Do, 18.02.2016Kino | Mademoiselle Hanna und die Kunst Nein zu sagen'Ich bn gleich bei ihnen!'Es fiel mir schwer mit dem Film warm zu werden. Die recht flott inszenierte Handlung hat Regisseurin Baya Kasmi mit dem Tempo einer Achterbahn kreisen lassen. Eine lustige Szene wird ganz unerwartet von einem tragischen Tiefschlag abgelöst und kaum hat man den verkraftet, wird man von einem neuen urkomischen Gag nach oben katapultiert Und so geht es pausenlos weiter.
Die ernsten Themen sind der Entlassungsdruck, der auf der Personalmanagerin Hanna (Vimala Pons) lastet. Als Trostpflästerchen – sie kann nicht ‘Nein‘ sagen - schläft sie mit jedem der Kandidaten (deutscher Untertitel!). Sie spendet eventuell eine Niere für ihren Bruder Dieudonné (dt. von Gott gegeben!), der dies Angebot von ihr aber ablehnt. Beide Geschwister leiden eigentlich an einem Kindheitstrauma. Macht aber weiter nichts. Originaltitel ‘Ich bin gleich bei ihnen‘. Dass die Freier zum Kaffee eingeladen werden, auch wenn der Freund Paul (Laurent Capelluto) bereits auf dem Sofa sitzt, ist heute Standard. (Titel!?) oder der Lover muss seine Kronjuwelen vor dem Bruder verhüllen. Der Grund für die Ausreise des Bruders nach Algerien und die prompte Rückkehr nach Frankreich sind eher kryptisch grotesk. Ja es ist bisweilen wirklich lustig, wenn man sich für eine glatte amerikanische Lösung aller Probleme erwärmen kann.
Diese komödiantische Tragödie lebt von der Authentizität der Akteure und galoppiert schon mal davon in Richtung Groteske. Ich musste lachen und stellte fest, in eine Zitrone gebissen zu haben. Man versteht die Unentschiedenheit der Regisseurin, wenn man ihren sozio-kulturellen biographischen Hintergrund kennt. Diese Vielfalt reicht aber leider nur für ein paar gute Gags. Ist mir letztendlich dann doch zu zitronig. | |
Mi, 17.02.2016TV | Captain PhillipsSOS vor SomaliaEs hat ein paar Jahre gedauert, bis Hollywood die Realität aufgreift und zu einem Film verarbeitet. Lange Zeit hatten ‘Piraten‘ vor der Küste von Somalia Tanker gekidnappt und Lösegeldforderungen in Millionenhöhe gestellt. Paul Greengrass hat ein dokumentarisches Drama mit etwas Hintergrund und ein bisschen Tiefgang abgeliefert. Dabei wird einerseits auf die Auswahl der kleinen Fischer eingegangen, die hier für Warlords das schmutzige Handwerk aufführen und andererseits darauf hingewiesen, dass sich die zufällig ausgewählte Truppe keineswegs immer einig ist. Die Entwicklung ist logisch nachvollziehbar und bleibt spannend, weil es immer wieder auf beiden Seiten kleinere Imponderabilien gibt, die so von den Akteuren nicht vorgesehen waren. Der Ausgang ist jedem klar. Es interessiert nur, wie es ging? Es ist nicht nur die technische Allmacht der USA, die hier vorgeführt wird, sondern auch die intellektuelle Überlegenheit der westlichen Seeleute. Tom Hanks in der Titelrolle gibt trotz seiner Gefangenschaft den Piraten einerseits noch Tipps, andererseits ist er aber auch permanent bereit, ihnen Knüppel zwischen die terroristischen Beine zu werfen. Absolut authentisch wirkt dabei das Kauderwelsch, das zwischen den Parteien gesprochen wird, vor allem mit dem Anführer der Piraten Muse (Barkhad Abdi). Die sind glaubhaft gecastet: unsympathisch, böse und unberechenbar. Die Handcam ist hier bildendes Stilmittel.
Ehefrau Andrea (Catherine Keener) taucht in diesem reinen Männerfilm nur ganz kurz auf. Darstellerisches Highlight ist die Reaktion von Captain Phillips nach seiner Befreiung. Der Zuschauer kann die Erleichterung aber auch das mögliche Trauma nachvollziehen. Spannende Dokumentation. | |
Di, 16.02.2016Kino | Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei WeltenAuf der SucheJohn Crowley, der bereits mit ‘Boy A‘ überzeugte, hat nach einen Drehbuch von Nick Hornby den Roman von Colm Toibin filmisch eins zu eins umgesetzt. Dabei ist nichts vom Charme der Vorlage verloren gegangen. Der Roman war allerdings auch nicht unbedingt spektakulär und sprachlich gradlinig leichtfüßig gehalten (das meine ich keineswegs negativ). Dabei bestand die Gefahr jetzt durchaus, dass man in Gefühlsduselei hätte versinken konnte. Das hat Crowley aber ganz generell vermieden, trotz der vielen Tränen, die hier vergossen werden. Außer der Liebe geht es hier aber auch um Heimweh und die Emanzipation einer jungen Frau. Abgesehen von der überzeugend eingefangenen Atmosphäre der quietschebunten 50er Jahre im Gegensatz zu düsteren Bildern dieser an sich so verklemmten Zeit, ist wohl ein großer Teil des Erfolges dieses Films der Hauptdarstellerin mit dem schwer auszusprechenden Vornamen Saoirse (Sierscha) Ronan als Eilis Lacey anzurechnen. Sie ist das Gesicht des Films und hat sich ja nach ‘Himmel‘ und ‘Hanna‘ zu einer ganz großen Schauspielerin gemausert (2016 nominiert!). Aber auch Nebenrollen passen hier großartig ins Bild. Julie Walters als kantig liebenswerte Vermieterin und Jim Broadbent als Pater Flood, väterlicher Förderer von Eilis. Er bringt wie gewohnt die Warmherzigkeit zum Schwingen. Ein Großteil der Komik kommt von den zickigen Mitbewohnerinnen der Pension. Auch die beiden jungen Männer, die um Eilis werben, sind ausgewogen gecastet. Sie müssen auch gleichwertig erscheinen. Tony (Emory Cohen) hat den Heimvorteil von Brooklyn und damit die Zukunft auf seiner Seite, Jim (Domhnall Gleeson) die ganze Wucht der heimatlichen Gefühle, also mehr die Vergangenheit. Der Zuschauer steht emotionsmäßig mittendrin zwischen den beiden. So hat es Toibin auch angelegt. Ein Feel-Good Movie durch und durch. | |
Di, 16.02.2016Kino | Last VegasVier Best AgerWas für ein Riesenspaß mit vier Superstars plus eine. Vier gute Freunde seit Kindertagen treffen sich, weil einer (Michael Douglas, inzwischen über 70) eine 30 Jährige heiraten will. In bester Spiellaune machen sich die vier über sich selbst und ihr Alter lustig. Viele gute Ideen und ein pfiffiges Drehbuch ermöglichen es, dass die Jungs: Robert De Niro, Morgan Freeman und Kevin Kline so richtig aufdrehen. Über weite Strecken bekommen wir beste Unterhaltung geboten, wenn die vier mit ihrem Alter kokettieren und immer noch den Mädels nachschauen.
Zwei Dinge zeichnen das Drehbuch aus: Anfangs werden Gags verbraten, die am Ende nochmals aufgegriffen werden. Kevins Frau gibt ihm z. B. für das Wochenende ein Geschenk mit: eine Viagra und ein Kondom und am Ende liegt er mit ihr im Bett und beide freuen sich, dass er beides nicht gebraucht hat (mit ihr!)
Dann wird noch eine sehr emotionale Schiene gefahren, die sich jetzt hier in Vegas wiederholt: Robert und Michel verlieben sich in die gleiche Frau. Vor 30 Jahren war es Sophie, Robert hat sie bekommen. Jetzt ist es Diana (Mary Steenburgen) und die kriegt Michael. Darstellerisch und kameratechnisch rasant gemacht, wie die Freunde Michael die junge Maus ausreden und ihm Diana zuschieben. Nach all den Lachern und Krachern (Kevin bei der Wassergymnastik zu seiner älteren Nachbarin ‘Oh Verzeihung, bin ich ihnen auf den Fuß getreten oder war das ihr Busen?‘) ist das jetzt eine weitere Wohltat. Ja, die Jungs können auch Gefühlskino, die vier ‘Unbesiegbaren‘ aus Brooklyn. Es wird wohl nicht ihr ‘letzter‘ Einsatz in Las Vegas gewesen sein. Mit Sicherheit aber ihr bester. | |
Mo, 15.02.2016TV | Aus dem Leben eines SchrottsammlersWirklich bettelarmRegisseur Danis Tanovic hat das Elend der Roma in Bosnien-Herzegowina dokumentiert. Er erzählt eine kleine Geschichte, wie sie sich dort wohl täglich ereignet. Senada, die Frau des Schrottsammlers wird krank. Da sie kein Geld und keine Versicherungskarte hat, verweigert das Krankenhaus die Behandlung. Wir bekommen einen dokumentarischen Einblick in das Leben der Leute. Es ist eiskalter Winter, geheizt wird mit dem Holz, das Ehemann Nazif aus dem Wald holt. Es kann passieren, dass der Strom abgestellt wird, wenn die Rechnung nicht beglichen wird. Erstaunlich und zugleich unglaublich, wie der Familienvater sich da so durchwurschtelt. Mit bloßen Händen zerkloppt er Autowracks und sammelt Schrott von der Müllkippe. Es gelingt ihm sogar, Geld für die Medizin zu verdienen. Aber um welchen Preis. Senada leidet still, Nazif rackert unermüdlich. Es gibt wenigstens Nachbarschaftshilfe und Hilfe von der Verwandtschaft. Das Ambiente ist schockierend: Autowracks und Müll wohin man schaut. Sie leben von der Hand in den Mund. Als Kontrastprogramm läuft der Fernseher unentwegt und die beiden kleinen Mädchen sind sehr lebhaft bzw. nervig, eigentlich ganz normal. Sie bekommen vom Elend nichts mit. Die Eltern lieben sie. Als Nazif seiner Frau Tee bringt, sagt sie ‘Danke. Mögen deine Hände zu Gold werden.‘
Eindringlicher Anschauungsunterricht wie man ihn von Charles Dickens aus dem 19. Jahrhundert kennt. Nur dass es hier keine überraschende Lösung im Sinne einer Verbesserung gibt. Hart aber gut. | |
So, 14.02.2016TV | Dünkirchen, 2. Juni 1940Ein WochenendeEin Kriegsfilm, der den Namen nicht verdient, denn er verharmlost ihn. Krieg wird zum Abenteuer und ähnelt eher einem Pfadfindertreffen mit hohen Touristenanteilen. Bomben fallen nur zur Unterhaltung. Die deutschen Jagdbomber feuern immer genau in die leeren Gassen zwischen den Soldaten am Strand. Spaßige Dialoge pendeln so zwischen ‘Auf der Alm da gibt’s ka Sünd‘ und ‘Wo bitte geht’s zur Front?‘ Da schwärmt ein Soldat z.B. von seiner Frau ‘Sie sieht aus wie eine Lilie. Ich steh auf langen Beinen.‘ Antwort ‘Lilien haben doch keine Beine‘ oder ‘ Wir haben uns an einander gekuschelt. Neben uns stand die kleine Nachtischlampe…‘ – ‘War das alles, was bei euch gestanden hat?‘
Es gibt ein Einschiffungsbüro für die Überfahrt und als Nonnen verkleidete Agenten, die sich rasieren und erschossen werden. Einziger Unterschied zu einer echten Militärklamotte sind die völlig unerwarteten und wenig passenden ernsten Gespräche, die der Held und Hauptdarsteller Julien (Jean-Paul Belmondo) gelegentlich mit dem Priester Pierson (Jean-Pierre Marielle) u.a. führt. Und natürlich wenn er Jeanne (Catherine Spaak) vor zwei Vergewaltigern rettet. Das ist alles Räuberlager und nicht ernst zu nehmen. Er bekommt seine Belohnung im Bombenhagel in einem Keller voller Würste ‘Das reicht noch für den nächsten Krieg‘. Da kommt Jeanne mit Liebe, Tränen und viel nacktem Bein. Das Angebot kann er nicht ablehnen.
Ein Ende, über das man sich kaputt lachen kann oder schwarz ärgern: Jeanne kommt zum verabredeten Treffpunkt nachdem Julien tot im Bombentrichter liegt. Dazu erklingt das deutsche Soldatenlied ‘Ein Heller und ein Batzen‘. Was soll’s? Weder lustig noch spannend, weder unterhaltend noch informativ ist dieses ‘Wochenende‘. K.V. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.