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Sa, 16.01.2016
TV | Auge um Auge
Noch ein Schweigen4 Sterne
Ein ungewöhnlich anderer Rachefilm mit einer typisch weiblichen Lösung. Auch die Erzählweise ist ungewöhnlich. Der Film beginnt mit einem Schocker. Das wird durch nachdenkliche, ruhige Passagen vertieft und so wird Spannung aufgebaut, weil man nur ahnen kann, was passiert ist: eine nette Familie, Vater ist Anwalt, Mutter Polizistin. Cut. Zwei Autos halten neben einander, aus einem wird eine Maschinengewehrsalve in das andere abgegeben. Das Ganze findet völlig unpersönlich statt und wird aus großer Entfernung gezeigt. Gespräche und der unsagbar traurige Gesichtsausdruck der Hauptdarstellerin Marie-Josée Croze lassen im Folgenden ahnen, wen es hier erwischt hat. Marie begibt sich auf die Fährte des Mörders Pablito (Ignacio Rogers). Dabei geht die Polizistin keineswegs zimperlich vor. Bis hier hin trifft auch noch der deutsche Titel zu. Aber mit der Lösung, als Marie Pablito endlich gegenübersteht, hat das alles nichts mehr zu tun. Höchstens mit der christlichen Lehre und dem Schlag auf die rechte Wange…Das kommt schon eher hin. Während Marie in die Wüste geht, hat man Zeit die Essenz von Maries Unternehmen nochmals revue-passieren zu lassen. Zuvor hatte sie die ärmlichen Verhältnisse gesehen, die ahnungslose Frau und Mutter eines Babys getroffen, vielleicht auch etwas von der schlichten Einfalt mitbekommen und erkannt, dass der Täter nur ein Opfer ist, das sie um Verzeihung bittet. Das ist christlich korrekt, jenseits von Schuld und Sühne. Maries Verhalten ist - wie es der Originaltitel andeutet - noch ein Schweigen. Und das ist nach Shakespeare ‘der Rest‘.
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Sa, 16.01.2016
TV | Mary - Queen of Scots
Die ewige Königin2 Sterne
Die Geschichte der Maria Stuart hat die Menschen immer wieder beschäftigt. Die Literatur und der Film haben ihr Darstellungen gewidmet, denn das traurige Schicksal der schottischen Königin ging ihnen wohl ans Herz. Manche haben sich ausführlich auf historische Fakten gestützt, andere haben das Frauenduell Maria - Elisabeth in den Mittelpunkt gestellt, wieder andere das Schicksal einer Herrscherin im 16. Jht. Thomas Imbach nahm Stephan Zweig als Vorlage und hat somit allen Kritikern an historischer Akkuratesse den Wind aus den Segeln genommen. Stattdessen kann er sich relativ frei an den Fakten entlang manövrieren und fiktive Dialoge durch Puppen vortragen lassen. Sein Plot liegt zeitliche weit vor dem dramatischen Zusammentreffen der beiden Cousinen und ist in Briefform gehalten. Maria schreibt an Elisabeth. Der dialoglastige Film bleibt karg und minimalistisch. Nur die schauspielerische Leistung von Camille Rutherford in der Titelrolle überbrückt die sich auftuenden Abgründe durch Lücken in der linearen Erzählweise oder der Handlungsarmut. Die fliegende Kamera, die immer wieder Steinwüsten und leere Küstenbereiche ablichtet tut ein Übriges, um die Distanz zum Zuschauer zu wahren. Hinzu kommen überraschende Bilder von Maria urplötzlich auf dem Richtblock, ihre blutigen Finger im Bett oder eine Krone, die nicht abzusetzen ist. Die beiden Ehemänner Bothwell (Sean Biggerstaff) und Darnley (Aneurin Barnard) bleiben wie das gesamte Umfeld eher blass. Wenn man mit dem Stoff vertraut ist, bleibt man mit Interesse dran. Für normale Sehgewohnheiten etwas gewöhnungsbedürftig. Der sperrig aufbereitete Stoff macht den Zugang nicht einfach.
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Mi, 13.01.2016
TV | Le Magnifique
Der Größte4 Sterne
Das ist die gelungene Antwort Frankreichs auf 007. Bereits die ersten Töne verweisen mit der Marseillaise auf ‘Frankreisch’. Und zwei glänzend aufgelegte Hauptdarsteller Belmondo und Bisset vertreten die europäischen Farben aufs Beste. Natürlich lehnt sich die Handlung in ihren literarischen Auswüchsen haarscharf am Ian Fleming an. Bond Fans können die häufigen Wiedererkennungsmöglichkeiten genießen egal ob schwarz gekleidete Taucher an Land gehen oder herrliche Stunts das Auge erfreuen. Doch der Clou ist hier natürlich, dass sich der Superstar selbst auf den Arm nimmt. Und seine Partnerin macht da kongenial mit. Belmondo in einer Doppelrolle – auch optisch anfänglich völlig unterschiedlich. Und auch die anderen Figuren treten sowohl im realen Leben auf als auch im Roman von Merlin, wie Belmondo als armer Krimischriftsteller heißt. So kann er sich an unangenehmen Zeitgenossen rächen. (Verleger, Polizist etc.) Das Verwirrspiel ist ein Heidenspaß. Man hat das Gefühl, dass Belmondo in unbeobachteten Augenblicken über seine Gags selber lachen muss, wenn er z.B. kein ‘R‘ sprechen muss, weil Merlins alte Schreibmaschine bei diesem Buchstaben klemmt. So spricht er von ‘Hubschaube‘ und sie nennt ihn einen ‘Asch‘. Bei seinem Vorsatz keinen billigen Schund mehr zu schreiben laufen die Bilder rückwärts. Und wenn dann noch Händels Halleluja ertönt, ist der Bock fett. Da hat sich Regisseur de Broca zusammen mit seinem Freund Rappeneau viele tolle Gags einfallen lassen. Die doppelte Doppelbödigkeit macht die Gaudi und auch den Charme aus. Gekonnt.
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Mi, 13.01.2016
TV | Liberal Arts
Die freien Künste2 Sterne
Einer der gefühlten tausend Collegefilme ‘Boy meets Girl’. Offenbar gibt es in Puncto Liebe nichts Neues. Das beweist dieser Film von Josh Radnor, der auch noch gleich die Hauptrolle übernommen hat. Die Dialoge haben College-Niveau – wenn nicht gerade die Studentin Zibby (Elizabeth Olsen) dem Prof Jesse (Josh Radnor) ihre Jungfräulichkeit anbietet. Dazu viel klassische Musik von Bach und Beethoven. Ganz außergewöhnlich soll wohl die schriftliche Kommunikation der beiden sein mit Füller, Tinte und Papier. Wenn es eine leichte und luftige, jugendliche Komödie sein soll, geht das mit der luftigen Leichtigkeit in Ordnung. Die Oldies kommen hier schlechter weg, bringen aber immerhin etwas Tiefgang. Jesses Freund (Richard Jenkins), der Prof im Ruhestand will wieder zurück und Professorin Fairfield (Allison Janney) bringt das saucool in Ordnung, was Zibby nicht geschafft hat. Bei der Zigarette danach meint sie zu Jesse ‘Leg dir einen Panzer zu für dein gefühlsduseliges Herz‘. Und dann, als der Film eigentlich zu Ende ist, verliebt sich Jesse noch nachhaltig in die Buchhändlerin Ana (Elizabeth Reaser). Na ja, das Leben geht weiter. Uns hat der Film nicht gerade weitergebracht. K.V.
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Di, 12.01.2016
Kino | Ewige Jugend
Der Hummelflug4 Sterne
Der Titel kommt denen entgegen, die dem heutigen Jugendwahn huldigen. Der Inhalt des Films kommt sehr philosophisch daher mit Ausflügen ins Surrealistische und landet am Ende mit einer einfachen Feststellung: Die ewige Jugend gibt es nur in der Erinnerung. Aber bis es soweit ist wird sehr komplex erzählt, was sich in einem Luxussanatorium in der Schweiz abspielt oder auch nicht abspielt. Es wird nicht gradlinig erzählt, sondern der Handlungsverlauf ähnelt eher dem Flug einer Hummel, die zwar ein Ziel verfolgt aber immer wieder mal hier mal da Station macht. Mal eine Blume Vater-Tochter besucht (Michael Caine, Rachel Weisz) mal eine uralte Männerfreundschaft aufnimmt (Michael Caine + Harvey Keitel), dann wieder einen Konzertauftrag der Queen beantragt oder einfach eine Moorpackung mit Aussprache heimsucht. Dazwischen gibt es lange Gespräche über Film und Musik. Und ein ganz Superfetter soll Diego Maradonna sein. Und natürlich wird man optisch dem Titel gerecht, indem man Miss Universum vorführt (Madalina Diana Ghenea). Überraschenderweise ist sie nicht nur wunderschön… Die beiden Protagonisten Caine und Keitel tragen den Film und nehmen ihm seine offenkundigen Längen. Da werden auch schon mal Altherren Probleme bezüglich der Prostata erörtert. Die beiden machen aus einem kurzen Dialog eine Fundgrube von Emotionen, bringen karge Satzfetzen zum Leuchten -‘Wie geht’s?‘ – ‘Es geht, aber ich weiß nicht wohin:‘ Ein Highlight ist der niederschmetternde Dialog zwischen Harvey und Jane Fonda. Daraus zieht er die Konsequenzen d.h. die persönliche Notbremse. Nach all den wunderschönen Landschaftaufnahmen beschließt ein versöhnliches Konzert den Film und lässt den Zuschauer nachdenklich zurück.
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Mo, 11.01.2016
Kino | Das Brandneue Testament
Der böse Gott4 Sterne
Gott existiert und lebt mit Frau und Tochter in Brüssel. Das ist der Ausgangspunkt für diese Groteske. Die Komik kommt von der Tatsache, dass hier alles ins Gegenteil verkehrt wird. Alles entwickelt sich anders als erwartet. Hier ist Gott (Benoit Poelvoorde) nicht ein Liebender sondern ein Hassender. Er säuft, randaliert und tyrannisiert seine Familie. Tochter Éa (Pili Groyne), die die ganze Geschichte erzählt, hält es zu Hause nicht aus und haut ab, nicht ohne vorher Gottes PC zu manipulieren. Sie begibt sich auf die Suche nach weiteren Aposteln (optische Ergänzungen zu Da Vincis Abendmahl). Viele nette Ideen – vor allem die vom cholerischen Gott – bieten amüsante Unterhaltung. Der Knaller ist natürlich Catherine Deneuve im Bett mit einem Riesengorilla. Daneben kommen aber auch schon mal zartfühlende Elemente zum Tragen, wenn die kleine Éa in die Menschen hineinhört. Außer der inneren Klassik bietet der Score sehr abwechslungsreiche Songs von Jacque Brel bis Adamo. Ein Pluspunkt dieses Films ist die Tatsache, dass er grenzenlose Überraschungen enthält, aber stets bei aller Absurdität mit einem Bein am Boden bleibt, Bibel her oder hin. Und das konsequent durchhält. Und am Ende wird sogar noch einer draufgesetzt, wenn Frau Gott (unglaublich Yolande Moreau) nicht nur den Stecker von Gotts PC zieht, weil sie staubsaugen muss, sondern auch noch alles neu und besser macht, als es unter ihrem Mann dem gemeingefährlichen Loser war. Ein intelligenter Spaß keineswegs für bibeltreue Christen, aber vielleicht für einen Auslands Oscar.
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So, 10.01.2016
TV | Eine Frage der Ehre
Killer Krimi2 Sterne
Nachdem man sich wegen des abgegriffenen Titels an Rob Reiner und Rosamunde Pilcher vorbeigegoogelt hat, findet man auch diesen sonderbaren Film. Voller Folklore aus Sardinien dazu Situationskomik aus der Region und eine Liebesgeschichte, in der es Ohrfeigen und Prügel hagelt. Gleich zu Beginn gibt es Kopfstoßen in der Saline und die melodiösen Gesänge der männlichen Dorfbewohner. Die beiden Hauptdarsteller Ugo Tognazzi als Efisio und Nicoletta Macchiavelli als Domenicangela wirken authentisch neben dem dritten Hauptdarsteller: der sardonischen Landschaft. Fast der ganze Film schildert die Eheanbahnung der beiden Liebenden mit landesüblichen Aktionen wie dem Klauen von Schafen und den wachsamen Brüdern der Braut. Wir sehen Hochzeitsriten mit Hoppeltänzen in landesüblicher Tracht. (Fast ein mediterraner Komödienstadel!) Plötzlich ist Schluss mit lustig. Es geschehen zwei Morde auf offener Straße. Die Täter bleiben unerkannt, die Gerüchteküche brodelt. Wir ahnen eine Familienfehde. Es wird von Efisio und Domenicangela mit der alten Mutter, den Carabinieri und den übrigen Dorfbewohnern Schindluder getrieben u.a. mit einer lautstarken Akusto-Show. Der Grundton bleibt aber heiter mit einem kaum wahrnehmbaren Hauch von Melodramatik. Als sich beide dann doch über die Frage in die Haare kriegen, was schlimmer sei: er als Gehörnter oder sie als Hure dazustehen, wird Efision zum Gattenmörder und wandert in den Knast. Emotionslos! Für den Tourismus auf der Insel gab der Film dann doch zu wenig her und die Morde bewirken höchstens Kopfschütteln. Für Spannung ist hier überhaupt kein Platz mehr. Niemand fühlt sich hier irgendwo richtig zu Hause. Sonderbar.
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Sa, 09.01.2016
TV | Morning Glory
Frühstücksfernsehen4 Sterne
Eine äußerst lebhafte Komödie aus der Welt der Fernsehmacher. In diesem Dschungel geht es hektisch und stressig zu. Jeder muss seine Position mit Hauen und Klauen verteidigen und notfalls über Leichen gehen. Die meisten reagieren wie mit Teflon behaftet (‘Sie sind gefeuert‘. Antwort ‘Sie sind bezaubernd!‘). Aus dem Promi Ensemble ragen vor allem Becky (Rachel McAdams) und Mike (Harrison Ford) heraus. Die junge Produzentin, die gerade gefeuert worden ist, sucht noch ihre Stellung innerhalb der TV Welt. Sie ist übereifrig, ehrgeizig und scheint nur für den neuen Job zu leben. Er ist ein alter Hase im Geschäft, der sich seiner Verdienste voll bewusst ist. Selten haben wir Harrison Ford so grantig, so grimmig und so abweisend erlebt. Er ist das Ekel vom Dienst. Am Ende zeigt er – aber nur ganz kurz - sogar echte Gefühle und öffnet sich seiner jungen Gegenspielerin. Sonst läuft da nichts zwischen ihnen, die Vater und Tochter sein könnten. In Punkto Liebe versucht es Adam (Patrick Wilson) mit ihr und sie vermasselt es, die alte Quasselstrippe. Aber die Sendung ‘Daybreak‘ vom Frühstücksfernsehen bringt sie auf steigende Quoten. Neben Mike profiliert sich noch seine Kollegin Colleen (Diane Keaton). Ihr Schlagabtausch mit Mike vor und hinter der Kamera ist ein Highlight des Films. Es ist witzig, geistreich und gekonnt verletzend. ‘Mike ist der drittschlimmste Mensch der Welt nach Kim Jong Il und Angela Landsbury‘. Ganz anders agiert Jeff Goldblum. Er ist der coole, ruhende Pol in diesem Tollhaus. Bevor Mike und Becky an die weitere Arbeit gehen, landet er noch einen Coup als Supermoderator und Becky lehnt eine Beförderung zu einem größeren Sender ab. Daybreak ist ihre Familie. Durchaus realistisch. Alle Figuren sind subtil ausgearbeitete Charaktere, die voll rüberkommen. Eine Fernsehkomödie mit Pfiff.

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