Mo, 25.04.2016Kino | Barry Lyndon OVAufstieg und FallDieser Klasssiker ist Stanley Kubricks ästhetisch anspruchsvollster Film. Er schwelgt geradezu in optischen Leckerbissen wie Parks, Seenlandschaften, Brücken und Naturgärten, Putten und Statuen. Die überaus opulente Ausstattung und die verschwenderischen Kostüme schaffen ein in sich stimmiges Zeitbild des Rokkoko mit Atmo und einem sogar teils spannenden Plot, wie es die Romanvorlage von Thackery nicht besser hinbekommen hätte. Duelle werden zelebriert und eine Sitzbadewanne zu einem Universum. Die schönsten Schlösser der Zeit von innen und außen beleuchtet. Und alles stets mit viel Kerzenlicht und Weichzeichner.
Die Erzählweise ist episch breit angelegt – man hat viel Zeit – in dieser abenteuerlichen Geschichte, die vom kometenhaften Aufstieg (1. Teil) und vom tiefen Fall (2. Teil) des irischen Adligen Redmond Barry handelt. Ryan O’Neal spielt den Helden mit einer Mischung aus unbefangenem Draufgängertum und standhafter Ahnungslosigkeit. Dabei sind die ersten Lehrstunden in Sachen Liebe bei Cousine Nora (Gay Hamilton) noch recht neckisch. Am Höhepunkt seiner Karriere mit Ehefrau Lady Lyndon (Marisa Berensen) muss er sich vieler Feinde wehren: Stiefsohn Lord Bullingdon (Leon Vitali), der Hofgeistliche seiner Frau (Murry Melvin) und eine große Anzahl Gläubiger. Zwei deutsche Darsteller dürfen hier kurz glänzen: Hardy Krüger als preußischer Offizier und Diana Körner als warmherziges Lieschen.
Wie die Romanvorlage greifen Kapitelüberschiften der Handlung vor, und erzielen so einen Verfremdungseffekt. Historisch korrekt erleben wir in diversen Schlachten den Vorderlader und bei der Aufrechterhaltung der Disziplin den berühmt berüchtigten Spießrutenlauf. Am Ende ist wieder alles im Lot. Barry muss heftigst Lehrgeld zahlen und ist mit Mutter wieder in Irland. Grandioses Kino, schön wie der sterbende Schwan und dabei durchaus prall, wenn auch etwas angestaubt. | |
Mo, 25.04.2016TV | Monuments Men - Ungewöhnliche HeldenHelden für die KunstWährend die Alliierten Europa von den Nazis befreien, versuchen sieben beherzte Männer, die von ihnen geraubten Kunstschätze zurückzuklauen. Dafür hat sich Regisseur und Hauptdarsteller George Clooney eine Promi Riege zusammengestellt. Und damit es keine reine Männeraktion wird, hat er Cate Blanchett als Claire Simone, die im Jeu de Paume unter den Nazis gearbeitet hat, mit ins Boot geholt. Die vielen kleinen Geschichten, die hier erzählt werden, beruhen auf Tatsachen und so ist auch eher eine an eine Dokumentation in Episodenform erinnernde Version herausgekommen.
Es gibt sogar zwei tote Helden: einen französischen Leutnant (Jean Dujardin) und einen englischen (Hugh-DowntownAbbey-Bonneville). Aber ihr dahinscheiden wird so cool abgehandelt wie Gartenarbeit im Winter. Und von Anfang an hat niemand daran gezweifelt, dass George Clooney die Michelangelostatue der Madonna am Ende findet. Nur eine Episode enthält etwas Spannung und das muss wohl für den ganzen Film reichen, denn sie besitzt echte Spielfilmqualitäten: die von Claire Simone und dem amerikanischen Kunstkenner James Granger (Matt Damon). Und das liegt nicht zuletzt auch an ihren Nazi-Vorgesetzten Viktor Stahl (Justus von Dohnanyi).
Es ist kein richtiger Kriegsfilm. - Der Krieg ist hier ein Kinderspiel. - Es ist aber auch kein richtiger Kunstfilm. – Von den weltberühmten Gemälden sieht man zu wenig. - Es ist schon gar nicht ein Liebesfilm. – Lediglich die Krawatte von James, die ihm Claire geschenkt hat, deutet Sympathie an. Für eine Komödie sind die Jokes zu dürftig und der Stoff zu ernst. Und doch gibt es von alledem ein bisschen. Dass die Jungs tonnenweise Nazigold finden, ist klar. Die deutschen Darsteller (Geisler, Brandner und Handtke) verbreiten mit ihren Rollen Entsetzen, zwei Amis (Murray und Balaban) sorgen für Komik. Und Action allein ist kein Garant für Spannung.
Der Film hat Längen, eine ganze Portion Patriotismus und schließt mit einer Message, die diskutiert werden kann. “Es war es wert Menschenleben für den Erhalt der Kunst zu opfern, denn ein Kunstwerk ist mehr wert als ein Menschenleben.“ ?! | |
So, 24.04.2016Kino | Der Spion, der aus der Kälte kamHochspannung & TragikEin Klassiker unter den Agententhriller, der die Zuschauer seit 1965 fesselt. Und das aus gutem Grund. Für die Jüngeren eine Lektion über die Schrecken des ‘Kalten Krieges. Hier an der Nahtstelle der beiden verfeindeten Lager: an der Berliner Mauer.
Für die Älteren ein wiederaufwärmen der Gefühle verbunden mit einem Eintauchen in die gefühlte Atmosphäre aus Furcht und Misstrauen, die damals herrschten. Die S/W Fassung trägt zur Authentizität der Handlung ebenso bei wie der Tante-Emma-Laden.
Eine sehr komplexe Geschichte des Überläufers Alec Leamas (Richard Burton), der die Feinde im Osten (Fiedler (Oscar Werner) und Mundt (Peter van Eyck)) dazu bringt, sich selbst auszuschalten. Ein geniales Konstrukt wie es nur von einem Insider beschrieben werden kann. Die Hierarchie der Geheimdienste steigert die Spannung. Mitten ins Gefecht der Agenten platzt noch die Bombe einer anfangs erzählten Liebesgeschichte zwischen Alec und Nan (Claire Bloom). Der Geheimprozess ist der erste von mehreren Höhepunkten. Die Spannung wird dadurch erhöht, dass der Zuschauer weiß, wer im Prozess den diabolischen Plan durchschaut und wer der Gegenseite auf den Leim gegangen ist. Da könnte ein zweites Anschauen des Films nützlich sein.
Durch das völlig unerwartete Auftreten von Alecs Freundin Nan (Claire Bloom) im Prozess wird die Spannung noch weiter gesteigert. Ihre Flucht ist schier unglaublich! Der Gipfel ist ihr kaum noch zu überbietendes äußerst tragisches Ende an der Berliner Mauer, das die menschliche Seite der Spionage beleuchtet: Stille, ein kreisender Scheinwerfer, Stacheldraht und ein Taschentuch als Markierung…
Aber wie Leamas sagt ‘Agenten sind keine Heiligen‘. Ihr Handeln bestimmt das Nützlichkeitsdenken. Sie führen den kleinen Krieg, um den großen zu verhindern.
Hochspannung mit einem Titel für die Ewigkeit. | |
Sa, 23.04.2016TV | Waiting for the SeaMärchenhafte ParabelWenn man den Film vom Ende her aufdröselt, so mit dem Abspann ‘einen neuen Himmel und eine neue Erde‘ kann man meinen, es handelt sich hier um eine Legende angelehnt an die Offenbarung. Doch das greift zu kurz. Mir kommt der Film eher wie eine Parabel mit märchenhaften Zügen vor. Dann liegen auch die Einwände aus der rationalen Ecke daneben und man kann voll der Symbolik huldigen.
Ein Mann, Marat (Egor Beroev) zieht einen Fischkutter durch die Wüste. Es ist sein Schicksal, das er wie jeder andere mit sich herumschleppt, und auch eine Idee, an die er glaubt. Da können ihn weder sein Freund Balthazar (Detlev Buck), der für die kulturelle Bewahrung der Vergangenheit steht, noch seine Schwägerin Tamara (Anastasia Mikulchina), die ihn unsterblich liebt, von seinem Weg abbringen. Es zieht Marat letztlich ins Reich der Toten auf der Suche nach seiner ertrunkenen Frau (vergleichbar mit Orpheus, der Eurydike suchte und in die Unterwelt hinabstieg). Hier passt das Ambiente besonders gut: eine baumlose Wüste, kahles Ödland, in dem niemand leben kann und wo noch das Faustrecht gilt. Es gibt außer durch Tamara noch andere Versuchungen, denen Marat widersteht. Tamaras Vater geht ihm voraus: er mauert sich in einem selbstgebauten Rund Haus ein. Und am Ende kommt das Meer wieder…
Die Optik stimmt, die Umgebung beeindruckt, die Darsteller überzeugen Vor allem Detlev Buck bietet eine abstruse und äußerst komplexe Figur: ein verzweifelnder Freund, ein Ehemann mit Problemen und ein verschmähter Liebhaber. Eigentlich jemand, der zwischen allen Stühlen sitzt und so ganz nebenbei noch für leise Komik sorgt (‘Wer liebt, der schiebt‘). Recht unterhaltsam wegen seiner Andersartigkeit. | |
Mi, 20.04.2016Kino | Suite française - Melodie der LiebeHass-LiebeDie Geschichte des Auffindens des Romans von Irène Némirowsky ist fast ebenso abenteuerlich wie seine Verfilmung. Es ist wohl bisher der beste Film von Saul Dibb. Er spielt im von Deutschen besetzten Frankreich 1940 und erzählt von der Liebe der Französin Lucile (Michelle Williams) zum deutschen Offizier Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts). Über die Musik kommen sie sich näher. Sie hat’s studiert, er komponiert (Titel!). In diese zarte Begegnung fällt Luciles Verstecken des Nachbarn Benoit (Sam-DasfinstereTal-Riley) und Bruno muss ihn finden. Für sein Versagen wird der Bürgermeister (Lambert Wilson) standrechtlich erschossen. Lucile beginnt Bruno zu hassen. Sie verinnerlicht die sie umgebenden Probleme bis in ihren Gang und Habitus hinein: Schultern vorgeschoben, leichter Buckelansatz, unsicher umherstreifender Blick.
Der Gegensatz zwischen dem Naziterror und der verbotenen Liebe – hier auch mal besonders fies Tom Schilling - wird durch Luciles Schwiegermutter Madame Angellier (Kristin Scott Thomas) verschärft. Sie will nicht mal mit den Nazis reden.
Und jetzt wird an der Spannungsschraube erst richtig gedreht. Lucile wagt es Benoit nach Paris zu schmuggeln. Bruno und sein Vorgesetzter (Heino Ferch) ahnen das und Bruno folgt ihr.
Bisher hatten die beiden Liebenden ihre Gefühle für einander stets von ihrer nationalen Rolle als Französin bzw. Deutscher trennen können. Beim finalen Aufeinandertreffen ist das nicht mehr möglich.
Das Finale ist nichts für Herz-Schmerz-Schmalz Fetischisten. Doch wenn man sich vergegenwärtigt, dass Lucile daheim nach Kriegsende als Nazi-Liebchen behandelt werden würde, ist ihr Abgang und der von Bruno akzeptabel. Jeder findet sein eigenes Happy End.
Eine sehr komplexe, spannende Liebesgeschichte, mit viel Gefühl erzählt. | |
Di, 19.04.2016TV | Ein Sommer in New YorkBesuch für einen Sommer in New YorkEin leiser Film, der in diese Zeit passt. Ein frustrierter Prof Walter Jale (Richard Jenkins) findet ein Pärchen in seiner Stadtwohnung, die ohne sein Wissen vermietet wurde. Tarek (Haaz Sleiman) stammt aus Syrien, Zainab (Danai Gurira) aus dem Senegal. Wie sich die drei anfreunden, ist berührend gemacht. Der Prof sieht eigentlich in seinem Job keine Zukunft mehr und Tarek und Zainab sind illegal im Land. Walter besorgt einen Anwalt und Tarek zeigt ihm wie man trommelt. Die Handlung erhält neuen Schub als Tareks Mutter Mouna Khalil (Nahostlegende Hiam Abbass), die in Michigan wohnt, auftaucht. Zwischen den beiden verwitweten Oldies funkt es ganz leise fast unbemerkt aber deutlich. Gemeinsames Essen und ein Theaterbesuch beflügeln sie. Es werden Komplimente ausgetauscht keine Körpersäfte. Hier wird mal aus einem echten Anlehnungsbedürfnis gekuschelt und zwar nur gekuschelt, weil man einfach innerlich friert und das, weil das Leben so ungerecht ist.
Viele kleine nette Details erzeugen ein erwärmendes Schmunzeln. Man stellt fest, man ist von Ausländern und Einwanderern umgeben. (‘Wir sind alle Ausländer!) egal ob im Diner oder auf dem Flohmarkt.
Die Geschichte wird besonders anrührend, weil ein Happy End greifbar nahe ist, aber an der gnadenlosen Wirklichkeit der Verwaltung scheitert. Die verfährt nach Schema F. Einmal fällt der Satz ‘das ist ja hier wie in Syrien‘. Es ist durchaus realistisch, wenn Tarek abgeschoben wird, aber Mutter Mouna muss ihm nachreisen. Es war ihr Fehler, dass es dazu kommt. So bleibt ihr nur als letzte höchste Annäherung der Satz ‘Du bist sehr cool, Walter‘. Oscarnominierung geht in Ordnung. | |
Di, 19.04.2016TV | To Die ForHerrlich bissigEine bissige Mediensatire, die in einem Fantasieort namens ‘Wenig Hoffnung’ spielt. Dabei geht Regisseur Gus Van San von zwei Maximen aus: erstens ‘du bist ein Nichts, wenn du nicht im Fernsehen bist‘ und zweitens – und das bezieht sich auf den Titel – die totale Hingabe an ein Fernsehidol ‘ich würde alles für dich tun‘, sogar töten – mich oder andere.
Eine glänzend aufgelegte Nicole Kidman (Suzanne) arbeitet sich im Medienzirkus hoch, setzt sich von Ehemann Larry (Matt Dillon) ab und bringt Groopy Jimmy (Joaquin Phoenix) dazu, Larry zu ermorden.
Ein ironischer Kommentar von Suzanne begleitet die Handlung, beleuchtet diverse Ereignisse und macht das Gesehene verständlicher – aus Suzannes Sicht der Dinge natürlich. Es wird aber noch gleichzeitig ein Blick auf das Milieu der Jugendlichen geworfen, aus dem Jimmy und seine Freunde kommen. Sie führen ein tristes Dasein ohne jegliche Perspektive. So kann sie Suzanne leicht manipulieren.
Die Mordvorbereitungen laufen parallel zur Restauranterweiterung unter Larrys Ägide. Dessen Vater hat Verbindungen zur Mafia.
So bringt es Suzanne zwar zu einer gewissen Berühmtheit, aber zu welchem Preis. Es geht ungerecht zu. Die Loser zahlen am Ende die Zeche und die Mafia schafft Gerechtigkeit. Cameo für David Cronenberg als Killer.
Anfangs beeindruckt die wunderschöne Landschaft, am Ende Nicole Kidman unter Eis Glas und ein Song von Donavan. Nicht schlecht. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.