Do, 03.03.2016TV | The Good, the Bad, the WeirdAlle sind gut, böse und schrägEine lustige Westernparodie. Der Titel weist bereits den Weg: es gibt den Guten (soll wohl der Kopfgeldjäger sein), den Bösen (ist wohl der Killer) und den Skurrilen (das ist der Gauner). Aber weil es bei dem turbulenten Klamauk drunter und drüber geht, sind alle drei ein bisschen von allem. Und alle jagen einem Schatz nach bzw. einer Karte, auf der er angeblich eingezeichnet ist.
Die Zahl der Leichen kann mit jedem Spaghetti Western mithalten, ebenso wie der gestylte Held (frisch geföhnt mit Haarschopf im Gesicht). Ambiente und Score (es wird gepfiffen und dazu Banjo gespielt) machen einem die Handlung vertraut und die Komik ist nicht schlecht (z.B. der Mann mit der Taucherglocke).
Tempowechsel erhöhen den Unterhaltungswert ebenso wie die flotten Stunts und die allgemein ästhetische Optik. Die fast sinnfreie Handlung lässt sich entspannt genießen. Da fügen sich technische Raffinessen wie ein kreisendes Maschinengewehr, das ein Blutbad anrichtet, gut ein.
Und am Ende setzt Regisseur Kim Jee-woon noch einen drauf: der Showdown ist kein Duell sondern ein Triell ohne Überlebende. Dafür sprudelt eine Ölquelle munter drauflos. Das war wohl der Schatz. Der Rest wird vom Winde verweht mitsamt dem Lageplan. Munter und entspannend. | |
Do, 03.03.2016TV | Unsere KinderMutter mordetNach einer wahren Begebenheit hat Regisseur Lafosse dieses überaus tragische Drama sehr verständnisvoll in Szene gesetzt. Da reicht der Spannungsbogen vom Anfang als der Himmel trotz Culture Clash noch voller Geigen hing bis zum unglaublichen Ende: eine Mutter ermordet ihre Kinder. Sehr anständig, dass man das nicht mitansehen muss. Mutter Murielle (Émilie Dequenne) ruft nur jedes Kind in einen Nebenraum. Das genügt. Dann nur die Totale des Hauses und ein Geständnis per Telefon.
Zuvor gaben sich alle größtmögliche Mühe, damit die Ehe von Murielle und Mounir (Tahar Rahim) ein Erfolgsmodell wird. Hier ist besonders ihr Vater André (Niels Arestrup) behilflich, sowohl finanziell als auch durch Selbsthilfe oder beruflich. Die Familie wächst wie das Brezelbacken. Die Beziehungen zwischen dem jungen Ehepaar und Vater André werden immer enger und komplexer. Abhängigkeiten zu ihm werden ebenso deutlich wie Mounirs Bindungen an seine Heimat in Marokko. Murielle im Beruf Lehrerin hat Schwierigkeiten, scheint überfordert. Ein Psychiater wird kontaktiert, Angstzustände plagen sie. Émilie Dequenne spielt das überaus überzeugend.
Im persönlichen Umfeld werden auch ‘Landminen‘ platziert. Es wiederholen sich Dinge wie z.B. die Scheinehe wegen Einbürgerung. Die Entwicklung bekommt eine nachvollziehbare Eigendynamik s.o. Murielles Zusammenbruch wirkt durch die Chansons von David Lavoie ‘Ils s’aiment‘ und Julien Clerc ‘Femmes je vous aime‘ noch pointierter.
Der Originaltitel betont, dass Murielle den Verstand verliert, der deutsche fast das Thema eher etwas globaler. Zu Recht preisgekrönt. Desillusionierend realistisch. | |
Mi, 02.03.2016TV | Züchte RabenAna und der TodDer Titel dieser Parabel auf die spanische Gesellschaft in der späten Franco Ära geht auf ein Sprichwort zurück: ‘Züchte Raben, und sie werden dir die Augen aushacken‘. Und so morbide ist auch die Situation der kleinen Ana (Ana Torrent). Sie sieht, was sie eigentlich nicht sehen soll, und versucht ihre magischen Kräfte mittels Gift aus Zuckerdosen umzusetzen. Sie wird ohne ihr Zutun zum Waisenkind, beherrscht von Tante Paulina (Monica Randall). Die ist ebenso auf der Suche nach einem Liebhaber, wie vorher Anas Vater nach einer Geliebten z.B. Amelia (Mirta Miller), der Frau seines Freundes. Ein interessanter Auftakt: man sieht Ana im dunklen Treppenhaus und hört Geräusche. Die könnten vom Sex herrühren oder von einem Mord. Ana wird Halbwaise. In häufigen Retros erfahren wir vom Tod von Anas Mutter (Geraldine Chaplin in einer Doppelrolle). Ana macht den Vater mit seinen Weibergeschichten dafür verantwortlich. Ihre großen traurigen Augen prägen den Film.
Ana ist nie ganz frei und bleibt Gefangene ihrer Träume, unterliegt einer strengen Zucht, beobachtet viele Dinge und ist ständig auf der Suche nach Zuwendung. Die erhält sie von der Hausgehilfin Rosa (Florinda Chico), die ihr auch ihre üppigen, mütterlichen Seiten ganz offen zeigen muss. Ihre leibliche Mutter verzehrt sich ebenfalls nach Liebe, versinkt aber in Frust und Todessehnsucht. Der Tod ist ein wichtiger Teil der spanischen Kunst und Kultur (siehe Stierkampf) und das Familienleben ist hier oft starr und unbeweglich, wie direkt aus der Zeit Philipps II. entlehnt. Eng verbunden mit dem Tod ist die Gefahr. Hier in Form einer Pistole eingeführt. Damit bedroht Ana ihre Tante, aber wie bei dem Gift, gibt es keine fatalen Folgen.
Und als musikalisches Bonbon gibt’s den Song ‘Porque te vas‘, den Jeannette zum Hit gemacht hat, mit einer Stimme, die an France Gall erinnert. Selten gut. | |
Mo, 29.02.2016TV | Der große GatsbyEnde eines TraumsRegisseur Baz Luhrmann hat dem Roman von Scott Fitzgerald seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. So kommt die in der Vorlage versteckte Kapitalismuskritik im Film etwas zu kurz. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil. Mit atemberaubendem Tempo jagt er die Zuschauer auf technisch hohem Niveau (z.B. gleiten dem Sprecher geschriebene Worte aus dem Mund) mit und ohne Zoom durch das Gelände der Großstadt (mal aus der Vogelperspektive, mal Streetview). Inhaltlich ähnlich prall gefüllt und mit einem Spitzenensemble besetzt, betont Luhrmann eher die Lovestory und den Hahnenkampf um Daisy (Carey Mulligan). Bisweilen trägt das Ambiente märchenhafte Züge mit einem Sidestep zum Grotesken. Dabei tritt der große Gatsby (Leonardo DiCaprio) erst nach einer halben Stunde in Erscheinung. Doch wir hören von vielen Gerüchten über ihn: ‘Spion, Attentäter, Oxford Man und reich wie Gott‘. Oder Volkes Stimme meint ‘Er ist ein Cousin von Kaiser Wilhelm, sie wissen schon dem deutschen König‘. Luhrmann stimmt mit Fitzgerald vollkommen überein bei der Beschreibung der hohlen Schicki-Micki Gesellschaft, in der das Leben eine Party ist. Und das ist eine zeitlose Binsenweisheit. Und als Antipode zum großen Gatsby verkörpert Tobey Maguire (Nick) den freundlichen unschuldigen Claqueur, den der große Gott wohl braucht. Eindrucksvoll ist auch der Schluss des Films, bei dem wir uns nach dem ganzen Trubel auf die Einsamkeit des Individuums konzentrieren können. Und was bleibt? Manch einer bleibt halt auf der Strecke. Neben Jay Gatsby ist in diesem Gesellschaftsporträt noch besonders erwähnenswert Myrtle (Isla Fisher), eine Konkurrentin von Daisy. Der Film ist ein einziges Fest. Trotz der Golden Twenties passt er ins 21. Jahrhundert. | |
So, 28.02.2016Kino | Valley of Love - Tal der LiebeTal des JammersIch kann nur jeden warnen, in diesen grottenschlechten Film zu gehen. Eine inhaltsarme Handlung mit einem Ende, das nur für esoterische Mystiker erträglich ist. Vater (Gérard Depardieu) und Ex (Isabelle Huppert) gehen in die Wüste (sic!) nicht um versucht zu werden wie einst weiland Jesus Christ Superstar, sondern um eine Botschaft von ihrem Sohn zu empfangen, der sich umgebracht hat und ihnen in einem Brief diesen Befehl erteilt.
Ein Witz pro Film, ein Beinahe-Nichts an Plot mit optischen Zumutungen und ein Ende zum Davonrennen.
Der einzige Witz: Depardieu wird von einem Hotelgast für einen Schauspieler gehalten (Nein, wer hätte das gedacht?) und um ein Autogramm gebeten. Er schreibt ‘Robert De Niro‘! Ein echter Schenkelklopfer! Haben wir gelacht! Optisch sind beide Hauptdarsteller extreme Gegensätze, fast schon eine Zumutung. Depardieu der stark adipöse läuft wohl wegen der Hitze ganz ungeniert oben ohne und Isabelle, die Magersüchtige, zeigt nur ihre sommersprossige Pergamenthaut. Beide stapfen durch die Wüste, schwitzen vor sich hin, plauschen über ihre kaputte Ehe und suchen etwas, das weder sie noch wir genauer kennen. Ein Gruß aus dem Jenseits, soll es wohl sein. Beide haben dann ein übersinnliches Erlebnis mit feuermal-ähnlichen Rötungen auf der Haut. Erst sie, dann er. Genaueres sieht man nicht. Beide scheinen außer Rand und Band und laufen schreiend umeinander. Diese Merkmale sollen wohl von ihrem Sohn aus dem Jenseits stammen. ‘Ein Zeichen‘ meint Mutter Isabelle. Dann ist endlich Schluss. Aufatmen im Kinosaal. Beim Publikum kam der Angstschweiß von der Furcht, dass dieses Machwerk nie zu Ende sein würde. Manche meinten, man solle das Eintrittsgeld zurückverlangen. Egal wie tief man die Toleranzgrenze der Sinnlosigkeit auch hängen man. Selten so einen Mist gesehen. | |
So, 28.02.2016Kino | Silver LiningsSilberstreifenRegisseur und Drehbuchautor scheint von psychischen Problemen voll die Ahnung zu haben. Er schildert hier das Psychogramm einer amerikanischen Gesellschaft, in der offenbar alle Figuren etwas an der Klatsche haben, durchgeknallt oder upgespaced sind. Der Fachmann würde diagnostizieren ihnen fehlt die Impulskontrolle. Alle rasten bei jeder kleinen Störung sofort aus und rücken Möbel. Vater Pat Sr. (Robert De Niro) hat einfach nur die Bodenhaftung verloren. Er könnte sich um Kopf und Kragen verwetten.
Aber wie der Filmtitel zu Recht darauf hinweise, gibt es für alles und jeden einen ‘Silberstreifen‘ am Horizont.
Und es ist eine echt nette Romanze. Patrick (Bradley Cooper) wurde gerade aus der Klinik entlassen (manisch-depressive Störung). Darf sich aufgrund eines Gerichtsbeschlusses seiner Ehefrau Nikki nicht nähern und verarbeitet das, indem er sich in Tiffany (spitze Jennifer Lawrence) verliebt. Die kann hier echt gut auf Emotionen machen: unterdrückte oder mühsam unter Kontrolle gebrachte. Wenn’s daneben ging, war’s halt ein unvorhergesehener Ausraster. Sie überzeugt in ihrer unverblümten Emotionalität. Da kommt am Ende ein bisschen ‘Dirty Dancing‘ Feeling auf. Das Drehbuch hat auch seine Sternchen. Um seinen Sohn zur Höchstform zu zwingen, meint Pat Sr. ‘Wir müssen eine Spur von Brotkrumen legen‘ (sic!). Und auf dem Weg zum Bücherwurm lehnt Patrick alles ab, was keinen Silberstreifen enthält wie z.B. Hemingway oder ‘Den Herrn der Fliegen‘.
Obwohl es keinen Zweifel über das Happy End gibt, dauert es noch ein wenig. Es wird also ein spannendes, glückliches Ende inklusive Familienidyll. Preiswürdig nett. | |
Fr, 26.02.2016Kino | Freunde fürs LebenWohin mit Truman?Cesc Gay ist ein ganz stiller Film über ein absehbares Lebensende gelungen. Es kommen Emotionen auf, aber keine schmalzigen Gefühlsduseleien.
Das liegt am guten Drehbuch, aber vor allem an den beiden Hauptdarstellern Julian (argentinischer Superstar Ricardo Darin) und Tomás (Javier Camara). Der Plot ist so angelegt, dass sich der Abschiedsschmerz der beiden Freunde auf die Trennung von Julians vielgeliebtem Hund Truman (Originaltitel) verlagert. Dramatisches Highlight dieser letzten gemeinsamen Tage ist Julians Abschied von seinem Sohn Nico (Oriol Pla). Nicht nur hier spielt Ricardo Darin mit dem Mitgefühl der Zuschauer. Eine der ergreifendsten Umarmungen von Vater und Sohn. Zumal wir erst viel später erfahren, dass Nico Bescheid wusste. Eigentlich verfolgt Julian ständig die Frage, wieviel wissen seine Freunde oder auch seine Nicht-Freunde von seiner Krankheit. Hierbei kann er noch manches aus seiner aktiven Zeit als Womanizer wieder ausbügeln. So kommt auch noch etwas wahre Größe in seinen Charakter. Aber es geht ja um Truman, der nicht zu einer menschlichen Größe hochstilisiert wird, sondern zu einem ruhigen Vertreter seiner Art. Hund bleibt Hund, der beste Freund Julians, natürlich neben Tomás.
Auch der Gegensatz der beiden Männer verhindert die Schmonzette. Da brechen alte Animositäten kurz mal auf, nur damit sich beide wieder rasch in der Realität der Jetzt-Zeit treffen.
Zu guter Letzt hat Cousine Paula (Dolores Fonzi) noch einen scharfen Einsatz, bei dem sie sich und Tomás den endgültigen Abschiedsschmerz versüßt. Er wird hier quasi für seinen selbstlosen Einsatz belohnt.
Zuvor hatte sie schon Pfeffer in die selbstbestimmte Sterbediskussion gebracht. Sie wirft Julian Egoismus vor und lenkt den Blick auf das Leid der Zurückgebliebenen. Großartige Ruhe und Gelassenheit mit klarem Blick auf die Wirklichkeit und einem eindeutigen Appell. | |
Do, 25.02.2016TV | Linda's ChildBaby CloéEin kleiner, leiser Frauenfilm von Rigo Starrs Stieftochter Francesca Gregorini, lässt den Grenzbereich zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwinden und macht ihn aber auch zugleich erahnbar.
Der Teeny Emanuel (großartig Kaya Scodelario) leidet immer noch unter dem Trauma, dass ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Sie babysittet bei der Nachbarin Linda (Jessica Biel) und stellt fest, dass diese eine Puppe als Kleinkind pflegt, weil ihr echtes Baby Cloé gestorben ist. In der deutschen Synchronisation wird das im Dialog nicht so recht deutlich. Doch die Nähe der beiden Frauen ermöglicht es, dass beide ihr Trauma letztendlich überwinden.
Was anfangs noch in derbe Sprüche einer jugendlichen Göre gehüllt ist, geriert sich immer mehr zu einer Freundschaft zwischen zwei Frauen, die wie Mutter und Tochter sein könnten.
Die Herbeiführung der Lösung geschieht durch fantasievolle Unterwasseraufnahmen. Emanuel gleitet mit Cloé und ihrer eigenen Mutter durchs Wasser. Das wird zuvor schon mal angedeutet. Da reibt man sich noch erst die Augen und sieht wieder klarer. Und ganz am Schluss können Linda und Emanuel die Fakten konfrontieren. Das hat wenig mit Logik zu tun, erscheint eher als schwesterliche Solidarität. So schaffen es die beiden, eine höhere Stufe der Erkenntnis zu erklimmen, auf der sie es wagen die Realität ins Auge zu fassen.
Optik und Darsteller überzeugen allemal, thematisch ist der Film nicht jedermanns Sache. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.