Sa, 09.01.2016TV | Adios GringoFifty FiftyEs gibt Filme wie dieser Spaghetti Western hier, die bringen nichts Neues und trotzdem fühlt man sich gut unterhalten. Der Held Brent (Giuliano Gemma) rettet Lucy (Ida Galli) und legt sich mit dem reichsten Ranger der Gegend (Pierre Cressoy) an. Und dessen Sohn (Massimo Righi) dieses missratene Früchtchen hat eine Postkutsche überfallen. Es kommt eine Handlung in Gang aus Missverständnissen und Misstrauen gegen Wahrheit und Ehrlichkeit. Kurzum Gut gegen Böse. Brents Weg pflastern ebenso viele Leichen wie er Kinnhaken verteilt. Nach einem doppelten Finale stehen neben Brent noch der finanzschwache Sheriff Slaugher (Jesus Puente), Dr. Barfield (Roberto Camardiel) und damit das Ganze auch legal ist ein Friedensrichter. Zuvor ging es munter hin und her, optionale Lynchjustiz und gekaufte Volksmeinung wechseln einander ab. Vom Anfang und vom Ende bleibt nur der erinnerungswürdige Lacher des Gil Clawson (Nello Pazzafini) hängen. Er ist nur einer der Bösewichter die Brent im Wege stehen und ins Gras beißen müssen. Die einzige Frauenrolle hat Lucy inne. Ihre Frisur ist stets wohl gestylt (‘3 Uhr, das Haar sitzt‘) und ihr Make-up ist wie frisch aus dem Beauty Saloon, egal ob sie durch die Wüste flieht oder Brent hilft einen Ganoven zu erschießen. Ihr Habitus ähnelt dem eines Spazierstocks und ihr regloser Gesichtsausdruck scheint von einer Lähmung befallen zu sein.
Zum Schluss darf der Zuschauer nochmals schmunzeln. Das Pärchen fährt davon und Doc Barfield ruft ihnen den Filmtitel nach, was der Sheriff ergänzt mit ‘Adios schöne Belohnung‘. Na ja!? Massenware vom Fließband. | |
Do, 07.01.2016TV | Cromwell - Der UnerbittlicheEngland wird RepublikFür alle historisch Interessierten, die Kostüme mögen und sich längeren Dialogen nicht verschließen, ist der konventionell gemachte Film von 1970 ein Hochgenuss. Farbenprächtige Schlachten und eine opulente Ausstattung beeindrucken. Und Richard Harris in der Titelrolle garantiert Theatralik und gigantische menschliche Dimensionen in der Seele eines Einzelnen.
Es geht um wirklich große historische Ereignisse, einmalig in der englischen Geschichte: die Hinrichtung Charles I. (Alec Guinness) durch Parlamentsbeschluss und einen der wenigen Bürgerkriege auf der Insel.
Der Vergleich mit Frankreich steht im Raum, wo nach dem Sieg im Hundertjährigen Krieg (1337-1453) der Weg direkt in den Absolutismus führte, weil er ja als ein Erfolg des Königs galt. In England hingegen nach der Niederlage lag die Macht beim Parlament. Da befinden wir uns jetzt im Jahre 1649.
Neben den außenpolitischen Aktivitäten wie der Suche des Königs nach Verbündeten im Ausland, was zum Vorwurf des Hochverrats führte, sieht man auch etwas von den Familien der beiden Kontrahenten. Auch Rechtsfragen werden erörtert. Die meisten Figuren bestechen durch eine tiefgründige Charakterzeichnung. Vor allem die beiden Protagonisten sind hier zu nennen: Charles als unsicherer aber arroganter König, der die Zeichen der Zeit nicht erkennt und Cromwell als Demokrat, der in seinem Inneren die Kämpfe nach einer gerechten Ordnung ausfechten muss und nicht der Versuchung der Macht erliegen darf. Er wird vorübergehen England zur Republik machen. Er will die Bevölkerung ‘befragen‘ und ihr nicht nur ‘befehlen‘. Die geschliffenen Dialoge enthalten Sätze wie ‘Wenn Männer mit Worten nicht weiterkommen, greifen sie zum Schwert‘ aber auch solche wie ‘Die Armee ist das Herz des Volkes‘. Cromwell sieht es eher als persönlichen Konflikt und will den Kopf des Königs, obwohl für ihn ein England ohne König undenkbar wäre. ‘Der König ist nicht England und England ist nicht der König‘: Nach Cromwells Tod wird Charles II. König von England. Eine anschauliche und niveauvolle Geschichtsstunde dramaturgisch gut umgesetzt und glänzend besetzt. | |
Do, 07.01.2016TV | Peggy Sue hat geheiratetOhnmacht & RückkehrWenn man den Namen hört, fällt einem gleich der Song von Buddy Holly ein. Die Idee dieser Sozialkomödie, die einen Touch Fantasy und ebenso viel Nostalgie enthält, ist es, in die Vergangenheit zurückzukehren mit dem Wissen von heute, eine Reise durch die Zeit. Und kann man dann aus Erfahrungen lernen? Ersteres gelingt Peggy Sue (Kathleen Turner) mittels einer Ohnmacht. Ob letzteres von Erfolg gekrönt ist, beantwortet das Ende des Films. Aber das ist alles nicht so wichtig bei diesem emotionalen ‘Comfeely‘. Auf die Stimmung der 60 Jahre kommt es an. Musik, Outfit, Ambiente und Frisuren sind passgenau und ausdrucksstark, vor allem die von Ex- und Neu-Lover Charlie (Nicolas Cage), der hier in einer seiner Paraderollen glänzt und einmal mehr beweisen kann, was schauspielerisch in ihm steckt. Seine ‘Flamme‘ scheint in manchen Einstellungen etwas zu alt zu sein für die Rolle. Das Drehbuch bietet jede Menge Schmunzler, wenn zukünftige Geräte vorhergesagt werden, die inzwischen zu unserem Alltag gehören oder Fachausdrücke von damals verwendet werden wie ‘Kommunisten Beatnik‘. Und wenn Peggy Sue ein Lied schreibt, klingt das wie eine Komposition der Beatles. Ansonsten führt uns Regisseur Coppola sein Amerika vor mit vielen ironischen Untertönen. Und stilsicher läuft alles auf Herz-Schmerz hinaus und ein Ende mit viel Puderzucker. Einfach nur ein Spaß. | |
Mi, 06.01.2016TV | Die schwarze TulpeZwillingsbrüderEiner der vielen Mantel und Degenfilme aus den frühen 60er Jahren. Der Vergleich mit ‘Cartouche‘ drängt sich förmlich auf, obwohl er ihm nicht das Wasser reichen kann. Inhaltliche Nähe vom revolutionären Frankreich bleibt denn auch der einzige Berührungspunkt. Regisseur Jaque wollt wohl den Erfolg von ‘Fanfan‘ fortsetzen, was ihm aber keineswegs gelungen ist.
Von Alain Delon in der Titelrolle gleich zweimal ist es einer der schwächeren Filme. Was Cartouche an Tempo und Eleganz brachte, liegt hier im geheimnisvollen Dunkel mit langen Dialogen. Viele Actionszenen ähneln in ihrer Erkennbarkeit den berühmten Schwarzafrikanern im Tunnel bei Nacht. Bei Cartouche gab es auch noch eine Botschaft, hier ist es reine Verwechslungs- und Verkuppelungskomik mit Happy End. Die Charaktere sind kaum ausgeprägt. Außer dass der eine Zwillingsbruder Guillaume ein egoistischer Frauenheld ist und der andere, Julien; eine etwas edlere Ausführung, der aber langsam in die Rolle des Bruders hineinwächst. Von den Mädels kann weder die adlige Marquise (Dawn Addams), die auf notgeile Ehefrau machen muss überzeugen noch die handfest mitkämpfende Caro (Virna Lisi). Ihre Fechtkunst erinnert eher an einen Bär, der auf glühenden Kohlen tanzt. Dafür bekommt sie aber nach dem etwas unübersichtlichen Finale in einem Holzlager einen der Delon-Brüder. Mit dem Blauäugigen tanzt sie dann ins Glück….Mit ihm ist sie dann ‘in tiefster Leidenschaft vereint‘ (Sagen die schwarzen Tulpen.)
Alexandre Dumas drehte sich wohl im Grabe rum, wenn er mitansehen musste, was aus seinem Roman gemacht worden ist. Ohne Witz, ohne Tempo und ohne tieferen Sinn. | |
So, 03.01.2016TV | CabaretDas Leben ist ein CabaretDer Film von Bob Fosse ist nicht nur etwas für Fans des klassischen Varietés der 30er Jahre, obwohl die Bühnenauftritte schon mit ihrer flotten Darbietung beeindrucken, es ist ein subtil detailliertes Sittengemälde der damaligen Zeit geworden. Es geht um Liebe und Musik (z.B. der ‘Money Song‘). Als Hintergrund – und das ist das großartige an diesem Film – wird ein Blick auf den aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland geworfen. Um den ‘Flotten Dreier‘ von Liza Minnelli (Sally), Michael York (Brian) und Max (Helmut Griem) entsteht ein gesellschaftliches Kaleidoskop. Hier werden – wie damals üblich - Juden diskriminiert und allgemein vertretene Meinungen wiedergegeben ‘Die Nazis werden uns vor den Kommunisten retten‘. Dann ist da noch die Nebenrolle von Fritz Wendel (Fritz Wepper) zu erwähnen, der mit seiner jüdischen Herkunft Probleme hat, weil er die Jüdin Natalia (Marisa Berenson) heiraten will. Die politische Lage bildet aber nur den Hintergrund. Ebenso wie der Englischunterricht, der bis hin zu netten Slapstick Einlagen reicht, wenn es um die Bedeutung der Wörter ‘screwing‘ oder ‘fornification‘ geht. Von ganz anderer Machart ist die bajuwarische Biergartengemütlichkeit, von der das Deutschlandbild prägt wird.
Gelungene Schnitte bilden glatte Übergänge und drücken mitunter aufs Tempo.
Trotz Schwangerschaft, Abtreibung und Abschied kommt nur ganz kurz eine gewisse Melodramatik auf. Der Zuschauer flattert mit auf und davon, wenn Sally das letzte Wort hat mit ihrem Song ‘Life’s a cabaret‘. Es ist der berühmt berüchtigte Tanz auf dem Vulkan, der diesen Klassiker so außergewöhnlich macht. | |
Sa, 02.01.2016TV | The Grey - Unter WölfenLiam Neeson und die WölfeWir kennen diese Überlebenskampffilme, die nach dem ‘Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip‘ funktionieren. Erst sind da noch mehrere Leidensgenossen, am Ende nur wenige oder wie hier einer. Einziger Unterschied ist das Ambiente. Mal spielen sie in der Wüste, mal im Dschungel, mal wie hier in einer Eiswüste. Der ganze Film ist auf John (Liam Neeson) zugeschnitten. Er ist der Allrounder, der Allesversteher, der Alleskönner, kurzum der geborene Leader schlechthin. Ein Superstar unter mehr oder weniger lauter No-Names. Er führt die Überlebenden, die sich aus Exknackis, Rumtreibern und allgemeinen Kotzbrocken rekrutieren, gegen ein Rudel Riesenwölfe. Leider sieht man denen an, dass sie aus Pappmaschee sind. Regisseur Carnahan ist eben nicht J.J. Annaud.
Aber er ist bemüht außer den beeindruckenden Naturaufnahmen (Es friert einen nach einiger Zeit des Zuschauens wirklich) sowohl allgemein menschliche Probleme wie Angst, Mut und Männlichkeit in dieser Situation anzusprechen. Auch die Prädestination kommt mal zur Sprache. Durch zwei Retros (Joe toter Frau und seinem Vater) geht es auf der emotionalen Schiene weiter bis zum Schluss, als Joe ein Gedicht seines Vaters (‘Lebe und sterbe heute Nacht‘) zitiert Aug in Auge mit den Riesenwölfen. Was aus ihm genau wurde, kann man sich nur denken, Sehen tut man es nicht.
Gute Optik, Strapazen bis zum Abwinken. Da darf daheim die Heizung nicht ausfallen. | |
Fr, 01.01.2016TV | Cartouche, der BanditVenus oder Isabelle?Eine turbulente Gaunerkomödie aus dem vorrevolutionären Frankreich. Hier macht Dominique genannt Cartouche auf Robin Hood. Jean Paul Belmondo in einer seiner Paraderollen: umwerfend schnell, überaus galant und Behörden und Adel ein Dorn im Auge. Die werden als arrogante Witzfiguren präsentiert. Hier beeindruckt die Choreographie der Massenszenen und die Schlägereien erreichen fast die Qualität von Hill und Spencer. Als Sergeant beeindruckt Noel Roquevert mit einer Dämlichkeit, die nicht mehr zu überbieten ist.
Cartouche der Frauenheld erobert Venus (Claudia Cardinale), eine ihm durchaus ebenbürtige Diebin. Aber ihre Liebe genügt ihm nicht. Die adlige Isabelle (Odile Versois) lässt ihn am ausgestreckten Arm verhungern. Ihr Rumgezicke nach dem Motto ‘Nicht doch – doch – doch‘ turnt Cartouche an und wird sein Verderben. Bemerkenswert ist vor allem der Schluss. Venus befreit Cartouche und bezahlt dafür. Nach aller Leichtfüßigkeit kommt ein melodramatisches Ende mit einem pompösen Bestattungsritual. Das kommt so kurz und schmerzlos, dass man es erst begreift, nachdem alles vorüber ist und der Abspann läuft.
So bleiben nur die beschwingt flotten Passagen von der ganzen Gaudi in der Erinnerung haften. Entspannend. | |
Mi, 30.12.2015TV | Mord im PfarrhausGrace killtNiall Johnson hat versucht eine rabenschwarze makabre Komödie zu machen. Er hat sich dazu vier Superstars geholt und das Setting ins Dörfchen Little Wallop gelegt. Hier kämpft Pfarrer Goodfellow (Rowan Atkinson) mit den Tücken der Predigt sowie lästigen Gemeindemitgliedern (Liz Smith), seine Frau Gloria (Kristin Scott Thomas) ist so frustriert und ausgehungert, dass sie es mit dem Golflehrer Lance (Patrick Swayze) treibt. Die nymphomanische Tochter Holly (Tamsin Egerton) ist kaum zu bremsen, der Sohn Petey (Toby Parkes) wird von seinen Klassenkameraden gemoppt und verprügelt. Da taucht Haushälterin Grace (Maggie Smith) auf. Sie bringt alles ins rechte Lot und hat für alles und jeden eine Lösung parat. Man ahnt, wie sie das macht. Später weiß man es eingedenk der Anfangsszenen. Da fließt Blut aus ihrem Reisekoffer.
Die englische Karte wird voll gespielt (z.B. wird immer wieder Tee angeboten). Leider ist die lustige Parallele zwischen Goodfellows Rede ‘Über die Wege Gottes‘, in der er sagt ‘Wir brauche vor allem Gnade‘ und dem Vornamen der Haushälterin Grace im Deutschen nicht nachvollziehbar. Dabei ist sie die ganze Zeit voll in Aktion. Und Grace hat noch eine faustdicke Überraschung in Petto.
Das ist alles ganz nett. Es bleiben die drei Mädels, die Bescheid wissen. Als Mutter und Tochter mittels Handy unterm Bett geortet werden, wird es albern und die letzten zusätzlichen Leichen im Dorfteich sind als Abgang auch nicht der Bringer. Es reicht letztendlich aber nicht an Peter Greenaways ‘Verschwörung der Frauen‘ heran, in der eine ähnliche Problematik verarbeitet wird.
Irgendwie schon lustig, aber mau. An den Darstellern liegt es nicht. | |
Di, 29.12.2015Kino | Mr. HolmesSein letzter ungelöster FallWürde man versuchen die Geschichte linear nachzuerzählen, so täte ihr das einen ganz schönen Abbruch und außerdem den Charme des Aufdröselns der Handlung eliminieren, den man hat, wenn man sich den Film anschaut.
Es werden mehrere Zeitebenen und Handlungsstränge miteinander intelligent verknüpft. Das verwirrt zwar, macht aber andererseits die Arbeitsweise der Titelfigur deutlich. Hier beherrscht Sir Ian McKellen die Szene. Sein faltenreiches Gesicht ist omnipräsent. Mal als klappriger vom Alter gezeichneter Detektiv, mal als forsch ausschreitender Beobachter, der seinen letzten Fall noch lösen muss. Indizien häufen sich. Eine geheimnisvolle Frau Kelmot (Hattie Morahan), ein Handschuh, eine Biene, ein Fläschchen mit Gift…
Zurzeit lebt der alte Holmes mit Haushälterin Mrs. Munroe (Laura Linney) und Sohn Roger (Milo Parker). Mutter Munroe ist ungebildet, ihr Sohn blitzgescheit.
Weil Holmes an Alzheimer leidet reist er nach Japan, um dort von Umezaki, einem Bewunderer, einen Ableger des Japanischen Pfeffers (Zanthoxylum piperitum) zu holen. Das hilft zwar nicht, aber es schadet auch nicht. Dafür bekommt die Figur des Umezaki noch eine weitere Funktion.
Es ist ein Film über das Alter, die Einsamkeit und den Tod.
Was das Alter angeht, so gibt es da die menschlich anrührende Freundschaft von Holmes mit Roger. Beim zweiten Phänomen kann Holmes nicht verhindern, dass es tragisch enden kann und beim dritten kann er sich nur in ein Totenritual aus Japan flüchten. Der Film erfordert volle Konzentration. Die subtile Darstellung der Charaktere ist beeindruckend, die vom Editor bestimmte Erzählweise außergewöhnlich. Ein seltener Glücksfall. Mehrfaches Anschauen lohnt sich. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.