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Fr, 05.06.2009
TV | Straße der heimlichen Freuden
Die traurige Nutte2 Sterne
Wie immer liefert Regisseur Patrice Leconte wunderschöne, sinnliche Bilder. Diesmal hat er sich die Geschichte vom Hausmeister (Patrick Timsit) und der traurigen Nutte (Laetitia Casta) ausgedacht, die in Paris Ende des 2. Weltkrieges spielt. Dieses intellektuelle Konstrukt von einer selbstlosen, unerfüllbaren Liebe wäre zu einer Romanze geragten, wenn es da nicht das schmerzliche Ende gäbe. Erzählt wird das Ganze durch drei Damen vom horizontalen Gewerbe, die das Geschehene wie der Chor in der klassischen griechischen Tragödie kommentieren und auch wie dort schon alles im Voraus wissen. Recht schwungvoll inszeniert mit pfiffigen Überleitungen und auch teilweise guten Sprüchen: „Wenn du dein Leben lang mit dem Arsch gewackelt hast, hast du nicht viele Möglichkeiten.“ Kann man sich anschauen, wenn man nichts Besseres vorhat.
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Do, 04.06.2009
TV | Zaman - Der weite Weg nach Bagdad
Leben im Schilf3 Sterne
Ein Bauer, der im und vom Schilf lebt (der Originaltitel lautet ’Der Schilfmann’) muss ein Medikament für seine kranke Frau in der Stadt holen. Das gerät zu einer Odyssee, auf der der Gegensatz vom Leben in der Stadt zu dem auf dem Lande deutlich wird. Hier herrscht noch die Tradition, dort der Fortschritt – die Apotheke heißt aber schon ’Pharmacy’. Hier gibt es sauberes Wasser, dort Straßenlärm und Abgase. Dass er das Medikament in einem katholischen Krankenhaus bekommt, ist ein echter ironischer Seitenhieb auf die Situation im Irak auch nach Sadam. In Kreisform präsentiert Regisseur Amer Alwan seine Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen und dem Wissen, das früher doch alles besser und sauberer war.
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Do, 04.06.2009
TV | Die Sonne
Der arme Tenno2 Sterne
Wenn man wie hier der japanische Kaiser 1945 immer noch in altehrwürdigen, erstarrten Traditionen des Hofzeremoniells versinkt, bleibt nur die rückwärtsgewandte Perspektive als einzige Option und verstellt den erkenntnisschaffenden Blick auf die momentane Situation. Der Tenno gibt sich der Lächerlichkeit preis, wenn er seinen göttlichen Status aufzugeben gewillt ist und sogar gegenüber seiner Frau ist der zur Emotionslosigkeit Erzogene ein kindisch bemitleidenswerter armer Tropf. Anspruchsvolle Doku für Sinologen.
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Di, 02.06.2009
TV | Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Zauberer der Düfte5 Sterne
Es ist schon ein hoher Anspruch, wenn man versucht, einen Duft optisch so umzusetzen, dass er vom Publikum wahrgenommen werden kann. Und dass gelingt Tykwer gleich in den ersten zehn Minuten. Die Bilder vom stinkensten Ort der Erde, dem Pariser Fischmarkt, bringen den Ekel zum Zuschauer. Und man reagiert, wie man auch sieht, durch Brechreiz. Umso erstaunter verfolgt man den langen Herstellungsprozess eines so wundervollbringenden Parfums, bei dem so viele Mädels ihr Leben verlieren. Der Gesang von einer engelhaften Stimme schwebt fast immer dann über den Bildern, wenn die rothaarige Laura (Rachel Hurd-Wood) zu sehen ist und bietet erste Interpretationsmöglichkeiten für den Schluss: dieses Parfum bringt die Liebe in die Welt, alle Menschen werden sanftmütig und der Überbringer ist der Messias, den manche einen Engel nennen und dem sie huldigen. Dabei opfert er sich selbst – stets mit bitterer Leidensmiene: Ben Whishaw. Auch Märchen können grausam sein. Muss man gesehen haben.
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Mo, 01.06.2009
TV | Weiblich, ledig, jung sucht ...
Hochspannung pur4 Sterne
Es ist nicht nur einer der spannendsten Filme, sondern ebenso bemerkenswert, wie diese Spannung aufgebaut und bis zur Unerträglichkeit gesteigert wird. Es gibt Zwischenstadien von geheuchelter schwesterlicher Solidarität über gespielte Hilfsbereitschaft bis hin zu ersten physischen Grausamkeiten und dem furiosen Showdown am Ende. Die beiden Hauptdarstellerinnen Bridget Fonda und Jennifer Jason Leigh sind umwerfend überzeugend. Wobei letztere den interessanteren Part hat: die Wandlung von der freundlichen, linkischen, nicht besonders hübschen, fast hilflosen Untermieterin zur psychopatischen Killerbestie. Ein wichtiger Faktor ist dabei das wachsende Misstrauen im psychologischen Kleinkrieg. Und wenn schließlich die Hintergrundinformation die Erklärung bringt, rundet die – weil gut vorbereitet – das Bild stimmig ab.
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So, 31.05.2009
TV | Marie Antoinette
Fader Zauber1 Stern
Ein äußerst handlungsarmer Streifen, bei dem anscheinend nur großen Wert auf die aufwendigen Kostüme gelegt wurde. Die Darstellung der steifen Hofetikette nimmt weiten Raum ein, wobei die sich wiederholenden Anlässe eine gewisse Monotonie verbreiten. Die Anlehnung an historische Korrektheit – hier der Vorabend der Französischen Revolution – ist eigentlich bedeutungslos. Und wenn man es schafft, sich das höfische Treiben längere Zeit anzuschauen, wird man durch Heavy Metal wachgedröhnt. Das ist ebenso unpassend wie die gesungenen Arien akustische Schmerzen bereiten. Und wenn wirklich was passiert und der Dauphin schafft es die Ehe zu vollziehen, geht es im Stakkato-Tempo: völlige Dunkelheit – Kirsten Dunst stöhnt kurz auf – Geburtsschrei des Thronfolgers – fertig. Ein Film, den die Welt nicht braucht und für den die Bezeichnung Kostümschinken noch geschmeichelt wäre. Oh Sofia, was hast du dir nur dabei gedacht!?
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Sa, 30.05.2009
TV | Die Kirschenkönigin
Die Kunst zu Überleben4 Sterne
Rainer Kaufmann ist ein äußerst unterhaltsamer Dreiteiler gelungen, mit üppiger Ausstattung und tollen Schauspielern (Vogel, Tarrach, Müller, Zirner u.a.). Aber zu aller erst ist es ein Frauenfilm. Hier brilliert vor allem Johanna Wokalek als Ruth Goldfisch in der Titelrolle. Sie ist eine mutige, moderne Frau mit Geschäftssinn, aber auch mit viel warmer Herzlichkeit. Mit stark ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit gelingt es ihr auf ihrem Gut als Jüdin den Nazi-Terror zu überleben und sich auch mit den Besatzern– erst Amis dann Russkis zu arrangieren. Es ist Gefühlskino pur ohne ins Kitschige abzugleiten. Dafür sorgt der begleitende Kommentar aus dem Off, der manchmal auch ironisch daher kommt und der im Epilog einen Bogen über die 68er hin bis zum Fall der Mauer spannt. Wendehälse stehen im Gegensatz zur Gradlinigkeit einer Frau, die sogar Opportunisten hilft und mutig ihren Weg geht. Sollte man gesehen haben.
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Fr, 29.05.2009
TV | Auszeit
Zeitarbeit1 Stern
Arbeitslosigkeit ist doch heute ein wirklich erstes Thema. Entweder man kann es gekonnt in eine Komödie verpacken wie Ken Loach oder Stephan Frears oder man macht ein Drama draus wie Paul Schrader u.a. Hier aber kommt ein Gulasch raus mit einem völlig überzuckerten Ende. Die Verheimlichung der Entlassung vor der eigenen Ehefrau ist ja noch verständlich, vorübergehend; aber einen ganzen Film lang…? Den Mut den wahren Fall nachzuerzählen hatte Regisseur Cantet wohl nicht. Der Hauptdarsteller Aurélien Recoing bleibt farblos, weil uneinsichtig und eindimensional. Seine Ehefrau Karin Viard ist bemüht, menschliche Tiefe einzubringen, bleibt aber an der Oberfläche. So behält man am Ende einen faden Geschmack im Mund, so als hätte man sich tagelang nicht die Zähne geputzt. Schade.
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Fr, 29.05.2009
TV | Quo Vadis
Rom brennt4 Sterne
Es ist einer der großen fünf Sandalenfilme. Neben Ben Hur, Spartakus, Die Gladiatoren und Das Gewand. Sie hängen alle irgendwie mit dem Christentum zusammen. Nur bei Spartakus liegt die Betonung auf der Freiheit. Und bei allen steht ein individuelles Schicksal im Mittelpunkt und eine Lovestory, mit der man sich identifizieren kann. Hier Robert Taylor und Deborah Kerr, aber das Anschauen lohnt sich allein schon wegen dem umwerfend guten Peter Ustinov, der den wahnsinnigen Kaiser Nero eindrucksvoll darstellt. Damals (1951) wurden die Massenszenen (Kämpfe in der Arena, Vulkanausbruch etc.) noch mit echten Akteuren gedreht, die immer noch beeindrucken und den Zuschauer für geraume Zeit mit in die Antike nehmen. Sehenswert.
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Di, 26.05.2009
TV | Trouble in Mind
Probleme der Großstadt3 Sterne
Dieser Film von Kultregisseur Alan Rudolph passt nicht so recht in irgendeine Schublade. Es ist eine Ballade und die Hauptrolle spielt eigentlich die nächtliche Großstadt, der feindliche Moloch, der alles und Jeden zu verschlingen droht. Manche kommen hierher, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, andere wollen aus demselben Grund wieder weg. In einem Kaleidoskop von Typen – die alle äußerst authentisch sind – kristallisieren sich eine Liebesgeschichte (Kris Kistofferson und Lori Singer) und eine Gangstergeschichte (Keith Carradine und Devine) heraus. Alle versuchen mehr oder weniger erfolgreich ein Auskommen zu finden oder ihr Glück zu machen. Erstaunlich ist, dass manche Personen über ihr Schicksal und das der anderen laut nachdenken. Wandas Café mit Besitzerin Geneviève Bujold ist Dreh- und Angelpunkt des Ganzen. Die rauchige Stimme von Marianne Faithfull macht die Atmo perfekt. Und spannend ist es sowieso.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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