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Sa, 26.03.2016
TV | Lawrence von Arabien
El 'aurence4 Sterne
Dieser Klassiker erschlägt einen fast mit seiner Monumentalität. Reiterattacken, Bombenexplosionen und Sonnenuntergänge in grandioser Wüstenlandschaft. Selten sah das Sandmeer so weit und wunderschön aus. Die lange Liste der Weltstars bringt mit einem guten Drehbuch eine gekonnte Mischung aus Action, etwas Historie und Komik. Das ist Unterhaltung mit Niveau. Auch wenn man sich am Ende in einem lokalen arabischen Dschungel zu verlaufen droht. Klar, dass sich die örtlichen Stämme stets bekriegt haben und so ist der Streit im arabischen Nationalrat am Ende noch nachvollziehbar, aber das Sykes-Picot Abkommen ist des Guten vielleicht doch zu viel. Diese Diskussion wirkt etwas aufgesetzt. Ebenso wie das Geschachere um Elektrizität und Wasserversorgung am Beispiel eines Krankenhauses. Gegen Ende verliert der Film sein kohärentes Format. Dabei verlieren die Figuren die zuvor gewonnenen Konturen wieder teilweise. Peter O’Toole in seiner Paraderolle deutet eine persönliche Kluft des Helden an so zwischen Schwachsinn und Schwermut. Alec Guinness macht auf distanzierten diplomatisch geschickt agierenden Prinz Faisal und die britischen militärischen Betonköpfe tun das, was sie können. Anthony Quinn (mit Riesenhakennase) gibt den geld- und goldgierigen Araber in diesem reinen Männerfilm. Der Score unterstützt das Bildformat. Mal als bombastische Orchestersuite, dann wieder bei langsameren Passagen mit leichten arabischen Flötentönen. Passt. Kleiner Punktabzug wegen des unklaren Schlusses, aber sonst schon nicht schlecht.
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Sa, 26.03.2016
TV | Sonny Boy - Eine Liebe in dunkler Zeit
Rika & Waldemar4 Sterne
Wenn es die Verfilmung einer wahren Begebenheit geht, darf man wohl die Fakten nicht so kritisch analysieren. Die Romanvorlage war ganz schön vollgestopft mit jeder Menge brisanter Probleme, zu denen der deutsche Untertitel in zweifacher Hinsicht passt. Siebzehn Jahre ältere weiße Frau Rika (Ricky Coole), Mutter von vier Kindern heiratet den Farbigen Waldemar Nods (Sergio Hasselbaink) aus Surinam. Da steht neben dem Culture Clash Rassismus im Raum. Es kommt zu den üblichen Beschimpfungen: ‘Neger. Nigger, Bananenfresser aus dem Affenland‘. So verläuft die erste Hälfte noch recht harmlos, wenn auch etwas ungemütlich. Aber zunächst sind es ‘nur‘ die abfälligen Bemerkungen der Nachbarn und des Vermieters, der Rika und Waldi kündigt. Und es kommen leicht märchenhafte Züge hinzu. Vielleicht war ja die Realität so. Im Sinne von ‘Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Engel her‘ (Sam). Doch mit dem Einmarsch der Nazis in Holland hält der Terror in das Familienidyll Einzug und jetzt wird der Film nicht nur richtig spannend, sondern er macht auch betroffen. Die Handlung gewinnt an Intensität, als Rika auch noch schwanger wird. Ein Höhepunkt ist ihr Verhör mit Foltermethoden. Man wirft ihr natürlich zeitgemäß ‘Rassenschande‘ vor. In Rückblenden wird an Waldemars Kindheit erinnert und seine Familie vorgestellt. Die emotionale Schiene zeigt, dass er Heimweh bekommt und Rika um ihre vier Kinder kämpfen muss. Sie lässt sich auf ein Unternehmen ein, dass wir heute ‘Schleuser‘ nennen. Die Nazis riechen den Braten. Das fünfte Kind Waldy, Sonny Boy, (Daniel van Wijk) wird seine beiden Eltern überleben. Mutter Rikas Ende bleibt etwas verschwommen, Waldemars hingegen geht trotz des Ernstes der Lage fast in einem Witz unter. Ein mutiger kleiner Film, der erst nach und nach beeindruckt. Nicht so der ganz große Wurf.
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Fr, 11.03.2016
TV | Aurora
Insomnia0 Sterne
Mit der Morgenröte hat der Film so viel zu tun wie After Eight mit Afternoon. Hier wäre als Titel Insomnia passender. Es passiert nichts, ohne Dramaturgie und verborgen vor den Augen der Zuschauer werden ein paar Leute erschossen und dann geht der Mörder zur Polizei und gesteht alles und erklärt uns, warum er diesen oder jenen getötet hat, manchen aus Versehen oder grundlos. Ist es Zynismus oder Unverfrorenheit, Krankheit oder nur ein typischen Zeichen unserer Zeit. Auf einem renommierten Festival lief er in der Reihe ‘Un certain regard‘. Da gehört der Film auch hin. Es ist wirklich ein gewisser Blickwinkel, unter dem hier eine Ungeheuerlichkeit betrachtet wird. Nur als Film ist das eine Katastrophe. Wie man so etwas zu einem Meisterwerk hochstilisieren kann, erschließt sich mir nicht. Verzweifelt versucht man in der übermäßig dunkel gehaltenen fast reglosen Handlung vor statischer Kamera einen Sinn zu entdecken: Ein Abbild der emotionslosen Gesellschaft, morden ist wie Zähneputzen oder die Kranken laufen frei herum. Nur eines kann dieser fast dreistündige Film nicht: Interesse zu wecken. Lange Einstellungen mit langen Pausen ohne Worte führen geradewegs in den Tiefschlaf, obwohl manche sogar von ‘atemberaubenden Szenen‘ reden. Haben die etwa einen anderen Film gesehen. Die finden dann auch einiges rätselhaft und irritierend. Ich fand mich da eher in der Fraktion langweilig und frustrierend wieder. Mein häufiges auf die Uhr Schauen hat mich mehr genervt, als wenn der Todesschütz Viorel (Hauptdarsteller und Regisseur Cristi Puiu) von einem Bein aufs andere tippelte bis er nach drei Anläufen endlich einen Schuss auf eine am Boden liegende Leiche abgab, die man nur verdeckt sah. Würde dieser Rumäne aus einem Bundesland mitten in Deutschland stammen, würde ich laut rufen ‘Erbarme, die Hesse komme!‘ Unglaublich!
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Fr, 11.03.2016
Kino | Biutiful
Alles andere als schön4 Sterne
Eine überaus beeindruckende Sozialstudie vom großen Inarritu, der sich hier fast selber übertroffen hat. Formal folgt Kameralegende Prieto meistens den Figuren hautnah und schafft mit teilweise unscharfen bzw. Ausschnitten eine klaustrophobische Atmosphäre, in der das Proll-Ambiente voll versifft zum Leuchten kommt. Anfang und Ende folgen der Ringtheorie im doppelten Sinne. Die Bilder sind gleich und es geht um die Weitergabe eines Familienringes. Der wie immer supergrandiose Javier Bardem (Uxbal) prägt den Film. Wir werden in eine Welt voller Probleme geworfen, in der er versucht, den Kopf über Wasser zu halten: Krebsdiagnose, Migrantenausbeute, homosexuelle Chinesen, Eheprobleme und zwei unterschiedliche Brüder (Uxbal und Tito). Aber es gibt auch heilende, schwarze Steine der Esoteriker. Und der Titel ist Kinderschrift. Die können ja auch nicht wissen, dass das Leben alles andere als ‘schön‘ ist. Es kristallisiert sich ein zentrales Ehedrama heraus, das alle anderen Probleme überschattet. Bardem durchaus ebenbürtig agiert Ehefrau Marambra (Maricel Álvarez). Sie wird zwischen Depressionen, abgewiesener Liebe ihres Mannes, Mutterschaft und Hure hin und her geschleudert. Aufbrausende Gefühle wechseln bei ihr mit hilfloser Niedergeschlagenheit. Zwischen allen Abgründen segelt Uxbal und findet immer wieder einen rettenden Strohhalm. Er beherbergt die Mutter eines ausgewiesenen Afrikaners. Am Ende zeigen Inarritu und sein Kameramann ihr Können. Da bleibt manches ungesagt oder nur bebildert, Uxbals Ende wird mit Symbolen garniert und das Verhalten der Afrikanerin bleibt irgendwie in der Schwebe. Es wird ganz ganz duster. Ein Abschied halt. Er sitzt buchstäblich neben sich. Gekonnt die letzte Einstellung: Uxbal geht aus dem Bild mit ‘Was ist da?‘
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Do, 10.03.2016
TV | Ein Schloss in Italien
Kaputtniks und andere Chaoten1 Stern
Wenn Valeria Bruni Tedeschi von ihrer eigenen Familie erzählt, hat sie naturgegebener Weise alle Freiheiten und vielleicht sogar Vorschusslorbeeren, die man braucht, wenn so ein fader Film dabei herauskommt. Na gut, das liegt ihr wohl am Herzen, aber muss sie uns damit strapazieren? Man kann vermuten, dass der Film Valerias ureigenstes Problem ist. Sie will Liebe und Kinder, Ihr Lover will keine sondern nur Spaß. Alle Beziehungen in diesem Familienunternehmen werden hier nur angedeutet und keineswegs ausgebaut. Symptomatisch ist der Satz ihres Lovers Nathan (Louis Garrel ihr damaliger Ehemann): “Man müsste…“ - “Ich würde gern…“ - “Ich weiß auch nicht.“ Das fasst die Essenz des Films zusammen, der auch einen anderen Titel haben könnte. (s. oben). Oder z.B. “Renovieren oder verkaufen?“, “Begegnung im Wald“ oder “Im Wolkenkuckucksheim etc.“ Wie Omar Sharif zu seinem Cameo kam, war wohl auch so ein Zufall. Dazu passt der Schluss, der keiner ist. Nathan springt über eine Hecke und das Bild hält mit ihm in der Luft an. Auch das sah man schon öfters. Die Handlung hat sehr große Lücken und wie zufällig zusammengewürfelte Fortsetzungen der Ereignisse. Valeria macht weite Sprünge ohne Spuren zu hinterlassen. Da reicht es nicht, wenn sich alle lieben oder hassen, je nach der momentanen Lage. Skurriles wie Nonnenringkampf mit Koloratursopran, ein Ventilator für einen Toten oder eine künstliche Befruchtung. Man kann die Reihe der Zufälligkeiten noch beliebig fortsetzen. Würde auch nichts bringen. Der Film eignet sich vielleicht für eine private Vorführung auf dem Schloss der Familie im engeren Familienkreis. K.V.
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Do, 10.03.2016
TV | Das Mädchen Wadjda
Ein Paradies für ein Fahrrad3 Sterne
Der Film hat einen hohen Seltenheitswert, denn er stammt aus Saudi Arabien. Man merkt ihm an, dass es der Regisseurin Haifaa Al Mansour nicht nur um einen Spielfilm geht, sondern dass er auch als wichtigstes Transportmittel gilt, seltsam fremdartige Dinge aus der arabischen Welt zu erzählen. Wenn die Dachdecker oben arbeiten, sollten die Frauen nicht draußen sein. Wenn der Koran offen herumliegt, spuckt der Teufel rein und im Stammbaum werden nur die Männer erwähnt. Woher kommen dann nur die Kinder? Wenn Mädchen Fahrrad fahren, bekommen sie später keine. An den ‘unreinen‘ Tagen der Frau dürfen diese den Koran nur mit einem Taschentuch als Schutzfolie berühren. Da hier die Männer uneingeschränkt herrschen, ist es vor allem ein Frauenfilm. Mutter (Reem Abdullah) und Tochter Wadjda (Waad Abdullah) leben nicht schlecht, sind aber auch nicht frei, gefangen in sozialen und religiösen Konventionen. Wie sich Wadjdas Traum von einem Fahrrad erfüllt, wird hier mit verblüffenden Einsichten geschildert. Dabei ist der Nachbarsjunge Abdullah (Abdullrahman Al Gohani) für Wadjda Hilfe und Herausforderung zugleich. Und wenn sie gegen ihn ihr privates Radrennen gewinnen würde, wäre das das höchste Glück für sie. Während er von den berühmt berüchtigten 70 Jungfrauen schwärmt, wäre das Adäquat für Wadjda 70 Fahrräder. Ein Drama am Rande, das hier aber nicht weiter ausgeschlachtet wird, ist die erlaubte Hochzeit des Vaters (Sultan Al Assaf) mit einer Zweitfrau. Mutter und Tochter einigen sich in ihrer Liebe zum Vater in seiner gottähnlichen Stellung. Die Mutter fügt sich noch, Wadjda fällt es zunehmend schwerer. Feuerwerk! Ende! Toll!
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Mi, 09.03.2016
Kino | Jane Eyre
Romanze ohne Schmalz4 Sterne
Der vielleicht am häufigsten verfilmte Roman von Charlotte Brontë erhält hier von Cary Fukunaga fast so etwas wie eine Neuinterpretation. Angeführt von zwei großartigen Hauptdarstellern Mia Wasikowska und Michael Fassbender kann sich auch das übrige Ensemble durchaus sehen lassen. (Sally Hawkins, Imogen Poots u.v.a.). Die Handlung ist geschickt zerschnitten, bis sich Vergangenheit und Gegenwart wiedertreffen. Janes Vorgeschichte wird nur kurz beleuchtet, aber mit ersten deutlichen Hinweisen auf ihren Charakter: offen, freimütig, hilfsbereit und hart im Nehmen aber auch zart im Gefühl. Atmosphärisch ist der Film meist in blasses Grau oder überhaupt düstere Farben gehüllt und erhält gelegentlich einen Anflug von Horror. Neben der Landschaft, die der Heimat der Vorlage gut nachempfunden und großartig ins Bild gesetzt wurde, gibt es hier breiten Raum für die Dialoge, was den Film ganz nah an die eine der Bronté Schwestern heranrückt. Fukunaga stellt Jane viel deutlicher als im Roman zwischen zwei Männer: ihre große Liebe Sir Rochester (Fassbender) und den Geistlichen John Rivers (Jamie-Billy-Elliot-Bell). Klar für wen sie sich am Ende entscheidet. Aber da gibt es noch Ehehindernisse, die hier wie Überraschungsschocker in die Handlung eingebaut sind. Bigamie steht im Raum. Als guten Geist des Hauses Rochester sehen wir Judi Dench, die am Ende Jane gute und schlechte Nachrichten überbringt und den Zuschauer darüber aufklärt, was passiert war. Einen Aspekt, den Charlotte Bronté immer wieder betonen, ist auch hier enthalten: Janes Unabhängigkeit und finanzielle Selbständigkeit. Sie arbeitet als Erzieherin und Dorfschullehrerin. Und im Sinne von Charles Dickens wird ihr da noch nachgeholfen: sie erbt eine große Summe. Das passt gerade, denn Rochesters Haus liegt in Schutt und Asche. Manchmal sitzt da auch ein Schalk in Charlotte Brontés Nacken, wenn man Sätze hört wie ‘Die Schönheit des Mannes liegt in seiner Kraft.‘ Schön, dass es noch solche Filme gibt.

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