So, 08.05.2016Kino | Tao Jie - Ein einfaches Leben OmUTod einer PerleEin einfacher Film mit einer einfachen Message, aber die ist äußerst selten. Fast ihr ganzes Leben lang hatte Ah Tao (Deanie Ip) bei der Familie Leung als Hausmädchen gearbeitet. Nach einem Schlaganfall kann sie ihre Arbeiten nicht mehr verrichten und kommt in ein Altersheim. Das bewerkstelligt der einzig von der Familie übrig gebliebene Sohn Roger (Andy Lau). Und der tut das sehr behutsam und verständnisvoll. Er besucht sie sooft er kann, lässt sie an seinem Beruf oder einem Klassentreffen teilhaben. Ganz nebenbei wird ein kritischer Blick auf das Leben in einem Heim geworfen. Und der ist zum Teil herb und ernst, dann aber auch wieder zum Schmunzeln. Hier gibt es senile, demente und skurrile Heimbewohner, aber es ist auch Platz für leise Komik. Wenn Roger meint, ein älterer Bewohner interessiere sich für Ah Tao, kontert sie das mit der Ermahnung Roger solle doch heriraten.
Der Film kann das Herz der Zuschauer erwärmen. Es geht sehr menschlich zu ohne sentimetal zu sein. Kleine Gesten offenbaren echte Anteilnahme und alte Fotos wecken Erinnerungen; so wie das jeder kennt. Das Gebet von Roger am Krankenbett von Ah Tao ist ein verbales Highlight des Films dicht gefolgt von einem unsentimentalen Ende. Ganz unaufgeregt ziehen Bilder aus der Vergangenheit vorbei und dann macht jemand das Licht aus. Die Flut von Preisen, die über diesen Film hereingebrochen ist, ist voll gerechtfertigt. Es scheint, als ob des Thema verdrängt aber nicht vergessen wird. Und so wie es hier präsentiert wird, kann es ermutigen nachgeahmt zu werden. | |
Sa, 07.05.2016Kino | Mein Ein, Mein AllesTour de Force der GefühleDer Film führt die Tradition der großen Ehedramen fort, die wir seit Ingmar Bergmann (‘Szenen einer Ehe‘), Mike Nichols (‘Virginia Woolf‘) oder auch Franz Peter Wirth (‘Die Zimmerschlacht‘) her kennen. Aus dem großen Topf könnte man noch ‘Das Piano‘, ‘Die Verachtung‘, Little Children’ oder auch Fassbinders ‘Martha‘ nennen.
Maïwenn hat im Gegensatz zu den genannten Beispielen in gut zwei Stunden alle kleinen und großen Ehrprobleme hineingepackt die man sich nur vorstellen kann, inklusive Kinderwunsch und Scheidung. Dabei geht sie von einer überschwänglichen supergroßen Liebe aus. Der deutsche Titel ist genauso ironisch wie der des Originals: ‘Mein König‘, und ähnelt fast dem geflügelten Wort ‘Mein Herr und Gebieter‘.
Diese Ironie wird von Anfang an durch die beiden grandiosen Hauptdarsteller Vincent Cassel (Georgio) und Emanuelle Bercot (Tony) überhöht und damit der tiefe Fall noch tiefer. Es wird deutlich, dass diese Amour Fou nur so lange geht, bis das Harmoniebedürfnis und die Leidensfähigkeit von Tony erschöpft sind. Die Beziehung bekommt aber immer wieder neue Nahrung von der gegenseitigen sexuellen Lust.
Ausgangspunkt und Parallelhandlung ist Tonys Skiunfall mit anschließendem Reha Aufenthalt. Dieser symbolträchtige Heilungsprozess hinterlässt bei ihr deutliche Spuren. Während sie weiter heranreift, bleibt er am Ende eigentlich, was er immer war: ein ‘dämlicher Arsch‘. Und durch das augenfällige Umschalten von einem ‘Vorher‘ und ‘Nachher‘ des Skiunfalls kommt zusätzlich Spannung auf.
Eine überzeugende, turbulente Charakterstudie aus dem Ehealltag mit Änderungspotential. Es soll weibliche Zuschauer gegeben haben, die immer wieder mit dem Wunsch kämpfen mussten, vorzeitig das Kino zu verlassen, weil die dem psychologischen Druck verstärkt durch eigene leidvolle Erfahrungen fast nicht gewachsen waren. | |
Do, 05.05.2016TV | LunchboxDie VerwechslungUnzählige Firmen liefern täglich in diesen landesüblichen Etagenschüsseln unzähligen Indern das Mittagessen. Dass es da schon mal zu Verwechselungen kommen kann, versteht sich von selbst. Hier entsteht dadurch aber eine Beziehung, eine zarte Annäherung über Briefe, die die beiden in die Lunchbox dazulegen. Und sie passen zusammen. Ila (Nnimrat Kaur) wird von ihrem Mann betrogen und missachtet, Saajan (Irrfan Khan) ist Witwer. Es werden erst Belanglosigkeiten ausgetauscht, dann auch Persönliches. Das ist die emotionale Schiene auf der es sehr langsam voran geht. Daneben hat jeder der beiden noch eine Figur an seiner Seite, die für die Komik zuständig ist. Ihn nervt ein untergebener Kollege, sie kommuniziert mit einer Nachbarin, die wir nie sehen, sondern nur hören durch den Luftschacht und mittels eines Korbes an einsm Seil des Mietshauses.
Der Idee ins Königreich Bhutan zu verschwinden, weil es dort ein Recht auf Glück gibt, soll aber noch ein Treffen vorausgehen. Was da schief geht, ist für uns Europäer schwerlich nachzuvollziehen. Der Duft des Großvaters war an allem Schuld. Saajan schreibt ihr, er war da, ‘hat sie gesehen, sie war jung und schön und er durfte nur ganz kurz etwas träumen.‘ Die Lunchbox entwickelt eine Eigendynamik. Der Zuschauer ist genauso wie Saajan darauf fixiert. Und wenn sie leer ist, geraten alle ins Grübeln. Wird er bestraft? Ist Ila frustiert? Am Ende ist es dann doch nicht so wie mehrmals behauptet wird, dass ‘der falsche Zug manchmal zum richtigen Ort fährt‘. Trotz fehlendem Happy End kann der Film das Herz erwärmen, weil er von einer wunderschönen Romanze erzählt, die eigentlich im Herzen stattfindet nicht im Bett. | |
Di, 03.05.2016TV | Die Geschichte der Nana S.Solo für AnnaDer Film erzählt in 12 Tableaus etwas über eine Frau und wie sie so lebt. (Originaltitel!). Das ist hier die Damalige von Regisseur Godard. Und so sehen wir sie (Anna Karina) fast ausschließlich und von allen Seiten, lange Zeit auch nur ihren Hinterkopf. Weil es sich hier um Tableaus handelt, sind die einzelnen Episoden auch ohne Zusammenhang, nur verbunden eben durch besagte Nana S.. Ein wild zusammengewürfeltes Sammelsurium, das in zweifacher Hinsicht überraschend enttäuscht. Wir sind zwar im Nuttenmilieu, aber wie sehen nichts von dem Geschäft. Und dann hören wir Dialoge mit taschenphilosophischem Ansatz über das ‘Sprechen‘, das ‘Denken‘, die ‘Verantwortung‘ (sic!) wirklich ein zentrales Thema der Göttinnen der Nacht und sogar über die ‘Liebe‘, aber nur als Erklärung der Philosophie von Leibnitz. Das hat uns immer schon mal interessiert. Dazu gibt es verstörende Dialoge, die abweisend kalt und überraschend unfertig sind und die Nana mit Leuten führt, die wir nicht kennen (u.a. mit dem Philosophen Brice Parain). Der Meister spielt hier mit den Erwartungen der Zuschauer und lässt Anna lange, langweilige Briefe schreiben, er streut Stummfilmszenen ein, während sich seine Angebetete fast zu Tode raucht.
Es ist nichts als eine einzige Huldigung an Anna Karina, ohne dass diese ihr schauspielerisches Talent in die Waagschale legen muss.
Allein wegen der Kameratechnik, dem Schnitt und der richtungsweisenden Diskrepanz von Bild und Dialog kann man sich den Film antun. Und der Zuschauer ist gefordert, sich den Inhalt selbst zusammenzureimen. Sonst staunt er nicht schlecht über Nana Tod auf der Straße. | |
So, 01.05.2016Kino | A Hologram for the King OVAlans Leibärztin ZahraPrimär ist es eine Romanze mit Culture Clash Effekt. Hinzu kommt noch ein Touch von ‘Warten auf Godot‘ mit einer ganz kleinen Priese Kafka. Das alles kommt von der Lebenseinstellung der Einheimischen, die nach dem Motto Geschäfte machen ‘Kommst du heute nicht, kommst du morgen.‘
Regisseur und Drehbuchautor Tom Tykwer hat den Roman von Dave Eggers fürs Kino angenehmer gestaltet. Gleich in der Eingangsszene erfreuen den Zuschauer farbige explosionsartige Blops, mit denen der Besitz und der Anhang des Helden weggebombt werden. Es kommt eine gehörige Portion verbaler Humor dazu (‘Hier gibt es keine Gewerkschaften. Wir haben die Pakistani‘). In dieser Hinsicht ist der Stand up Comedian Yousef (Alexander Black) eine echte Neuentdeckung. Und dann wird die Lovestory zwischen Alan Clay (Tom Hanks) und der Ärztin Zahra Hakem (Sarita Choudhury), der reifen arabischen Schönheit, weiter ausgedehnt als im Roman. Das kann man genießen. Wenn sich Alan und Zahra über und unter Wasser begegnen, eine Herausforderung für die Sitten- und Moralwächter der Gegend, da beide lediglich ‘männliche Badekleidung‘ tragen. Schöne Bilder. Ebenso ist es mit der weiten Leere der Wüste, die oft unmittelbar an den Luxus der Gebäude angrenzt.
So wird das Geschäftliche (Titel!?) in den Hintergrund gedrängt und das Persönliche nach vorne gezogen, um dann am Ende zwischen Alan und Zahra einen familiären Gleichstand zu testieren und einen Weg in eine gemeinsame Zukunft zu prophezeien: beide geschieden, beide haben Nachwuchs und schreiten am Ende durch eine Tür mit den Symbolen von Sonne und Mond.
Kleine Unebenheiten wie die symbolträchtige Zyste auf Alans Rücken oder die Jagd auf Wüstenwölfe kann man vernachlässigen.
Es bleibt ein Abenteuer mit hohem Unterhaltungswert, optisch ansprechend und mit genügend Pfiff. | |
So, 01.05.2016TV | John Woo's Red CliffKampf der drei ReicheEin Mammutwerk aus der Geschichte Chinas, ein Historienepos, das den unvoreingenommenen Zuschauer optisch erschlägt, weil es mit ungeahnten Grausamkeiten im Kampf Mann gegen Mann arbeitet und pyrotechnische Explosionen von selten gesehener gewalttätiger Farbigkeit präsentiert.
Dabei wechseln heftige Massenkampfszenen mit längeren Dialogen und viele strategisch listenreiche Aktionen werden praktiziert wie z.B. die altbewährte ‘Schildkrötenformation‘. Es bricht eine Typhusepidemie aus und die Soldaten spielen ein Spiel, das dem Fußball sehr ähnlich ist. Besonders der Pfeilregen ist mit seinen prasselnden Einschlägen sehr eindrucksvoll. Eine nächtliche Seeschlacht bietet viel, besonders wenn das, was die Römer das ‘griechische Feuer‘ nannten, zum Einsatz kommt. Da fürchtet man um die Feuerfestigkeit des eigenen TV Gerätes.
Langsam kristallisieren sich drei oder vier Hauptfiguren aus der Vielfalt der Darsteller. Manche kennt man wie Tony Leung als General Zhou Yu. In der ganzen Männerriege gibt es nur zwei wichtige Frauen: die Spionin Zhao Wie, bei der man nicht so genau weiß, was sie treibt und die Generalsfrau Chiling Lin, die erst ihren Gatten gesund pflegt und dann den gegnerischen Rebellen Cao Cao (Fengyi Zhan) kurzfristig außer Gefecht setzt. Es ist ungewöhnlich, dass es nach dem finalen Showdown keine Sieger und Besiegte gibt, sondern nur Überlebende. Denn alle haben gekämpft: ‘Schnell wie der Wind, sanft wie der Wald, hart wie der Fels und erbarmungslos wie Feuer.‘
Und so sind wir prächtig unterhalten worden. John Woo ist ein ganz Großer und sein Film ein Meisterwerk, das Grenzen überschreitet. | |
Mo, 25.04.2016Kino | Barry LyndonAufstieg und FallDieser Klasssiker ist Stanley Kubricks ästhetisch anspruchsvollster Film. Er schwelgt geradezu in optischen Leckerbissen wie Parks, Seenlandschaften, Brücken und Naturgärten, Putten und Statuen. Die überaus opulente Ausstattung und die verschwenderischen Kostüme schaffen ein in sich stimmiges Zeitbild des Rokkoko mit Atmo und einem sogar teils spannenden Plot, wie es die Romanvorlage von Thackery nicht besser hinbekommen hätte. Duelle werden zelebriert und eine Sitzbadewanne zu einem Universum. Die schönsten Schlösser der Zeit von innen und außen beleuchtet. Und alles stets mit viel Kerzenlicht und Weichzeichner.
Die Erzählweise ist episch breit angelegt – man hat viel Zeit – in dieser abenteuerlichen Geschichte, die vom kometenhaften Aufstieg (1. Teil) und vom tiefen Fall (2. Teil) des irischen Adligen Redmond Barry handelt. Ryan O’Neal spielt den Helden mit einer Mischung aus unbefangenem Draufgängertum und standhafter Ahnungslosigkeit. Dabei sind die ersten Lehrstunden in Sachen Liebe bei Cousine Nora (Gay Hamilton) noch recht neckisch. Am Höhepunkt seiner Karriere mit Ehefrau Lady Lyndon (Marisa Berensen) muss er sich vieler Feinde wehren: Stiefsohn Lord Bullingdon (Leon Vitali), der Hofgeistliche seiner Frau (Murry Melvin) und eine große Anzahl Gläubiger. Zwei deutsche Darsteller dürfen hier kurz glänzen: Hardy Krüger als preußischer Offizier und Diana Körner als warmherziges Lieschen.
Wie die Romanvorlage greifen Kapitelüberschiften der Handlung vor, und erzielen so einen Verfremdungseffekt. Historisch korrekt erleben wir in diversen Schlachten den Vorderlader und bei der Aufrechterhaltung der Disziplin den berühmt berüchtigten Spießrutenlauf. Am Ende ist wieder alles im Lot. Barry muss heftigst Lehrgeld zahlen und ist mit Mutter wieder in Irland. Grandioses Kino, schön wie der sterbende Schwan und dabei durchaus prall, wenn auch etwas angestaubt. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.