Mi, 04.01.2017Kino | The East OmUJanes LösungLeider wird diesem großartigen und wichtigen Film nicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Er behandelt ein Thema, das uns alle angeht und dabei topaktuell ist: Chemische Großkonzerne vergiften die Umwelt und verdienen Milliarden auf Kosten der Menschen. Hier wird in spannender Spielfilmmanier erzählt, wie eine Organisation (‘Hiller Brood‘) für ihre Kunden aktiv wird, damit sie keinen Schaden erleiden. Sie beobachten auch ganz allgemein die Gegner der großen Wirtschaftsunternehmen. Ganz offiziell mit Antennen zum FBI. Zu diesem Zweck wird Jane (Brit Marling) under cover in THE EAST eingeschleust, eine Gruppe von Ökoterroristen. Das ist ein pfiffiger Ansatz.
Atmosphärisch dicht wird die Lebensweise dieser Leute beschrieben: sie leben in den Wäldern von Lebensmitteln deren Frischedatum abgelaufen ist, weiden auch schon mal ein totes Reh aus, essen mit Zwangsjacke, um die gegenseitige Hilfe zu demonstrieren und veranstalten Taufe ähnliche Waschungen im Fluss. Es sind keine Spinner. Im Gegenteil, sie sind brandgefährlich. Jane kann jederzeit enttarnt werden. Das wäre ihr Tod. So bleibt die Spannung hoch. Sie erarbeitet sich aber gedanklich eine eigene Position. Der zentrale Satz ist ‘Woran liegt es, das die Selbstgerechtigkeit bei Widerstandsgruppen so hoch ist?‘ Wir sehen zwei riskante Aktionen von The East.
Man muss dem Film zugutehalten, dass er bis zum Schluss unparteiisch bleibt. Er geißelt die Rücksichtslosigkeit der Konzerne und entlarvt die mörderischen Methoden der Ökoterroristen. Dann verliebt sich Jane auch noch in den Guru der Gruppe Benji (Alexander Skarsgard), obwohl sie zu Hause einen Freund hat, einen ganz lieben. Aber auch Sharon (Patricia Clarkson) vom Vorstand von Hiller Brood, die die ganze Aktion angeleiert hat, bleibt ironisch distanziert. Aber Action gibt’s.
Das Waldlager wird vom FBI geräumt, Jane fährt mit Benji zur Grenze. Sie hat die Agentenliste, die er will – erst mal verschluckt und dann…? Was für ein tolles Ende…
Sollte man gesehen haben. | |
Di, 03.01.2017TV | Ein glückliches JahrEine HerausforderungEin Liebesfilm aus dem Gaunermilieu und ein Titel zum Mitraten. Parallel zur Vorbereitung auf einen Einbruch in einem Juwelierladen beginnt Simon (Lino Ventura) eine Affäre mit der Antiquitätenhändlerin Francoise (Francoise Fabian) von nebenan. Lino gibt hier den Charmeur ohne Brutalitäten. Seine neue Freundin beginnt ihn mehr zu schätzen als ihre bisherigen, guten Bekannten. Dahin passen auch die längeren Dialoge, die für die Filme von Lelouch so prägend sind. Eigentlich entwickelt sich zwischen Simon und Francoise ein Spiel um Macht, genauso wie zwischen Simon und den Juwelier (André Falcon). Er sagt einmal ‘Es geht um die Kunst andere zu beherrschen, bevor man selbst beherrscht wird.‘ Die Stimmung im Milieu kommt ganz gut rüber, Bars und Bistros mit einem echten Lelouch Knüller: die heute fast unbekannte Mireille Mathieu, der ‘Spatz von Avignon‘, hat ein Cameo.
Trotz der penibel genauen Vorbereitung geht der Coup schief. Jetzt beweist Lelouch sein Talent: der Anfang, zunächst völlig unklar, fügt sich ins Ende ein wie Schloss und Schlüssel.
Und dann kommt ein Schluss der zu Diskussionen Anlass geben könnte. Während Simon im Knast saß, hatte sie ihn zwar besucht, doch sonst lebt sie wie ein Mann, will sagen frei in der Wahl ihrer Bettgenossen. Simon sitzt mit Francoise in seiner von ihr modernisierten Küche. Er wollte eigentlich nach Südamerika. Seine letzten Worte sind der Titel des Films…keine Lösung!?
Ist das Ironie? Defaitismus? Glückwünsche? Für die Zukunft oder die Vergangenheit? Der Zuschauer findet selbst eine Antwort. Intelligent gemachte Old School. | |
So, 01.01.2017TV | John WickHau-Drauf ActionGriffiger Titel. Knallharte Action. Der Thriller von Chad Stahelski punktet vor allem durch seine übertriebene Brutalität. In den Riesenballerszenen trifft die Titelfigur (Keanu Reeves) nicht nur genauer als ihre Kontrahenten, sondern er kann auch jede Menge Schläge wegstecken und Messerstiche locker verkraften. Das wollen die Fans wohl so. Sein Gegenspieler Viggo (Mikael Nyqvist, der früher mal im Himmel war, dann wurde er verblendet, verdammt, und schließlich wurde ihm vergeben) ist fast ebenso tough. Er wird seinen missratenen Sohn Iosef (Alfie Allen) verlieren, der den Rachefeldzug auslöst. John hatte kurz davor seine Frau verloren und ihr letztes Geschenk: einen kleinen, süßen Hund.
Die Gewaltspirale kriecht immer weiter in die Höhe und findet ihren ersten Höhepunkt mit der qualvollen Hinrichtung von Johns Freund Marcus (Willem Dafoe), der ihn zuvor aus einer schier aussichtlosen Lage befreit hatte.
Aber auch die Mädels werden nicht vergessen. Die blonde Mss Perkins (Adrianne Palicki) und die pechschwarze Addy (Bridget Regan) erhöhen nicht nur den optischen Stellenwert des Films. Sie sind gleichwertige Kampfmaschinen, die nur zur größeren Bedeutung von Johns Killerpotential beitragen, der ganze Armeen von Gegnern ins Jenseits schickt. Wer auf so etwas steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Und für Tierfreunde befreit John noch einen kleinen, süßen, Hund aus dem Tierheim.
Die Atmo passt, die Stunts flutschen nur so und Keanu Reeves ist unglaublich. Gut gemachte Hau-Drauf Action mit etwas Gefühl unterlegt. | |
Sa, 31.12.2016TV | Jesus Henry ChristHerrgottsakramentnochmal!Eine ziemlich durchgeknallte Sozialgroteske, in der ein superintelligenter Junge Henry James (Jason Spevack), den seine Mutter (Toni Collette) abgöttisch liebt, seinen Vater sucht, der ihn mittels Samenspende mal gezeugt hatte. Das ist heute nichts Ungewöhnliches. Vielleicht ist es ja Dr. O’Hara (Michael Sheen)?
Der Faden geht schon mal unterwegs verloren und man ist verärgert geneigt den Titel ohne den mittleren Namen als Fluch zu verwenden (analog dem Deutschen Herrgottsakramentnochmal!). Gegen Ende wird es dann noch nebulöser, wenn Henrys Stipendium an diverse Stiftungen geht. Auch Dr. O’Haras kleine Tochter Audrey (Samantha Weinstein), als Lesbe verschrien macht akustisch auf Oskar Matzerath und trägt nicht unbedingt zu erhöhter Komik bei. Wenn Henry mit neun Monaten wie ein Erwachsener redet, ist das nur fast so lustig wie in ‘Guck mal wer da spricht.‘ Der witzigste Teil ist die Retro über Henrys Familie mit Opa und Oma. Lange Fachsimpeleien danach verwischen das Komische im Plot. Für eine echte Groteske sind die Situationen nicht grotesk genug – höchstens irgendwie komisch und gewöhnungsbedürftig, aber keineswegs lustig. Bleibt ein Geschmack von Sand im Mund. | |
Do, 29.12.2016TV | ArgoFilmen gegen die AyatollahsBen Affleck hat einer Episode der Tagespolitik von 1979 ein Denkmal gesetzt. Sechs Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft im revolutionären Teheran werden über die dortige kanadische Botschaft außer Landes gebracht. Es ist fast ein Schelmenstück. Der Trick ist, sie als ein kanadisches Filmteam auszugeben, das einen Film mit dem Titel ‘Argo‘ plant um die zuständigen iranischen Behörden zu täuschen. Klar weiß jeder, dass das Unternehmen von Erfolg gekrönt war.
Aber wie das genau gegangen ist, will man schon wissen. Die Angst vor dem autoritären Regime der Ayatollahs wird ebenso spürbar wie die menschlichen Probleme innerhalb der Gruppe. Nicht jeder ist ein Held. Viele historische Aufnahmen verdeutlichen die Realität der späten 70er Jahre und werfen auch einen Rückblick auf das Regime des Schahs Reza Pahlavi, einer Marionette von Washingtons Gnaden, das den Amerikanern während des Kalten Krieges als Bollwerk gegen Moskaus Kommunisten gedient hatte.
Ein schnell wechselnder Schnitt verdeutlicht die Komplexität der Situation: im Iran und in Washington. Der Zuschauer bekommt nur so viele Hintergrundinformationen wie nötig. Tony Mendez (Ben Affleck) ist der supercoole Agent, der durch seine Ruhe Spannung entstehen lässt. Da sind Minuten entscheidend. Und wenn irgendein hochrangiger Sesselpupser in Washington sich stur stellt, wird es besonders heikel. Am Rande gibt es hin und wieder eine kleine Aufmunterung.
- ‘Die Geschichte ist mal eine Farce, mal eine Tragödie. Weißt du wer das gesagt hat?‘ - ‘Keine Ahnung‘. - ‘Marx‘. ‘ Was? Groucho soll das gesagt haben?‘
In der Schlussszene werden die arg gebeutelten amerikanischen Seelen noch mit Honig und Puderzucker überschüttet, wenn Ben Affleck zu Frau und Sohn heimkehrt. Geschenkt. Nach dem Stress. Tut der guten Dokumentation aber kaum Abbruch. | |
Do, 29.12.2016TV | Der Klang von EiswürfelnSex kontra KrebsEin Mann (Albert Dupontel) klingelt an der Tür des Schriftstellers Charles Faulque (Jean Dujardin) und stellt sich als die Personifizierung seiner Krebserkrankung vor. Das ist die Initialzündung für eine intelligente und äußerst amüsante Groteske. Charles ist ein geiler Säufer (Er trägt ständig einen Eiskübel mit Weinflasche mit sich herum. Titel!), der mit seiner Haushälterin Louisa (Anne Alvaro), die ihn heimlich liebt, in einer Villa lebt. Frau und Sohn haben ihn verlassen. Auch Louisa ist an Krebs erkrankt, den Myriam Boyer darstellt. Nur wer denjenigen oder diejenige wirklich liebt, kann den oder die Krebserkrankung in Person auch sehen. Das liefert muntere Perspektiven und witzige Dialoge. Charles schickt das junge Gänschen Evguenia (Christa Renoir Théret) weg und kämpft mit Louisa gemeinsam gegen den Krebs an, indem sie aus wahrer tiefer Liebe ständig Sex haben. Ein Mittel gegen ihre Krebse haben die zwei offenbar gefunden. Wie sie sich ein für alle Mal ganz davon befreien und geheilt davonziehen ist eine unvorhersehbare und herrlich locker zu Ende gehende Krimikomödie.
Ein Kunstraub in Charles Faulques Haus mit wüster Schießerei und blutüberströmten Dieben und Hausbewohnern (Charles und Louisa) veranlasst die beiden Krebse das Haus zu verlassen. Hier gibt es für sie jetzt ja wohl nichts mehr zu tun. Da lacht der Schelm in Regisseur Bernard Blier: ein Fake! Und der Zuschauer reibt sich verwundert die Augen…
Regisseur Bernard Blier zieht eine Ensemblevorstellung durch, die sich sehen lassen kann. Und liefert eine herzerfrischende Idee, die einfach Spaß macht. Angefangen vom akustisch präsenten Titel bis hin zur Bootsfahrt in den Sonnenuntergang. Locker und genial. | |
Di, 27.12.2016Kino | HatariGefahr!Ein Familienfilm für Tierfreunde, obwohl es um Tierfänger geht. Aber die gehen so liebevoll mit den wilden Tieren um, dass man ihnen das nicht anlastet und am Ende bewerkstelligen drei kleine Babyelefanten sogar noch das Happy End.
John Wayne ist der Platzhirsch und bietet hier eine Rarität seiner schauspielerischen Karriere: nie hat er sich so zum Affen gemacht wie hier (z.B. eine Schüssel Ziegenmilch über den Kopf gestülpt!).
Ansonsten steckt der Film voller Klischees vor allem aus der Machowelt. Nur zwei Frauen konnten sich in diesem reinen Männerfilm behaupten: Brandy (Michèle Girardon), die Tochter des früheren Besitzers der Fangstation und die Fotografin Dallas (Elsa Martinelli), die für John reserviert ist. Nach erfolglosem Balzgehabe um Brandy von Kurt (Hardy Krüger) und Charles (Gérard Blain) bekommt sie doch Pockets (Red Button), der bis dahin die Rolle des Dorfdeppen übernommen hatte. Dem Regisseur ging es wohl im Wesentlichen außer um die Tierwelt um echte Männerfreundschaft innerhalb einer kleinen geschlossenen Gruppe.
Nach Wettschießen und Tänzen der Eingeborenen werden auch mal Tiere mit Lasso und Schlinge gefangen. Das sind noch die besten Szenen. Das meiste der Geschichte wirkt allerdings arg konstruiert und enthält Herzschmerz der einfachen Art. Der Affenfang mit Netz und Rakete ist ein Gag, die Musikeinlage aus dem Depot. Nicht zu verwechseln mit dem Score von Henry Mancini. Sein ‘Elephant Walk‘ ist ein Klassiker, einen Titel den manche auf den ganzen Film ausdehnen möchten.Ich finde, diese 'Gefahr' besteht nicht. | |
Mo, 26.12.2016TV | A Little Trip to HeavenDer SchadensreguliererBereits mit seinem ersten Spielfilm ‘101 Reykjavik‘ hat Baltasar Kormakur bewiesen, dass er ganz besondere Filme machen kann. Auch hier überzeugt er wieder mit seiner eigenen Erzählweise, mit der er Spannung kreiert.
Der Film ist was für ‘Knobelbecher‘. Wer dazu keine Lust hat, kann sich am Regen, der Dunkelheit und an der Schneelandschaft erfreuen. Dazu gehört ganz wichtig das heruntergekommene Milieu, in dem die McBrides leben.
Es geht um Versicherungsbetrug. Da liegt es wohl an der Materie, dass auch der Zuschauer nur langsam dahinter kommt, was hier so abgeht. Nur ein ganz später Satz dient mal ganz kurz als Erklärung. Und noch wichtiger ist es, was so durch kurze Retros, die wiederholt werden, oder Anspielungen mittels Namen offen gelegt wird. Man muss höllisch aufpassen.
Isold (Julia Stiles) lebt mit ihrem kleinen Sohn Thor mit einem Mann zusammen. Das kann ihr Ehemann Fred (Jeremy Renner) sein oder ihre Bruder Kelvin. Der ist zwar ein Mörder, aber wer ist dann die verbrannte Leiche in seinem Auto? Genau weiß es im Gegensatz zum Zuschauer nur Isold. Oder? Der Versicherungsagent Abe (Forest Whitaker) versucht das heraus zu finden. Er ist penibel und hartnäckig wie Colombo oder Sam Marlow für Arme. Während das Drehbuch unentwegt mit der Identität von Kelvin und Fred spielt, verliebt sich der Versicherungsagent Abe in Isold. Sie überlebt einen heftigen Autounfall zusammen mit Kelvin. Er und Abe hatten dagegen weniger Glück. Die Liebe beschert Isold die Versicherungssumme und knüpft an den Song am Anfang an, der auf das Thema des Films hinweist: ‘eine kleine Reise in den Himmel auf den Flügeln deiner Liebe.‘
Intelligent gemacht Spannung. Vorerst geht die Reise aber noch durchs Jammertal auf der Erde. Ohne die Million. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.