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Mi, 19.10.2016
Kino | Ida OV
Ida ist Anna5 Sterne
Die Ausgangssituation könnte unterschiedlicher nicht sein: die Novizin Ida (Agata Trzebuchowska) und ihre Tante Wanda (Agata Kulesza), eine versoffene Hure, machen sich auf, um das Grab von Idas Eltern zu finden. In stringenten s/w Bildern erzählt Regisseur Paweł Pawlikowski dieses Roadmovie, das in den 60er Jahren in Polen spielt. Lange Einstellungen und längere wortlose ruhige Passagen brennen den Film in die Seele der Zuschauer. Vor allem gegen Ende, wenn die Dialoge immer seltener werden, bevor sie völlig verschwinden, graben sich die Bilder besonders tief in die Erinnerung. Hinzukommt dass im Verlauf des Films immer neue brisante Details über die beiden Frauen auftauchen. Tante Wanda hat eine stalinistische Vergangenheit als Richterin und Ida heißt eigentlich Anna und ist Jüdin. Es ist letztlich auch eine Auseinandersetzung von Polens Umgang mit seiner Geschichte, der nicht jedem gefällt. Hierbei spielt der Glaube ja auch eine wichtige Rolle. Vor allem die finale Entscheidung der beiden Frauen überrascht und beeindruckt zutiefst. Wandas nicht vorhersehbarer Abgang mit Klassik unterlegt wird durch ein Staatsbegräbnis der Partei ironisch überhöht und Ida/Anna versucht vorübergehend Wandas Lebensgewohnheiten nachzuvollziehen. Sie schlüpft buchstäblich in Wandas Schuhe und Kleider. So kann sie später einmal sagen, sie weiß, vorauf zu verzichtet hat. Agata Trzebuchowska gibt dem Film ein Gesicht: stets denn Blick gesenkt und wortkarg. Diese Newcomerin wirkt in ihrer madonnenhaften Schönheit unheimlich authentisch. Der Auslands Oscar ist wirklich verdient. Ein Frauenfilm mit emanzipatorischen Aspekten der auch Verantwortung für die Vergangenheit übernimmt. Ein seltenes Juwel.
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Di, 18.10.2016
TV | Julien Duvivier
Fünf Freunde3 Sterne
Zünftige Bande Dem Originaltitel und der deutschen Fassung (Übersetzung) merkt man das Alter an. Aber nach kurzer Zeit wird man in den Bann dieser fünf Jungs gezogen, von ihrer Lebensfreude und ihrem Optimismus. Sie sind arme Schlucker und knacken den Jackpot. Hei ist das eine Freude! Und die ist wirklich echt. Jeannot (Jean Gabin) ist ihr Anführer. Und Charlot (Charles Vanel), der älteste hat Gina (Viviane Romance), seine Ex an der Backe. Wir erhalten ein Gesellschaftsbild aus den 30er Jahren in Frankreich. Hier wie da will am raus aus der Stadt ins Grüne. Also renovieren die Fünf eine Bruchbude und bauen sie zu einem Ausflugslokal aus. Die innere Harmonie wird durch ein Unwetter leicht getrübt, erste Anzeichen für die sich am Ende abzeichnende Katastrophe. Eindrucksvolle s/w Bilder schildern die Naturgewalten und die paradiesische Atmosphäre danach. Nur Charlot und Jeannot bleiben übrig und die entzweien sich wegen Gina. Diese Frau bringt nur Unglück. Das hält keine noch so herzliche Männerfreundschaft aus. Eifersucht und gekränkte Eitelkeit kommen auf. Das individuelle tragische Schicksal konterkariert die äußere Idylle und den wirtschaftlichen Erfolg: Charlot wird erschossen, Jeannot wandert ins Gefängnis, vom liebenswürdigsten Gendarmen der Filmgeschichte abgeführt. Dem ist es echt peinlich, dass er ihn verhaften muss. Und Gina muss weiter anschaffen gehen. Weil dieser Schluss nicht der Masse des Publikums gefiel, musste Regisseur Duvivier noch ein überzuckertes Ende drehen. Charmantes Zeitbild aus der Guten Alten Zeit von zwischen den Weltkriegen mit einer zeitlosen Thematik.
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Di, 04.10.2016
TV | Noah
No Noah2 Sterne
Typischer Hollywood Schinken: pompöse Landschaft überdeckt dünnen Plot aus bibelähnlichen Anleihen mit Endzeitstimmung. Das Ganze ist in pathetische Dialoge gekleidet und mit theatralischem Getue ausgeschmückt. Eine kurze abrissartige Schöpfungsgeschichte gibt’s als Zugabe und auch wie im übrigen Film jede Menge Animation. Die Gesteinsriesen passen auch in den Herrn der Ringe. Viel Prominenz tummelt sich angeführt vom Titelhelden Russell Crowe. Dem wird eine aus der Luft gegriffene Tötung von neugeborenen, weiblichen Babys als Option aufgebürdet. Was er natürlich nicht macht. Er lobt sich selber für seine Entscheidung zugunsten der Menschlichkeit und Liebe. Auch seine Frau Jennifer Connelly versteht das. Anthony Hopkins verbreitet als Opa Langeweile im Gegensatz zu Ray Winstone, der als martialischer Unhold für etwas Aufregung sorgt. Noah als grimmiger Eigenbrötler bewegt sich wie der Rest der Crew in nicht zeitgemäßen Gewändern. Nach der Geburt der weiblichen Zwillinge durch Emma Watson, die wie’s Brezl Backen ging, können wir uns noch an Sätzen wie ‘Wenn du ein Mann bist, dann kannst du töten‘, erfreuen. Und nach Mutter und Kind folgen Bilder aus der Tierwelt von Affen und Bären mit dem gleichen Motiv. Regisseur Darren Aronofsky hat ganz unterschiedliche Filme gemacht. Der hier ist nicht einer seiner besten. Das ist Bibelkitsch mit Animationsaction und einem Bilderbuchschluss vom Jahrmarkt. K.V.
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Mo, 03.10.2016
Kino | Frantz
Anna & der Franzmann4 Sterne
Frantz mit Te Zet ist ein unheimlich leiser Film. Dabei ist er unsagbar traurig und hat aber ein Ende, das durchaus Mut macht. Es wird das deutsch-französische Verhältnis nach dem Ersten Weltkrieg thematisiert, unser Erzfeind, wie seit Bismarcks Zeiten viele glaubten. Der Titelheld ist gefallen, Anna (Paula Beer) seine Verlobte pflegt sein Scheingrab auf dem heimischen Friedhof. Hier trifft sie Adrien (Pierre Niney), einen Franzosen, der Frantz gut kannte. In stringenten s/w Bildern erzählt Francois Ozon diese Geschichte, die jedes Mal, wenn eine gefühlvolle Retro ins Bild kommt, farbig wird. Im Verlauf des Films erfahren wir weitere Details über Frantz und Adrien, z.B. dass sie Kunst und Musik liebten, Bilder von Monet z.B. Adrien ist nun nach Deutschland gekommen, um sich als Franzose für den Tod seines Freundes zu entschuldigen und von seinen Eltern (Ernst Stötzner, Marie Gruber) Vergebung zu erlangen. Das bietet Gelegenheit deutschen Nationalismus und Patriotismus gepaart mit Revanchismus in Szene zu setzen. Im kleinen Ort ist ein gewisser Herr Kreutz (Johann von Bülow) der Wortführer dieser Ideen. Beim Vater von Frantz setzt ein Gesinnungswandel ein, aber nur weil ihm Anna Details über den Tod seines Sohnes verheimlicht. Beide trafen nämlich im Schützengraben auf einander… Aber auch Anna löst sich etwas vom unabdingbaren Andenken an ihren Geliebten. Adrien ist nach Hause zurückgekehrt und hat den Kontakt abgebrochen. Anna reist nach Paris und sucht Adrien. Diese wohldosierten Enthüllungen über die beiden Freunde halten das Interesse am Fall hoch. Es fällt sogar ein homoerotischer Schatten auf ihre Beziehung. Und auch in Frankreich erleben wir Nationalismus und Patriotismus gleichermaßen. Anna findet Adriens Familie und seine Verlobte. Ein Melodram kündigt sich an. Am Ende bewundert Anna ein Gemälde von Monet ‘Der Selbstmörder‘, neben einem jungen Mann. Zuvor hatten sowohl Anna als auch Adrien versucht sich das Leben zu nehmen. Ein wichtiger Film, der einen bei allem Ernst der Situation nicht runterzieht.
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So, 02.10.2016
TV | Fluss ohne Wiederkehr
Floßfahrt zu dritt5 Sterne
Der Titel betrifft eigentlich nur die Indianer, denn die kehren nicht wieder vom Fluss zurück, weil ihnen Matt Calder (Robert Mitchum) den Garaus gemacht hat. Aber dafür ist die Melodie des Titelliedes umso einschmeichelnder und was Kay (Marilyn Monroe) hier überhaupt alles so singt ist einfach Kult. Unvergesslich auch die legendäre Floßfahrt, die noch aus der prädigitalen Phase stammt (1954) und hier als echter dramaturgischer Hebel eingesetzt wird. Dazu bringen noch die Indianer erhöhte Spannung auf die Leinwand. Aber alles wird von der wunderbaren Liebesgeschichte überstrahlt. Sie entwickelt sich neben der Vater - Sohn Beziehung. Die läuft parallel dazu daneben her und kommt am Ende ganz entscheidend zum Einsatz, wenn der kleine Mark (Tommy Rettig) den Bösewicht Weston (Rory Calhoun) erschießt und seinem Vater so das Leben rettet. Wie sich Matt und Kay aufeinander zubewegen, obwohl sie doch vom Typ her unterschiedlicher nicht sein könnten, wird überzeugend geschildert. Klar, dass es über Mark läuft, der Kay mag und seinen Vater verehrt. Auch dass der im Gefängnis war, wird geschickt im Handlungsverlauf aufgeklärt. Ebenso wie Matts Feststellung bezüglich der Schönheit, die ‘wie Rauch im Wind vergeht‘. Wenn sich Matt und Kay trennen, sieht das ganz nach ‘Ende – Gelände‘ aus. Mit drei ‘Paukenschlägen‘ hämmert das Drehbuch die drei Protagonisten aber wieder zusammen. Sie meint eigentliche Matt, wenn sie nochmals singt ‘You’ll never return to me‘. Das quittiert das Publikum mit einem ganz langen ‘Oooohhh!‘ Denn nun sind doch alle drei traurig! Aber sie hat die Rechnung ohne Matt gemacht. Wie er Kay holt ist Legende und wird nur noch von ihren knallroten High Heels übertroffen, die auf die Straße fallen und mit der sich die Kamera vom Geschehen verabschiedet. Zählt zu den sechs oder sieben ganz großen Klassefilmen der Monroe.
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Fr, 30.09.2016
TV | Das Lächeln der Sterne
Meer, Strand und Tränen2 Sterne
Der lyrische deutsche Titel beschreibt die Unmöglichkeit dieser Liebesbeziehung recht treffend. (Eigentlich lacht doch nur die Sonne am Himmel.). Adrienne (Diane Lane) und Paul (Richard Gere) haben kaputte Ehen hinter sich. Die Romanvorlage von Nicholas Sparks hat ein passendes Ambiente dafür gefunden: einsames Hotel am Strand, nur zwei Gäste und ein aufziehender Hurrikane. Da kommt man sich notgedrungen näher. Außen toben die Naturgewalten und im Innern der beiden die hochkochenden Emotionen. Und alles vor einer traumhaften Kulisse. Paul belastet ein Kunstfehler im OP, Adrienne ihre Kinder. Die emotionale Saite kommt voll zum Klingen, wenn Paul auf Adriennes Zureden mit dem Ehemann Robert (kurz aber eindrucksvoll Scott Glenn) der Verstorbenen redet und sein Bedauern ausdrückt. Dann reist er zu seinem Sohn Mark (James Franco) nach Südamerika. Adrienne wird er nicht wiedersehen. Ein echter Sparks halt. Man sieht das Unheil nicht, man hört nur davon. Darsteller und Zuschauer greifen zum Taschentuch. Das berührt besonders, weil die kurze, aber intensive Liebesbeziehung anfangs so wunderschön war, dass man fast neidisch werden konnte. Es wird nicht der Sex betont, sondern die Emotionen. Da reimt sich jetzt wirklich Herz auf Schmerz und zu beidem kommt der umwerfende Charme der beiden Hauptdarsteller. Auch typisch die Briefform für die abgebrochene Liebesgeschichte. Adrienne verfällt in einen depressiven Dauerschlaf, aus dem sie nur unter vielen Tränen erwacht. Dann hat Regisseur Wolfe noch eine Abschlussszene für Pferdeliebhaber parat. Wieso weiß keiner. Macht optisch nur etwas her. Für Schmacht und Schluchz von Herz mit Schmerz. Entspannend.
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Do, 29.09.2016
TV | Unthinkable - Der Preis der Wahrheit
Grenzwertig4 Sterne
Die Frage nach der Folter als Methode um von mutmaßlichen Verbrechern /Terroristen an Informationen zu kommen ist leider nicht undenkbar. Hier hat Yusuf Atta (Michael Sheen) drei in verschiedenen amerikanischen Städten Atombomben versteckt. Sein Gegenspieler ist ‘H‘ (Samuel L. Jackson) der Folterexperte vom CIA. Er glaubt sich im Krieg mit den Terroristen und da gibt es nun auch Tote. Die Folter wird diskutiert und realiter am lebenden Objekt durchgezogen. Das geht über die Schmerzgrenze mancher Zuschauer hinaus. Gekonnt wird die Spannung bis zum Anschlag des Erträglichen hochgefahren: sind es drei oder vier Bomben? Bringt Folter einen Fanatiker zum Reden? Ist jedes Mittel recht oder befinden wir uns in einem rechtsfreien Raum. Der deutsche Untertitel legt einen moralischen Zeigefinger in die Diskussionsrunde der in die falsche Richtung zielt. Denn es ist doch äußerst fragwürdig, was da so unter Höllenqualen als Geständnis ans Tageslicht der Ermittlungen gebracht wird. Spannend ist der Wechsel der Einstellungen des verhörenden Personals, auch der von Politikern bezüglich Gewalt. Neben ‘H‘ versucht noch Special Agent Brody (Carrie-Anne Moss) mit vernunftgesteuertem Zureden Yusuf zur Herausgabe der Bombenstandorte zu bewegen. Ohne Erfolg, wohlgemerkt. Yusufs Frau und Kinder werden ins Verhör mit einbezogen. Das geht ans Eingemachte. Sind die Bomben echt? Gibt es drei oder gar vier davon? Yusuf schaltet sich selber aus. Die Atombomben werden entschärft. Einfach so. Knips! Bei Bombe Nummer 4 setzt Regisseur Gregor Jordan den ‘dramatic curtain‘ ein: der Auslöser zählt rückwärts 3, 2, 1,:Aus, Ende! So wird die Frage, die im Raum steht, nicht für jeden hinlänglich beantwortet. Äußerst heftig, leider denkbar, rechtlich fragwürdig, aber sauspannend!
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Mi, 28.09.2016
TV | Die Verschwörung - Verrat auf höchster Ebene
Seite 84 Sterne
Einer der wenigen Filme des ‘Alten Hasen‘ David Hare, der im Agentenmilieu spielt und dessen Plot von John Le Caré stammen könnte. Brisanz mal anders. Informationen werden gehandelt, Untergebene gefeuert (Bauernopfer) und wer am besten bluffen kann, gewinnt. Der deutsche Titel erklärt sich selbst. Wusste der britische Premier (Ralph Fiennes) davon, dass die Amerikaner in geheimen Gefängnissen in aller Welt foltern? Sein bekanntes moralinsaures Lächeln passt hier wie die Faust aufs Auge. Beim MI5 gibt es eine Akte darüber (‘Seite 8‘), die das beweisen kann. Die erhält der Agent Johnny (Bill Nighy) von seinem Freund und Vorgesetzten Ben (Michael Gambon). Johnnys Nachbarin Nancy (Rachel Weisz) recherchiert über den Tod ihres Bruders. Johnny und Nancy machen einen Deal. Es entwickelt sich ein komplexes Geflecht aus geheimdienstlichen Aktivitäten und persönlichen Beziehungen. Dazu gehört das Verhältnis von Vätern und Töchtern: Johnnys Tochter Julianne (Felicity Jones) bekommt eine und Johnny hat ja schon eine. Weiter als bis zu einem Küsschen kommen Johnny und Nancy nicht und er ‘Ich würde sterben, wenn sie mir danken.‘ Als Ben stirbt, der Johnnys Frau Emma (Alice Krige) geheiratet hatte, führt die Spur über die karrieregeile Innenministerin Anthea Catcheside (Saskia Reeves), die überraschend Vizechefin wird, direkt zum Premierminister, der alles daran setzt die Akte mit der Seite 8 verschwinden zu lassen. Ein ungewöhnlicher Film, der zwar etwas dialoglastig daherkommt, aber die sind auch flott und messerscharf. Erstaunlich ist, dass der Film ohne physische Gewalt auskommt mit einem Hauptdarsteller, den wir zuletzt im Marigold Hotel sahen. Statt Sex gibt es hier Sympathie und statt großer Liebe Vertrauen. Manches bleibt etwas vage, geht aber in Ordnung, weil die vollständige Wahrheit ohnehin unglaublich wäre. Toll besetzt bis in kleine Rollen z.B. mit Ewan Bremner oder Marthe Keller. Die Spannung hat Seltenheitswert. Man sieht, es geht auch mal anders.
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Mi, 28.09.2016
TV | Der Don ist tot
Es lebe der Don!2 Sterne
Regisseur Richard Fleischer saß ja nie so ganz vorne in der ersten Reihe und doch hat er manchen Film gedreht, der gar nicht mal so schlecht war wie z.B. ‘Die phantastische Reise‘ oder den Sandalenfilm ‘Barabbas‘. Hier schildert er die Machtverhältnisse innerhalb der Mafia. Anthony Quinn, Fleischers Lieblingsschauspieler, ist der große Boss Don Angelo, der den Film eigentlich tragen sollte. Tut er aber nicht. Nur einmal kommt er dramaturgisch zum Einsatz, wenn er seinen angeblichen Tod als Finte benutzt. Aber auch ohne ihn ist es keineswegs langweilig. Ein Bandenkrieg aus nichtigem Anlass um Ruby (Angel Tompkins) mit einer überschaubaren Menge von Toten sowie Racheaktionen sorgen für gediegene Unterhaltung. Und überraschenderweise sind hier auch die Ladys mit von der Partie und müssen dafür bezahlen. Eine Wachablösung findet statt; bzw. es wird der Aufstieg von Tony Fargo (Frederic Forrest). Er ist der einzige der Fargo Brüder, der denken kann. Die anderen z.B. Vince (Al Lettieri) können nur ballern. Und seine Eier sind nicht an seinem Gehirn angewachsen wie bei seinem Bruder Frank (Robert Forster). Orlando (Charles Cioffi) versucht neutral zu bleiben und abzuwarten, wer übrig bleibt. Das geht natürlich gar nicht. Er und die untreue Ehefrau Marie müssen dafür zahlen. Die Brutalitäten halten sich im Rahmen des Üblichen trotz Massaker und Riesenexplosionen. Es gibt keine Guten und Bösen, sondern nur Mafiosi, die ihren Job machen. Und wir erfahren ‘Es ist nie vorbei‘. Es geht immer weiter. Spannende Unterhaltung, die einen aber emotional nicht vom Hocker haut.
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Di, 27.09.2016
TV | Wem die Stunde schlägt
Da schlägt nix!1 Stern
Ich habe diesen Film seit vielen Jahren wieder mal gesehen und war entsetzt. Damals fielen alle vor den großen Namen vor Ehrfurcht fast auf die Knie. Man sprach nur mit verhaltener Stimme von dem Streifen. Respekt und Lob überschlugen sich Und jetzt? Ernüchterung hat sich breit gemacht. Ein Titel, den heute keiner mehr versteht, eine Liebesgeschichte, die weit über das Erträgliche hinausgeht und eine Frauenrolle, die von Ingrid Bergmann so zwischen Dummchen und infantilem Gesülze anzusiedeln ist. Sie himmelt Gary Cooper so schmachtend an, dass es ihm damals vielleicht sogar etwas unangenehm war. So mit dem ihm die Schuhe binden und Essen reichen. Heute ist das nur peinlich. Obwohl es um eine grade Handlung geht: eine Brücke im Spanischen Bürgerkrieg zu sprengen, zerfasert der Plot mit viel unwichtigem Gruppentratsch. Der Krieg selbst kommt wie ein Kindergeburtstag daher. Und Ingrid heult und schreit, als es ernst wird, nachdem sie zuvor tränenreich Gary ihre unerschütterliche Liebe gestanden hat. Das gipfelt in Garys Feststellung von seiner nahen Todesahnung ‘Ich bin du, und du bist ich‘. Sie soll sich vom Acker machen und davonkommen und so lebt er weiter, wenn er umkommt. Müsste ich bei Hemingway nochmal nachlesen, ob der Satz wirklich von ihm ist. Davon abgesehen wirken die Dialoge antiquiert und werden glatt von Ingrids blendenden Jacketkronen überstrahlt. So sieht wohl heute eine echte Schnulze aus. Eine, die aus der Welt gefallen ist. Der Zeitbezug zum Geschehen in Spanien kommt auch etwas kurz weg. Das lag aber Hemingway sehr am Herzen, denn er war dabei. Einzig und allein zwei Revolutionäre zeigen darstellerisches Format und bleiben im Gedächtnis: Pilar (Katina Paxinou) und Pablo (Akim Tamiroff). Sie eine resolute Kratzbürste mit Herz, er ein Freiheitskämpfer im Zwielicht, der seinen eigenen Weg sucht zwischen Loyalität und Anerkennung. Damals 1943 in einem Atemzug mit ‘Vom Winde verweht‘ (1939) genannt (vielleicht wegen des Endes), liegen heute Welten zwischen beiden Filmen was den Plot, die Erzählweise und die Darstellern angeht. Ja, so ändern sich die Zeiten und die Geschmäcker.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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