Mi, 16.12.2015TV | Das KonklavePapstwahlBereits der Anfang macht deutlich, worum es dem Regisseur Christoph Schrewe in seinem Debüt hier geht: Die Wahl eines Papstes im 15. Jahrhundert. Zur genauen zeitlichen Einordnung werden wichtige Eckdaten der Geschichte genannt. Dann sehen wir gleich das unterhaltsame Element des Films: Kardinal Rodrigo Borgia (Manu Fullola) im Bett mit seiner Geliebten Vanozza (Nora Tschirner, die einzige Frau in diesem Männerfilm).
Es ist eine Zeit, in der sich der Klerus den Gelüsten des Fleisches hingab. Da ging es bisweilen recht turbulent zu, Mord und Totschlag inklusive. Die meiste Zeit erleben wir ein Gerangel um die Macht an der Spitze der katholischen Kirche. In einem Kinderreim liest sich das so: ‘Der Papst ist tot, der Papst ist tot, alle Katholiken sind in Not. Doch sie können sich freuen, sich kriegen ja bald einen Neuen‘.
Die Papstwahl steht im Mittelpunkt des Films. Sowie verschiedene Wahlmodi. Damals waren es nicht einmal 20 wahlberechtigte Kardinäle. Man ringt um Fraktionen, um Mehrheiten, beschuldigt sich gegenseitig der Simonie und der Hurerei und nach dem dritten Wahlgang heißt es erwartungsgemäß ‘Habemus Papam!‘ lustigerweise wird auch auf der öffentlichen Toilette beraten. ‘Ich komme dazu. Ich habe auch schmutzige Geschäfte‘. Ein anderer drückt aufs Tempo ‘Ich will nach Hause. Mir platzen gleich die Hoden!‘ Und das tut dann auch Rodrigo. Der freut sich auf Vanozza und ist froh, dass er nicht gewählt worden ist. Die süße Maus hat sich inzwischen die Zeit des Wartens mit dem Kardinal Giuliano della Rovere (Matthias Koeberlin) vertrieben.
Vielleicht eher etwas für aufgeklärte Katholiken oder solche Leute, die sich für Kirchengeschichte interessieren. Das Ambiente stimmt. Das Zeremoniell auch. Ansonsten Machtspielchen, die so oder so ähnlich auch in der Industrie oder der Politik stattfinden. | |
Mo, 14.12.2015TV | Die RebellinDie KriegshexeDer Film schockiert, weil er das Unvorstellbare inszeniert: den Weg der 15-Jährigen Komona (Rachel Mwanza) zur Kindersoldatin.
Schnappschüsse am Anfang geben eine Einstimmung in das Elend der hier lebenden Menschen und ein Monolog der jungen Mutter für ihr ungeborenes Baby in ihrem Bauch weisen auf die Gräueltaten hin, die den Zuschauer erwarten. Teilweise laufen die Szenen ohne Ton ab. Die Bilder allein sind schon grausam genug.
Verständlich, dass sich Komona in die Welt der toten Ahnen / Geister flüchtet. Sie erscheinen mit ihren Kalkgesichtern mehrmals auf sehr eindrucksvolle Weise. Komona gefällt dem Anführer und wird zur ‘Kriegshexe‘ d.h. aber auch Bettgenossin des großen Tigers (Mizinga Mwinga). Mit der Figur eines Albinos, des jungen Magiers (Serge Kanyinda) kommen Emotionen und auch Komik ins Spiel. Um sie heiraten zu dürfen, muss er einen weißen Hahn besorgen. Das ist nicht leicht und jeder in Afrika weiß, was das bedeutet. Manche Szenen sind mit sehr melodischer Musik aus Afrika unterlegt. Nach kurzem Aufatmen schlägt der Krieg wieder zu. Haarsträubende Dinge passieren. Komona bastelt sich eine Art giftiges Pessar, gebiert im Dschungel und begräbt ihre Eltern. Bei diesem Leben bleiben Albträume nicht aus. Aber Komona ist ein starkes Mädchen. Anders als der große Tiger oder der Magier überlebt sie.
Ein beeindruckendes Dokument unserer Zeit, schockierend und einfühlsam. Brutal wie das Leben nur sein kann. Jenseits der Zivilisation und jenseits von Recht und Ordnung. Hier gilt das Faustrecht. Es regiert die Willkür. Die Meute tanzt auf den Seelen gebrochener Menschen. Unglaublich! | |
So, 13.12.2015Kino | Dämonen und Wunder - DheepanEine neue FamilieEin bärenstarker Film! Das Schicksal von drei Tamilen, die sich zufällig begegnen und sich als Vater, Mutter und Tochter ausgeben, um bessere Chancen für ihren Asylantrag in Frankreich zu haben, trifft einen wegen seines präzisen Realismus‘ ins Mark, es erwärmt die Gefühle der Zuschauer wegen der ungewöhnlichen Liebesgeschichte und es gibt jede Menge Spannung, weil ein Thriller einen zweiten Handlungsstrang bildet.
Jacques Audiard, der uns mit einem sonderbaren Titel schon einmal gepackt hat, liefert hier ein aktuelles Drama ab. Das großartige daran ist die sensible Entwicklung von Handlung und Personen. Da werden spezifische Probleme der Migranten zu ganz allgemein menschlichen, die uns in ihren Bann ziehen.
Deepan (Antonythasan Jesuthasan) tut alles um sich anzupassen. Sein Ziel ist es, zu bleiben. Dabei geht er schon mal einen Schritt zu weit. Denn in den Banlieus herrschen mafiaähnliche Verhältnisse.
Seine neue Frau Yalini (Kalieaswari Srinivasan) will eigentlich weiter zu ihrem Cousin nach England. Entwickelt aber Gefühle für Deepan. Das wird wunderschön aber kurz angedeutet.
Überzeugend wird das Zusammenleben der neugegründeten Familie geschildert. Nach kurzer Zeit werden für alle drei ihre neuen Rollen zur Selbstverständlichkeit. Sagt Yalini zu ihrer ‘Tochter‘: ‘Da musst du Vater fragen‘. Die kleine Illayaal (Claudine Vinasithamby) ist fitter als beide Neueltern. Sie bittet Yalini vor der Schule ‘Kannst du mir nicht auch so einen Kuss geben, wie die andern Mütter ihren Kindern?‘
Mit dem Titel hat Regisseur Audiard das ganze Spektrum seiner Handlung umfasst. Deepan als ehemaliger Krieger der tamilischen Tiger wird von den Dämonen seiner Vergangenheit immer noch heimgesucht und das Wunder geschieht dann ganz am Schluss. Ohne Puderzucker sind alle drei eigentlich an einem gemeinsamen Ziel angekommen. Auch wenn es anders aussieht als erwartet.
Beeindruckend authentisch, sogar spannend und irgendwo auch wunderschön. Wichtig! | |
Mi, 09.12.2015TV | Hannah und ihre SchwesternPromi Parade der ExtraklasseDas ist für mich Woody Allens schwächster Film. Auch wenn manche Kritiker ganzen Volten schlagen über Komplexität, Parabel, Zeitgemälde etc. (Entschuldigung Herr Karasek!) Und immer wieder liest man von der Liebeserklärung an New York und der Sinnsuche des modernen Menschen. Natürlich gab es auch Oscars für den Film. Letztlich sollte jeder für sich entscheiden, ob man den Film mag oder nicht.
Man kann wenig Negatives über den Film sagen. Dazu ist Woody ein zu großer Könner. Also kann man ihn entweder an seinen großartigen Filmen messen oder nur als einen Film als Solches sehen. Ich neige zu Letzterem.
Titelfigur Hannah (Woodys damalige Ehefrau Mia Farrow) ist mit Elliot (Michael Caine) verheiratet. Ihre Schwester Lee (Barbara Hershey) ist mit dem Maler Frederick (Max von Sydow) liiert. Holly (Dianne Wiest) die dritte von Hannas Schwestern ist mit Mickey (Woody Allen) verheiratet.
Es wird wie immer sehr viel geredet. Hier reden auch manche Figuren mit sich selbst. D.h. sie denken laut über ihre Situation nach über Religionswechsel oder einen möglichen Gehirntumor, Zeugungsunfähigkeit (ein Lieblingsthema von Woody Allen), auch ein Selbstmord wird angedeutet. Das ist alles ebenso neu wie der Seitensprung von Elliot mit Lee. Von dem beide wieder ins Ehebett zurückkehren. Schwester Holly hat was veröffentlicht. Anfang und Ende bildet Thanksgiving. Mehr habe ich nicht mitbekommen. Da muss ich wohl eingeschlafen sein…
Ich suche nach einer Message, nach Stimmungen, nach echten Emotionen, vielleicht nach Tragik oder Drama, Spannung oder allgemeines Interesse. Alles Fehlanzeige. Aber man weiß ja, dass Filme-Machen für Woody Allen so etwas wie eine Therapie ist. Nur von was hat er sich hier therapiert? | |
Di, 08.12.2015TV | Außer KontrolleKettenreaktionMassenware vom Fließband mit drei Promis. Personen und ihre Darsteller sind gut gecastet. Der junge Wissenschaftler Eddie (Keanu Reeves) deckt gemeinsam mit seiner attraktiven Kollegin Lilly (Rachel Ward) ein Komplott auf, das die Energiegewinnung der Zukunft beherrschen will. Ihr Chef Paul (Morgan Freeman) gibt den nachdenklichen Boss. Er ist im Gegensatz zu Brian Cox bis zum Schluss eine zwielichtige Figur. Cox ist der skrupellose Bösewicht schlechthin.
Das Pärchen ist auf der Flucht und befreit sich am Ende auf spektakuläre Weise ins Happy End. Auch die Zugbrücke als Hindernis hat Serienqualität, was die Spannung betrifft. Professionell gemacht, hat man sich inzwischen an diese Qualität der Unterhaltung gewöhnen, weil man sie fast täglich vorgesetzt bekommt. Man kann seine Lieblingsstars verfolgen, die immer die Guten sind und die Action genießen. Jeglichen Anspruch kann man vergessen. So ein Film ist wie die Nahrung, die man täglich zu sich nimmt. Genießbar ohne ein Hochgenuss zu sein. Man speist ja auch nicht immer mit mehreren Sternen auf der Karte. Wenn es wie hier dann auch noch ein paar überraschende Wendungen gibt, kommt auch noch eine Priese Pfeffer in die Actionsuppe. ‘Passt scho!‘, sagt der Bayer als höchstes Kompliment. | |
So, 06.12.2015TV | Snow White and the HuntsmanGelungener MixDieser unterhaltsame Mix aus so vielen verschiedenen Töpfen lässt den einen beim Wiedererkennen die Herkunft der Ereignisse genießerisch goutieren, den anderen mit Interesse der spannenden Handlung folgen. Die Basis sind zunächst einmal die Gebrüder Grimm und das in mehrfacher Hinsicht. Wegen der Zwerge ist etwas vom Schneewittchen drin aber auch etwas vom Schneeweisschen. Unverkennbar lugt auch Tolkien durchs Geäst des Geschehens. Von den bekanntesten unter den Hobbits sei nur Ray Winstone, Eddie Marsan und Bob Hoskins erwähnt. Und was den Film noch zusätzlich so attraktiv macht, ist die Animation. Hier lehnt er sich an die Wasserschlange mit menschlichem Antlitz aus Camerons Abyss an. Es ist die Variante mit fließendem Gold und dem ‘Spieglein, Spieglein-Effekt‘. Die Figuren aus schwarzen Schnipseln, die sich je nach Lage nebulös auflösen oder wie ein Schwarm von Staren Formationsflug üben, ist mal was anderes. Neben Facetten von Mystery und Vampirismus sind es aber auch die drei Hauptfiguren, die den Film darstellerisch besonders beeindruckend tragen. Der Jäger Eric (Chris Hemsworth) macht den Ritter ohne Furcht und Tadel. Es ist aber vor allem der Antagonismus der beiden ‘Königinnen‘, der das Geschäft belebt. Gegen die böse alte Queen Ravenna (Charlize Theron) kämpft die junge Snow White (Kristen Stewart) mit ihrer Jugend an. Bei diesem Duell siegt natürlich typisch Märchen das Gute. Als alte unterlegene Queen Ravenna vergeht ihre blühende Schönheit am Ende, was bei Charlize beeindruckende Verwandlungen hervorruft. Sie kann ja auch sooo hässlich werden (vgl. ‘Monsters‘). Und das Ende ist das Tüpfelchen auf dem i: kein finaler Kuss sondern ‘…und wenn sie nicht gestorben sind…‘ Nichts Neues, aber trotzdem fühlt man sich gut unterhalten. | |
Fr, 04.12.2015TV | Geliebte AphroditeDie LiebesgöttinIn dieser Komödie thematisiert Woody Allen die Adoption. Er lehnt sie zwar ab, aber wie er später seinem Adoptivsohn erklären wird ‘Ich bin der Boss, aber was Mummy sagt, wird gemacht.‘ Seine innovativste Idee hier ist das Auftreten eines Chores wie in der klassischen griechischen Tragödie. Er spricht auch mit Chorleiter (F. Murray Abraham), wenn er sich auf die Suche nach der Mutter seines Adoptivsohnes macht. Das ist die knackige Nutte Linda (Mira Sorvino). Die ist zwar etwas schlicht im Gemüt, hat eine Pieps Stimme aber ihre Oberweite lässt den Hofhund aufjaulen.
Ganz gegenläufig ist es in Lennys Ehe mit Amanda (Helena Bonham Carter). Die geht fremd mit Freund Peter Weller. Nachdem Woody ihr nach erfolglosen Aktivitäten unter der Bettdecke gestanden hat :‘Ich kann sie nicht finden.‘
Wie in vielen Woody Allen Filmen gibt es auch hier endlose Dialoge, die manchmal amüsant größtenteils aber ziemlich verquatscht sind. Hin und wieder legt der Meister eine Sondereinlage ein oder das Mobiliar weist unmissverständlich darauf hin, was Linda für einen Beruf hat. Wie am Ende alles F.F.E. wird, ist ziemlich weit hergeholt: z.B. fällt Lindas Mann, ein Pilot, buchstäblich vom Himmel. Und der Chor singt zum dick aufgetragenen Familienglück ‘When you’re smiling…‘.
Wenn’s ironisch gemeint sein sollte, erschließt sich mir das nicht. Als Komödie konnte ich nicht drüber lachen. Nur die Darsteller haben’s gebracht. Allen voran Mira Sorvino neben Woody Allen macht eine gute Figur. Auf der 100 Punkte Skala der Woody Allen-Filme würde ich dem Binnenreimer 65 geben. Oscar her oder hin. | |
Do, 03.12.2015TV | Ministerium der AngstDie bösen NazisDer Anti-Nazi Thriller von Fritz Lang aus Amerika (1943) erinnert in vielen Passagen an Alfred Hitchcock. Den Rest besorgt der fantastische Ray Milland als Stephen Neale in der Hauptrolle. Einzelne Figuren bleiben trotz ihrer relativ kleinen Rolle unvergesslich in Erinnerung, wie z.B. der sich verändernde Blick des Blinden im Zug oder der Kommissar von Scotland Yard, der sich ständig die Nägel feilt. Ebenso wie die beiden Blondinen, die Ray umschwirren: die wunderschöne böse Hexe Mrs. Bellane Nr. 2 (Hillary Brooke) aus dem Nazi-Umfeld oder die ebenso gut aussehende Carla (Marjorie Reynolds), die natürlich am Ende den Helden küssen darf.
Es entwickelt sich eine zwangsläufige Kettenreaktion, die immer bedrohlichere Ausmaße annimmt. Vom harmlosen Wohltätigkeitsbazar über die Organisation der ‘Mütter der freien Nationen‘ bis hin zur Bombenexplosion. Ganz nebenbei wird auch noch das Problem ‘Tötung auf Verlangen‘ gestreift, wenn es um Mr Neales Vergangenheit geht.
Leider hat der auf Psychopaten geeichte Dan Duryea hier wenig Platz sein Können unter Beweis zu stellen. Dafür gibt es aber überraschende Wendungen mit wiederauferstandenen Toten und bedrohliche Auseinandersetzungen unter den beiden Geschwistern Hilfe (die heißen hier wirklich so!).
Der Torten-Joke am Ende erreicht zwar nicht die dreistufige Qualität im Billy Wilder Schluss von ‘Manche mögen’s…‘, aber er ist trotzdem nett.
Auch ein Klassiker von 1943, in dem natürlich die Nazis die Bösen sind, denen Fritz Lang gerade ja entkommen war. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.