Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

Mi, 30.11.2016
TV | Cocktail
Der Hahnenschwanz2 Sterne
Da war Tom Cruise ja noch ein junger Held. Doch selbst aus dieser Phase seiner Karriere gibt es bessere Filme. So einfallslos wie der Titel ist auch der ganze Film. Das ist Fließbandware aus der Traumfabrik. Mit dem titelgebenden Getränk kann man sich das Leben nur schön saufen. Hier läuft alles so arschglatt und vorhersehbar, dass man sich wundern muss, wie es die Darsteller schaffen sich auf den Beinen zu halten. Der Plot ist eine einzige, plattgetretene Banane. Tom Cruise als Barkeeper, der nach klitzekleinen Problemchen erkennt, dass Elisabeth Shue doch die Richtige für ihn ist. Im sinnfreien Ambiente gurken noch sein Freund Bryan Brown (Douglas) und die an sich taffe Gina Gershon (Coral) herum. Dougs Abgang eröffnet emotionale Möglichkeiten. Er stirbt aber nicht so einfach oder kommt bei einem Unfall um. Nein, er zieht das Herz As: Selbstmord! Gut, dass man das nicht sehen muss. Doch für ein paar Tränen von Tom Cruise reicht’s noch. Nicht mal in den Dialogen ist ein Hauch von Witz. Das reicht nicht mal für eine Romanze. Das ist eine Edelschnulze. Und wenn der Cocktail ausgetrunken ist, ist das Glas halt leer. Hier war es das schon, bevor man nur dran genippt hat. K.V.
Trennstrich
Di, 29.11.2016
TV | Winterschlaf
Innere und äußere Kälte3 Sterne
Ein anspruchsvoller Film der Langmut und Sitzfleisch erfordert. Zwischen den ewig langen Dialogen bieten Naturaufnahmen etwas Entspannung. Handlungsarmut kennzeichnet den Film von Nuri Bilge Ceylan. Die Dialoge sind dominant. In der verschneiten Abgeschiedenheit Anatoliens verharren alle Figuren in einer depressiven Starre (Titel!). Ehemann und wohlhabender Hotelbesitzer Aydin (Haluk Bilginer) versucht alles und alle zu kontrollieren. Deshalb führt er lange Gespräche mit seiner Schwester Necla (Demet Akbag). Dabei geht es um abstrakte kognitive Dissonanzen. Necla wirf ihm ‘schleimigen Romantizismus‘ vor. (Aydin schreibt für eine Regionalzeitung). Das scheint noch eine Beschäftigung gegen die Langeweile zu sein. (Necla: ‘Wenn eine grüne Traube eine schwarze lange genug ansieht, wird sie auch schwarz.‘) Wir sind in einer Welt ohne Fernsehen, die Zeit scheint still zu stehen. Aydin wird auch konkreter, wenn er ihr Feigheit und Faulheit vorwirft. Das geht einen Schritt weiter ans Eingemachte, wenn er sich mit seiner jungen Frau Nihal (Melisa Sozen) streitet. Dabei geht es um Spenden, Familienehre und ihr Versuch selbstständig zu werden. Er wirft ihr Undankbarkeit vor. Die Kluft zwischen den Eheleuten wird deutlich und wirkt sogar recht modern. Da ist die Türkei gar nicht mal so weit weg von Europa. In seiner Überheblichkeit wirft Aydin seiner Frau Dilettantismus vor und behandelt sie von oben herab. Sie trennen sich. Nihal unternimmt erste Schritte in die Eigenständigkeit, (ein Fehlschlag!) Aydin besäuft sich mit seinem Nachbarn, obwohl er nach Istanbul fahren will (auch kein großer Erfolg). Nach erfolglosen Ausbruchsversuchen fahren alle auf den alten Gleisen weiter. Ungeliebt, depressiv und einsam. Es gibt kein Erwachen aus dem Winterschlaf. Leider. Ein typischer Festivalfilm.
Trennstrich
So, 27.11.2016
TV | Barfuß auf Nacktschnecken
Ab in die Freiheit4 Sterne
Fabienne Berthaud hat einen vom Titel her recht ungewöhnlichen Film gemacht und auch noch das Drehbuch geschrieben und die Kamera bedient. Besser noch, sie hat zwei hinreißende Hauptdarstellerinnen für diesen Mädelsfilm gefunden. Lily (Ludivine Sagnier) ist etwas schlicht und verwirrt, zumindest verhaltensauffällig, ihre Schwester Clara (Diane Kruger) ist eine vernunftbetonte, verheiratete Juristin. Dieser Gegensatz macht die Spannung im Film aus. Lily ist das bunte, ausgeflippte Blumenkind der 70er Jahre. Clara spürt die Distanz zu Ehemann Pierre (Denis Ménochet). Sehr einfühlsam werden die Welten der drei Charaktere dargestellt. Die Geschichte wird ohne überflüssige Überleitungen erzählt. Kurze, treffende Dialoge bringen immer gleich Aufklärung und überbrücken die entstandenen Handlungslücken. Clara und Lily leiden unter dem Unfalltod der Mutter, später erfahren wir noch etwas über den Tod des Vaters. In dieser Dreieckskonstellation machen alle einen Bewußtseinserweiterungsprozess durch und bleiben sich trotz alledem selber treu. Lily wird immer ‘normaler‘ sprich angepasster, kann sogar klare Aussagen bezüglich Claras Ehe machen. Pierre bleibt der Vernünftige, den Clara letztlich abweist. Er muss gehen. Sie macht neue sexuelle Erfahrungen und bricht mit ihrer Schwester zu neuen Ufern auf. Ganz nebenbei wird fast unbemerkt Kritik an der spießigen Gesellschaft deutlich, wenn Pierres Eltern mit Pinscher zu Besuch kommen. Und mittendrin gibt’s noch einen Schocker, der Claras geheime Wünsche visualisiert, weil ihr Lily ganz schön auf den Zeiger geht. Der Titel soll wohl Gänsehaut aufkommen lassen. Die guten Aufnahmen voller munterer Farbtöne und der Schluss lassen uns jedoch mit einem Sommer-Feeling zurück. Vielleicht ein Märchen – aber ein schönes.
Trennstrich
So, 27.11.2016
TV | Operation: Broken Arrow
Der geknickte Pfeil2 Sterne
Fließbandware aus Hollywood. Zwei Superstars: John Travolta und Christian Slater spielen ihre für sie typischen Klischeerollen. Der ewige Gutmensch Slater und der immer mal wieder in Bösewicht Rollen auftretende Travolta (weit weg von ‘Grease‘), der hier durch seine darstellerische Leistung etwas Glanz in die Film-Hütte bringt. Er spielt den kaputten Major Deak wunderbar zwischen Freundlichkeit und Menschenverachtung. Da passen Mimik und Gestik gut ins Bild. Herrlich sein blitzschneller Wechsel im Gesichtsausdruck und im Tonfall. Slater (Capt. Hale) kann ja seit der ‘Rose‘, wo man ihm buchstäblich die Unschuld geraubt hat, fast nur positive Rollen spielen. John Woo setzt viel auf Ballerei und Explosionen satt. So wird die an sich dünne Story aufgepeppt. Für die Spannung laufen ständig eingestellte Zeitzähler rückwärts. Erwähnenswert das Boxtraining von Hale und Deak am Anfang, wodurch der spätere Plot symbolisch eingeleitet wird. Die zwei Buddys sind Kampfpiloten und streiten sich um Atomwaffen. Der eine will sie klauen, der andere versucht das zu verhindern. Klar wer was erfolgreich absolviert. Wir erfahren, dass Nuklearraketen so auf die Gefährlichkeit von Kindergeburtstagen hinauslaufen. Da können die Akteure trotzdem herrlich auf Güterzügen und in der Wüste durch die Luft fliegen. Anhaben können ihnen die Detonationen ja ohnehin nichts. Und das geht solange bis der ehrenwerte Capt. Hale endlich die hübsche Wildhüterin Terry (Samantha Mathis) (wir sind doch in einem Schutzgebiet!) knutschen darf. Bei der Gesamtbewertung würde ich der Richtung folgen, in die die abgeknickte Pfeilspitze deutet. Entertainment ohne Tiefgang. Bei so etwas kann man echt heute entspannen. Aufregend ist das nicht.
Trennstrich
Mo, 21.11.2016
TV | Der Junge mit dem Fahrrad
Fragen ohne Antworten1 Stern
Trotz längeren intensiven Nachdenkens ist mir kein Sinn hinter den Bildern des Films eingefallen. Dabei sind die Dardennes ja weißgott keine Dampfplauderer. Das Psychogramm des zwölfjährigen Cyril (Thomas Doret), der als Heimkind seinen Vater sucht, der von ihm nichts wissen will. Rein zufällig kümmert sich Samantha (Cécile de France) um den Jungen. Der bockt und ist voller Aggressionen – auch gegenüber Samantha. Er rennt ständig hin und her und sucht und macht, beißt und prügelt sich. Nur, was soll’s? Ein Dealer ist nett zu ihm und bildet ihn aus. Für ihn macht er einen Überfall. Wieder bei Samantha machen sie ein Grillfest mit Freunden. Cyril holt die Grillkohle. Ende! Aus! Unglaublich!? Wir sehen betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen! (MRR) Verkörpert Samantha das ewig Gute im Menschen? Manche haben sie als gute Fee enttarnt. Aber die Dardennes sind doch keine Märchenerzähler. Ob Samantha erfolgreich sein wird? Wird Cyril weiter so durchs Leben rennen und radeln? Oder kommt er doch zur Ruhe und orientiert sich neu am Leben. Wird Samantha seine neue Familie? Da wir die Zukunft nicht kennen, nehmen wir mal das Beste an: alles wird gut. Ein oder mehrere Hinweise, dass es so werden könnte, möglicherweise, wären mir aber schon recht gewesen. Diese Fragen muss ich nun für mich selbst beantworten. Der Film bleibt offen. Nur ein Denkanstoß!?
Trennstrich
So, 20.11.2016
TV | Rechenschaft
Hölle auf Erden3 Sterne
Ein durchaus realistischer Film über die heutigen Arbeitsbedingungen, wo Mobbing und Burn-Out an der Tagesordnung sind und der Verkaufsdruck immer größer wird. Nicht nur in Frankreich hat es eine Reihe von Selbstmorden gegeben. In einem Großraumbüro eines Call Centers herrschen diese unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Überwachung und Demütigungen lassen den Job zu Hölle auf Erden werden. Die Belegschaft beklagt sich bei Carole Matthieu (ganz großartig Isabelle Adjani), der Betriebsärztin des Unternehmens. Sie hört sich alle Klagen an, schreibt krank, verschreibt Medikamente und kann letztendlich doch nicht helfen. Zu ihrer erwachsenen Tochter hat sie kein gutes Verhältnis. Die versucht ihre Mutter wieder in ihre alte Praxis zu schicken. Doch Carole fühlt sich hier gebraucht und glaubt etwas ändern zu können. Die Aussagen der kranken Belegschaftsmitglieder bleiben ein Echo in ihrem Kopf. Sie nimmt Tabletten. Ein Mord und ein Selbstmord lassen aufhorchen. Regisseur Petit schneidet die entscheidenden Szenen so schnell und geschickt, dass Zweideutigkeit angesagt ist. Es kann durchaus sein, dass Carole den armen Vincent von seiner Depression heilen will und ihn ‘erlöst‘. Oder war’s ein Unfall? Noch seltsamer gestaltet er den Schluss. Schneller Wechsel Steinbruch (wo sie schon einmal war und neben sich stand) – Büro – Revolver – Carole liegt am Boden – die Belegschaft hält sternförmig die Hände über sie. Das unerwartete Pathos überrascht. Und der sonderbare deutsch Titel? Macht nur Sinn mit einem Verb zusammen. Man kann ‘Rechenschaft‘ ablegen oder einfordern… Knallhart, mitten aus der Wirklichkeit, erschütternde Kritik am Konsumterror der Industriegesellschaft.
Trennstrich
Sa, 19.11.2016
TV | Let Me In
Abby die Vampirin4 Sterne
Matt Reeves hat sich zwei Kinderstars gegriffen Kodi Smit-McPhee (Owen) und Cloë Grace Moretz (Abby) und ein Remake von ‘So finster die Nacht‘ (Tomas Alfredson) gedreht. Obwohl er inhaltlich sehr dicht am Original dran bleibt und selbst wenn man es schon gesehen hat, bleibt der Film von Reeves spannend. Klar, dass hier einige Nuancen anders ausfallen. Die Vampirgeschichte wird mit der Aufklärung etwas länger hinausgezögert und lange Zeit verwehren unscharfe Einstellungen dem Zuschauer den Durchblick. So wird man, was den Mörder angeht, lange in die Irre geführt. Da wird Owen als möglicher Killer gehandelt. Nicht nur, dass der Titel des Erstlings lyrischer ist (‘So finster die Nacht‘) das Remake ist dagegen aus der Abteilung ‘Bluttriefender Horror‘ und verweist auf die notwendige Einladung ‘Hereinzukommen‘. Nur das erlaubt dem Vampir ein fremdes Haus zu betreten. Abby trinkt den Polizisten buchstäblich leer. Ansonsten setzt Reeves kleinere Schocker, die aber auch ihre Wirkung nicht verfehlen: schrille plötzliche Klingel, ein hellhöriges Haus oder einer tritt auf ein Aufziehtierchen aus Blech. Titelgemäß ist Alfredson etwas lyrischer, fast geheimnisvoller, wo Reeves eher bodenständig und horrormäßig bleibt. Beim Schluss treffen sich beide Filme: erst ein Liebes- und Rachedrama das mit einem komödiantischen Ende aufwartet. So geht wohl heute Vampirismus. Die Zeiten als uns Christopher Lee Angst einjagte und Peter Cushing ihm den Garaus machte, sind wohl endgültig vorbei. Und auch hier hat sich die Emanzipation durchgesetzt: der Vampir ist weiblich und seine Opfer sind folglich keine vor Sehnsucht vergehenden, schmachtenden Jungfrauen, die ihm willig ihren entblößten Hals entgegenstrecken. Was früher Angst und Schrecken bedeutete ist heute Spannung. Zwei Filme, ein Thema hohe Spannung. Zweimal Daumen hoch.
Trennstrich
Fr, 18.11.2016
TV | Wenn wir zusammen sind
Sinnfreies Kino2 Sterne
Beide Titel sind ziemlich nichts sagend und passen auf fast alle Liebesfilme ohne Format. Neulich wurde behauptet, dass 90% der Regisseure nicht so ganz genau wissen, was sie mit ihrem Film aussagen wollen. Heftiger Protest damals in der Runde. Und dann das hier. Stimmt. Das ist so einer. Gottseidank macht der nicht 90% der Filme aus. Sonst könnte man sich ja gleich vom Kino verabschieden. Abgesehen vom Familienklüngel: Buch und Regie, weiß ich nicht, was uns Lorraine Lévy hier wirklich sagen will. Zwei Freunde, Mathias (Vincent Lindon) und Antoine (Pascal Elbé) beziehen mit ihren jeweils zwei Kindern ein gemeinsames Haus. Klar, dass es da mal knirscht. Auch klar, dass der sexuelle Schuh im Schritt drückt. Da findet Mattias sehr schnell Audrey (Virginie Ledoyen) und Antoine erhört endlich Sophie (Florence Foresti). Alles läuft überhaupt wie geschmiert. Das bisschen Höhenangst von Mathias, das schon bei einer Bibliotheksleiter beginnt ist ebenso schlicht wie der Versuch der Kinder per SMS die Streithähne zu versöhnen. Wäre da nicht die gute alte Yvonne († Bernadette-Paulette-Lafont), die hier leider viel zu früh stirbt, wäre auch ein Hauch von Warmherzigkeit nicht mal da. Vincent Lindon schaut oft recht betreten drein, als ob er sich im Film etwas unwohl fühlt. Das ist sinnfreies Entertainment. Da kann man nicht mal entspannen, weil’s ärgerlich ist und der Hals immer dicker wird. Platt, hohl und vorhersehbar. Wo ist nur der sprichwörtliche französische Esprit geblieben? K.V.
Trennstrich
Do, 17.11.2016
TV | Capote
Begnadetes Ekel3 Sterne
Philip Seymour Hoffman† stellt die Titelfigur in ihrer ganzen Zwiespältigkeit großartig dar (Oscar!). Dass Truman Capote ein arroganter, intellektueller Alk war, der trotz Pieps Stimme auf sein soziales Umfeld heftig verbal einprügelte wird ebenso deutlich wie die Tatsache, dass er ein begnadeter Schriftsteller war. Mehrfach wird auf ‘Tiffany‘ hingewiesen. Hier recherchiert er für seinen Tatsachenroman ‘Kaltblütig‘, dessen grauenvoller Plot nur angedeutet wird. Und noch etwas wird hier klar: Capote hat sich nicht nur für die Handlung interessiert, sondern auch für die Täter. Jeder weiß, Capote war schwul. Als er die Story hat, lässt er in seiner Egozentrik den Mörder Perry (Clifton Collins jr.) fallen wie eine heiße Kartoffel – allerdings mit einer Träne im Knopfloch. Das macht ihn für manche nicht gerade liebenswerter. Bemerkenswert noch aus seinem Freundeskreis Harper Lee (Catherine Keener), die mit der ‘störenden Nachtigall‘ Weltruhm erlangte und die Einzige, die es an seiner Seite aushielt. Dem Rest der Promis merkt man an, dass sie sich in seinem Ruhm bloß sonnten, denn eines war Capote nie: langweilig. Es bleibt eine Dokumentation ohne Spannung. Selten war der ‘Titelheld‘ unsympathischer als hier. Doch Seymour-Hoffmans Darstellung dieses menschlichen Zwerges aber schriftstellerischen Riesens kann einen schon fesseln.
Trennstrich
Mi, 16.11.2016
TV | Celeste
Tod eines Dichters4 Sterne
Percy Adlon ist ja nicht gerade ein Vielfilmer und hat wie hier meistens Arthouse gemacht. Und meistens wie hier nicht das schlechteste. Er hat sich die letzten zehn Jahre im Leben von Marcel Proust ausgesucht. Ein Literat der ersten Reihe, von dem meistens nur Insider ‘Swan‘ und die ‘Verlorene Zeit‘ kennen. Beides großartig verfilmt. Ein Kammerspiel für zwei Personen der ganz ganz leisen Art. Die Titelfigur (Eva Mattes) pflegt den bettlägerigen Schriftsteller (Jürgen Arnd) bis zu seinem Tode. Lange, stille Passagen kennzeichnen dieses Biopic der Endphase. Hier tröpfelt die ‘verlorene Zeit‘ buchstäblich äußerst langsam vorbei. ‘Ein Kunstwerk ist das einzige Mittel, die verlorene Zeit wiederzufinden.‘ Das persönliche Umfeld oder die Preisverleihung (Prix Goncourt) sind die wenigen äußeren Streiflichter die Adlon zulässt. ‘Weil man die verlorenen Paradiese nur in sich selbst wiederfindet.‘ Die zwei gegensätzlichen Charaktere beleben die etwas statische Szenerie. Proust, den sie nur ‘Monsieur‘ nennt, ein Stadtmensch, hochgebildet aber immobil. Die Dienstmagd, eine schlichte Natur vom Lande, ungebildet aber pragmatisch praktisch veranlagt. Sie wird unverzichtbar für ihn. Multitasking ist ihr zweiter Vorname: Bad, Botengänge, Manuskripte zusammenkleben etc. Doch es gibt Momente, da kommunizieren sie auf Augenhöhe, wenn sie ihm von ihrer Jugend erzählt oder er ihr von seinen Diners mit Bekannten berichtet. Dann machen sie sich sogar gemeinsam über sie lustig. So ist aus der Übergangslösung eine Dauerstellung geworden. Céleste, die ihn verehrt und nur lebt und lauscht, um von ihm gerufen zu werden. Der Tagesablauf gerät zu einem Ritual der besonderen Art: vorgewärmte Handtücher, desinfizierte Handschuhe, da ist er unerbittlich streng. Céleste hält auch Monologe dem Publikum zugewendet. Kleinigkeiten sprechen Bände: eine Handbewegung von ihm, ein Lächeln von ihr. Das ist das Metier der Eva Mattes, die Klara Blum vom Bodensee ist ihr doch stets fremd geblieben.

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.