Mi, 11.11.2015TV | Ein schönes Mädchen wie ichEin HeidenspaßDa hat uns Francois Truffaut eine herrliche immer noch frische Komödie aufgetischt mit einer umwerfend frechen Bernadette-Paulette-Lafont in der Hauptrolle. So offenherzig kennen sie die wenigsten von uns.
Als Gegenpol zu Camille glänzt der verklemmt brave Soziologiestudent Stanislas (André Dussollier). Bereits der Tritt ihres versoffenen Vaters hatte der kleinen Camille Flügel verliehen. Danach trägt die Kleine schmunzelnd eine Leiter weg…
Unglaublich amüsant wie Camille dann die Creme de la Creme des französischen Films vorführt bzw. beseitigt, weil die Männer doch immer nur das Eine wollen. Sie sind quasi das Opfer ihrer eigenen Begierde.
Und diese Herren sind wirklich echte Typen. Zunächst das Mamasöhnchen Clovis (Philippe Léotard), das sie auch noch heiratet. Er bleibt der jugendlich stürmische Trottel, dem die Eier ebenso am Hirn angewachsen sind, wie dem Sänger aus dem Showgeschäft Sam (Guy Marchand), der als akustische Begleitung Autorennen (Indianapolis) braucht. Der ‘Rattenfänger‘ Arthur (Charles Denner), der ja eigentlich die Frauen liebte, hat einen religiösen Hau. Und schließlich der Maître Murene (Claude Brasseur), der von Camille nicht nur das Geld will.
Wunderschön auch die Nebenhandlung mit der Sekretärin von Stanislas Hélène (Anne Kreis). Die still Verliebte sitzt am Ende an der Schreibmaschine und jeder darf raten, was sie da wohl tippt, nachdem ihr Chef ja im Knast sitzt.
Camilles letzter Coup ist der Anwalt vom inhaftierten Stanislas. Die Kamera enthüllt beide: Händchen-haltend…
Ein Heidenspaß aus den 70er Jahren als Oma ‘Paulette‘ noch jung und knackig war. | |
Di, 10.11.2015TV | Lawless - Die GesetzlosenDie Bondurant Brothers gegen den Rest der WeltDer gefühlte hundert tausendste Film über die Prohibition der 30er Jahre in den USA. Er unterscheidet sich durch drei Dinge von der Masse: erstens die lange Promiriege vor und hinter der Kamera, zweitens die Orgien von Blut und Brutalität, die hier verbraten werden und drittens hier gibt es fast keine Gutmenschen nur Verbrecher. Egal auf welcher Seite des Gesetzes, das es hier ja nicht gibt, sie stehen. Da muss man schon so ein hartgesottener Bursche sein wie Forrest (Tom Hardy) der älteste der Bondurant Brüder. Der lebte munter weiter, nachdem man ihm die Kehle durchgeschnitten hatte.
Nachdem der Zuschauer optisch durch Ströme von Blut gewatet sind, Folter und brutale Schläge überstanden hat, sind noch drei von den vier Brüdern am Leben. Und die demonstrieren eine der amerikanischsten Eigenschaften überhaupt: immer wieder aufstehen. (Shia Labeouf, Jason Clarke) Das tun die Jungs und haben folglich viele Kinder. Zwei Frauen im Clan helfen dabei: die Animiermietze Maggie (Jessica Chastain) und die fundamentalistische Sektenangehörige Bertha (Mia Wasikowska). Gegen die Bondurant Brüder stehen noch Guy Pearce als arroganter sadistischer Special Agent und Gary Oldman als konkurrierender Gangsterboss.
Die Atmosphäre ist düster, vorherrschend bräunlich, die Musik passt gut. Im Spaghetti Western pflasterten nur Leichen die Wege der Pistoleros, hier schwimmen sie noch in roter Farbe. Qualität kann man dem Streifen ja schlecht absprechen, aber für meinen Geschmack war zu viel Rot dabei. Nick Cave ist ja auch alles andere als ein Warmduscher. Hier hat ihm die Realität die Fakten geliefert, die John Hillcoat so farbig umgesetzt hat. Blutig spannend. Vampire könnten sich dran tot saufen. | |
Mo, 09.11.2015Kino | SpectreDer tanzende DrachenSam Mendes ist ein ganz großartiger Bond gelungen. Er hat nur ganz dezent auf bekannte Figuren zurückgegriffen (meist Fotos oder Requisiten), was die Bond Fans jubeln lässt. Aber er hat auch Ian Fleming weiter entwickelt. Bond kämpft nicht mehr wie sonst gegen Russen, Chinesen oder einen Egomanen hier sind es die Feinde der Demokratie im eigenen Lager. Was den Film außer der hohen Spannung noch so angenehm macht, sind die Tempi Wechsel. Klar braucht man die rasanten Verfolgungsjagden, die pyrotechnischen Superexplosionen sowie die tollen Stunts (hier mal wieder im Zug). Dazwischen gibt es aber immer wieder ruhige, fast ungewohnt ruhige Passagen mit wunderschöner Landschaft oder bemerkenswerten Begegnungen. Und das großartig hinausgezögerte Happy End mit Madame Swan (Léa Seydoux) kommt zwar erwartungsgemäß, aber wunderschööön spät. Und auch Monica Belluccis Kurzauftritt war Peperoni pur vor der Spiegelwand. Ein Ausfall war lediglich Christoph Walz. Selbst mit entstelltem Gesicht ist er kein Bösewicht à la Blofeld. Er ist und bleibt ein charmanter Mann. Das bisschen Süffisanz, das er bringt reicht nicht. Er ist halt Kindergeburtstag. Im ‘Django‘ hatte er geschliffene Dialoge. Das kann er süffisant gut machen. A apropos: der Witz hat wieder Eingang in die Dialoge gefunden. Madeleine Swanns Vater (Jesper Christensen) nennt 007 kurz vor seinem Tod ‘Einen Drachen, der in einem Hurrikan tanzt‘. Alles zusammen macht das einen großartigen Film aus.
Nach ‘Skyfall‘ – dem besten Bond aller Zeiten, vor allem auch wegen der menschlichen Komponente - hätte ich eine Steigerung fast nicht für möglich gehalten. Das galt nur bis ich Spectre gesehen hatte. | |
So, 08.11.2015TV | Night MovesEin nächtliches UnternehmenDrei Ökoaktivisten sprengen einen Staudamm in die Luft, um ein Zeichen zu setzen. Es gelingt, aber Regisseur Kelly Reichardt zeigt es nicht. Ihm ist die Diskussion darüber wichtiger. Die Betonung liegt auf den Skrupeln der Gruppe, die jeder einzelne nach der Tat hat. Harmon (Peter Saarsgard) verkraftet es noch am besten. Er taucht einfach unter. Der stille Josh (Jesse Eisenberg), der in einer Agrarkommune seinen Lebensunterhalt verdient, tut sich da schon schwerer. Er geht in die innere Immigration, was seinen Freunden auch nicht verborgen bleibt. Es kursieren bald Gerüchte. Die Ökofarmer wollen nicht mit hineingezogen werden. Josh merkt, dass Dena (Dakota Fanning) das schwächste Glied in der Kette ist. Obwohl sie sich geschworen hatten, nach der Tat keinen Kontakt mehr zu haben, klappt das nicht so recht. Es gab ein Todesopfer bei der Explosion. Dena bekommt vom Stress Neurodermitis.
Bevor Josh glaubt Dena ausschalten zu müssen, erfahren wir in langen, wortlosen Einstellungen, in denen die Kamera das innere und äußere Ambiente abgrast, viel über Sorgen und Gewissensbisse der jungen Leute. Dena könnte alles der Polizei erzählen. Eigentlich sind alle ratlos, wie es weitergehen soll.
Die ganze Thematik ist ein Vorhaben, das aller Ehren wert ist, doch als Film ist es nicht sehr attraktiv. Es bleibt ein gedankliches Konstrukt mit offenem Ende für die beiden Jungs. Das Entscheidende sieht man nicht: ein Grollen im Hintergrund deutet die Explosion an und was Dena und Harmon im Wohnwagen treiben, verbirgt sich hinter ihrem Kichern. Ist alles vielleicht nicht so wichtig, würde aber den Figuren mehr Lebendigkeit verleihen.
Vielleicht Diskussionsstoff für ein Filmfestival. Ansonsten zu blutarm und trocken wie Müsli ohne Milch. Gesund halt. | |
Sa, 07.11.2015TV | Die Tage unter NullDr Thibault & MathildeDer ganz normale Alltag des Notarztes Thibault (Mehdi Nebbou) und Mathilde (Marie-Sophie Ferdane), die im Büro arbeitet. Die Geschichte wird von beiden im Wechsel erzählt. Ihr Leben verläuft parallel zu einander, ohne dass sie es wissen. Es ist die Vorgeschichte ihres Kennenlernens, das aber eigentlich erst nach dem Film kommt. Zweimal wären sie sich fast begegnet. Mathilde hat es schlimmer erwischt. Ihr Chef, der ein ‘arroganter Dreckskerl‘ ist – wie sie sagt - mobbt sie aus ihrem Job. Er macht sie physisch und psychisch kaputt. Bei Dr. Thibault ist es einfacher bis auf die Arbeitsüberlastung. Manchmal sogar empörend-witzig wie die Episode mit dem Pförtner zur Tiefgarage. Zwei einsame Seelen streifen durch Paris. Er im Verkehr, sie in der Metro. Eigentlich sind sie recht nette Typen. Kurze Retros beleuchten ihre Jugend.
In der deutschen Fassung kommt nicht so deutlich rüber, warum er mit seiner Freundin Schluss macht.
Der lyrische Titel weckt die Neugier. Der Film ist nicht spannend, dafür aber abwechslungsreich. Manche Vorfälle könnten dem einen oder anderen auch schon mal passiert sein. Außerdem wartet der Zuschauer darauf, dass sich die beiden begegnen. Das geschieht, als Mathilde so fertig ist, dass sie einen Arzt braucht. Dr. Thibault eben. Realistisch. | |
Fr, 06.11.2015Kino | Der letzte WolfDer WolfsversteherDass Jean-Jacques Annaud ein großartiger Tierfilmer ist, der es versteht seine Geschichte in einen spannenden Spielfilm einzubetten, hat er ja schon mit ‘Der Bär‘ bewiesen. Hier ist er noch einen Schritt weiter gegangen. Der junge Chen Zhen (Shaofen Feng) zieht entgegen der offiziellen Parteilinie heimlich einen jungen Wolf auf. Wir sind im China der Kultur(vernichtung)revolution. Wie immer in den Annaud-Filmen gibt es Gegensatzpärchen: der Chinese aus der Stadt kommt aufs Land zu den Mongolen. Dieser Umstand wird zwar dramatisch nicht ausgenutzt, es kommt aber schon mal vor, dass einer scherzhaft ‘Du Chinese‘ genannt wird. Auch der Umweltschutz wird natürlich von den Mongolen gepflegt. Und immer wieder handeln die Nomaden nach den Geboten des Tengrismus. Dafür steht die Figur des alten Ba Sen. So opfern sie dem Gott neugeborene Wölfe, indem sie sie in die Luft schleudern. Ein anderer Aspekt aus der Mythologie sind die ‘fliegenden Wölfe‘, die aus durch hohe Mauern eingehegte Höfe entkommen und die suizidalen Wölfe, die sich in die Schlucht stürzen. Wenn man es nicht glaubt, kann man darüber ebenso hinwegschmunzeln wie über das letzte Wolkenbild. Wer’s nicht entdeckt, hat auch nichts verpasst. Darüber sollte man aber nicht die Love Story vergessen zwischen Chen Zhen und Ankhnyam Ragchaa. Bei ihnen fokussiert sich die Wolfsproblematik. Es kann nichts werden mit den beiden. Der Wolf steht zwischen ihnen.
Die gewaltige Weite der Landschaft beeindruckt, wenn auch die fulminante Orchestermusik das Minutiöse der Detailaufnahmen überdeckt. Denn Wolf und Mensch haben eins gemeinsam: sie sind nur ein winziger Punkt in dieser unendlichen Weite.
Ein Tierfilm, mit etwas Dramatik, einem Hauch Mystik neben viel Menschlichem und Natur pur. | |
Do, 05.11.2015TV | Der Präsident und meine KinderNervig!Der deutsche Titel ist eine Inhaltsangabe: Reporterin (Laetitia Dosch) berichtet live von einer Wahldemo in der Rue Solferino und hat zu Zause zwei schreiende Kinder, einen durchgeknallten Ex Ehemann (Vincent Macaigne) vor der Tür und einen total überforderten Babysitter (Marc-Antoine Vaugeois).
Das Original bezieht sich auf die Schlacht bei Solferino (1859), wonach wegen der unvorstellbaren Grausamkeit Henry Dunant das Rote Kreuz gründete. Somit ist es nur logisch, wenn der Film eher in Richtung Doku geht. Zumal es weder eine Komödie noch eine Tragödie, schon gar kein Krimi ist oder sonst irgendetwas. Es ist Hektik pur, mit viel Stress und Kindergeschrei. Dabei lässt Regisseurin Justine Triet die Darsteller größtenteils frei floaten. Improvisation ist angesagt. Das schafft zwar heiße Luft, verlangsamt aber die Handlung auf das Tempo eines rollenden Würfels im Sandkasten. Die Dialoge drehen sich im Kreise. Hat der Ex und Vater ein Besuchsrecht oder will er die Kinder entführen. Gut, er hat den Termin verpasst und der Babysitter geht mit den Kleinen in die Massenversammlung, was keine gute Idee war. Endlose Diskussionen zwischen den Geschiedenen nerven wegen der Wiederholungen und fehlender Höhepunkte.
Und als am Ende Laetitias momentaner Freund (Virgil Vernier) auftaucht, versteht er sich auch noch blendend mit Vincent. Es passiert wieder nichts. Die beiden tauschen in aller Ruhe Komplimente aus. Überraschung! Und als alle gegangen sind, will Virgil Laetitia bumsen. Wer hätte das gedacht. Das sieht man aber leider nicht. Laetitias Garderobenwechsel am Anfang war der einzige Lichtblick. Mehr Doku als Erzählfilm. Verglichen mit der Schlacht in der Nähe des Gardasees, war die Demo hier ein Kindergeburtstag. K.V. | |
Mi, 04.11.2015TV | Die Tribute von Panem - The Hunger GamesOrwell bei den GladiatorenEs ist eine clevere Mischung von bekannten Details aus Geschichte, Literatur, Manga und Comik, die geschickt zusammengefügt nur ein Ziel verfolgen: den Erfolg an der Kinokasse. Und der ist sicher, denn der Film bietet anregende Unterhaltung.
Ein bisschen durchgeknallt, ein bisschen schrill, eine Lovestory und manche unerklärbare Absonderlichkeit. Manche Figuren stammen direkt aus Alice im Wunderland (z.B. Elizabeth Banks), Urwaldfallen aus dem Überlebenskampf von Rambo und die groteske Mediensatire kennt man halt – egal woher.
Ein totalitärer Staat in der Zukunft, dessen Bewohner in mittelalterlichen Verhältnissen leben, weckt zunächst das Interesse der Zuschauer. Die soziale Diskrepanz wird noch durch einen Klassengegensatz verstärkt: die Regierenden sind fies, grausam und lieben makabre Scherze. Die verdummte Masse des Volkes scheint leicht manipulierbar durch die Allgegenwart der Medien. Will uns da etwa jemand einen Spiegel vorhalten?
Ausgesuchte Gladiatoren kämpfen nach dem Highlander-Prinzip gegen einander, a) um Sponsoren und b) in der Wildnis. Auch eine Liebespaar findet sich: Katness (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson).
Und doch schleicht sich in der Mitte ein Hänger ein. Die Stunts wiederholen sich, alles verläuft zu glatt. Auch die anfangs und am Ende emotionale Schiene wird im Breitformat gefahren nutzt sich etwas ab, was der Zielgruppe auf die das Spektakel abzielt offenbar nichts ausmacht. Beeindruckend die Kunstfigur des Moderators Caesar Flickerman (Stanley Tucci), neben dem selbstzerstörerischen Exhelden und Säufer Haymitch (Woody Harrelson). Da ist von Vielem so viel drin, dass man manches gut findet, weil der Unterhaltungseffekt stimmt. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.