So, 18.09.2016Kino | Alexis SorbasSieg der LebensfreudeDie Basis des Films ist eine Männerfreundschaft und zwar von zwei ganz unterschiedlichen Typen. Der Titelheld (Anthony Quinn) ist griechischer Insulaner, ein etwas älterer Lebenskünstler, wild und ungebildet. Sein Freund Basil (Alan Bates), eine junger Engländer, Dichter, eher konservativ ausgerichtet. Dieser Hauptplot bleibt bestehen und wird von einem lebensbejahenden, ausgelassenen Schluss zu Ende gebracht. Dazwischen gibt es die archaische Lebensform, die von Männern und alten Frauen bestimmt wird. Es geht grausam zu. Zwei Frauen wird übelst mitgespielt. Die wilde Witwe Sumelina (Irena Papas), die alle wollen doch sie erhört nur Basil. Statt einer Steinigung geht es ihr an die Kehle. Gerüchte haben sie für schuldig befunden. Damals hat die Kamera im entscheidenden Moment noch diskret weggeschaut. Andererseits erzählt sie in reiner Bildsprache und ohne Worte die Geschichte mit Sumelinas Ziegenbock. Nur Mimen und Blicke der eindrucksvoll gecasteten Dörfler verdeutlichen, was da im Gasthaus vor sich geht.
Fremdenfeindlichkeit betrifft nicht nur das Thema Griechen und Türken. Auch das Haus (‚Das Ritz‘) von Madame Hortense (Lila Kedrova), einer Russin, wird nach deren Tod geplündert. Sie hat einen noch tragischeren Part erwischt, den sie aber darstellerisch überirdisch gut spielt. Sie schwebt eigentlich und lebt zwischen unerfüllter Hoffnung und nostalgischer Verklärung ihrer Vergangenheit. Eine Messe wird für sie nicht gelesen.
Aber die Mädels sind nicht die einzigen Loser auf der Insel. Das Minenprojekt von Alexis und Basil scheitert. Kein Beinbruch! Der eigentliche Gewinner ist und bleibt die unbesiegbare Lebensfreude. Und die feiert man, indem man den Sirtaki tanzt. Was für ein Schluss für solch einen Wahnsinnsfilm… | |
Sa, 17.09.2016Kino | Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurückEinfach fantastischDas Wort ‘Fantastic‘ passt im doppelten Sinne in den Titel des Films. Erstens ist der Film wirklich großartig (‘fantastisch‘) und zweitens hat er einen Plot, der mitunter teilweise in fantastische Welten vorstößt, in die man nur mit viel Fantasie nachfolgen kann. Außerdem hat Regisseur Matt Ross viel Autobiographisches mit eingebracht. Bei aller leicht überzeichneten Logik gib es am Ende einen erstaunlich vernünftigen Schluss.
Alleinerziehender Vater Ben (Viggo Mortensen) lebt mit 6 Kindern in der Wildnis. Er bildet sie und trainiert sie in Survival Craft. (‘Cola ist vergiftetes Wasser‘)
Dreiviertel des Films sind ausgesprochen witzig und geistreich zugleich (Nicht nur wegen des wiederholten Bezugs auf Noam Chomsky, der mit seinen Strukturanalysen unter Insidern eine fast gottgleiche Verehrung genießt.) Auch die direkte Konfrontation von Schulwissen und dem was Bens Kids wissen, fällt klar zugunsten seiner Kinder aus. In ihren Gesprächen mit Vater Ben liefern sie Kapitalismuskritik ab und lesen u.a. George Eliot.
Aber es fällt auch auf, dass sie emotional gehandicapt sind. Lustig wenn sich der älteste Bodevan ( George MacKay) verliebt. Alle Kinder haben einzigartige Namen wie Kielyr oder Vespyr, weil sie nach Mutter Leslies Wunsch, die nur in Bens Träumen erscheint, einzigartig sind. Und aus ihrem Testament erfahren wir, dass sie Buddhistin war, was die Handlung von der humorvollen Seite auf die emotionale Schiene bringt. Sie muss verbrannt werden…
Erstaunlich ist auch die Situation der Kids bei Leslies Eltern. Hier überzeugt vor allem Opa Jack (Frank Langella). Der Gegensatz zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn könnte nicht größer sein. Es knistert, gibt aber keine Ausfälle.
Was bleibt ist eine erfrischend geistreiche Komödie, die über eine gefühlvolle Seite auch noch eine Botschaft enthält, die allen Aussteigern zu denken geben sollte. | |
Do, 15.09.2016TV | Der JungeDer Bub schweigtWenn man einen ganzen Spielfilm auf einer einzigen Idee aufbaut, muss man schon gut sein. Regisseur Nagisa Oshima ist zwar schon ein Guter, aber hier hat vor dem ‘Reich der Sinne‘ eine etwas dürftige Story abgeliefert (1969). Eine Familie schlägt sich mit Trickbetrügereien durch: die Stiefmutter (Akiko Koyama, Ehefrau des Regisseurs) oder der Junge (Tetsno Abe) springen ein langsam fahrendes Auto an, mimen dann auf schwerverletzt und kassieren ab.
Da sich nicht viel Neues ereignet, gibt es nur Ehestreitigkeiten zur Abwechslung mit handfesten Auseinandersetzungen. Sie betrügt ihn, er trennt sich vorübergehend, ist vom Krieg traumatisiert. Der Junge schaut, macht mit und schweigt. Erst ganz am Ende, als er einen Unfall sieht, bei dem ein kleines Mädchen umkommt, gibt es ein paar lyrische Momente. Und wenn sein kleiner Bruder ihm weinend in die Schneelandschaft hinterherläuft, kommt ein Hauch von Qualität auf. Doch das ist nur das Ende eines etwas langweiligen Films. Und das wird auch noch durch einen Polizeibericht entschärft, der das Ende der Gaunerfamilie schildert.
Die Emotionen werden mit gebremstem Schaum gefahren, die Vorfälle sind bloße Wiederholungen. Reglose Gesichtsmimik ist angesagt. Der Junge bleibt blass, die Eltern recht farblos. Lediglich die farblich unterschiedliche Bildgestaltung von blau eingefärbt bis s/w lässt hingucken. Auch die Schwangerschaft der Mutter dient nur zu schalen Attacken der Eheleute. Sie würde gern aufhören. Der Titel stellt zwar den Jungen in den Mittelpunkt, der Film aber nicht. Für eine am Rand der Gesellschaft lebende Familie geht es ihnen recht gut. Zu oberflächlich. | |
Di, 13.09.2016TV | BetrogenDer betrogene BetrügerOb man den Film als Clint-Eastwood-Fan mag oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass er hier mehr geküsst hat, als in allen seinen sonstigen Filmen zusammen und eine äußerst bewegte Mimik an den Tag legt, die man sonst von ihm nicht gewohnt ist. Er zeigt Entsetzen und lächelt verliebt, wenn er das weibliche Ambiente abcheckt und auf Krücken im Nachthemd durchs Haus humpelt.
Als verwundeter Offizier McBee aus dem Norden wird in einem Mädchenpensionat im Süden der USA gesund gepflegt. Das Freund-Feind Verhältnis ist hier aber nur ein Randproblem. McBee umgarnt drei der Mädels, um frei zukommen. Zunächst die Leiterin Martha (Geraldine Page), mit der treibt er es allerdings nur in ihren Jungfernträumen, für Edwina (Elizabeth Hartmann) ihre Vertreterin hat er ehrliche Absichten und bei der knackigen Carol (Joe Ann Harris) kommt er dann wirklich zum Zuge. So entsteht ein komplexes Beziehungsgeflecht, das durch Indiskretionen aufliegt.
Die Amputation von McBees Bein ist wohl der schmerzliche Höhepunkt des Films und befeuert Spannung und Plot.
Als McBee alles offen ausspricht, hat er die Rechnung ohne die Wirtin Martha gemacht, ein tödlicher Fehler. Die Insassen des Pensionats schlagen aus enttäuschter Liebe in einer Gemeinschaftsaktion mit der Lieblingswaffe der Frauen zurück. Die kleine Amy (Pamelyn Ferdin) ist eine leidenschaftliche Pilzsammlerin…
Der ambivalente Titel kann sich auf die Mädels aber auch auf Clint beziehen.
Wir sehen ihn hier mal ganz anders, etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlecht. | |
Di, 13.09.2016Kino | DuellMensch gegen TruckEiner der ersten Geniestreiche von Steven Spielberg. Ein abstraktes Konstrukt der ungewöhnlichen Art. Ein Duell zwischen dem PKW-Fahrer David Mann (Dennis Weaver) und einem Supertruck, dessen Fahrer (Carey Loftin) nicht zu erkennen ist. Man sieht ihn nicht und doch ist er permanent präsent.
Ganz nebenbei erfahren wir noch telefonisch von Davids Eheproblemen, bevor ihn sein Verfolgungswahn dazu bringt, sich mit dem Falschen zu prügeln. Die Dialoge sind auf ein Minimum beschränkt. Die Frage des Tankwarts z.B. ‘Wollen sie das Teil oder nicht?‘, David verneint, antwortet der Tankwart ‘Sie sind der Boss‘. David ‘Bei mir zu Hause aber nicht‘.
Einen Großteil des Films machen die Fahrten aus: Verfolgungsjagden, Tempoerhöhung, riskante Überholmanöver, Stoßstangenschubser etc. Davids Auto hat am Ende nur noch Schrottwert. Dann belauern sich die beiden Kontrahenten wiederum, liegen schon mal in Lauerstellung. Wir sehen einen winkenden Arm des Truckfahrers: Vorbeifahren! Überholen!
Das Ganze geht auch nur in der Einsamkeit der Wüste, wo Mensch und Auto gleichermaßen verloren sind.
Schließlich endet der Film mit einem fulminanten Schluss: David stellt sich und riskiert einen Frontalzusammenstoß. Das berühmt berüchtigte ‘reinigende Gewitter‘, das man so oft nach Krisen herbeisehnt. Neben dem faktischen Ablauf ist aber ebenso bemerkenswert die Abfolge der Gefühle auf Davids Gesicht: Erleichterung, Freude, Tränen und Entsetzen vor einem glutroten Sonnenuntergang. Genial. | |
Mo, 12.09.2016TV | AmoreKnutschfleck für MariaDer Titel weist den Weg. Klaus Lemke, der in den 70er Jahren Filme drehte, ist heute fast vergessen, falls nicht, ist er Kult. Es sind kleine nette Filme, die leichtfüßig daherkommen, gradlinig einfach, aber immer grundehrlich. Selbst wenn er wie hier ein überzuckertes Happy End abliefert. Man will es einfach nicht glauben, so schlicht ist der Plot. Jugendliche Eifersüchteleien, mit Anbaggern und Hängenlassen, mit Knutschflecken und Ohrfeigen. Aber das Entscheidende sind die Darsteller, allen voran Cleo Kretschmer. Sie besitzt wie Lemkes zweiter Lieblingsdarsteller Wolfgang Fierek ein Talent, das zwischen laienhafter Natürlichkeit und professioneller Ausstrahlung den Figuren einen gewissen Charme verleiht, den Charme der kleinen Leute. Ihre Probleme lösen sie auf ihre Art. Das geht oft zu glatt und ohne großen Tiefgang, aber so sind sie nun mal. Der Funke von Lemkes Empathie für seine Figuren springt rüber. Da stört es nicht, wenn Handlungsstränge abgebrochen werden oder manches heute etwas unbeholfen wirkt, wie der Kauf eines Negligees. Aber eins passt zum anderen: die Kleinbürgerliche Enge der Wohnung genauso wie der kleine Lieferwagen, das Oktoberfest ebenso wie Vaters letzter Versuch eine Frau zu finden. Und wenn dann noch Elvis singt ‘ Are you lonesome tonight‘ ist alles zu spät. Ach ja!? | |
So, 11.09.2016Kino | Das dreckige DutzendSchwerverbrecher als NazijägerDer Erste aus der Reihe ist der Beste. Selten waren in einem Film so viele Superstars zu sehen wie hier. Aber das ist nicht das einzige Qualitätsprädikat. Eine klare Gliederung verleiht dem Film eine übersichtliche Struktur: erstens die Rekrutierung von zwölf Schwerverbrechern für ein Himmelfahrtskommando, zweitens ihre Ausbildung mit einem humorigen Zwischenteil. (Nutten für alle!) Hier kann die Truppe dann ihre Kampfkraft bei einem Manöver beweisen und Regisseur Aldrich, dass er auch in einem harten Kriegsfilm Humor und Späße unterbringen kann. Und drittens der Ernstfall: die Zerstörung eines Nazivergnügungsschlösschens in Frankreich.
Der erste Teil zeigt die interessante Auswahl der Kandidaten und in prägnanten Dialogen mit ihrem Anführer Major Reisman (Lee Marvin) die Vorgeschichte der schweren Jungs. Mit viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für Kameradschaft stellt er in Einzelgesprächen seine Truppe zusammen. Da blickt man schon mal in menschliche Abgründe. Einer nennt sie mal einen Haufen asozialer Psychopaten. Und es werden Gruppenzwänge entwickelt, um eine verschworene Gemeinschaft zu formen. Aus der Reihe der knallharten Männer sticht der Sänger Trini Lopez heraus, der hier auch mal zur Gitarre greift, aber nicht seinen Welthit ‘If I had a hammer‘ singt. Telly-Kojak-Savalas mordete aus einem religiösen Wahn heraus und John Cassavetes versucht sich als Unruhestifter. Entzug von Seife und warmem Wasser zum Rasieren brachte den Titel des Films. Robert Ryan macht sich als Vorgesetzter zum Affen, Donald Sutherland gibt ein etwas schlichtes Weichei und Charles Bronson das genaue Gegenteil. Außer den Nutten darf noch eine Frau (Dora Reisser) als Naziliebchen einen Schrei loslassen, bevor Telly ihr das Licht ausknippst.
Die Operation wird ein Erfolg. Na klar. Aber wie sie vorbereitet und durchgeführt wird, ist gut gemacht. Nur drei überleben allerdings. Klassischer Kriegsfilm mit interessanten und spannenden Passagen und einer Superpromi-Riege. | |
So, 04.09.2016TV | Mars Attacks!Mars macht mobil !Ein doppelter Spaß, weil die Vertreter der ewiglangen Promiriege hier mal anders agieren – meistens komödiantisch - als man es sonst von ihnen gewohnt ist. Tim Burton ist schon ein echter Spaßmacher von Format, denn neben all dem Klamauk wirft er noch ein Streiflicht auf die amerikanische Gesellschaft. Und er hat ganz genau hingeschaut und kann so ein Sammelsurium von Kaputten und Verrückten präsentieren. Es ist eine breite Palette von Proll bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Man kann sagen, dass diese schrille Groteske teilweise erschreckend realistisch ist. Wenn da nicht so viel Wahrheit drin wäre, wäre der Film einfach nur lustig. (Nonnen im Spielkasino) Und wo man hinschaut, nix als Promis.
Herrlich dämlich und überdrallert Annette Bening in ihrer Esoterik. Cool und sehr souverän mit Pfeife Pierce Brosnan als Professor Kessler. Jack Nicholson war mit so viel Spaß dabei, dass er gleich eine Doppelrolle akzeptierte. Pam Grier überzeugt als resolute Busfahrerin und Tom Jones spielt sich selber und hat auch noch das letzte, alles erklärende musikalische Say ‘It’s not unusual‘.
Die Marsmännchen - mit ihren übergroßen Gehirnen sind schon drollige Kerle, die ein entenähnliches ‘Kwack-Kwack-Kauderwelsch‘ reden. Wobei das Tollste ihr Ende ist: Schmalzmusik tötet sie. Wie wahr! Das Töten ist hier keine blutrünstige Sache, sondern ein Zerbröseln, wie man es aus Videospielen der harmlosen Art kennt.
Ein Heidenspaß also mit Niveau. Nichts entspannt besser. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.