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Do, 04.02.2016
TV | Midnight in Paris
Kunstgiganten als Promi Parade2 Sterne
Das Beste aus diesem Jahresprodukt von Woody Allen ist der Score. (u.a. Sidney Bechet, die Bacarole oder der Cancan u.v.a.m.) Von der Idee her lehnt er sich ein bisschen an seine ‘Purple Rose‘ an. Hier ist es allerdings etwas langweiliger. Eine Promiriege tritt auf, wenn Gil (Owen Wilson) in seiner Fantasie in die Belle Epoque oder die Golden Twenties abtaucht. (Kathy Bates, Adrien Brody, Carla Bruni! u.v.a.) Die Zuschauer freuen sich immer wieder, wenn sie bekannte Namen entdecken: z.B. Picasso, Braque, T.S. Eliot, Man Ray, Bunuel oder Dali etc. etc. Da entsteht so eine Klassenatmosphäre im Stil von ‘Herr Lehrer, ich weiß was!‘ Offenbar für die Amerikaner lauter Aha Erlebnisse (Drum der Oscar!). Für Europäer ist das was fürs gute alte Bildungsbürgertum. Gewonnen hat der, der die meisten Vertreter aus Kunst und Literatur zuerst erkannt hat. Leider haben uns die Kunstgrößen so gut wie nichts zu sagen. Sie sind einfach nur da. Schade! Die Sightseeing Tour für Touristen besucht natürlich auch nur die Orte, die jeder kennt. Erst ganz am Schluss, als sich Gils Fantasie-Ausflüge und die Realität mit Frau und Schwiegereltern begegnen, wird es etwas lebhafter. Es kommt sogar so etwas wie echte Handlung auf. Seine Frau Inez (Rachel McAdams) hatte wirklich etwas mit Freund Paul (Michael Sheen), als Gil sie nächtelang wegen seiner nostalgischen Streifzüge allein gelassen hatte. Folglich bleibt er auch in Paris und in echter Woody Allen Manier findet er unverzüglich Trost bei der Plattenverkäuferin Gabrielle (Léa Seydoux). Hommage hin oder her, an sich selbst oder an die Vertreter der Kunst. Das Poster enthält wiederum eine Huldigung an van Goghs ‚Starry Night! Hier bedeutet offenbar Hommage, dass man weiß, dass da etwas ist. Für mich eine‘ Hommage vide‘. K.V.
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Mi, 03.02.2016
TV | Ein (un)möglicher Härtefall
Unerträgliche Grausamkeit4 Sterne
Die Coen Brüder haben eine charmant witzige Ehegroteske gemacht. Neben den pfeilschnellen Dialogen, die manchmal schon etwas geschwätzig wirken, geht das alles im Großen und Ganzen in Ordnung. Die ausgelassene Komik reicht vom Klamauk im Gerichtssaal bis zum finalen Kampf mit Colt und Pfefferspray. Besonders gelungen ist der Plot mit den beiden Hauptdarstellern Miles (George Clooney) als Staranwalt und Marilyn (Catherine Zeta Jones) als ‘männerhassende‘ Mitgiftjägerin. Beide stehen ja in der Schönheitsschlange Hollywoods nicht gerade hinten. Und beide sind so gut drauf, dass man es ihnen anmerkt, wieviel Spaß es ihnen macht, sich selber und die ganze Riege der Superanwälte der Reichen zu veralbern. (Von beiden kennt man ja ihr soziales Gewissen.) Jeder der beiden bringt die Ironie, die zwischen und in den Zeilen lagert voll zum Leuchten. Obwohl das Ende von Anfang an klar vorhersehbar ist, tut das dem Ganzen keinen Abbruch, weil sie sich mit Witz und Tempo gegenseitig und nacheinander mehrmals über den Tisch ziehen. Oder wie es in ihrem Fachjargon heißt ‘dem Ehemann den Arsch festzunageln‘. Hinzu kommt ein Score aus Oldie Klassikern, die von Elvis über die Piaf bis zu Simon und Garfunkel reichen (die gleich zweimal!). Ein gelungener Spaß für jeden.
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Mi, 03.02.2016
TV | Zehn Winter
"Danke, lieber Ich"4 Sterne
Ein beachtenswertes Debüt von Valerio Mieli. Es ist ein charmanter Film, der in Zeiten von Fast Food und Fast Sex auf das Gegenteil setzt: Slow Love. Camilla (Isabella Ragonese) und Silvestro (Michele Riondino) kennen sich seit Beginn ihres Studiums. Zehn Jahre braucht es, bis ihre Liebe reif ist, sich zu erfüllen. Sie treffen sich immer wieder, streiten sich, verlieren sich aus den Augen. Aber unter anderem bleiben sie in Kontakt, der E-Mail sei Dank. Silvestro unterschreibt seine erste an sie mit ‘Ich‘ und sie antwortet ‘Lieber Ich‘. Dabei pendeln sie zwischen Venedig und Moskau. Sie verlieben sich auch kurzfristig anderweitig. Camilla bekommt sogar ein Kind vom letztlich ungeliebten Simone. Sie streiten sich und trennen sich auch wieder und wachsen aneinander. Und ihre Liebe kämpft sich quasi Jahr um Jahr an die Oberfläche ihrer Existenz, um dort voll zu erblühen. Ihr Umgang wird phasenweise immer inniger mit einander. Das ist durchaus überzeugend und witzig, ganz dicht am Leben. Männer sind etwas wehleidiger als Frauen. Silvestro will lieber im Moskauer Winter erfrieren, wenn dagegen Camilla die Krise spürt, braucht sie eine neue Frisur. Und selbst wenn sie ihm verärgert entgegenschleudert, dass sie ihn nicht liebt, glaubt man es ihr nicht so recht. Denn Isabella Ragonese, vor der auch hier wieder das ganze Leben liegt, verbirgt schauspielerisch Glut unter der Asche. Und nach der Spiralen Theorie (alles auf Anfang, aber auf einer höheren Ebene) treiben sie es zum Schluss auf dem Bett, in dem sie einst wie Brüderchen und Schwesterchen genächtigt hatten.
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So, 31.01.2016
TV | Die Stunde des Verbrechens
Doppelter Boden4 Sterne
Ein Wahnsinnsfilm! Vollgepackt mit einer diskussionswürdigen Liebesromanze, einem millionenschweren Einbruch und einem Hauch Mystery. Immer wieder kommen Doppelzahlen ins Bild wie z.B. 23:23. Und es gibt unvorhersehbare Wendungen, die einen an allem zweifeln lassen. Zu gut und überzeugend klar ist die anfängliche Lovestory von Sonia (Xenija Alexandrowna Rappoport) und Guido (Filippo Timi). Man kann sich einfach keine andere Option vorstellen. Dazu ist das Spiel der beiden zu intensiv. Und doch. Unerwartet und begleitet von kurzen Einschüben muss man sich immer wieder selbst hinterfragen: ‘Ja ganz genau habe ich das ja nicht gesehen!‘ Vielleicht gehört? Zweifel kommen auf und vergrößern die Spannung. Plötzlich ist auch noch die mopsfidele Arbeitskollegin Margherita (Antonia Truppo) tot, oder? Und der Polizist Dante (Michele Di Mauro) ein ehemaliger Arbeitskollege von Guido nervt Sonia mit seinen Fragen. Auch das dient der Spannung. Dann ein schockierender Aufklärer! Vorübergehen scheint alles wiederum klar zu sein. Aber da ist ja noch der Schluss. Inzwischen hat Guido Sonja durchschaut. Lässt er sie auffliegen? Wenn nicht, warum nicht? Die Spannung bleibt bis zuletzt hoch. Und beim Abspann beginnt das Grübeln. Filmfan was willst du mehr? Diese gelungene Mischung ist genial: es beginnt mit Speed Dating (programmierte Liebe mit Ehrlichkeitssyndrom), dann schiebt sich eine Pistole ins Bild (es wird kriminell) und schließlich biegt der Anflug von symbolhaftem Mystery die Handlungsstange von zwei Enden bis zum Bersten zusammen und hält sie so in der Schwebe. Danke Giuseppe Capotondi.
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So, 31.01.2016
TV | An deiner Schulter
Ärger oberflächlich oder verkehrt?!2 Sterne
Der deutsche Titel klingt wie die ‘Flaschenbotschaft‘ von 1999. Wozu ist eine Schulter schon da? Zum Anlehnen oder Ausheulen. Ersteres tut Denny (Kevin Costner) hauptsächlich, letzteres eher Terry (Joan Allen). Die Verlassene hat vier Töchter, die in ihrer späten Pubertät für ganz schön viel Wirbel sorgen. Denny und Terry hängen beide an der Flasche (‘Trinkkumpane‘). Das vorhersehbare Familiendrama kommt mit manch realistischer Komik daher. Gelegentlich muss Mutter Terry auch mal ein ernstes Wörtchen mit ihren Süßen reden, die sich von ihr ungeliebt fühlen, vom Vater verlassen wurden und von den Jungs nicht gerade hofiert werden. Die ganz unterschiedliche Entwicklung der vier Grazien Andy (Erika Christensen), Emily (Keri Russell), Hadley (Alicia Witt) und Lavender (Evan Rachel Wood) läuft parallel zur Annäherung der beiden ‘Oldies‘. Terry zickt ein bisschen rum, bietet Denny schon mal ganz progressiv einen ‘Fick‘ an, der aber buchstäblich in die Hose geht. Aber Dennys ruhige, bedächtige Art wird letztendlich von Erfolg gekrönt. Und beide bekommen natürlich das Alkoholproblem in den Griff. Zuvor war Headley noch schwanger geworden und musste heiraten, Andy bekommt einen Job und den Produzenten als Zugabe, Emily möchte Tänzerin werden und Lavender verliebt sich in einen Schwulen. Ein durchaus zeitgemäßes Familienbild, das Terrys Verlassenwordensein durch eine Überraschung aufklärt. Das fällt nicht weiter ins Gewicht. Der oberflächliche Ärger ist längst verflogen. Die Probleme auch. Mittelmäßige Unterhaltung, weder gut noch schlecht.
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Fr, 29.01.2016
TV | Ausgelöscht
Vorurteile2 Sterne
Die Handlung ist aus dem Setzkasten Hollywoods. Walter Hill hat mit seiner ganzen Routine einen Reißer runtergekurbelt. Über den Inhalt braucht man kein Wort zu verlieren. Eine Ballerorgie in der die Guten wirklich gut sind. Das ist hier Nick Nolte, der den Haudrauf ja gut und gerne spielt. Der Böse ist Powers Boothe und der ist durch und durch Böse. Einzig die Rolle des CIA ist erwähnenswert, die Jungs sind erst Böse, dann wieder gut und schließlich doch die Bösen. Die Jungs (Clancy Brown, William Forsythe und Thomas Lister junior) haben die coolsten Sprüche drauf, mit denen sie nur so um sich werfen z.B. ‘Hey, solange ich ein Gesicht habe, hat dein Arsch einen Sitzplatz‘. Muss man schon mal drüber nachdenken. Zwischen Gut und Böse steht Sarita (Maria Conchita Alonso). Sie muss nur verzweifelt dreinschauen, denn der eine war ihr früherer Lover und der andere pennt zurzeit mit ihr. Im Grunde sind alle drei miteinander befreundet (gewesen). Die Schießereien sind wie Video Ballerspiele: ein Schuss / Cut / ein Mann fällt zuckend zu Boden, manchmal dreht er noch eine Pirouette. Das vorhersehbare Ende bleibt unausweichlich. Bei mir bleibt da nur die Essenz des Originaltitel: gegen solche Filme habe ich keine Vorurteile. Aber ich pflege sie. Kann man auch drüber nachdenken.
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Do, 28.01.2016
TV | Letters from Iwo Jima
Von der Sinnlosigkeit des Krieges4 Sterne
Clint Eastwood hat einen Kriegsfilm gemacht, der das Geschehen im Pazifik aus japanischer Sicht zeigt. Das ist nicht nur ungewöhnlich, es ist ihm auch grandios gelungen. Auf einer kleinen Insel erwartet das Kaiserreich den Angriff der Amis und legt ein Höhlensystem an, ohne den Strand zu befestigen. Die Geschichte stellt zwei Personen aus ganz unterschiedlichen Lagern in den Mittelpunkt: Gefreiter Saigo (Kazunari Ninomiya), im Zivilberuf Bäcker, als Vertreter des einfachen Volkes und Generalleutnant Kuribayashi (Ken Watanabe) vertritt als Offizier die Elite des Landes. In geschickt eingelegten Retros wird die Vergangenheit aufbereitet. Hier werden besonders die menschlichen, tragischen Facetten erwähnt. Dazu gehört Saigos Einberufung ebenso wie die Vorschichte eines von der Polizeischule gefeuerten und jetzt von den Kameraden als Spion Verdächtigeren. Vor allem die moralische Kraft der Japaner beeindruckt. Da fallen Sätze wie ‘Flucht ist ein Ausweg für Feiglinge‘ oder ein Offizier fragt ‘Bitte mit meinen Männern sterben zu dürfen‘. Es gibt natürlich auch Harakiri, Kamikaze, aber auch Drückeberger. Und ganz persönliche Gespräche zwischen einem verwundeten Gefangenen Ami und einem Japaner. So werden Gemeinsamkeiten deutlich und der Krieg erscheint noch sinnloser. Das Erkennen von Vorurteilen räumt mit den eingedrillten Klischees auf. Der dramaturgische Aufbau ist besonders gelungen. Am Ende überstürzen sich die Ereignisse und Saigo und Kuribayashi treffen sich noch einmal. Der General hatte Saigo zweimal das Leben gerettet, jetzt erweist der ihm die letzte Ehre. Großartiges Kino mit emotionalem Tiefgang. Realistisch, grausam aber auch feinfühlig.
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Mi, 27.01.2016
TV | Meine Heldin
Bis zum Wahnsinn3 Sterne
Der Titel dieser Fallstudie ist ironisch gemeint, denn Cécilia (Debütantin Sophie Guillemin) ist alles andere als seine ‘Heldin‘. Sie ist Martins (Charles Berling) Untergang. Und das Liebesspiel, das wir sehen, ist heftig und handfest. Liebe machen heißt bei den beiden Gewaltsex oder umgangsprachlich Rammeln bis der Arzt kommt. Der Originaltitel geht mehr in die Richtung ‘Langeweile‘. Neben den handfesten Matratzeneinlagen von Martin, einem Philosophieprof mittleren Alters und der 17 jährigen Cécilia spielt die Langeweile eine wichtige Rolle. Martin befürchtet Cécilia zu verlieren, stößt sie aber gleichzeitig von sich weg und trabt ihr dennoch immer wieder hinterher. Den Wahnsinn treibt er auf die Spitze, inklusive Demütigungen und Schläge. Er ist in seiner obsessiven Abhängigkeit gefangen, die immer mehr krankhafte Züge annimmt. Cécilia dagegen bleibt cool und beantwortet sachlich ruhig seine Fragen, wenn sie sich treffen. Martin versucht Qualität durch Quantität zu ersetzen. Seine Potenz scheint bodenlos zu sein. Wie bei den Tauben, die Hemingway darum beneidet hat. Cécilia fängt auch was mit einem anderen Mann an. Man ahnt ein böses Ende. Hier lässt sich Regisseur Kahn noch einen kleinen Gag einfallen. Martin holt sich eine blonde Nutte ins Auto und baut einen Unfall. Kurz bevor es knallt fängt die Kamera noch ganz ganz kurz ihr Gesicht ein. Für mich ein Blick aus den Augen des Wahnsinnigen Philosophieprofs… Die moralische Hilfestellung, die Martin von seiner Freundin Sophie (Arielle Dombasle) erhält, bleibt wirkungslos. Er ist einfach krank, der Arme. Psychiater reden hier von ‘Satyriasis‘.
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Mi, 27.01.2016
TV | Gefühl und Verführung
Stealing virginity2 Sterne
Die traumhaft schöne Kulisse der Toscana liefert wunderschöne Bilder und das Promi Ensemble macht neugierig. Thematisch hat hier Bertolucci nicht gerade Neuland betreten. Lucy (Liv Tyler) kommt mit zwei Anliegen hierher. Sie sucht ihren Vater und will endlich ihre Unschuld verlieren. Als mögliche Väter kommen mehrere in Frage: u.a. der Maler und Bildhauer Ian (Donal McCann) oder der totkranke Alex (Jeremy Irons). Die Jungs, die für den zweiten Job in Frage kämen sind zwar stinkreich aber strohdumm und oberflächlich. Allen scheinen die Hoden am Gehirn angewachsen zu sein. Einziges Gesellschaftsspiel ist ‘ Cherchez la femme‘. Es ist ein Ort wie im Himmel, doch die meisten Personen sollten eher in der Hölle angesiedelt werden. Hierher gehört vor allem das durchgeknallte Pärchen Miranda (Rachel Weisz) und Richard (T.W.Moffett). Sie stehen wohl symbolisch für zwei, die sich das Leben unnötig schwer machen. Sie sind nicht verheiratet und der gewalttätige Sex befriedigt eigentlich keinen der beiden. Die Gastgeber Diana (Sinéad Cusack) und Ian lassen nostalgische Gefühle aufkommen. (Deutscher Titel!) Als es endlich bei Lucy klappt (unter einer malerischen Eiche) sind alle erleichtert. Was den Titel angeht, so wird hier keine Schönheit gestohlen sondern die Jungfräulichkeit. Es herrscht eine gepfegte, libertinäre Langeweile mit kleinen Ausrutschern. Die guten Darsteller und die schöne Landschaft überdecken die bewusst angelegte Hohlheit dieses Dolcefarniente.
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Di, 26.01.2016
TV | Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen
Schmuddelkinder4 Sterne
In diese Sittengroteske hat Ettore Scola alles hineingepackt, was für eine zivilisierte Gesellschaft moralisch und juristisch verwerflich ist. Und das fasst der Titel in drei Punkten zusammen. Ein Proll Clan, der buchstäblich am Rande der Gesellschaftin einer armseligen Hütte haust, ist sowohl äußerlich als auch innherlich alles andere als sauber, schön oder gut. Im Mittelpunkt steht Giacinto (Nino Manfredi), der den Film in seiner ganzen unappetitlichen Widerwärtigkeit trägt. Den Jungs sind die Hoden am Hirn angewachsen, die Mädels versuchen sich mit Schritt und Titten durchzuschlagen (sogar beim Haarewaschen wird eine Transe aktiv). Vater und Sohn, Brüder und Schwestern prügeln auf einander ein, sie klauen was das Zeug hält, saufen und fressen wie die Schweine. Giacinto nächtigt mit Mama und der Hure Iside (Maria Luisa Santella, der größte Busen der Filmgeschichte) gleichzeitig. Er soll vergiftet werden, verkauft seine Hütte, fackelt sie ab etc. etc. Die heftigen Turbulenzen verschlagen einem den Atem. Man traut seinen Augen kaum und entdeckt im Verlauf des Films den Charme dieser versauten Chaotentruppe. Das liegt größtenteils an der Situationskomik und dem authentischen Ambiente. Man sieht hier, Armut kann so schön sein (stille, kommentarlose Kamerafahrten), Liebevolle Details wie z.B dass der Kinderaufbewahrungsort ein Käfig ist oder dass im Taufbecken ein Papierbötchen schwimmt runden dass Spektakel ab. Selten war ein Titel so zutreffend wie hier.Seife und Schwamm nicht vergessen!

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