Do, 29.01.2009TV | Die Farben des ParadiesesMit Händen und Fingern sehenWie schon in seinem vorigen Film sind Kinder die Protagonisten in Majid Majidis Werken. An ihnen werden die Probleme der Erwachsenen deutlich. Hier ist es ein blinder Junge, den der Vater ablehnt und den nur die Großmutter liebt. Die Farben des Paradieses sind hier auf der Erde zu sehen: eine Wiese, eine frisch getünchte Hauswand oder eingefärbte Stoffe. Selten ist der Tod so wunderschön angedeutet worden, wie hier der der Großmutter: in goldenes Licht getaucht.
Neben den Farben spielt Majidi noch mit Lauten: Vogelstimmen. Eine hebt sich von den anderen besonders ab: ähnlich wie die einer Auerhahns verkündet sie nichts Gutes. Man hört sie gegen Ende, wenn es nochmals sehr dramatisch wird. Aber wir werden nicht allein zurückgelassen nach dem tragischen Hinabgleiten von Sohn und Vater im reißenden Gebirgsbach. Ganz langsam, ganz sanft fällt das Licht der untergehenden Sonne auf die Hand des Jungen, die erst schlaff herunter hängt und dann. . .
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Mi, 28.01.2009TV | Schildkröten können fliegenKinder im KriegDer lyrische Titel überzuckert die grausame Realität. Aber der Regisseur macht das wohl immer so. Es ist eine erschütternde Dokumentation über das Lagerleben von Flüchtlingen im Nahen Osten. Die Ansätze für einen Spielfilm sind eher rudimentär und deshalb unbedeutend. Was den Eindruck noch verstärkt, ist der Umstand, dass es sich hier ausschließlich um Kinder handelt. Für Mitteleuropäer unvorstellbar, in welchem Schmutz und das bei ständiger Lebensgefahr sie zu überleben versuchen. Es herrscht ein autoritärer Anführer, ganz souverän wie ein Erwachsener. Er macht Geschäfte, ist quasi Arbeitgeber und besitzt ein Fahrrad als Statussymbol. Wir können dem ganzen Treiben nur hilflos zuschauen, denn eine Verbesserung der Lage ist hier nicht in Sicht. | |
Di, 27.01.2009TV | Erbsen auf halb 6Blinde LiebeDas Originellste ist ja wohl der Titel, den man wirklich nur versteht, wenn man den Film gesehen hat. Im Großen und Ganzen ist er aber recht einfühlsam inszeniert. Man bekommt eine Vorstellung von der Welt, in der Blinde leben. Es gibt mitunter gute Kameraeinstellungen (plätscherndes Wasser im Gegenlicht) und das Zusammentreffen von zwei Aktionsfäden ist gut überlegt genauso wie manche Situationskomik.
Die Reiseroute mit rotem Strich auf der Landkarte nachzuzeichnen wirkt etwas antiquiert. Manche Szenen sind gedanklich nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Und die Nebenhandlung, mit dem Girly, das partout auf Entjungferung aus ist („eine sexuelle Interessengemeinschaft“ sucht) passt nicht so ganz ins Bild. Wider erwarten verflacht die zweit Hälfte enorm Es ist nicht so der ganz große Wurf, aber redlich bemüht ein eigentlich erstes Thema einem breiten Publikum zu erschließen.
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Mo, 26.01.2009TV | Kate & LeopoldEin Märchen wird wahrFilme mit Zeitsprung gibt es ja zur Genüge. Aber dieser gut gemachte Unterhaltungsfilm baut sich auf zwei unterschiedlichen Bewusstseinsebenen auf. Die Wunder der Technik des 20 Jahrhunderts treffen auf Höflichkeit von früher. Ein Herzog aus dem 19. Jahrhundert( Hugh Jackman) kommt durch einen Riss im Zeitgefüge in die Jetzt-Zeit. Hier trifft er auf Meg-Everybody’s-Darling- Ryan. Bei aller Fortschrittsgläubigkeit wird hier deutlich, wie ungesund wir doch heute leben. Bio-Produkte sind das einzig Wahre und ein Essen ist noch ein Mahl. Er gibt Verständigungsschwierigkeiten wenn es um Dinge geht wie “der Frau den Hof machen“. Der Wechsel zwischen den beiden Jahrhunderten ist optisch gut umgesetzt – besonders Kates Übergang in die Welt des Herzogs. Daneben ist die Verfolgungsjagd des Handtaschendiebes im Central Park ein toller Gag. Will uns Regisseur James Mangold sagen, dass man mit guten Manieren und Ehrlichkeit Erfolg bei Frauen hat? Und dass dann auch Märchen wahr werden können? | |
Do, 22.01.2009TV | Lust auf SexRammeln was das Zeug hältEine Mutter von 2 kleinen Kindern, glücklich verheiratet, beruflich erfolgreich schläft mit jedem Mann, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Als der gehörnte Ehemann ihr drauf kommt, schmeißt er sie raus. Die Lösung bietet eine Therapierunde für Sexsüchtige.
Eine dümmliche, sehr banale Handlung, kommt mit platten Dialogen und ohne Tiefgang daher. Auch die Sexszenen können da nicht mehr zur Verbesserung beitragen. Das oberflächliche Konstrukt ist das Zelluloid nicht wert ist, auf dem es abgebildet wird. Und die immer wiederkehrenden Skrupel der kranken Frau wirken aufgesetzt und sind völlig unglaubwürdig. Der ahnungslose Ehemann begleitet mit minimaler Mimik das Streuseln seiner Frau. Als er langsam dahinterkommt reagiert er unterkühlt, vielleicht sogar gelangweilt. Genau wie die Zuschauer. Und das in der Reihe Sommerfantasien?! Sollte viel eher „ Schlafe mein Kindchen, schlaf ein“ für Erwachsene sein.
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Mi, 21.01.2009TV | Die TräumerDrei in Paris 1968Isabelle (Eva Green) und Theo (Louis Garrel) sind quasi siamesische Zwillinge, im Kopf zusammen gewachsen. Sie freunden sich mit dem biederen, etwas genanten Amerikaner Matthew (Michael Pitt) in Paris an. Es ist 1986, auf den Straßen finden Studentendemonstrationen statt. Die drei verbringen einige Tage miteinander; lesen, diskutieren, kiffen und baden gemeinsam. Was zunächst noch als ein sadistisches Spielchen durchgehen könnte, entwickelt sich zur sexuellen Befreiung durch einen Tabubruch: öffentlich gemachte Sexualität: onanieren und deflorieren.
Der Zeitgeist der 68er wird exakt wiedergeben durch s/w Originalaufnahmen von “Außer Atem“, Musik von Clapton und Hendrix, Diskussion über den Krieg in Vietnam oder Mao. So bleibt letztlich die damals oft gestellte Frage offen: Veränderung durch Liebe oder Gewalt...“
Ein echter Bertolucci eben, sehr freizügig, aber nicht pornographisch. Anschaulich überzeugende Hommage an das Kino. Zum Abspann singt die Piaf “ Non je ne regrette rien…“ Schmunzel, schmunzel…
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Mi, 21.01.2009TV | Die letzte MätresseDie armen MännerMitte des 19. Jahrhunderts überredet die Großmama den zukünftigen Schwiegersohn zu einer Lebensbeichte. Vor allem, weil es um sein früheres ausschweifendes Leben an der Seite einer Mätresse geht. Es folgen endlos lange Monologe / Dialoge, nur unterbrochen von ein paar unerotischen Bettszenen mit unbequemen Stellungen. Die Mätresse langweilt sich letztlich und leidet, weiß aber nicht, was ihr fehlt. Der Zuschauer auch nicht.
Was will uns Catherine Breillat, das Enfant Terrible des französischen Films, hier sagen? Die Männer sind schwach. Heiraten eine Schöne, Kühle, Wohlhabende, die sich in der Beziehung aufopfert und zu allem schweigt? Aber lieben tun sie eine Wilde, Feurige, nicht standesgemäße, die uns bis an den Rand des Sadismus quält. Sie bereitet uns die höchste Lust. Na so was. Wer hätte das gedacht. Männer sind Opfer ihrer eigenen Sexualität. Willenlose Werkzeuge der Frauen. Unglaublich!
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Di, 20.01.2009TV | UranusVon Raufbolden und SternguckernHier wird ein Kapitel der französischen Nachkriegsgeschichte aufgearbeitet, das viele Franzosen eigentlich lieber ganz vergessen würden. Denn –anders als manche von ihnen uns glauben machen wollen – war nicht fast jeder Franzose Mitglied der Résistance und verübte fortwährend Sabotageakte gegen die Nazi-Okkupanten. Hier wird sehr genau zwischen Kommunisten und Sozialisten, zwischen Kollaborateuren und Kriegsgewinnlern differenziert. Ganz allmählich normalisiert sich das Leben in der ziemlich zerbombten Kleinstadt. Alte Rechnungen werden handfest beglichen und es geht auch nicht ganz ohne Blutvergießen.
Die herausragende schauspielerische Leistung von Gérard Depardieu als derber, rauf- und sauflustiger Gastwirt, der plötzlich, verwickelt in ein politisches Ränkespiel, in eine lyrische Phase kommt, und Philippe Noiret als romantischer Träumer, der an das Gute im Menschen glaubt und die Sterne beobachtet, machen Uranus zu einem ganz besonderen Seherlebnis.
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Sa, 17.01.2009TV | Nicholas NicklebyBöse alte WeltEs ist eine kongeniale Verfilmung eines Romans von Charles Dickens. Eine Spitzenbesetzung bis in kleine Nebenrollen liefert bestes englisches Kino. Mit viel Liebe zum Detail – wobei eine Theaterbühne eine zentrale Stellung einnimmt und dem Film etwas Märchenhaftes verleiht – und mit oskarwürdiger Musik unterlegt, wird einem die Mühe erspart, sich durch über vierhundert Seiten zu schmökern. Konsequent ist die Bildgestaltung meistens in schwarz gehalten und kreiert eine eindrucksvolle Stimmung. Fast alle skurrilen Archetypen von Dickens sind versammelt: der hinkende Krüppel, der einäugige Schurke, die dicken drolligen Zwillinge, der geldgierige Bösewicht und der sympathische Trinker. In dieser bösen Welt muss sich der Held, der blonde Charlie Hunnam behaupten. Es kommt zu Entführung, versuchter Zwangsverheiratung, Verleumdung und Liebesleid. Selbst für gelegentliche Komik ist Platz neben etwas Gesellschaftskritik bis zu einem echten Ende à la Dickens. | |
Fr, 16.01.2009TV | Shandurai und der KlavierspielerNicht doch, doch, dochBertolucci hat uns mit vielen beachtenswerten Filmen beschenkt. Manche waren dabei, die provozierten oder schockierten uns, manche beeindruckten mit ihrer epischen Erzählweise und dem bildgewaltigen Ausdruck. Keiner ließ uns kalt. Das galt bis 1998. Da lieferte er einen Film ab, den man getrost als “nichts-sagend“ bezeichnen kann, denn ihm fehlt eine zentrale Aussage. Dass sich der Klavierspieler in die Schöne bei ihm putzende Medizinstudentin aus Afrika verliebt, ist kein Wunder. Dass sie einen Mann hat, der in ihrer Heimat im Gefängnis einsitzt, ist tragisch und wenn der freigelassen wird und nach Rom kommt, könnte das ein Problem bedeuten. Doch Bertolucci lässt es dabei bewenden und wir fragen uns “Na und?“, “Was soll’s?“ “Wie jetzt?“ Hier hat der große Meister entweder nicht zu Ende gedacht oder die Lust verloren. Uns so ein Stückwerk vorzusetzen ist schon recht mutig. Bei einem Erstlingswerk hätte die Kritik gesagt “Tonne auf und rein damit.“ | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.