Mi, 20.07.2016TV | Sarahs SchlüsselSie hieß SarahEin selten erwähntes Kapitel der französischen Geschichte aus der Zeit der Nazi Besetzung. Hier wurden von der französischen Polizei 1942 Massenverhaftungen (Razzia des Wintervelodroms) unter der jüdischen Bevölkerung durchgeführt.
Die Familie Starzynski wird verhaftet, die kleine Sarah (eindrucksvoll Melusine Mayance) will ihren Bruder retten und sperrt ihn in einem Wandschrank ein. Ein tödlicher Fehler, der sie ein Leben lang verfolgen wird. Über 60 Jahre später will die Journalistin Julia (Kristin Scott Thomas) eine Wohnung mieten und stößt bei ihren Recherchen auf die Geschichte von Sarah, die überlebt hat und nach Amerika ausgewandert ist.
Die Handlung springt zwischen 1942 und 2009 hin und her und beleuchtet die weitere Entwicklung der Familie. Das wird sowohl spannend als auch bewegend erzählt. Das Wachpersonal im Lager hat nicht die deutsche verbohrte Gründlichkeit, sodass die kleine Sarah fliehen kann.
Die Recherchen von Julia gestalten sich zunehmend schwieriger, weil sie schwanger ist und sich von ihrem Mann trennt.
Aber auch das unverständliche Schweigen über das Familiengeheimnis geht über Generationen weiter. Fast hätte Julia Sarah in Amerika gefunden, da zeigt sich eine überraschende Wendung in ihrem Schicksal. Und auch ihr Sohn William (Aidan Quinn) braucht etwas Anlaufzeit, bis er sich zu seinen Vorfahren bekennt.
Ein bewegendes Drama, etwas komplex erzählt. Die Zeitsprünge sind wichtig aber auch nicht immer gleich klar: z.B. die unterschiedlichen Mieter und Julias Schwiegereltern nehmen nicht viel von der Spannung weg, zwingen nur genauer hinzuschauen und einzuordnen.
Insgesamt ein toller Film, der die Zeitschranken überwindet und die Tradition von Schuld dem Vergessen entreißt. Ein Film der belegt, dass es zwischen Geschichte und Zeitgeschichte einen Zusammenhang gibt. Sollte man gesehen haben. | |
Di, 19.07.2016TV | Teufel im LeibDie diskrete KameraDas ist eine der tragischsten Liebesgeschichten des Films: verheiratete Frau (Marthe) verliebt sich in einen älteren Schüler (Francois). Malträtiert von ihrer Familie gerät ihre Liebe in Gefahr. Die Zweideutigkeit des Titels lässt mehrere Interpretationen zu. (Den Hinweis auf ihre spätere Schwangerschaft wollen wir mal außen vor lassen. Da passt ‘Stürmische Jugend‘ viel besser.
Den Skandal, den der Film 1947 ausgelöst hat, kann man heute nur noch schwerlich nachvollziehen. Deshalb sollte man sich vielmehr auf die filmischen Leckerbissen dieses Drama in s/w konzentrieren.
Nur so viel sei angemerkt: das mehrfach angekündigte Erscheinen des Ehemanns bringt etwas Spannung. Er gibt nur einmal ganz kurz Francois Feuer. Das drohende Kriegsende würde das Ende der Liebesbeziehung bedeuten. Zuvor gab es schon Spannungen zwischen dem jungen Mann und der etwas reiferen Frau. Die von beiden gestellte Frage ‘Liebst du mich?‘ bleibt beide Male unbeantwortet.
Der erste Auftritt von Marthe (Micheline Presle) wird durch eine Unschärfe – was später noch öfters zu sehen sein wird – eingeleitet. Viele kleine Details erfreuen das Auge, obwohl die Handlung alles andere als ein Feel-Good Movie ist. Abgesehen von dem kurzen Glück vor dem brennenden Kamin, wo sich die Kamera schon bald diskret abwendet: der umhergereichte, letztlich weggeworfene Rosenstrauß, das Spiegelbild in der Schrankwand oder der Tintenfleck an Vaters Backe. Kein Wunder, Michel Kelber, der geniale Kameramann stand hier hinter dem Objektiv.
Lange verweilt die Kamera auf dem Gesicht von Francois. So wird der Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes besser in Mitleidenschaft gezogen. Und für Genau-Hingucker gibt es ein Cameo von Jacques Tati. Eine alt-ehrwürdige Perle. | |
Di, 19.07.2016Kino | Sing StreetBoy Group Goes PopHier ist John Carney ein stilechter Musikfilm gelungen. Viel besser als ONCE, der ohne Handlung nur eine visuelle CD ist, gelingt ihm hier ein Plot mit echten irischen Charakteren, viel Lokalkolorit und einem Sounderlebnis, das sich keineswegs vor Alan Parkers ‘Commitments‘ verstecken braucht.
Die angedeutete musikalische Entwicklung der Band von der reinen Imitation (Duran Duran) zum eigenen Sound gelingt anfangs mit echt stümperhafter Musikalität aber einer gehörigen Portion Witz und Selbstbewusstsein, bevor es dann doch ziemlich schnell zum perfekten Sound der 80er Jahre geht.
Und für Irland ganz wichtig – egal ob in Musik, Literatur oder Kunst ganz allgemein, für die Jungs ist die Kirche und die Schule die Startbahn ins Leben. Wer sich in dieser autoritären, intoleranten Atmosphäre behaupten kann, schafft es auch sonst im Leben.
Zweiter Pluspunkt ist das familiäre Umfeld von Bandleader Conor (Ferdia Walsh-Peelo) Der Junge heißt wirklich so. Auch Conors Eltern – hier vor allem die Mutter (Maria Doyle Kennedy) - plagen nicht nur finanzielle Probleme. Und Conors Bruder Brendan (Jack Reynor) ist als echte Charakterfigur sehr plastisch gezeichnet. Krönender Gipfel der Handlung ist Conors Love Story mit Raphina (Lucy Boyton). Realistisch ohne Zuckerguss sind beide erst einmal ‘unglücklich glücklich‘ (‘happily sad‘).
Neben dem ganz unterschiedlichen Soundtrack gibt es drei gelungene Szenen, die sich vom übrigen Plot deutlich abheben: Brendans Ausraster mit Vandalismus Anfällen als persönliche musikalische Bilanz, dann das idyllische Picknick auf einer kleinen Insel von Conor und Raphina (hier wird das Boot für die spätere Fahrt in eine gemeinsame Zukunft eingeführt) und der knallbunte Abschlussball, der überraschenderweise nur in Conors Fantasie stattfindet. Es grooved. | |
Mo, 18.07.2016TV | Jeder Tod hat seinen PreisDas ProtokollWenn die Pharmaindustrie auf die Anklagebank gebracht wird, ist das allemal ein Versuch, der aller Ehren wert ist. Auch wenn am Ende eingeräumt werden muss, dass die Versuche am Menschen weitergehen – nur jetzt nicht in Afrika sondern in Asien.
Vater Raoul (mit viel Grimm im Bauch Clovis Cornillac), der seinen Sohn verlor und die Journalistin Diane (Marie-Josée Croze, eine herbe Schönheit), die bei dem ganzen Unternehmen nicht nur ihren Mann verliert, versuchen dem Chemieriesen HEXALOR die Schuld am Tod ihrer Lieben nachzuweisen.
Eine Mischung aus langen Dialogen und Verfolgungsjagden bringt mittelmäßige Spannung. Die Handlung wird zum Ende hin etwas intensiver und bietet auch noch zwei überraschende Wendungen.
Das Entsetzen der geschiedenen Eltern über die Nachricht vom Tode des Sohnes Frank beeindruckt gleich zu Beginn. Am Ende stellt die Konzernchefin Louise Verneuil (Dominique Reymond) ganz cool gegenüber Raoul fest, der eine Pistole auf sie richtet, dass der Tod von Frank kein Unfall war, auch kein Mord und schon gar nicht am Medikament von Hexalor lag. Frank war nach der Scheidung der Eltern depressiv. Doch Raoul ist inzwischen so vom Hass zerfressen, dass ihn die Aufklärung von Louise Verneuil nicht mehr stoppen kann. Mit der Pistole von Diane folgt er ihr als Wachmann verkleidet in den Vortragssaal…
Bei der Flucht von Raoul und Diane vor der Polizei bzw. vor einem Schlägertrupp von Hexalor knistert es mal kurz zwischen beiden. Gottseidank nicht mehr! Man merkt nur wonach beide sich sehnen. Doch sie streiten sich dann lieber, bevor Diane endgültig abtritt.
Ein zweifellos zeitloser Krimi, der nichts an Aktualität eingebüßt hat und ungeschönt in die Zukunft weist. Traurig aber wahr. Lehrreich. | |
So, 17.07.2016TV | Taste Of Money - Die Macht der BegierdeGeld & Macht, Sex & FreiheitBei der superreichen, koreanischen Familie Yoon (Ehepaar, Sohn und geschiedener Tochter Nami) arbeitet Joo (Kim Kang-woo) als Privatsekretär. Als Vater Yoon ein Verhältnis mit dem philippinischen Dienstmädchen Eva (Maui Taylor) anfängt, kommt eine Lawine ins Rollen, die die beiden Auslöser unter sich begräbt und die anderen Familienmitglieder: Mutter und Sohn moralisch nicht ganz schuldlos davonkommen lässt. Es entsteht der Eindruck, dass man mit der Macht des Geldes sich fast alles erlauben kann, wenn man sich an die sozialen Normen hält. Und doch bleibt jeder allein. Vater Yoon will aber seine Freiheit und bricht aus. Die frustrierte Ehefrau, die er nur wegen ihres Geldes geheiratet hatte, schlägt zurück. Nur der Sekretär Joo sitzt zwischen allen Stühlen und bleibt frei von Schuld (sieht man mal vom Diebstahl des Geldes ab, aber das wurde ihm ja ohnehin aufgedrängt wie der Beischlaf mit der Ehefrau Yoon).
Vier Personen kreisen um Joo, von denen jeder alles über die anderen weiß und jeder eigentlich nur sich selber liebt und das Geld. Es könnte immer so weiter gehen, wenn Eva nicht plötzlich schwanger wäre, obwohl Vater Yoon sterilisiert worden war.
Den Reichtum zeigt das durchgestylte Ambiente, das aber kalt und abweisend wirkt. Joo hat für diese Gesellschaft letztlich nur Verachtung. Ein Herz kann er nur bei Eva und Nami entdecken.
Eine Familiengeschichte aus dem Geldadel, die einen zwar nicht unbedingt packt, aber auch nicht ganz kalt lässt. Durchaus sehenswert. | |
So, 17.07.2016TV | Indiana Jones und das Königreich des KristallschädelsFamilieglück komplettIndi (Harrison Ford) ist zwar in die Jahre gekommen, aber immer noch topfit. Und auch die Zeit ist weitergelaufen: Indy befindet sich auf einem Atomwaffentestgelände, wo er eine Explosion im Kühlschrank überlebt (‘jumping the fridge‘). Die Handlung wird weitergedacht und mit vielen spektakulären Stunts aufgemotzt, wie z.B. den Ortswechsel bei voller Fahrt vom Motorrad ins Auto und wieder zurück. Überhaupt gibt es viele rasante Wettfahrten. Hauptgegenspielerin von Indi ist Stalins Lieblingsagentin Irina (Cate Blanchett). Wir sind im Kalten Krieg (Transparent: ‘Better Dead Than Red!‘). Sein Gehilfe Mutt (Shia LaBeouf) entpuppt sich als sein Sohn und kommt schon mal im Marlon Brando Look auf dem Motorrad daher und seine große, alte Liebe Marion (Karen Allen) macht das Familienglück am Ende komplett. Schnelle Schnitte und teilweise surreale Horrorszenen wechseln in gewohnter Manier miteinander ab. Manche Einstellungen erinnern an Däniken. Man merkt der Handlung den Manga-Charakter an. Sie streift zeitweise den Fantasy-Bereich. Die Kulissenbauer haben einen tollen Job gemacht. Ray Winstone spielt auf gierigen Kapitalisten, John Hurt, als herrlich verwahrloster Professor Oxley und Jim Broadbent als adretter Dekan leisten wissenschaftliche Hilfe.
Der Schluss bildet wirklich das Ende dieser äußerst unterhaltsamen Reihe, in der Außerirdische jetzt nach fast drei Jahrzehnten das Kommando übernehmen. | |
Sa, 16.07.2016Kino | Indiana Jones - Jäger des verlorenen SchatzesWettlaufen mit den NazisDer erste Film aus der Indi Reihe. Dieses Abenteuer bietet so großartige Unterhaltung, dass Spielberg weitere Folgen drehen musste. Da gibt es alles, was einem im Dschungel so Gänsehaut verursacht: Schlangen, Spinnen etc. Indi (Harrison Ford) – von Hause aus eigentlich Archäologe - jagt mit den Nazis um die Wette nach der Bundeslade. Parallel zum Wettlaufen beeindruckt seine Verflossene, Marion, (Karen Allen) in Nepal mit Wettsaufen. Und damit es nicht nur Action pur ist, müssen noch Kinder der Inder ihn retten. Wilde Stunts und grandiose Animation lassen keine Langeweile aufkommen. Über logische Brüche bringen den Zuschauer überraschende Wendungen und das überaus hohe Tempo hinweg. Nur die fanfarenhafte Blechmusik nervt ganz schön. Bis einen das fulminante Finale mit der Animation fast erschlägt und zu einer Fortsetzung einlädt. | |
Do, 14.07.2016Kino | Verräter wie wirGeldwäsche & SeitenwechselDie Romanvorlage von John Le Carré, der hier sogar ein hitchcockmäßiges, kurzes Cameo hat, (nur für die Freunde, die ihn kennen) ist ein Garant für einen Agententhriller der Spitzenklasse. Und keiner kennt sich aus eigener Erfahrung in diesem Milieu besser aus als John. Der Film ist anspruchsvoll und doch spannend. Mein popcornkauender Kappennachbar wäre allerdings fast eingeschlafen, wenn er nicht ständig Nachschub aus der Tüte bekommen hätte. Ihm war das alles zu hoch!
Es geht um Geldwäsche (‘money-laundering‘) bei der russischen Mafia.
Dabei hat Susannah White doch schon in Richtung 007 operiert. Besonders der Schluss scheint gelungen. Das Ende des russischen ‘Minigarchen‘ Dima (Stellan Skarsgard) macht deswegen so betroffen, weil er fast schon das ‘rettende Ufer‘ erreicht hatte und das zusammen mit seinen Kindern. Die persönlichen Komponenten sind in diesem Krimi besonders wichtig. So auch die Spannungen in der Beziehung von Perry und Gail (Ewan McGregor und Naomie Harris). Beide helfen dem russischen Mafiosi Dima die Seiten zu wechseln, obwohl Perry der Literaturprofessor eigentlich von Haus aus kaum dafür geeignet erscheint. Doch Dima vertraut ihm – als Mensch! (‘Perry the innocent‘). Dieser Aspekt wird auch beim MI6 offenbar. Hier überzeugt Hector (Damian-Homeland-Lewis). Er ist Mister Risiko und hätte sich fast verzockt. (‘Prinzen hassen den Verräter, aber sie lieben den Verrat‘)
Die allerletzte Szene hat Susannah White zum Roman kongenial hinzugefügt, weil sie inhaltlich aus dem Plot erwachsen ist. John Le Carré hat am Drehbuch und dieser überraschenden Auflösung mitgearbeitet. Ganz große Spannung auf hohem Niveau! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.