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Fr, 03.03.2017
TV | My Sweet Pepper Land
Im wilden Kurdistan4 Sterne
Der Film ist so gut, dass man ihn sich gleich nach dem Abspann nochmal anschauen möchte. Und das nicht wegen der wunderschönen Golshifteh Farahani. Dann kann man z.B. die eindrucksvollen Landschaftaufnahmen genießen. Zuvor war man ja schon etwas überrascht, sich in einem Western zu befinden. Und der Anfang ist auch noch von makabrerem schwarzem Humor, wenn der neue Staat die Demokratie durch ein Todesurteil feiert, das natürlich misslingt. ‘Und der Herr schickt seinen Segen‘ in Form von Vogelkacke. Die Komik reicht vom Brüller, wenn die Truppen zum Elvis Song ‘You’re so square‘ im Laufschritt paradieren, bis hin zur Situationskomik ohne Worte, wenn die Kamera die Portraits von Barans Vorgänger streift. Dieser ehemalige Peschmerga (Korkmaz Arslan) trifft jetzt als örtlicher Polizeichef die Lehrerin Govend (Golshifteh Farahani) irgendwo im Nirgendwo in einem Dorf zwischen dem Iran dem Irak und der Türkei. Hier legen sie sich mit dem Warlord Aziz Aga an. Neben der Komik gibt es auch noch viele ernste Szenen: z.B. die Partisaninnen, die sich mit abgelaufenen Arzneimitteln begnügen müssen oder den Schmuggel und natürlich geht es allen um die Ehre. Da rücken Govends zahlreiche Brüder gleich als geschlossene Formation an und bedrohen ihre Schwester mit dem Tode, weil sie mit Baran geschlafen hat und folglich jetzt als Hure gilt, die ihre Ehre verloren und die der Familie beschmutzt hat. Und immer wieder stehen sich hier zwei unterschiedliche Auffassungen von Gesetz gegenüber: das Aufgeschriebene und die Tradition. Und Baran weiß, dass das Ende des Krieges noch lange nicht Frieden bedeutet. Der finale Showdown ist eher ein Ordnung-schaffen und die Bösewichter-bestrafen: kurz und schmerzlos. Nach den Klängen der Hang, die Govend wirklich spielen kann, fängt das Mikro nur die Rufe der Liebenden ein in einer total verregneten Landschaft über die die Kamera hinwegstreift, zeigt sie uns ein Lächeln auf ihrem und Barans Gesicht. Großartig!
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Do, 02.03.2017
TV | Was bleibt, ist die Erinnerung
Tod im Pool2 Sterne
Dieser Titel über eine Liebe, die wegen des Todes eines Kindes erloschen ist, macht nicht viel Hoffnung. Und das ist so gewollt. Dabei ist sie gar nicht richtig tot, denn Javier (Benjamin Vicuna) liebt seine Frau Amanda (Elena Anaya) nach wie vor. Nur sie kann sein Gesicht nicht ertragen, weil sie darin immer das ihres Sohnes sieht. Sie verlässt Javier und lebt mit einem alten Jugendfreund zusammen. Sie macht die ganze Welt für den Tod verantwortlich, was völlig grundlos und aus der Luft gegriffen ist und in Richtung ‘krank‘ geht. Ein abstruses Konstrukt, das durch ein eheliches Zwischenspiel auch noch unglaubwürdig wird. Lediglich die Erzählweise und die beiden Hauptdarsteller können die Ratlosigkeit des Publikums wegen des absonderlichen Plots überdecken. Zumal wenn man das Ende bedenkt: er allein, sie allein…Beide haben laut Originaltitel Erinnerungen ans Wasser, weil‘s im Pool passiert war?! Hier hat Arthouse eine Umdrehung zu viel gemacht. So wirkt sie nur als eine gestörte Frau, die rumzickt und auf der Suche ist… In ihrem Beruf kann sie ja arbeiten. Und dass ein Moment das Leben vieler Betroffener verändern kann, ist auch nicht neu. Und die Preise? Keine Ahnung wofür. K.V.
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Mo, 27.02.2017
TV | Ali G Indahouse
Ihr mich auch!2 Sterne
Sascha Baron Cohen hat sich wieder einmal selbst inszeniert. Diesmal ist es eine Politgroteske der schweinischen Art. Dabei ist sie voll Lümmel-orientiert mit Sackeinlage (um in Saschas Slang zu bleiben). Zotige Episoden aus dem Londoner politischen Ambiente mit Drehorten an Originalschauplätzen. Da ist der rappermäßige Titel noch ein Sahnehäubchen in der Tortensuhle. Dass sich hinter der geschmacklos frech-frivolen Fassade in kleinen Ansätzen lobenswerte Aspekte verstecken, wird dabei glatt übersehen. Es ist aber auch nicht Sinn der Übung. Es wird z.B. ‘Respekt‘ propagiert und ein Anti Rowdy Programm erwähnt. Doch Cohen Fans wollen Anzüglichkeiten und eindeutige Anspielungen. Die Tee Party auf Shit Basis mag ja noch recht amüsant sein, aber die Queen ein ‘Törtchen‘ zu nennen mit angedeutetem Blowjob an ihrem Finger liegt jenseits der Grenze. Der Titel macht aber neugierig. Die beiden Hauptmiezen (Rhona Mitra und Kellie Bright) sind für die Schärfe zuständig und die zwei Promis (Charles Dance und Michael Gambon) sorgen dafür, dass das Niveau nicht total auf den ‘Eier-in-der-Hose‘ Keller reduziert wird. Die Post Pubertäre Komik und das Tempo verhindern das Aufkommen eines echten Pornos. Für das notgeile Publikum genügt es bei seiner totalen Verklemmtheit sich in Schlüpfrigkeiten zu ergehen. Wer’s braucht!?
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So, 26.02.2017
TV | Ein enger Kreis
Familienkreis2 Sterne
Diese Mafiafamilie ist ein ganz enger Kreis, in dem sich die kriminellen Machenschaften des Clans abspielen. Milo (Jean Reno) ist der Pate des Unternehmens. Er will die Leitung an seinen Sohn Anton (Gaspard Ulliel) übertragen. Doch der hat andere eigene Pläne. Zusammen mit seiner Freundin Elodie (Vahina Giocante) will er ein Hotel in der Camargue eröffnen. Milo will, dass sich Anton von Elodie trennt, die schwanger ist. Ein letzter großer Coup soll alles klären. Wie der Überfall ausgeht, ist eigentlich sekundär. Die familiäre Situation steht im Vordergrund. Es geht um Loyalität und Verrat und um einen Anflug von Gewissensbissen. Als auch ein Familienmitglied von den eigenen Leuten erschossen wird, kommt es zur Katastrophe. So souverän wie Milo bisher alles gelenkt hatte, erscheint er am Ende überraschend als ‘Großvater‘ im Krankenhaus bei Elodie. Nur sie ist im Ansatz eine tragische Figur. Sie sitzt zwischen allen Stühlen und gehört nicht zur Familie. Ein konservative gemachter Old School Thriller, das ganz auf Jean Reno zugeschnitten ist und mittelprächtige Unterhaltung bietet. Als Vater – Sohn Drama zu flach und als Familiensaga zu dünn.
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Sa, 25.02.2017
TV | Zug um Zug
PendlerLiebe2 Sterne
Eigentlich ein Film, den die Welt nicht braucht, denn es ist die alltäglichste Geschichte der Welt. Sally (Sheridan Smith) und Carl (David Morrissey) sind Pendler und treffen sich im 7:39h Zug nach London. Sie verlieben sich in einander. Er ist mit Maggie (Olivia Colman) verheiratet und hat zwei Kinder, sie ist mit Ryan (Sean Maguire) verlobt und bereitet gerade ihre Hochzeit vor. Es wird eng und die Liebenden können ihr Verhältnis nicht auf ewig verheimlichen. So folgt Ryans Ausraster im Faustkampf und Maggie macht Carl die übliche Szene. Zwei klitzekleine Argumente sprechen für diesen Film: zum einen sind die vier Darsteller unheimlich sympathisch. Hier glänzt vor allem Sheridan Smith mit viel Gefühl und dann mit noch mehr Verstand. Auch Carl ist überzeugend hin und hergerissen und bezieht von Maggie verbale Prügel. Zum anderen sind die Dialoge realistisch, will sagen witzig und treffen argumentativ voll ins Schwarze, was am guten Drehbuch liegt. Klar geht nach Jahren alles so aus wie erwartet, aber es bleibt einfach nett ohne melo und schon gar nicht mit viel Drama oder Tragik. Man kann dabei Downchillen, die Füße hoch legen und alle schwermütigen Gedanken aus dem Kopf vertreiben. Und falls einem schon mal etwas Ähnliches passiert sein sollte, kann man in Erinnerungen schwelgen. Nehmens wir‘s wie Carl und Sally. Trübsal adé!
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Do, 23.02.2017
Kino | Die Schönen Tage von Aranjuez
ein Un-Film0 Sterne
Man sollte das Ende dieses Zitates nicht vergessen: ‘sind nun vorbei‘. In diesem Film sind die schönen Tage wirklich vorbei. Eine statische Kamera dokumentiert die völlige Abwesenheit einer Handlung. Neben einer imaginären Figur eines Dichters von nebenan aus dem Elfenbeinturm, der den Text, den man hört, in seine Schreibmaschine hämmert, sind noch der Wind und ein Mops die weiteren tatenlosen Statisten, dieses Sprechgebildes. Ein optisches und ein akustisches Bonbon hat Wenders dann noch den angestrengt folgenden Zuschauern hingeworfen: eine Jukebox und Nick Cave am Klavier. Beides passt zum Gesehenen wie der sprichwörtliche ‘Arsch auf den Eimer‘. Wim Wenders hat sich mit seiner manieristischen Selbstverliebtheit hier ins Knie geschossen. Der Text, den die beiden Figuren (Sophie Semin und Reda Kateb) im Wechselspiel zitieren und der von Handke als Dialog über die Liebe und das Leben angelegt ist, strapaziert das Interesse der Zuschauer auf das Heftigste. Nicht nur wegen der intellektuellen Abgehobenheit – sie diskutieren in geschwurbelten Satzkonstruktionen der Wolkenkuckucksheime - sondern wegen der häufigen Verneinung des im Vorsatz gerade Erwähnten – z.B. es ist das Erkennen, das ich habe, dass nichts erkannt wird oder eine gemachte Zusage, die nicht gemacht wird…etc. - beides sind typische stilistische Handke Merkmale und das nervt auf die Dauer. Weil ich auf der Leinwand nichts verpasse, denn da passiert ja nichts, habe ich für längere Zeit die Augen geschlossen…und nur zugehört. Da konnte ich die beiden überflüssigen Figuren vergessen und mir in meiner Fantasie das Gesprochene ausmalen. Das war besser als die großformatigen Gesichter der Akteure ohne jegliche Regung anstarren zu müssen. Das störte nur. Also, es ist kein Film, sondern ein bebilderter Dialog. K.V.
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Mi, 22.02.2017
Kino | Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford OV
Kein echter Western3 Sterne
Bereits der ellenlange Titel kündigt an, was Regisseur Dominik vorhat: eine Dokumentation einer Verbrecherlegende, wie es in Amerika viele gibt. Das heißt, es gibt keine Spannung und nur bedingt einen echten Western. Stattdessen das Psychogramm einer Gruppe und am Ende noch die Folgen einer fragwürdigen Popularität. Hauptdarsteller Brad Pitt liefert das Portrait eines brutalen Unsympathen ab, der nur durch die Omnipräsenz seines Colts und die permanente Bedrohung seiner Anwendung durchs Leben kommt. Gegenspieler (Casey Affleck) ist ihm darstellerisch durchaus ebenbürtig. Breiten Raum gibt es für die Zustände innerhalb der Bande. Misstrauen und Rivalität sind hier die vorherrschenden Gefühle, Frauen halten sich in diesem reinen Männerfilm eher im Hintergrund. Schwarz mit vielen dunklen Schattierungen ist die vorherrschende Farbe in einem für Europäer fast pietistisch anmutenden Ambiente. Endlose Dialoge werden gelegentlich durch kurz aufblitzende Brutalität und lange Pausen unterbrochen. Wer dem Heroenkult des Killers nichts abgewinnen kann, für den ist der Film ziemlich langweilig (mit vier ‘a‘ in der ersten Silbe). Den Robin-Hood-Aspekt in der Biographie des Gangsters hat Dominik ganz verschwiegen. Nachdem alles vorbei ist, kommt noch ein langgezogener, dokumentarischer Rattenschwanz von Folgeaktivitäten: Theaterstück mit Eklat, Varieté mit süßer Maus Dorothy (Zooey Deschanel), sowie Wohlstand und Ende des Mörders von Jesse James. Ein ganz anderer Ansatz als die Klassiker von King Vidor und Fritz Lang, denen ich mehr abgewinne kann. Da steht intellektuelle Psychostudie gegen echtes menschliches Drama.
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Di, 21.02.2017
TV | Jagdgeschwader Wildkatze
Die fliegenden Ledernacken2 Sterne
Der von Wim Wenders so verehrte Kultregisseur Nicholas Ray hat kurz nach dem 2. Weltkrieg (1951) einen Kriegsfilm vom Luftkampf im Pazifik gedreht, in dem die menschliche Seite breiten Raum einnimmt. Bei allem Patriotismus und Heldentum der amerikanischen Fliegerasse vermeidet der Film doch all zu tief darin zu versinken. Dagegen zeigt er neben dem familiären Hintergrund der Hauptfigur Major Kirby (John Wayne) auch die Gefühle der Piloten wie Angst, Draufgängertum und schlichte Einfalt. Kirby hat Frau Joan (Janis Carter) und einen kleinen Sohn zu Hause, die um ihn bangen. Joan geht zum Weinen hinaus, während ihr Sohn stolz auf den erfolgreichen Vater und Offizier ist. Normal! In eindrucksvollen Luftkämpfen werden japanische Flieger abgeschossen und Schiffe versenkt. Das geht recht leicht. Da ist die respektvolle Antipathie zwischen Kirby und Nachfolger Griff (Robert Ryan) ein echtes Gegengewicht. Nichts Besonderes, wie Alltag von Montag bis Freitag nur luftiger.
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Di, 21.02.2017
TV | Weites Land
Der Turm5 Sterne
Die besten Filme von William Wyler – und das hier ist einer davon – waren kinematographische Großereignisse. Mit Abständen kann man ihn immer wieder sehen und fühlt sich sofort wie bei alten Freunden. Ein klassischer Edelwestern der besonderen Art. Allein der Plot, der in einen Doppelrahmen gekleidet ist, steht turmhoch über den übrigen Beispielen des Genres. James McKay (Gregory Peck) beweist, was für ein mutiger Mann er ist. Dafür braucht er keine Bühne und kein Publikum. Daneben gibt es eine Reihe von hasserfüllten Feindschaften, die nicht parallel laufen, sondern von Vertretern des einen und des anderen Lagers bevölkert werden und so miteinander verbunden sind: McKay, der Seemann aus dem Osten gegen Steve (Charlton Heston) den Vorarbeiter der Terrills, der ein echter Macho ist und sich mit McKay anlegt. Den wiederum versucht Buck Hannessey vorzuführen. Diese Verquickungen sind einem großartigen Drehbuch geschuldet, das Wyler genial umgesetzt und mit vielen Denkpausen versehen hat, mit schnellem Schnitt, der seinen Namen verdient und emotional packenden Ereignissen angereichert. Hierher gehört die ungewöhnliche Beziehung zwischen McKay und Julie Maragon (Jean Simmons), die anfangs den Rahmen bildet und dann zum Fokus wird. Die Familienfehde der Hannasseys und der Terrills z.B.: Reich gegen Arm ist der andere Rahmen. Angeführt von zwei verknöcherten alten Patriarchen Major Terrill (Charles Bickford) und Rufus Hannassey (Burl Ives). Fast alle Figuren werden in diesem Geflecht zu Titanen – auch die Bösewichter wie Buck Hannessey (Chuck Connors ). Sein Ende legt den Grundstein für eine friedliche Zukunft. Manche Figuren haben Erkenntnisse, die ihr bisheriges Leben total verändern. McKay erkennt, dass Patricia (Carroll Baker) nicht die richtige Frau für ihn ist. Rufus Hannassey sieht ein, dass der ewige Streit ums Wasser (die Big Muddy) nichts bringt und folgt dem Gegenspieler McKay. Steve schwankt zwischen Loyalität und echter Männlichkeit. Das spannende Finale enthält zwei Höhepunkte und ein Happy End mit Seltenheitswert, das nur in einem bedeutsamen Blick liegt, den Julie und McKay wechseln. Ohne diesen Film wäre der Himmel, der die Leinwand bildet, viel ärmer.

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