. Selbst ein Mord bleibt fragwürdig und die Anwesenden schenken ihm weiter wenig Beachtung. Man ahnt ein Motiv. Es bleibt aber ziemlich vage. Ist es ein Spiegelbild der englischen Gesellschaft vor dem 2. Weltkrieg? Die unheilvolle Aufspaltung in zwei Klassen? Eine dem Untergang geweihte Aristokratie? Von alledem ein bisschen. Mit leichter Hand inszeniert wartet man darauf, dass etwas passiert. Aber je länger das Warten andauert, desto ermüdend wird es. | |
Sa, 17.04.2010TV | Die Tür der VersuchungTrauerarbeitOhne den Titel des Originals „Die Tür im Fußboden“ versteht man die letzte Einstellung nicht. Damit wird der Symbolik aber mehr als ausreichend Tribut gezollt. Der Film stellt nur einen Teil des Romans von John Irving „Witwe für ein Jahr“ dar und muss folglich stark vereinfachen. Es zieht sich aber alles ganz schön in die Länge und man fragt sich nach dem Kern: Unglücklich Verheiratete (Kim Basinger) verführt College Boy - also eine Dreiecksgeschichte oder wie verarbeiten die beiden Eltern jeweils ein traumatisches Ereignis? Es sieht so aus als würde beides mit einander zusammenhängen. Zumindest kann man bei genauerem Hinsehen und mit viel Fantasie die unterschiedliche Trauerarbeit in einer kaputten Ehe ausmachen. Jeff Bridges - „eingebildet wie ein undichtes Kondom“(John Irving) gibt als Ehemann den egozentrischen Künstler. Auch die unfreiwillige Komik in der zweiten Hälfte, kann das Gähnen nicht verhindern. Der Versuch der tiefenpsychologischen Durchleuchtung ist nicht ganz geglückt. | |
Do, 15.04.2010TV | Mr. Shi und der Gesang der ZikadenVergangenheitsbewältigungRegisseur Wayne Wang hat sich immer schon für das Leben der Chinesen in Amerika interessiert. Ein Vater, der in Peking lebt, besucht hier seine Tochter, in den USA. Er behandelt die inzwischen erwachsene Frau immer noch so als sei sie ein Kind. In langen Gesprächen, die immer wieder neue Aspekte aus ihrem gemeinsamen Leben enthüllen, nehmen sie uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei werden moralische Unterschiede zwischen den Generationen deutlich, die teilweise kulturell begründet sind. Auf die gegenseitige Frage nach dem ’warum’ enthüllen Vater und Tochter manch persönliches Geheimnis. Auch die Muttersprache spielt eine wichtige Rolle in der Ausdrucksweise im Gegensatz zur benutzten Fremdsprache. Die Essenz der Dialoge gipfelt in der Feststellung, dass wenn eine Frau einen Mann heiraten will, sollten sie ’tausend Jahre gute Gebete’ gesprochen haben, so der Originaltitel. Ein leiser Film, der für beide Generationen Verständnis zeigt. | |
Do, 15.04.2010TV | Wie eine richtige FamilieMein vietnamesischer Bruder heiratetDie Machart ist recht interessant aber gewöhnungsbedürftig. Denn wer macht heute schon noch lange Monologe vor der Kamera? Der Film behandelt über weite Strecken hinweg ein ernstes Thema: Aufeinanderprallen von verschiedene Kulturen anlässlich einer Hochzeit. Der Anlass ist völlig nebensächlich, im Mittelpunkt steht eine auseinandergebrochene Familie, die auf heile Welt mimen muss. Latente Konflikte lassen sich nicht länger unter den Teppich kehren. Die Auseinandersetzungen reichen von verbalen Attacken bis zu regelrechten Handgreiflichkeiten. Die zwischendurch vereinzelt entstehende Situationskomik wirkt deshalb doppelt lustig. Im Unterschied zu anderen Filmen, die das Thema behandeln, läuft hier alles nach Plan - das heißt eigentlich aus dem Ruder. Das zerbrochene Porzellan ist nicht mehr zu kitten. Das ist ganz nah an der Realität, ganz ohne sentimentalen Schmus. Die Charakterzeichnung ist so stark und klar, dass sich am Ende niemand verbiegen muss. | |
Mi, 14.04.2010TV | KopsDumm, dümmer, PolizistRegisseur Josef Fares ist kein gebürtiger Schwede. Vielleicht ist ihm deshalb diese recht spaßige, skandinavische Komödie gelungen, in der die Polizei im Mittelpunkt steht. Er geht hier mit den Ordnungshütern recht respektlos um. Dabei treibt er es bis an die Grenze des Slapsticks und ironisiert obendrein noch die Kung Fu Kunststückchen. Das ist von Anfang an so gut gemacht, dass man die Absicht dahinter sofort erkennt. Die dämlichen Typen kommen einem allerdings bisweilen schon peinlich vor. Die sind ja manchmal dümmer als die Polizei erlaubt. Aber die Idee an sich ist neu und kurzweilig umgesetzt. Dass die Love Story offen bleibt spricht für den Film. Und das Ende bietet dann noch eine gelungene Überraschung, mit der man nur noch mal daran erinnert werden soll: alles war nur ein Scherz! Und was das angeht, da sind schon echte Schenkelklopfer dabei. | |
Mo, 12.04.2010TV | This is England - Ende einer KindheitEngland ist überallShane Meadows hat sich immer schon mit Randgruppen und Außenseitern beschäftigt. Hier kennt er sich aus. In diesem Film konzentriert er sich auf die rechtsextreme Ecke der britischen Gesellschaft. Als Partei gibt es da tatsächlich die ’National Front’, die man mit der NPD bei uns vergleichen kann. Ein sensibles Gesellschaftsportrait, das die Gefahren, wie man in die Szene kommen kann, verdeutlicht. Die Darstellung der Anziehungskraft echter Männerfreundschaft und die Akzeptanz in der Gruppe von einem Youngster, der ohne Vater aufwächst und ein Vorbild sucht, ist echt nachvollziehbar. Viele Details machen die Story glaubwürdig und auch Eindruck, vor allem der junge Thomas Turgoose. Wir sehen kein nur für England typisches Gesellschaftsphänomen aus der Thatcher-Ära und dem Falklandkrieg. Dass das überall so passieren kann, zeigen die Nachrichtenbilder am Anfang und am Ende: es sind nationalistische Auswüchse und deren Folgen eben. Immer wieder wichtig, immer wieder anschauen! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.