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Sa, 13.02.2016
TV | Hanna K.
K. wie Kaufman oder zwei Väter für David4 Sterne
Costa-Gavras ist hier nicht nur ein sehr unterhaltsamer Politdrama gelungen, sondern auch noch ein Lehrstück über die israelische Siedlungspolitik, das unweigerlich Emotionen von beiden Seiten und Proteste der Israelis hervorrufen muss. Genialer Weise verpackt er den Plot in zwischenmenschliche, symbolträchtige Beziehungen der besonderen Art. Die amerikanische! Anwältin Hanna (Jill Clayburgh), (schwanger) lebt getrennt vom Noch-Ehemann Victor (Jean Yanne). Vater ihres Kindes (‘ein Unfall!‘) ist Joshua (Gabriel Byrne), im Prozess israelischer Staatanwalt. Hanna verteidigt den Palästinenser Selim (Mohammed Bakri), der illegal in Israel eingereist war, um einen Anspruch auf das elterliche Haus (am Anfang gesprengt) geltend zu machen (‘hypothetischer Grundbesitzanspruch‘). Israel bietet einen Deal an, an den es sich aber nicht hält. Alle vier treffen bei einem Essen in Hannas Haus zusammen. Sie schickt sie alle fort. Scheidung von Victor, keine Ehe mit Joshua und mit Selim geht es ihr eigentlich ganz gut. Nach einer live Beschneidung stehen Polizei und Militär vor ihrer Tür. Fin. Das qualitativ hochwertige Drehbuch tauscht alle Argument der beiden Seiten aus. Z.B. Israel verweigert genau dasselbe Recht den Palästinensern, was man früher den Juden verweigert hat. Man kann Hanna und ihren Sohn David (sic!) als das Gebiet in Palästina ansehen, um das es hier geht. Joshua vertritt die Ansprüche des israelischen Staates, der sich auf ein artifizielles Recht stützt, Victor steht für Legalität. Beide werden von Hanna nicht geliebt. Und Selim könnte ein Symbol der Freiheit sein, das manche lieben, andere verachten und wieder andere nicht verstehen. Sowohl das intellektuelle Konstrukt, das sich an der Realität orientiert als auch die Spielfilmqualität mit seiner menschlichen Komponente sind erstaunlich.
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Do, 11.02.2016
TV | Das Geständnis
Gegen den ideologischen Wildwuchs4 Sterne
Das ist die Abrechnung von Costa-Gavras mit dem Sowjetkommunismus und seinen Blockstaaten in Osteuropa, hier am Beispiel der Tschechoslowakei. Die ganze Palette der Unmenschlichkeiten wird hier ausgebreitet. Angefangen von beobachten, verfolgen und verhaften des mutmaßlichen Dissidenten Artur Ludvik (Yves Montand). Er ist stellvertretender Außenminister des Landes. Es folgen Hausdurchsuchungen und Hausarrest für seine Frau Lise (Simone Signoret auch im wahren Leben ‘Sie benehmen sich wie die Nazis!‘). Verängstigte Parteigenossen nehmen Abstand, höher gestellte heucheln Verständnis und Fürsprache. Viel Raum wird der Sonderbehandlung im Gefängnis eingeräumt: Schlafentzug, Galgentest als Vorübung, Water Boarding inklusive und permanente Schikanen mit dem Ziel die Persönlichkeit zu brechen. Es folgt die Vorbereitung auf den Schauprozess, wie er in den 50er Jahren üblich war. Hierzu werden Antworten auswendig gelernt, viele Häftlinge zu Juden abgestempelt. So wird der Öffentlichkeit eine staatsfeindliche Verschwörer Gruppe präsentiert. Man erzählt Artur, dass seine Frau Lise ihn verlassen hat. Dabei muss sie in einer Fabrik arbeiten. Manche Häftlinge sind zu einfältig, um den Ernst ihrer Lage zu begreifen. Sie lachen mit den bestellten Claqueuren mit und sich selbst ins Verderben. Ein genialer Schluss mit zwei Aspekten macht diesen Klassiker zu einem Muss für jeden Demokraten: nach Jahren trifft Artur einen seiner Peiniger (Gabriele Ferzetti) von damals wieder und der verbrüdert sich mit ihm jetzt ‘ Was hat man uns angetan?‘ Und dann sieht Artur noch die Bilder vom Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag (1968). Eine Wandanschrift ‘Lenin wach auf! Breschnew hat sich blamiert‘. Das ist im Kern die Botschaft des Regisseurs. Einmalig!
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Mi, 10.02.2016
Kino | Rachels Hochzeit
Kyms Ausbruch2 Sterne
Das ist einer der Filme, die man mehr oder weniger ungerührt an sich vorüberziehen lässt. Es sei denn, man steckt gerade in Hochzeitsvorbereitungen oder hat d en Zirkus gerade hinter sich. Es gibt keine besonderen Höhepunkte nur teils tränenreiche Dramatik und Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele. Anlässlich von Rachels Hochzeit trifft sich die Familie und Tochter Kym (Anne Hathaway) bekommt Freigang aus der Suchtklinik. Während des munteren Treibens gibt es wie immer Streit zwischen den Schwestern (vor allem mit der Braut Rachel, Rosemarie DeWitt), der geschiedenen Mutter (Debra Winger), und Freunden. Es wird schon mal handfest und natürlich gibt es diverse Leichen im Keller. Lange Hochzeitsreden und eine romantische Trauung mit Sahneguss und Schoggi übertünchen die giftgeladenen Streitereien. Die Mädels machen das ganz passabel. Man wundert sich nur über die Friede-Freude-Eicherkuchenlösung, nachdem sich herausgestellt hat, dass Rachel, die einen Farbigen heiratet, schwanger ist. Wahrlich keine Sensationsmeldung. Auch der gemeinsame Friseurbesuch oder der Wettstreit ‘Wer bekommt das meiste Geschirr in die Spülmaschine‘ sind nicht gerade Brüller. Hier hätte es Jonathan Demme lieber machen sollen wie seine ‘Lämmer‘ oder wie der weise Sokrates, von dem man sagte ‘Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben.‘ Darsteller O.K., Handlung O-weh!
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Di, 09.02.2016
TV | Sondertribunal - Jeder kämpft für sich allein
Mord in der Metro3 Sterne
Costa Gavras, der Spezialist für politische Thriller hat sich hier auf das Vichy Regime konzentriert. Hinsichtlich der Problematik dieser französischen Marionettenregierung findet der Film eine eindeutige Antwort. Sie beugt das Recht im herkömmlichen Sinne und legalisiert so das Unrecht. Erstaunlich, dass es trotz der juristischen Haarspaltereien noch ein halbwegs spannender Film wurde. Es geht letztlich um die Frage ‘Nulla poena sine lege‘ oder kann man ein Gesetz auch noch rückwirkend anwenden? Eigentlich weniger Es ist eine gekonnte Mischung von intellektueller Argumentationen und praktischem Widerstand, Diskussionen und Erschießungen. Durch kleine ganz persönliche Aspekte werden die offiziellen französischen Stellen z.B. durch ein ländliches Ambiente mit Tierhaltung in der Wohnung der Lächerlich preisgegeben. Aber auch das Zusammenschrauben der Guillotine wird vorgeführt. Manche Historiker haben eingewendet, dass durch die Willfährigkeit der eigenen Erfüllungsgehilfen schlimmeres Unheil verhindert worden sei. Mit dieser Hypothese hält sich Costa-Gavras gar nicht erst auf. Er dokumentiert die wahrscheinlichere: Nepotismus und Korruption greifen ebenso um sich wie skrupellose Karrieregeilheit Und das sind allgemeine menschliche Regungen. Die Dialoge sind so gehalten, dass sich der Zuschauer selbst ein Urteil bilden kann. Von den Verhafteten benennt Bruno Cremer das Unrecht beim Namen, von den wenigen Verteidigern ist es Jacques Perrin. Überhaupt ist hier wie fast selbstverständlich die gesamte Darstellerriege der 3. Reihe Frankreichs präsent neben ausgesuchten Deutschen wie Heinz Bennent und Hans Richter. Costa-Gavras legt die Handlung bewusst so an, dass sich beim Zuschauer Empörung breit macht, ob der Ungeheuerlichkeit. Und wir werden mit der Erkenntnis entlassen ‘Der Staat hat immer Recht‘.
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So, 07.02.2016
TV | Challenger - Ein Mann kämpft für die Wahrheit
Der kranke Professor2 Sterne
Dieser Film über die größte Katastrophe der Raumfahrt kommt wie ein Documentary daher. Die äußerst spärlich eingeflochtenen persönlichen Aspekte – wie die Krankheit des ‘Helden‘ Richard Feynman oder seine Familie kann man getrost vergessen. Es ist ein Tatsachenbericht. William Hurt spielt die Hauptrolle unterkühlt aber menschlich. Von seiner Ehefrau Gweneth (Joanne Whalley) sieht man so gut wie nichts. Sein Arzt Dr. Weiss (Henry Goodman) hat einen kurzen Auftritt. Es geht offenbar um die Sache. Der Physiker Feynman forscht noch den Ursachen des Unglücks von 1984. Dabei merkt er, dass er von einem technischen auf ein politisches Problem stößt. Die NASA will vertuschen, die Air Force verfolgt eigene Interessen. Man erfährt den Grund, am Ende auch wer die Verantwortlichen waren. Kleinere psychologische Spielchen aller Beteiligten, die sonst ihr Geld bei staatlichen Organisationen verdienen. Ein Mr Rogers (Brian Dennehy) leitet die Kommission. Er will keinen Ärger. General Kutyna (Bruce Greenwood) traut sich nicht so recht und Astronautin Sally Ride (Eve Best) bleibt blass, weil sie keine Ahnung hat, was da vor sich geht. So bleibt der Film wie ein Fachzeitschrift für das Ingenieurswesen der Raumfahrt. Man blättert sie durch und klappt sie wieder zu. Außer William Hurt bleiben alle Funktionsschablonen. Reden, laufen durch Gänge und schauen ganz ernst drein. Der Film vom Challenger Desaster ist selbst ein solches. K.V.
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Sa, 06.02.2016
Kino | Borgman
Der Kuss des Bösen4 Sterne
Der Film spielt auf zwei Ebenen, die nicht leicht voneinander unterscheidbar sind, weil die Handlung ständig von der einen in die andere wechselt. Zusätzlich wird die Spannung erhöht, weil es da noch einen Zwischenbereich gibt, von dem aus es in die reale bzw. die surreale Welt geht. Neben diesem Wechsel sind noch teils blutige Schocker eingebaut. Mit viel Konzentration kann man einen realen Handlungsstrang ausmachen, der linear von A nach B verläuft. Ehepaar mit drei Kindern stellt einen neuen Gärtner Camiel ein. Der nistet sich mit einer vierköpfigen Crew bei der Familie ein. In der Ehe von Marina (Hadewych Minis) und Richard (Jeroen Perceval) gibt es Probleme, Richard verliert seinen Job. Der Garten wird völlig neu gestaltet und von der Familie bleiben nur die Kids am Leben. Gleich zu Beginn wird die skurrile Szenerie eröffnet, indem ein heruntergekommener Waldschrat bei irgendjemandem klingelt und bittet ein Bad nehmen zu dürfen. Bunuel-mäßig laufen später zwei Windhunde durchs Haus und der frühere Gärtner mitsamt Ehefrau werden mafiamäßig entsorgt. Alex Warmerdam, der Spezialist fürs Abstruse, steuert mit der Handlung haarscharf an der Realität entlang mit szenischen Ausbuchtungen ins Unerwartete, ins Unmögliche oder sogar ins Widersinnige. Dabei geht er grenzüberschreitend vor, d.h. mitunter auch todbringend. Hier werden manche Fantasien, Zwangsvorstellungen oder Wünsche konsequent zu Ende gedacht, die wir uns durch unsere zivilisatorische Domestizierung nicht zutrauen würden. Das kann schon mal brachiale Gewalt sein. Wenn z.B. der Krankenbesuch des Hausarztes eine Bedrohung darstellt, quasi ein Eindringen in den Borgman Kosmos, muss der Mann erschossen werden. Andere Schocker entpuppen sich als Albträume, sind aber deshalb auch nicht harmloser. Alle Aktionen haben hier keine Folgen, der Zuschauer aber eine Menge zu verarbeiten.
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Fr, 05.02.2016
TV | Für ein paar Dollar mehr
Der steinreiche Monco3 Sterne
Hier tut sich jetzt eine Dreierkonstellation auf: die beiden Kopfgeldjäger Monco (Eastwood) und Mortimer (Van Cleef) haben mit dem gesuchten Banditen El Indio (Gian Maria Volonté) noch ein Hühnchen zu rupfen. Alle drei klauen erst noch einen Banktresor, bis Mortimer den Bösewicht im Duell eliminiert. Die Musik von Ennio Morricone ist wieder das Erkennungsmerkmal dieser Fortsetzung eines Klassikers. Eine Weiterentwicklung ist der Glockenschlag zur Erhöhung der Dramatik. Darsteller aus dem ersten Teil (z.B. Josef Egger) sind wieder zu sehen neben neuen Gesichtern wie dem von Klaus Kinski, der einen kurzen aber eidruckvollen Auftritt hat. So hat er es immerhin aufs Plakat geschafft. Bei diesen wortkargen Typen muss man sich manches an Hintergrundinformation selber zusammenreimen. Eine Taschenuhr mit Musik z.B. und einem kleinen Foto wechselt wortlos den Besitzer. Ansonsten wird manches weitergeführt, anderes ergänzend ausgebaut (z.B. ein Retro aus Mortimers Jugend). Die Betonung liegt hier auf dem titelgebenden Wörtchen ‘Mehr‘. Es gibt mehr Geballer, viel mehr Geld, mehrere Helden, leider nicht mehr Spannung. Das Ende fasert etwas aus. Keiner weiß so recht, wie er sich verabschieden soll. Nur eins ist klar: Clint Eastwood hat mehr als nur ein paar Dollar.
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Fr, 05.02.2016
TV | Für eine Handvoll Dollar
Joe der Gerechte4 Sterne
Ein richtungsweisender Klassiker, der heute im Gegensatz zu den 60er Jahren, als er entstand, weitgehenden Archivwert besitzt. Die Brutalitäten wirken jetzt eher harmlos, Joe (Clint Eastwood), der tapfere Held kann sich hervortun, indem er viele böse Schläge übersteht, überraschend gut schießt und mit anderen Tricks punktet. Er gerät in einen lokalen Bandenkrieg und spielt die eine Partei gegen die andere aus, dabei hilft er der eingesperrten Mutter Marisol (Marianne Koch, bevor sie Medizin studierte) und ihrem kleinen Sohn. Weitere deutsche Schauspieler sind zu sehen. Sieghardt Rupp als sadistischer Vollhorst vertritt die Abteilung der Bösewichter und Josef Egger als Sargtischler ist für die Komik zuständig. Joe, der wortkarg mit moralinsaurer Gesichtslähmung Kette raucht und mit saucoolem Habitus durchs Dorf geistert, hat in Gian Maria Volontè als Ramon einen kongenialen Gegenspieler. Im Plot ist er ihm zwar unterlegen, aber als Darsteller von Ramon allen anderen weit überlegen. Das blutige Ende ist ein Riesenfeuer mit Riesenballereien. Joe ist der Gerechte, nicht der Ehrbare. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die Musik von Ennio Morricone (gepfiffene Melodie, manchmal von einer Trompete unterstützt mit leisen Marschtrommeln und Chor unterlegt). In diesem Sound stecken die Freiheit und das Abenteuer sowie die Weite der Landschaft. Außer Marisols Familie, die nur die Freiheit will, streben hier alle nach einer Handvoll ‘Gold‘. Das könnte auch ein Hinweis auf die geringe Gage von Newcomer Clint Eastwoods sein.

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Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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