Do, 03.12.2015TV | Hommage an Fritz LangM - eine Stadt sucht einen MörderDieser Klassiker von Fritz Lang zählt mit Recht zu den besten Filmen aller Zeiten. Es ist nicht nur ein spannender Krimi um Kindsmord, sondern auch eine Milieustudie der Halbwelt von Berlin in den 30er Jahren. Vor allem ist es ein Film, der den Hauptdarsteller Peter Lorre unsterblich gemacht hat. Sein Glanzauftritt ist Höhepunkt und Ende eines großartigen Films. Und eine Botschaft steckt drin, die von zeitloser Gültigkeit ist: nicht Auge um Auge kann die Lösung sein, sondern der zwanghaft Kranke Mörder muss therapiert werden. Er ist so wie er ist aufgrund seiner Schizophrenie. Peter Lorre sagt ‘Ich kann doch nichts dafür‘.
Das geniale am Drehbuch von Thea von Harbou ist, dass hier die Unterwelt den Mörder jagt, weil die ständigen Razzien der Polizei ihnen das Geschäft verderben. Also sitzen die Ganoven – angeführt von Gustaf Gründgens – über den Mörder zu Gericht. Sein Verteidiger (auch ein Ganove) plädiert für unschuldig.
Bemerkenswert der Stand der polizeilichen Ermittlungen aus jener Zeit. Es gab Anfänge von KTU und eine Schau von Einbrecherwerkzeugen. Bettler und Spitzel werden eingesetzt. Und es wird ein Blick auf eine Massenpsychose geworfen. Der Mörder ist unter uns. Es kann jeder sein. Irgendwer bietet dann das Ventil für den Volkszorn.
Filmtechnisch setzt Fritz Lang auf sich wiederholende Motive wie einen Ball, einen Luftballon oder die gepfiffene Melodie aus Peer Gynt.
Eine hohe Schauspielkunst, eine geniale Regie und die unvergessliche Schönheit von s/w Kompositionen machen den Film zum Erlebnis. Und spannend ist er auch noch gepaart mit etwas Humor. | |
Mi, 02.12.2015Kino | Haus der SündeEdelbordell DokuEs ist eine Dokumentation eines Edelbordells um 1900. Inhaltlich ist es der Tagesablauf in diesem Etablissement. Es gibt ein Einstellungsgespräch mit Pauline (Iliana Zabeth), eine Anleitung zur Hygiene von Samira (Hafsia Herzi), eine Untersuchung durch den Amtsarzt sowie ausführliche Fachsimpeleien der Nutten untereinander.
Manch abartige Praxis (s-m) kommt vor oder ein Freier besteht auf dem Blickwinkel von Courbets ‘Ursprung der Welt‘. Puffmutter Marie-France (Noémie Lvovsky) führt das Haus wie ein Familienunternehmen mit Ausflügen ins Grüne. So entsteht eine Anti-Welt: hier drinnen und dort draußen, wo die Freiheit wohnt. Dann ein Schocker: ein blutüberströmtes Gesicht, die Mundwinkel von Madeleine (Alice Bernole) sind aufgeschlitzt. Wiederholungen und Details dazu werden immer wieder nachgereicht, bilden quasi einen ‘Roten Faden‘. Auch der Split-Screen schafft zusätzliche Distanz. Gegen Ende sieht man die Mädels als tanzende Nymphen auf einer Totenfeier, nachdem eine von ihnen (Jasmine Trinca) an der Syphilis gestorben ist. Gruppenstreicheln wird ausgiebig praktiziert. Wir hören ‘Nights in White Satin‘ von Procol Harum. Pauline verlässt das Haus Apollonide wieder. Sie schafft als einzige den Absprung. Jetzt dreht Bonello nochmal auf. Eine optische Nachbereitung eines Traums von Madeleine: aus ihren Augen fließen ‘weiße Tränen wie Sperma‘. Die Rote Laterne erlischt. Straßenstrich heute, dazu singt Janis Joplin. Das ist der soziale Abstieg des ältesten Gewerbes der Welt!? Ein gesellschaftliches Sittenbild, in dem der Song der Ärzte an Wahrheitsgehalt dazugewinnt und sogar ein gewisses Maß an Verständnis entstanden ist. | |
Di, 01.12.2015TV | Hommage an Woody AllenDer StadtneurotikerDas ist ein ziemlich früher Woody Allen und man sollte ihn als Vorübung für spätere, bessere Filme sehen. Aber schon hier geht es in der exzentrischen Egozentrik des Regisseurs und Hauptdarstellers um sein Lieblingsthema ‘Sex‘. Davon die Variante zwischen Impotenz und Orgasmus. Die Girlys laufen Woody förmlich nach. Ärgerlich nur, die er hat, will er nicht und die er will, hat er im Moment gerade nicht. Hier ist es Annie Hall (Diane Keaton), die auch mal mit zarten Stimmchen in einer Bar singen darf. Auch der hausgemachte Pessimismus des Autors kommt hier schon zum Vorschein: ‘Das Leben zerfällt in zwei Kategorien: Das Schreckliche und das Unglückliche.‘
Viele der Jokes kommen heute als Kalauer an oder sind überhaupt nicht lustig und die Ironie ist so versteckbuchselt, dass man sie nicht bemerkt. (‘Masturbation ist Sex mit jemanden, den ich sehr liebe‘) Die endlosen Dialoge scheinen heute irgendwie aus der Zeit gefallen. Da kommt Langeweile auf, wenn man nicht hin und wieder durch einen Joke hochschrecken würde (Nach dem Einparken ‘Bis zum Bürgersteig gehen wir zu Fuß‘.) Und seine Neurosen haben nur bedingt etwas mit der Stadt zu tun. Es geht doch nur um Annie Hall.
Bemerkenswert bleiben aber folgende Dinge: die vielen Cameos von Promis (Simon, Goldblum, Walken u.v.a.) dramaturgisch die Hinwendung zum Publikum; auch Split Screen kommt vor. Da fällt der Held förmlich aus der Rolle. Und es ist auch schon mal ein Cartoon dabei.
Woody hat zwar als Gag-Schreiber angefangen. Hier übt er halt noch. Na ja, was lange währt… Und wenn er nur diesen Film gemacht hätte, würde niemand auch nur ein Wort über ihn verlieren. | |
Mo, 30.11.2015Kino | 45 YearsDie lange EheDer Film ist nicht nur etwas für Leute, die 45 Jahre miteinander verheiratet waren, obwohl es hier schon um ein solches Paar Oldies geht.
Die beiden Hauptdarsteller Charlotte Rampling und Tom Courtenay sind echte Könner. Es gelingt ihnen, eine Charakterstudie der beiden Oldies abzuliefern, in der sich zwei echte Typen gefunden haben und es mit einander aushalten. Eigentlich eine Alltagsgeschichte: Geoff ist etwas klappriger als sie, auch etwas vergesslicher und nicht sehr redselig. Er wirkt bisweilen etwas hilflos der alten Eigenbrötler. Kate ist etwas fitter, fährt noch Auto, umsorgt ihn weitgehend weiträumig. Sie kann verschmitzt oder traurig sein und wenn sie lächelt, scheint die Sonne.
Der 45. Hochzeitstag soll mit einer großen Party gefeiert werden.
Die Spannung kommt hier aber nicht von den äußeren Aktivitäten der beiden, sondern man wird neugierig, worüber sie nicht reden wollen oder können. Da war etwas vor vielen Jahrzehnten. Kate bedrängt ihn, ihr doch alles zu erzählen. Geoff rückt aber nur sehr zögerlich und nur teilweise damit raus. Kate entdeckt Fotos auf dem Dachboden. Undeutliche Teilansichten einer jungen Frau namens Katya, eine Bergtour in den 60er Jahren, jetzt hatte man ihre Leiche im Eis gefunden (Der Auslöser der Diskussion!) Wird Geoff sie identifizieren? Und Kate entdeckt Katyas süßes Geheimnis. Sie und Geoff haben keine Kinder…
Die Party ist ein Erfolg mit den Hits der 60er Jahre, allen voran den ‘Platters‘.
Der abrupte Schluss überrascht und eröffnet Spekulationen über die Zukunft, denn die Geschichte ist ja noch nicht zu Ende. Geoff ist nur von seinen Erinnerungen eingeholt worden.
Toll, dass es noch solche Filme gibt: leise, kontemplativ, gar nicht mal unwichtig, Off-Mainstream und zu Recht preisgekrönt. Wenn man sich diesen Film erneut anschaut, ist es, wie ein Besuch bei alten Freunden. | |
Fr, 27.11.2015TV | Left Foot Right FootVon der Schwierigkeit erwachsen zu werdenEine traurige Großstadtballade, in der Marie und Vinzent versuchen In der Großstadt über die Runden zu kommen. Ohne Ausbildung ist die Auswahl nicht gerade groß. Vinzent (Nahuel Pérez Biscayart) jobbt mal hier mal da, wenn es sein muss und hat trotzdem Schulden. Freundin Marie (Agathe Schlenker) versucht sich als Hostess in einer Bar. Das geht aber in Richtung Prostitution. Beide reden nicht mit einander. Vinzent merkt, Marie hat plötzlich Geld. Ihre Situation wird zusehends belastet durch Vinzents dementen Bruder Mika (unglaublich echt Dimitri Stapfer), um den sich Vinzent rührend kümmert.
Die fehlende Kommunikationsfähigkeit, der schwer berechenbare Kampf ums Überleben und die Leichtgläubigkeit der jungen Leute werden ihnen zum Verhängnis. Marie will wieder aussteigen und holt sich eine im doppelten Sinne blutige Nase, Mika rastet aus und zertrümmert die Wohnungseinrichtung, Marie schickt ihn in einem Taxi in ein Hotel. Der Versuch Mike wieder einzufangen misslingt. Er flüchtet auf einen Telegraphenmasten…
Alle drei treffen sich im Krankenhaus wieder. Eine wortlose Umarmung!
Anstatt die Tragödie weiter auszumalen sehen wir z.B. nach Mikas Sprung die drei fröhlich tanzend in einer Disko. Das wirkt nicht erheiternd, verdeutlicht eher ihre Hilflosigkeit. Sie wissen nicht, wie sie durchs Leben gehen sollen. Etwa indem sie einen Fuß vor den anderen setzen? Und damit sie die nicht verwechseln, steht es auf den Turnschuhen: Linker Fuß, Rechter Fuß.
Eindrucksvolle in s/w komponierte Bilder werden von einem unaufdringlichen Soundtrack unterstützt. Lange wortlose Passagen regen zum Nachdenken an. Bleibt nur noch der Wolf, dem Vinzent ganz unverhofft mehrmals begegnet… Der ist weder Freund noch Feind. Er wartet nur und passt irgendwie ins Bild. Ist etwa in der Großstadt der Mensch dem Menschen ein Wolf!? Großartig! | |
Fr, 27.11.2015TV | Betty und ihre SchwesternJo und ihre SchwesternDirekt aus dem Disney Märchenwunderland ein Feel-Good Movie mit viel Puderzucker und einen Blick durch die rosarote Brille in eine heile Welt. Taschentücher nicht vergessen, denn es gibt auch echte Tragik und Trauer. Der Film eignet sich besonders zur Weihnachtszeit, und falls es gerade keinen Schnee mehr geben sollte, hier ist er in Hülle und Fülle vorhanden.
Als Zielgruppe kann man Großeltern und ihre Enkel im Alter der hier agierenden Mädels ausmachen. Die großen Stars von heute waren 1994 noch Girlys, die man aber schon mit ihrer heutigen Physiognomie erkennen kann. Da steht allerdings nicht Betty (Claire Danes) im Mittelpunkt (sie ist für den Gebrauch der Taschentücher zuständig), sondern Jo (Winona Ryder), die am Ende ihren ersten Roman: Originaltitel ‘Little Women‘ veröffentlichen wird. Sie emanzipiert sich ganz nebenbei, tritt für das Wahrrecht für Frauen ein, und wird vom deutschen Philosophieprofessor Friedrich Bhaer (Gabriel Byrne) erst unterstützt, dann geheiratet. Ihre beiden anderen Schwestern werden von Kirsten Dunst und Trini Alvarado mit erfrischendem, kindlichem Charme dargestellt. Über allen schwebt völlig unaufdringlich Übermutter Mrs. March (Susan Sarandon), die uns bisweilen durch pädagogisch wertvolle Ratschläge überrascht.
In dieser ganzen Welt der Frauen steht noch der junge Laurie (Christian Bale), dessen erste Liebeserfahrungen am Ende auch von Erfolg gekrönt sein werden. Der Familienvater ist nur eine Randfigur, ein Held, der kämpft und verwundet heimkehrt. Ach ja!? | |
Mi, 25.11.2015TV | Banditen!Vom Duo zum TrioDie Story ist nicht besonders originell. Drei Superstars kaspern sich durch die Handlung und haben vielleicht mehr Spaß als die Zuschauer. Zwei Ausbrecher, Joe und Terry, machen im Handumdrehen einen Bankraub nach dem anderen. Dabei ist es immer Joe (Bruce Willis), der nicht die Welt rettet, sondern den Bankangestellten sagt, wo’s langgeht und Terry (Billy Bob Thornton), der kranke Hypochonder mit viel Sinn fürs Gefühl. Das ist anfangs noch ganz nett. Man kann sich an modischen Accessoires mit Kostümcharakter erfreuen. Das wird noch verstärkt als Kate (Blanchett) eine gelangweilte und frustrierte Hausfrau dazukommt. Doch inzwischen hat sich der Witz tot gelaufen, die Action verflüchtigt und es geht uns wie Kate in ihrer Ehe. Jetzt wird es vorhersehbar. Klar, dass sich Madame die beiden Jungs der Reihe nach reihzieht - was man gottseidank nicht mitansehen muss – nur um an Ende festzustellen: sie kann sich nicht entscheiden. Eine Mischung aus beiden wäre der ideale Mann. Na toll. Alle drei hangeln sich so weiter durch die Spinnweben der Langeweile und man wartet auf den Schluss. Vielleicht kommt da ja noch was?! Doch dann kommt der Kalauer mit den von Platzpatronen erschossenen Helden. Die lachen sich eins, der Zuschauer gähnt. Selten von einem renommierten Regisseur (u.a. Rainman oder Wag the Dog) mit so hochkarätiger Besetzung einen solchen flachen Humbug gesehen. Vielleicht hat das Ausrufezeichen hinter dem Titel ja etwas zu bedeuten. Z.B. ‘Vorsicht, nicht ernst nehmen!‘ Selbst dann kann man bloß in einen leeren Blecheimer husten. Da haben es die ‘Bandidas‘ Cruz und Hayek besser gemacht. Und die waren wenigstens noch sexy! Hier sind es nur der Bonie Tyler Songs.(Hero und Total Eclipse of the Heart). K.V. | |
Di, 24.11.2015TV | I Want YouDie schöne MörderinManches ist an diesem Liebesthriller nicht leicht nachzuvollziehen. Das tut aber der Spannung keinen Abbruch. Die Bilder liefern eine Atmosphäre, die einen gewissen Sog-Effekt hat. Und das bei einer Handlung, die ihr Geheimnis erst ganz am Ende preisgibt.
Martin (Alessandro Nivola) kommt aus dem Gefängnis frei und stürzt sich gleich wieder auf seine Jugendliebe Helen (Rachel Weisz). Beide bindet eine Art von Hass-Liebe aneinander. Das Umfeld ist sonderbar mit dem stummen Honda (Luka Petrusic), der Helen wie ein Stalker folgt und alles mit einem Richtmikrofon aufnimmt, dessen Schwester Smokey (Labina Mitevska), ein leichtes Mädchen aus der Bar ist. Alles kreist um Helen. Sie verweigert sich den Männern, manchmal auch nicht, zickt einfach rum. Sie belastet etwas. Wer hat ihren Vater umgebracht? Wir sehen am Anfang die Entsorgung einer Leiche im Meer. Das war wohl der Vater. Am Ende gibt es noch eine Leiche. Wir wissen auch wer’s war. Honda geht zu seiner Schwester, Helen reist ab. Ende der Legende Es ist halt der Fluch der bösen Tat: eine Untat hat eine zweite zur Folge. Rachel Weisz spielt diese vom Leben gezeichnete junge Frau, der die Männer nachlaufen, recht überzeugend. Sie ist durchaus lebenstüchtig und richtet den Blick nach vorn. Dabei stört sie Martin und sie geht dann über Leichen.
Schöne Bilder und eine Liebe wie draußen vor der Tür. Ich würde da nichts hineingeheimnissen wollen von wegen Schuld und Sühne. Kann man anschauen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.