Mi, 24.02.2016TV | Cold Blood - Kein Ausweg, keine GnadeBlutiges ThanksgivingDer Österreicher Stefan Ruzowitzky hat bewiesen, dass Europäer knall harte Krimis drehen können, die höchsten Ansprüchen von jenseits des Atlantiks durchaus Genüge tun. Im Gegensatz zu der Fließbandware von ‘Drüben‘ wird hier in einem wunderschönen Winterfilm brutale Killerei mit einem packenden Familiendrama verknüpft und außerdem ganz unterschiedlich angelegte Handlungsstränge kongenial mit einander verbunden. Zwei konzentrische Kreise, die sich wellenartig ausbreiten.
Zwischen den einzelnen Pärchen gibt es diverse Beziehungen: alte und junge, in die Kreuz und in die Quer. Das ist sehr abwechslungsreich und spannend.
Die Geschwistergangster Addison (Eric Bana) und Liza (Olivia Wilde) sind auf der Flucht und landen beim Ehepaar Mills (Kris Kristofferson und Sissy Spacek). Auch deren Sohn Jay (Charlie Hunnam), gerade aus der Haft entlassen, kehrt heim und hat sich inzwischen in Liza verliebt.
Ein prekäres Thanksgiving für fünf kommt da zusammen. Hier wird die Gefahr der Situation mit feiner Ironie gewürzt.
Überhaupt gibt es neben den brutalen Killerszenen immer wieder sehr gefühlvolle ganz persönliche Momente, in denen auch der böseste Bösewicht Gutes tut oder mittels Retro seine schlimme Kindheit dargestellt wird.
Ganz abgesetzt von den direkt Involvierten ermittelt die Polizei. Hier bahnt sich ein tragisches Vater–Tochter Verhältnis an. Hanna (Kate Mara), die Tochter des Polizeichefs Becker (Treat Williams) will ihm beweisen, wie gut sie ist. Und das kostet Menschenleben. Sie wird unschuldig schuldig und beeindruckt vor allem durch ihre unverblümte Frische.
Am Ende kommt der deutsche Titel voll zum Tragen. Aber so ticken sie halt die Verbrecher. Sie sehen ‘keinen Ausweg‘ und kennen ‘keine Gnade‘, gehen über familiäre Bindungen hinaus. Klasse! | |
Di, 23.02.2016TV | Rette deine Haut, KillerVon und mitAlain Delon vor und hinter der Kamera. Er hat am Drehbuch mitgeschrieben und mitproduziert und er spielt den Privatdetektiv Choucas. Die Handlung ist mehr oder weniger Nebensache: Entführung, Mord, korrupte Bullen. Jede Menge Möglichkeiten für den Beau sich zu entfalten. Man fragt sich, ist er so erfolgreich gewesen, weil er so gut aussieht oder ist er ein großartiger Schauspieler? Ich finde, beides trifft zu. Er sorgt hier für Tempo. So flott bewegen sich wenige (vielleicht noch Belmondo) durch den Raum. Wie im Genre üblich gibt es jede Menge Brutalität (Tote, Hiebe, Folter). Aber noch drei Facetten kommen hinzu: es gibt viel Wortwitz in den temporeichen Szenen, nicht übertrieben aber nett anzuhören und dann hat Delon noch großartige Musik ausgesucht (von Neil Diamond, Oscar Benton oder. Petit Fleur) und setzt sie bewusst ein: mal einschmeichelnd, mal für den Aufbau der passablen Spannung. Und schließlich darf ein Schuss Liebe natürlich nicht fehlen. Hier begleitet ihn seiner Sekretärin Charlotte (Anne Parillaud). Sie darf ihn anhimmeln und mit flotten Sprüchen aufheitern (z.B. nachdem er mit ihrem Auto eine wilde Verfolgungsjagd hinter sich hat, vermutet sie ‘Mein Auto ist wohl jetzt im Arsch‘.). Aber es ist keine echte Liebesgeschichte. Dafür begegnen sich die beiden mit zu viel Ironie. Charlotte ist ein Filmfan. Wenn da einer von einem John Cukor redet, verbessert sie ihn ‘George‘.
Bleibt noch der dämliche deutsche Titel zu beanstanden. Im Original steckt Choucas eigentlich in der ‘Haut eines Polizisten‘, denn die echten kann man ja vergessen.
Es ist ein solide gemachter Krimi (1981), der immer noch als recht spannend mit viel Tempo und Witz daher kommt. Old School eben. | |
Mo, 22.02.2016Kino | GreenbergOlympiade der PlattitüdenEine punktgenaue Darstellung einer Generation aus der Nostalgie-Kiste. Es ist das Lebensgefühl, das hier im Fokus steht. Planlos driftet man durch eine Welt voller Langeweile. Die wichtigste und immer wiederkehrende Frage ist ‘Gehen wir was trinken?‘ Das kann Zeit totschlagen bedeuten oder auch einen Schnellfick. Im Mittelpunkt stehen Roger Greenberg (s. Titel) (Ben Stiller) und Florence (Greta Gerwig). Genau wie die anderen Greenbergs z.B. Philip und Carol wurschteln sie sich so durch den Tag, verbreiten Plattheiten wie ‘Verletzte Menschen, verletzen Menschen‘. Dabei geht es immer nur um Party, Whiskey und Schnupfy, und gelegentlich ein Quicky. Das wird bei Roger und Florence eher ein ganz stiller, stümperhafter Versuch. Und wenn sie nichts zu tun haben, streiten sie sich über Lappalien oder Florence singt in einer Kneipe und treibt dadurch alle Katzen auf die Bäume. Damit noch etwas passiert will Florence abtreiben oder Roger spontan nach Australien. Jennifer Jason-Leigh hat für sich eine klitzekleine Rolle ins Drehbuch geschrieben, weil sie den Film auch noch mitproduziert hat. Sie scheint aber nicht so recht zu wissen, was sie da macht. Sie steht mit Brille in der Gegend rum wie Falschgeld. Und so plätschert der Film seicht dahin und am Ende ist einfach Schluss. Hätte auch schon früher sein können. Einer der schwächeren Streifen mit des Erfolgsduos Stiller bzw. Sandler.
Ja so war das wohl damals, wenn der Film Recht hat. Aber da hätte auch ein Kurzfilm genügt. Außerdem glaube ich, dass die damals pfiffiger drauf waren. Da hätten sich die beiden Drehbuchautoren schon ein paar unterhaltende Gags einfallen lassen dürfen. So ist es K.V. | |
So, 21.02.2016TV | Red Riding Hood - Unter dem WolfsmondPeter und der WolfDie Rotkäppchen Fans werden sich freuen, wenn sie Parallelen zu dem von ihnen geliebten Märchen feststellen. Aber die sind dünn gesät. Denn Wolf bedeutet hier Werwolf und Rotkäppchen Valerie (Amanda Seyfried) wird der Hexerei angeklagt. Dabei liebt sie Peter (Shiloh Fernandez), soll aber den reichen Henry (Max Jeremy Irons) heiraten. Weil der bunt gemischte sich hier und da an inhaltliche Vorlagen anlehnende Plot mehrere Optionen offenhält, ist der milde Horror recht unterhaltsam. Und fast alle sind verdächtig. Chefermittler Pater Salomon (Gary Oldman) macht zunächst auf Werwolfvernichter, auch Mutter Suzette (Virginia Madsen) gerät genauso in Verdacht wie Valeries Großmutter (Julie Christie). Sie spielt in Valeries Traum die drei allseits bekannten Fragen durch ‘Großmutter warum hast du so große Augen, Ohren, Zähne?‘ Dreimal tritt der Wolf als passable Animation auf, ein Elefant aus Eisen dient als Gefängnis und überhaupt wird munter gemordet und sogar geliebt. Wie Valerie als Tochter des Werwolfs zu seiner Geliebten wird, rauscht dann mal so ganz schnell am Zuschauer vorbei und man sollte schon genau hinschauen, wenn Peter, der Wolf, und Valerie ein letztes Mal aufeinander treffen. Erst lächelt Valerie, dann der Zuschauer. Hier treffen Versatzstücke der Gebrüder Grimm auf die Auswirkungen von Graf Dracula. Blutige Mär, bei der sich das Grauen in Grenzen hält. | |
Sa, 20.02.2016TV | Die Luftschlacht um EnglandBattle of BritainEin Kriegsfilm Klassiker mit ungeheurem Aufwand gemacht und mit einer großen Riege von Superstars besetzt. Guy Hamilton hat fast alle männlichen Darsteller, die 1969 in der Branche Rang und Namen hatten hier eingesetzt. Erstaunlicherweise kommen beide Seite fast gleichwertig zu Wort. Ebenso ausgewogen ist der Einblick in die großen Zusammenhänge der Verantwortlichen, aber auch der unteren Chargen.
Und da 1940 auch noch kein Sieger feststand, verzichtete man fairerweise auf Selbstbeweihräucherung. Dafür gibt es viele kleine Details, die sehr anschaulich und informativ sind. Überhaupt war man um Authentizität bemüht. Das reicht von der Fachsimpelei über die Luftkämpfe zwischen Spitfire und Stukas, dem Ausstieg aus einem brennenden Kampfflugzeug, detailgenaue Innenausstattung oder der Bombardierung von Flughäfen. Die Luftkämpfe sind hier fast eine Augenweide, sodass man mögliche tödliche Konsequenzen vergessen kann. Und die Leidtragenden werden uns nicht eigens näher vorgestellt, sodass wir keine Beziehung zu ihnen aufbauen können. Ein brennender Flieger stürzt halt ins Meer oder zerschellt an der Küste. Das macht das Ganze etwas pomadiger und nimmt ihm das furchtbare Grauen des Todes.
Und damit es nicht zu unpersönlich wird bilden Christopher Plummer und Susannah York das Ehepaar Harvey. An ihnen wird der unterschiedliche Standort und ihr Einsatz als Soldaten exemplifiziert, zwischen Streit und Versöhnung.
Das deutsche Militär ist u.a. durch Curd Jürgens vertreten und Hermann ‘der Prächtige‘ Göring (Hein Riess) darf einige barsche und sinnfreie Äußerungen von sich geben. Beide Facetten seiner Persönlichkeit sind damit treffend charakterisiert.
Die Sieger jubeln nicht, dafür gibt es aber jede Menge heroische Blasmusik (Badenweiler Marsch, Preußens Gloria u.a.). Hier ist Krieg mehr Spiel als Krieg. | |
Sa, 20.02.2016TV | Sanfter Mann sucht FrauWinterliche AuvergneDas Thema ‘Bauer sucht Frau‘ geistert immer wieder mal durch die Filmwelt. Und da waren auch noch echte Perlen dabei, als die ‘Schwalbe den Sommer machte‘ oder die leicht ironische Feststellung getroffen wurde ‘Sie sind ein schöner Mann‘. Dieser Film hier kann nur in einer Hinsicht mithalten: wunderschöne Landschaften, die Auvergne im Winter. Die beiden Hauptdarsteller Paul (Eric Caravaca) und Annette (Alice Taglioni) tun ihr Möglichstes.
Ansonsten ist der Film völlig witzlos und ohne Esprit. Die Dialoge bleiben platt und selbst ‘vögeln‘ hilft hier nicht. Die kommentarlos kurz eingeschobene Szene in der Horizontalen bringt dem Zuschauer die Akteure nicht näher. Und einander aber auch nicht. Sie bleiben farblos und vergraben ihre persönlichen Geheimnisse weiterhin. Die plötzliche Betteinlage hat eine einander annähernde Entwicklung ausgeschlossen. Das ist aber doch bei solch einem Encounter der Spannungsbogen. Die Kamera lässt keine individuelle Nähe zu. Man kann die Breite der Rampe permanent fühlen. Höchster Grad an Komik ist die Frage von Paul an eine Kuh ‘Warum frisst du nicht?‘ Und Zuschauer und Stallvieh sind beide ratlos. Auch Annettes Ex-Ehemann und Knacki bringt nichts, ebenso wenig wie die beiden schwulen Nachbarn. Lediglich Oma Jacqueline (Hélène Vincent) kann das Klischee der Großmutter etwas aufpolieren. Als echter Typ kommt nur Pauls Schwester Nicole (Claude Perron) infrage. Sie hat Profil und zeigt wenigstens etwas Kante als advocatus diaboli.
Zu distanziert und unterkühlt liegen Probleme im Eisfach. Es ist halt Winter im Land und in den Herzen der Menschen auch. K.V. | |
Do, 18.02.2016Kino | Last NightFettnäpfchen und FallenstellerJoanna (Keira Knightley) und Michael (Sam Worthington) sind drei Jahre verheiratet und die Luft ist raus. Er streitet es ab, sie spürt es nur so ganz allgemein. Michael muss (siehe Titel) geschäftlich für eine Nacht mit Kollegin Laura (Eva Mendes) weg, Joanna trifft ihre Jugendliebe Alex (Guillaume Canet). Mit voll durchgestylten Bildern werden wir betäubt und schnarchen der vorhersehbaren Handlung hinterher.
Small Talk begleitet von weiblicher Langeweile und absichtsloser männlicher Ahnungslosigkeit. Michael wird von Laura verführt und verliert, Joanna lässt es beim Kuscheln mit Alex bewenden. Die zweite, nicht stattgefundene Episode passt mit Kindfrau Keira ebenso wie die erste mit der Femme Fatale vom Dienst Eva.
Am Ende lautet die Message: egal ob man es tut oder nicht, ob man mit dem Partner danach darüber redet oder nicht, man tut einfach, was man will. Ein Lob auf den Hedonismus und die Promiskuität. Skrupel werden gekonnt in den Wind geschlagen, hier als kurze Pausen angelegt. Dazwischen gibt es jede Menge verbale Alltäglichkeiten. Ein Tanz zwischen konventionellen Fettnäpfchen und schmerzlichen Fußangeln. Spannend ist das nicht, auch nicht interessant. Höhepunkte Fehlanzeige und die Darsteller spielen mit gebremstem Schaum. Hohler Glamour. K.V. | |
Do, 18.02.2016TV | Lehrstunden der HarmonieAslan der EinzelgängerDer Titel passt zum Film wie der Fisch zum Fahrrad. Ist er ironisch gemeint, kann es nur blanker Zynismus sein. Ist er ernst gemeint, muss man sich auf die Suche machen und Anhaltspunkte sammeln. Es ist eine eiskalte Welt. Nicht nur weil gerade Winter ist.
Die Stunden hier sind keine Lehrstunden, sondern Bestrafungs- und Prügelstunden und da ist auch kein Hauch von Harmonie zu erkennen.
Der introvertierte Aslan (Timur Aidarbekov) wird in der Schule gemobbt. Er lehnt sich gegen den Anführer der Gang Bolat (Aslan Anarbayev) auf. Unklar bleibt, ob Aslan einen Mord begangen hat, ob er seinen Freund Mirsain (Mukhtar Andassov) verraten hat oder umgekehrt… Das Mädchen Akzhan (Anelya Adilbekova) sorgt zusätzlich für Verwirrung. Es folgen beinharte Ermittlungen der Behörden. Dann wird’s symbolisch. Die Akteure verziehen sich nach Happylou, eine Art paradiesisches Las Vegas.
Unbestritten ist die Bildqualität und wer Arthouse mag, wird auch die ewig langen Einstellungen und den Schluss gut finden. Da steht Aslan am Wasser. Wenn er Jesus wäre, würde er zu seinen Freunden übers Wasser gehen. Doch das kann nur ein Schaf, das er eingangs geschächtet hat…
Teilweise hart, teilweise einschläfernd, teilweise halt anders. Eine Lehrstunde wie das Leben eigentlich nicht sein soll. Ein Beitrag für ein Filmfestival. Ohne die philosophische Begriffsklärung von "prästabilierte Harmonie" ist der Film nicht zu begreifen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.