Mo, 23.11.2015Kino | Irrational ManMord mit FolgenDer Titelheld Abe Lucas (Joaquin Phoenix), ein Philosophieprofessor, ist alles anders als irrational. Er drückt sich vor der Verantwortung an einem Mord und versteckt sich verbal hinter philosophischen Barrikaden. Folglich gibt es langatmige Diskussionen über Moral und Freiheit. In echter Woody Allen Manier geht das einher mit Blockade im Kopf, was auch zu Blockade im Bett führt.
Erst die überbordende Liebe der Studentin (sic!) Jill (Emma Stone) und die Ausführung eines Mordes erwecken im depressiven Prof wieder die Lebensgeister.
Statt polizeilicher Ermittlungen gibt es nur Pressemitteilungen und so reimen sich Jill und Rita (Parker Posey), Abes andere Bettgenossin, eins und eins zusammen. Das ist nicht sehr spannend, weil der Zuschauer die Vorbereitung und die Ausführung des Mordes gesehen hat. Man fragt sich auch nicht mehr, ob man Abe draufkommt oder nicht. Was bei ‘Matchball‘ noch dramaturgisch und optisch in der Schwebe gehalten wurde, löst hier ein missglückter Mordversuch vor der offenen Fahrstuhltür, wobei eine Taschenlampe, die der Zuschauer kennt, einem rollenden Einsatz hat.
In den Diskussionen überzeugt nur Emma Stone wegen ihrer Emotionalität, Joaquin Phoenix streichelt mehr sein aufkommendes Bäuchlein und tarnt das mit viel Kirkegaard und Sartre. Für dem Vielfilmer Woody Allen ein ganz passables Produkt. | |
Mo, 23.11.2015TV | Der SmaragdwaldRettet den RegenwaldEin teilweise wahres Ökomärchen (titelunterstützt) mit einem starken Hang zum Abenteuerfilm. Dazu ein wenig Familiendrama und natürlich eine etwas kindliche Lovestory.
Von alledem unberührt bleibt die Tatsache, dass das Ganze immer noch hochaktuell ist. Die Zerstörung des Regenwaldes geht ungehemmt weiter. Darauf wollte Regisseur Boorman 1985 hinweisen.(Siehe Abspann)
Zwischen den Indios des Dschungels wir fein säuberlich unterschieden. Es gibt die Guten, ‘Das Unsichtbare Volk‘, bei dem der Sohn (Charley Boorman!) des Ingenieurs Markham (Powers Boothe) nach seiner Entführung eine neue Heimat findet und auch eine Liebe zum süßen Indiomädchen Kachiri (Dira Paes). Da bahnt sich so ganz nebenbei eine Völkerverständigung an. Und es gibt die dekadenten Indios, das ‘Wilde Volk‘, das Mädchen raubt und an Bordelle verkauft, sowie von den Weißen Alkohol und Schnellfeuerwaffen bezieht.
Das ungezwungene Leben der Eingeborenen kontrastiert hier ganz deutlich mit dem der Ausländer. Initiationsriten und andere Stammesbräuche stehen hier gegen dumpfe Rauf- und Saufbolde. Beide Welten werden durch eindrucksvolle Tier- und Naturaufnahmen verbunden.
Vor allem das Ende betont den märchenhaften Charakter des Films. Nach dem Glauben der Indios regnet es wenn die Frösche quaken. Es kommt dazu, dass der Staudamm bricht, noch bevor Ingenieur Markham die Lösung à la River am Quai anwenden muss.
Interessante Unterhaltung mit einer Botschaft. | |
So, 22.11.2015TV | Der verbotene SchlüsselDer GeneralschlüsselFast über die ganze Länge des Films geraten wir in seinen Bann, weil hier äußerst wirkungsvoll mit der Frage gespielt wird: Voodoo Zauber oder Schlaganfall? Als Einstimmung sehen wir ein herrlich düsteres Ambiente mit Südstaaten Flair. Darin bewegen sich einige skurrile Typen. Krankenpflegerin Caroline (Kate Hudson) tritt einen Job bei einem älteren Ehepaar, den Deverauxs an. Ben (John Hurt) ist gelähmt und sitzt im Rollstuhl, Ehefrau Violet (unverwüstlich Gena Rowlands) hält die Zügel fest in der Hand und wird sich im Verlauf des Films, wenn immer mehr Details ans Licht kommen, mit Caroline ein spannendes Duell liefern. Das ist echt gut gemacht mit etwas Südstaaten Mystik, die nur derjenige versteht, der von dort stammt und dann auch noch die zweite Voraussetzung erfüllt: er muss dran glauben. Auch als Caroline das Spiel mitmacht, um den Zauber zu brechen, sind wir noch alle mit dabei. Den Anwalt Luke (Peter Sarsgaard) lässt man noch getrost die Seiten wechseln, als Violets Zauberlehrling. Nur als sich die letzte überraschende Wendung als eine APRIL-APRIL Nummer offenbart, ist mir das Ende zu unglaubwürdig. Der Geist im falschen Körper!? Es gibt auch enttäuschende Überraschungen wie hier. Man muss halt dran glauben. Das fällt einem besonders bei dem deutschen Titel nicht leicht. Der Schlüssel ist doch nicht verboten, sondern das Zimmer, das er aufschließt. Das Original lautet übrigens ‘Der Generalschlüssel‘ (für das ganze Haus). Bis auf die letzten 5 Minuten voll der Gruselthriller mit viel Dunkel, häufigem Blitz und Donner und quietschenden Türen. | |
Fr, 20.11.2015TV | Eine FamilieTod eines PatriarchenDie Familie des Hofbäckers Rikard Rheinwald (Jesper-Kaminski-Christensen) wird in den Tod des Familienoberhauptes mit hineingezogen. Zuvor hatte er noch seine langjährige Lebensgefährtin (Anne Luise Hassing) und Mutter seiner Kinder geheiratet. Seine Lieblingstochter Ditte (Lene Maria Christensen), der er das Geschäft übergeben will, erhält einen Traumjob in New York und wird auch noch schwanger.
Genug Stoff für Zoff und Versöhnung. Selbst die Enkelkinder sind in diesem emotionalen Whirlpool involviert.
Die stärksten Szenen spielen sich zwischen Vater Rheinwald und Tochter Ditte ab. Besonders die enge Bindung zwischen den beiden starken Charakteren wird eindrucksvoll geschildert. Rikard steht zwischen Leben und Tod. Ihm liegt die Bäckerei als Familientradition besonders am Herzen. Ditte muss zwischen Beruf und Mutterschaft wählen und eine einvernehmliche Lösung mit ihrem Freund Peter (Johan Philip Asbaek) finden.
Pernille Fischer Christensen schildert das in ruhigen Bildern, die hin und wieder durch einen Gefühlsausbruch unterbrochen werden, wenn sich Enttäuschung und Frust Luft machen müssen. Es ist realistisch herb und ungeschminkt, und völlig kitschfrei. Dafür beobachtet die Kamera sehr genau. was bei den einzelnen Akteuren so vor sich geht. Dazu gehört auch ein langer Sterbeprozess. Wie Rikard können wir dem Tod nicht entgehen und wie Ditte und Peter kann man ein neues Leben in die Welt setzen. Da gibt es nichts zu lachen. Man ist nur gerührt. Ein gehaltvoller Film, der einen nicht runterzieht oder depressiv macht, sondern nur einen Blick auf eine mögliche Option wirft. Nicht für jeden Tag, aber gelungen. | |
Fr, 20.11.2015TV | Exit - Lauf um dein LebenAuf der FluchtDie Spannung ist hoch, die Action rasant, die Folterszenen schmerzhaft und blutig. Das Geheimnis dieses Reißers ist die Tatsache, dass man die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht so ganz durchschaut, wahrscheinlich gar nicht durchschauen soll. Da schließt sich dieser Spannungsbogen von einem angeblichen Selbstmord am Anfang bis zur vorletzten Szene, in der man nur ganz kurz ein Gesicht sieht – wenn man nicht aufpasst, entgeht es einem. Das hat Regisseur Lindmark wohl absichtlich so gemacht. Und genau das kann der Hauptdarsteller Mads Mikkelsen (Thomas) rüberbringen. Es ist vor allem sein emotionsloser Gesichtsausdruck, der das bringt. Und er kann noch ein Zweites: sein knallharter Job als Manager, in dem er anscheinend über Leichen geht, kontrastiert mit seiner Rolle als liebevoller Familienvater und Ehemann. Es gibt ein fulminantes Finale mit Ehefrau Anna (Kristi Eline Torhaug) am Seil, in einem brennenden Haus und einem Kampf auf Leben und Tod zwischen Thomas und Morgan (Samuel Fröler).
So einfach kann es sein, einen Thriller zu machen. Nur am nichtssagenden Titel könnte Lindmark noch etwas arbeiten. | |
Do, 19.11.2015TV | Unterwegs nach Cold MountainEin Deserteur aus LiebeDer Film ist inhaltlich prall gefüllt und dabei gedanklich keineswegs ohne Tiefgang und mit einer Vielzahl von Promis. Inman (Jude Law) desertiert aus der Armee der Südstaaten und macht sich auf den Weg heim zu seiner großen Liebe Ada (Nicole Kidman): ein Roadmovie auf Schusters Rappen mit vielen abenteuerlichen Stationen.
Dabei erlebt Inman z.B. Verrat von einem Vater mit vielen Töchtern (Giovanni Ribisi) und rettet das Leben einer Mutter mit Kind (Natalie Portman) u.v.m..
Inmans Reise quasi von ‘unterwegs‘ wechselt mit dem Überlebenskampf von zwei Frauen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten zu Hause auf der Farm in Cold Mountain. Ada geliebt und gebildet, eigentlich fast lebensuntüchtig und Ruby (Renée Zellweger) handfest, kraftvoll und zupackend. Sie hat allerdings ein Vaterproblem (Brendan Gleeson). Er bringt sogar etwas Humor ein und sie ist von den Darstellern die, die den tiefsten Eindruck hinterlässt.
Während Inman immer näher kommt, emanzipieren sich die beiden Mädels, verfolgt von den Mordbuben der Heimatgarde unter Teague (Ray Winstone). Der sorgt für Spannung mittels Gräueltaten.
Es wird auch eine Emanzipationsgeschichte innerhalb der Love Story in Zeiten des Krieges.
Wunderschöne Bilder scheinen manchmal für manche Szenen einfach wie maßgeschneidert: eine weiße Taube in der Kirche und immer wieder ein Blick durch eine vom Regen gestreifte Fensterscheibe.
Tempowechsel schaffen Platz für menschlich Berührendes wie z.B. ganz persönliche Fragen während des Rasierens mit einem ganz scharfen Messer oder die Anfangssequenz vom Krieg, die etwas vom Grabenkrieg in Verdun hat.
Und für Happy End Fetischisten kommt es zwar herb und unbarmherzig, aber dafür mit viel Gefühl. Großes Erzählkino in epischer Breite. | |
Mi, 18.11.2015TV | Frozen Ground - Eisiges GrabDer Killer der aus der Kälte kamEs reicht nicht, den Film auf einer wahren Begebenheit beruhen zu lassen, um das als Gütesiegel zu verwenden. Nicolas Cage kämpft wie immer gegen die Bösen und ist natürlich der gute Cop. Überraschend spielt der sonst so sympathische John Cusack hier den Massenmörder Hansen. Er ist der einzige in der Crew, der neben dem Vergewaltigungsopfer Cindy (Vanessa Hudgens) wenigstens ansatzweise eine darstellerische Leistung erkennen lässt. Sie hat es dabei leichter als John. Ihr helfen Tränen und verschmiertes Make up. Er muss auf Psychopathen machen. Auch dass beide Familie und Kinder haben, ist nicht gerade neu. Die Überführung des Killers durch emotional aufgeheizte Verhörmethoden ist fast die Regel. Nicolas Cage bringt den Mörder durch erhöhte Lautstärke und immer schneller werdende Fragen aus der Fassung. Wären wir im Konfektionsgeschäft, so würden wir hier von Massenware von der Stange reden.
Man kann der Handlung folgen ohne von ihr berührt zu werden. Alles verläuft zu geradlinig. Der gefrorene Boden im Filmtitel ist härter als die Spannung. Wie gesagt Serienmorde sind keine Garantie für einen spannenden Thriller. Hier thrillt nix. Allein die Tatsachen sind furchtbar: 17 Morde, 427 Jahre Gefängnis. K.V. | |
Sa, 14.11.2015TV | BorsalinoWie Pech und SchwefelGroßes Gangsterkino. Und die Hauptdarsteller Belmondo und Delon tragen nicht nur Hüte, die dem Film den Namen gaben, sondern auch sonst oft feinsten Zwirn. Die Honky Tonk Musik macht die Atmosphäre, die Superstars die Hingucker, natürlich neben den vielen Mädels, die da rumlaufen. Angefangen von Lola (Catherine Rouvel) als Stammmieze der beiden Kings bis hin zur kleinen Staßennutte (Mireille Darc): Corinne Marchand, Laura Adani, Nicole Calfan u.v.a.m. Aber die Helden sind ganz anständig. Sie machen nichts mit den Mädels. Capella und Roch arbeiten sich hoch. Erst machen sie den Fischbaron platt, dann den Fleischkönig. Michel Bouquet ist der windige Anwalt, der sie berät und dafür bezahlt. Das Ambiente zeigt den zunehmenden Wohlstand: Villa, Flügel, chinesische Vasen, Kunst en masse, nur keinen Sex. Die Polizei ist machtlos und wenn sich die Gangster gegenseitig eliminieren sagt der Kommissar ‘die Hirten sind froh, wenn sich die Wölfe gegenseitig fressen.‘ Die beiden ungekrönten Könige von Marseille werden quasi zu Volkshelden. Und als alle Nebenbuhler aus dem Weg geräumt sind, stellt sich ihnen das ‘Highlander Prinzip‘. Das wird teils durch Humor (wiederholten Münze werfen) und dann letztlich standesgemäß gelöst. Dazu meint der getroffene Capella ‘Das Glück gibt es nicht‘. In seinem Fall mag das ja stimmen. Was den Zuschauer betrifft, war das Glück der hohe Unterhaltungswert des Films. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.