Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

So, 22.05.2016
TV | Heli
Zwischen allen Stühlen4 Sterne
Ein beachtenswertes Filmdebüt von Amat Escalante, das zu Recht mit Preisen überhäuft worden ist. Die im Genre übliche Brutalität fehlt hier keineswegs. Die Folterszenen sind für Brutalofreaks vom Feinsten. Entscheidend ist aber die Kernhaussage des Films, der sich mit der mexikanischen Drogenmafia auseinandersetzt. Heli (Armando Espitia) (17) der Anti-Held lebt mit Frau (Linda Gonzalez) und Schwester Estela (Andrea Vergara) in ärmlichen Verhältnissen. Estelas Freund hat Drogen aufgetan. Heli vernichtet das Kokain. Er tut zwar das Richtige, gerät aber in die Hände der Mafia. Die Polizei kann ihm nicht helfen, wenn er nicht aussagt. Ein ganz seltener Fall der Ermittlungsannalen ist es, wenn eine vollblusige Polizistin ihm ihre Liebesdienste anbietet. Heli kann nicht. Er sitzt zwischen allen Stühlen. Auch die traumatisierte kleine Estela taucht wieder auf, Opa nicht und was bleibt dem armen Heli und seiner Frau, die ihn eigentlich verlassen wollte? Nur der Sex. Keine Selbstverständlichkeit. Trostlose Hilflosigkeit, mit mehr Dunkelheit als Licht, die nicht weit weg von der Realität zu sein scheint. Karg und grausam erzählt der Film von Opfern, die unschuldig schuldig werden, weil sie zwischen zwei Welten geraten, die unterschiedliche Wertvorstellungen haben. Sie überleben zwar und klammern sich an jeden erdenklichen Strohhalm und zahlen notgedrungen auch jeden Preis. Eine Lösung gibt es nicht.
Trennstrich
So, 22.05.2016
Kino | Frühstück bei Tiffany
Holly & Paul5 Sterne
Das ist eine der charmantesten Liebesgeschichten Hollywoods und das liegt nicht nur am großartigen Drehbuch von Truman Capote, auch nicht am Titelsong ‘Moon River‘ von Henry Mancini (Oscar!) auch nicht allein an der famosen Holly Golightly (Audrey Hepburn). Aber all das zusammen, erhebt den Film in den Olymp. Besonders eignet sich das Superfeel-Good Movie für Regentage - nicht nur wegen des Schlusses. Viele Requisiten machen den Film zum Kult, weil sie unvergesslich geblieben sind wie z.B. der namenlose Kater (er heißt nur ‘Kater‘), der chinesische Nachbar mit dem Pferdegebiss (Mickey Rooney) oder die Requisiten wie Hollys übergroße Sonnenbrille, ihr Riesenhut und die überlange Zigarettenspitze. Regisseur Blake Edwards, Spezialist für Komik, hat auch noch einen Dampftopf explodieren lassen und in der überfüllten Party den Gästen Feuer unterm Hut gemacht. Hollys Partner Paul (George Peppard) ist ihr fast ebenbürtig. Die beiden schaffen es spielend zu demonstrieren wie aus Spaß und Witz Ernst wird gewürzt mit ganz viel Herz und ganz viel Charme. Und wenn es zum ersten Kuss kommt, bricht die Sonne durch die Wolken der Leinwand und im Publikum kommt Rührung auf – immer wieder. In der Schlussszene kommen neben dem Regen alle Komponenten nochmal zusammen. Ganz großes Kino.
Trennstrich
Do, 19.05.2016
TV | Girl in the Park
Ein Kind verschwindet2 Sterne
Die gefühlt hundertste Version von Kind verschwindet, Mutter sucht und findet nix. Hier konstruiert das Drehbuch eine Annäherung von zwei Frauen quasi Ersatzmutter Julia (Sigourney Weaver) und Ersatztochter Louise (Kate Bosworth). Im Hintergrund agiert noch Julias leiblicher Sohn Chris (Alessadro Nivola), der Celeste (Keri Russell) heiratet und Vater wird. Dieser Teil passt zum Gesamtbild ebenso wenig wie das krampfhaft aufrecht erhaltene Verhältnis zwischen Julia und Louise. Die Streunerin kocht die Bank Lady einfach ab und nutzt deren Situation aus. Zumindest bringen das die Schauspieler so rüber. Julia versucht über Mutter Theresa zur Stiefmutter zu werden. Ihre Selbstständigkeit betont sie allerdings schon durch von ihr bestimmte Bettaktivitäten mit einem Kollegen. Das passt auch nicht so ganz ins Bild. Wäre der Film ein amerikanischer Präsident in der Endphase seiner Amtszeit, könnte man von einer ‘Lame Duck‘ sprechen. Es ist nicht einmal ein Melodram. Zu distanziert, zu platt, zu abgedroschen. Etwas unterkühlt und nur halbstark im Kaffeeladen. Da bewegt sich nichts, weder auf der Gefühlsskala noch auf der Leinwand. Das Schlimmste an diesem Machwerk ist aber nicht das fehlende Ende. Ganz kurz davor bevor der bedeutsame Satz von Julia zu Louise fällt ‘Mach das später. Das Essen wird kalt.‘ legt die Straßen Lady ein Bild in Julias Fotoalbum. Geheimnisvoller Schluss also. Wer ist da drauf? Warum tut sie das? Was soll’s. Wir werden’s nie erfahren. K.V.
Trennstrich
Mi, 18.05.2016
TV | Shell
Schmerzliche Erlösung4 Sterne
Ein Indi Film, der optisch beeindruckt, von symbolischer Tiefe beherrscht wird und mit einem überraschenden Ende aufwartet, das man nicht genau sieht, und das so unverhofft kommt, dass es einen packt. In der Einsamkeit der schottischen Highlands am Rande der Zivilisation betreibt Vater Pete (Joseph Mawle) mit seiner 17jährigen Tochter Shell (Chloe Pirrie) eine Tanke. Ihr Name soll nicht an einen Ölkonzern erinnern, sondern an die wunderschönen Muscheln am Strand. Er ist Epileptiker, ihre Sexualität erwacht und der Vater das einzige Objekt ihrer Begierde. So wunderschön die Landschaft, so wortkarg auch ihre Bewohner. Sensibel geschilderter Widerstand des Vaters gegen Shells Annäherungen. Ihrem Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Zuneigung kommt Pete standhaft nicht nach. Auch Adam (Iain De Caestecker) ein Loser aus der entfernten Nachbarschaft, kann Shells erwachende Lust nur ganz kurz befriedigen. Daddy bleibt für die junge Lolita die Nummer eins. Es ist schon ein Großereignis wenn es Wild gibt, weil ein Tourist eine Hirschkuh überfahren hat. Das Ringen zwischen Petes hoffnungsloser Verzweiflung und Shells latenter Unzufriedenheit führt zu einem fatalen Ende. Je nach Blickwinkel geht es für die drei Protagonisten aber doch irgendwie in Ordnung – in eine schmerzliche allerdings. Vater gibt auf, Shell lässt alles hinter sich und Adam muss ohne sie glücklich werden. Alle werden erlöst, doch um welchen Preis? Erstaunlich sensibel, dabei minimalistisch in der Ausführung. Das Ende ist so gekonnt gemacht, das es zum Nachdenken bzw. Diskutieren animiert.
Trennstrich
Fr, 13.05.2016
TV | Elysium
Das Paradies wartet2 Sterne
Ein Sci-Fi Spektakel, das seinen Unterhaltungswert aus einem Übermaß an Kampf-, Prügel- und Ballerszenen bezieht. Durch eine seit Kindertagen bestehende Sandkastenliebe des Helden Max (Matt Damon) mit der Krankenschwester und Mutter Frey (Alice Braga), und einer sonst nur in Lourdes anzusiedelnden Wunderheilung von Freys kleiner Tochter und dem fehlenden Happy End kann der Film wenigstens noch emotional etwas punkten. Der technische Aufwand beherrscht die Szene ebenso ausschließlich wie der massige Körper von Max, der durch eingebaute Ersatzteile fast zu einem Androiden wird. Der Titel weist den Weg in eine paradiesisch wunderschöne Landschaft der Seligen irgendwo im All. Ansonsten ist die Zukunft dreckig, hektisch und überbevölkert und von Unmenschlichkeit geprägt. Das meiste der Handlung, wie z.B. das Kompetenzgerangel der Führung, ist unwichtig. Auch der kurze Auf- und Abtritt von Jodie Foster soll wohl etwas Eindruck machen. Technisch-medizinische Eingriffe gehen bis an die Ekelgrenze, dafür sind aber wenigstens die Guten klar von den Bösen zu unterscheiden. Ach ja, und die ganze Atmo stimmt auch. So wird der Kontrast zu Elysium am Ende deutlich, das allerdings etwas steril daherkommt. Von Klassengegensätzen würde ich hier nicht reden wollen. Dazu bleibt die Action mal ganz abgesehen von der groben Charakterzeichnung der vier Protagonisten zu sehr an der Oberfläche. Kämpferisch kraftvolle Unterhaltung, bei der sich Happyend-Fetischisten um die erwartete Belohnung gebracht sehen.
Trennstrich
Di, 10.05.2016
TV | Cannes 2016
Jagd im Eimer2 Sterne
Ein beeindruckendes Psychogramm einer Gemeinschaft, die den Kindergärtner Lucas (toll Mads Mikkelsen) fälschlicherweise der Kindsmisshandlung bezichtigt. Es wird überzeugend dargestellt, wie hilflos der Beschuldigte gegenüber den gegen ihn vorgebrachten Verdächtigungen ist. Und die beruhen nur auf der vagen Andeutung der kleinen Klara. Dabei sind es weniger deren klare Aussagen, sondern sie nickt nur ab, was ihr die Erwachsenen so quasi in den Mund legen. Auch das Verhalten von guten Freunden von Lucas überzeugt, bis hin zum Rausschmiss aus dem Supermarkt, wo er auch noch verprügelt wird. Die Gerüchteküche kann besonders heftig brodeln, weil die Erwachsenen zu verklemmt sind, um vernünftig über das Problem zu reden. Wenn man um das Problem Bescheid weiß, kann man im Vorfeld sehr schön absehen, welche Aktivitäten (Klara nach Hause begleiten, sie zu umarmen, auch zu küssen) Lucas später als Fehlverhalten angekreidet werden. Doch dann kommt die Krux. Eben wurde er noch gemobbt, jetzt plötzlich umarmen alle Lucas wieder. Na gut, denkt man: vergeben und vergessen, alles wieder FFE. Dann setzt Regisseur Vinterberg noch einen drauf. Ihm war wohl nochmals der Titel eingefallen. Also schießt plötzlich noch jemand aus heiterem Himmel auf Lucas. Wir wissen weder wer es war, noch ob er getroffen hat. Einfach Abspann! Da fühlt man sich verarscht. Und außerdem passt dieser Schluss zum vorherigen Film wie der berühmte Fisch zum Fahrrad. Alles kaputt, Stimmung im Keller, Ärger macht sich breit. Schade. Einfach früher abschalten.
Trennstrich
So, 08.05.2016
Kino | A Simple Life
Tod einer Perle4 Sterne
Ein einfacher Film mit einer einfachen Message, aber die ist äußerst selten. Fast ihr ganzes Leben lang hatte Ah Tao (Deanie Ip) bei der Familie Leung als Hausmädchen gearbeitet. Nach einem Schlaganfall kann sie ihre Arbeiten nicht mehr verrichten und kommt in ein Altersheim. Das bewerkstelligt der einzig von der Familie übrig gebliebene Sohn Roger (Andy Lau). Und der tut das sehr behutsam und verständnisvoll. Er besucht sie sooft er kann, lässt sie an seinem Beruf oder einem Klassentreffen teilhaben. Ganz nebenbei wird ein kritischer Blick auf das Leben in einem Heim geworfen. Und der ist zum Teil herb und ernst, dann aber auch wieder zum Schmunzeln. Hier gibt es senile, demente und skurrile Heimbewohner, aber es ist auch Platz für leise Komik. Wenn Roger meint, ein älterer Bewohner interessiere sich für Ah Tao, kontert sie das mit der Ermahnung Roger solle doch heriraten. Der Film kann das Herz der Zuschauer erwärmen. Es geht sehr menschlich zu ohne sentimetal zu sein. Kleine Gesten offenbaren echte Anteilnahme und alte Fotos wecken Erinnerungen; so wie das jeder kennt. Das Gebet von Roger am Krankenbett von Ah Tao ist ein verbales Highlight des Films dicht gefolgt von einem unsentimentalen Ende. Ganz unaufgeregt ziehen Bilder aus der Vergangenheit vorbei und dann macht jemand das Licht aus. Die Flut von Preisen, die über diesen Film hereingebrochen ist, ist voll gerechtfertigt. Es scheint, als ob des Thema verdrängt aber nicht vergessen wird. Und so wie es hier präsentiert wird, kann es ermutigen nachgeahmt zu werden.

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.