Mi, 14.10.2015Kino | Den Menschen so fern OmUNah am MenschenDieser streckenweise sehr leise Film bringt wie zur Aufmunterung immer wieder die wunderschöne algerische Landschaft ins Bild. Dazu ist inhaltlich eine ganze Menge drin. Alles steht und fällt mit der Titelfigur Daru (Viggo Mortensen). Er kann, was nicht viele überzeugend rüberbringen: einerseits den knallharten Kerl und andererseits ein liebenswerter Mensch, dem schon mal eine Träne über die Wange laufen kann. Hier braucht er beides. Zunächst ist es ein Roadmovie: Daru soll den Gefangenen Mohammed (Reda Kateb) zum Gericht bringen. Das lehnt er eigentlich ab, denn es wäre dessen sicherer Tod. Dann wird es ein Kriegs- und Abenteuerfilm. Beide Männer geraten zwischen die Fronten von Rebellen und Armee. Die offiziellen Truppen verüben Kriegsverbrechen. Daru war mal Major. Schließlich wird es ein Coming-Off-Age Film, wenn Mohamed seine Unschuld verliert. Soweit geht es recht munter zu. Es wird anscheinend ein guter Film.
Die Vorlage von Albert Camus ‘Der Gast‘ betont vor allem die Freiheit und die Verantwortung des Einzelnen und aus seiner eigenen Erfahrung wird auch die rassische Herkunft erwähnt. Daru und seine Leute waren für die Franzosen Araber und für die Araber Franzosen. Hier überspannt die gesamte Handlung ein philosophischer Bogen mit der Aufforderung: ‘Du bist lebendig, lebe also!‘
Daru, der auch gegen den Analphabetismus im Lande ankämpfte, und Bildung mit Nahrung verband, muss erkennen, dass er untertauchen muss. Ein friedfertiger Schluss. Und der Titel hinterlässt Fragen…, was bei einem Film ja nicht das Schlechteste ist. | |
Di, 13.10.2015TV | Hühnchen in EssigLeiche im Malliol verstecktDer Titel hat mit dem Film so viel zu tun wie Apfel mit Apfelsine. Aber Chabrol, das alte Schlitzohr, macht sich halt einen Heidenspaß mit seiner dunklen Komödie, in der Inspektor Lavardin (Jean Poiret) in einem komplexen sozialen Netz ermittelt. Dabei ist seine Vorgehensweise ebenso ungewöhnlich wie die verschiedenartigen Beziehungen, in denen es auch Tote gibt. Sonst hat die Polizei bei Chabrol nicht gerade die Weisheit mit Löffeln gefressen. Hier schlägt Lavardin schon mal zu oder macht sogar Water Boarding, um Hintergründe zu erhellen. Neben ihm steht ein Mutter – Sohn Problem im Mittelpunkt. Sie (Stéphane Audran) im Rollstuhl und er Louis (Lucas Belvaux) verliert seine Unschuld an die rasierklingenscharfe Arbeitskollegin Henriette (Pauline Lafont). Daneben verschwinden Personen (Josephine Chaplin) und geldgierige Geschäftemacher wie Lavoisier (Michel Bouquet) versuchen mittels Korruption ans Ziel zu gelangen.
Wenn man im Park des wohlhabenden Dr. Morasseau (Jean Topart), der mit Malliol Plastiken bestückt ist, im Sockel einer Statue die Leiche von Madame findet, zeigt das die Absicht des Meisters. Er bleibt distanziert, zeigt uns keine Bluttat und die Aufklärung wird nicht groß erklärt. Darunter leidet die Spannung etwas. Dafür bietet der Dauersoundtrack die Möglichkeit der akustischen Folter. Und wenn wir am Ende eine heile Welt sehen, in der alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen (F.F.E.) ist, bleiben schon noch einige Fragen offen. Na ja, es ist halt angerichtet, das ‘Hühnchen‘. Inspektor Lavardin – so erfahren wir – hat eins zu Hause. Keine krachende Spannung, eher Schmunzelkrimi. | |
So, 11.10.2015TV | SpurenDie Kamel LadyMan sagt ja ‘Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen‘. Hier passt das nicht, obwohl Regisseur John Curren viele unbedeutende oder allseits bekannte Details gebracht hat. Grundlage für seine Wüstensafari ist der Tatsachenroman von Robyn Davidson über eine junge Frau, die mit ein paar Kamelen Australien durchquert hat. Natürlich ist sie auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn ihres Lebens, doch man merkt nichts davon. Immerhin sehen wir was vom Ayers Rock und bekommen eine kleine Einführung in die Kamelistik. Die Aborigines singen und tanzen. Aber eigentlich kommt Hauptdarstellerin Mia Wasikowska gut voran. Es gibt keine Probleme, nur einige Schwierigkeiten. Und dann kommen Robyn auch schon mal Zweifel, wegen dem Sinn ihres Unternehmens. Die Zweifel sind wohl eher der Erschöpfung geschuldet. Der Fotograf Rick (Adam Driver) von einer Zeitung, die Robyn sponsert, ist als Gegenpol zu ihr angelegt. Er ist eher der Typ Vollhorst, nervig und unsensibel. Und wenn sie Zweifel plagen, schlüpft sie unter seine Decke. Zack! Zweifel weg! Ein bisschen Retro vom großen Vater, von dem sie den eisernen Durchhaltewillen, sowie einen Kompass geerbt hat, schmücken das sonst trockene Ambiente wenigstens noch etwas aus.
Wüstenfüchse mögen das vielleicht faszinierend finden: immer nur Sonne, Sand, Staub und Trockenheit. Aber dafür Australien voll. Eine Menge von an sich unbedeutenden Tatsachen wird ohne Spannung erzählt, ein Erlebnis ohne Kitzel. Und damit der Zuschauer nicht einschläft, hat Robyn in der Wüste immer einen Wecker dabei. Aber nicht mal Spuren hat sie hinterlassen. K.V. | |
Sa, 10.10.2015TV | Im BettVom Sex zur MenschlichkeitDaniela (Blanca Lewin) und Bruno (Gonzalo Valenzuela) landen im Bett. Es beginnt eine minutenlange Ouvertüre, in der das Publikum nur lautes Stöhnen hört und verschwommene Bilder sieht. Die Situation ist klar: poppen bis zum Abwinken. Genaueres sieht man nicht. Die Kamera ist zu nah dran und die Bilder sind zu unscharf. Doch bald entwickelt sich ein Dialog, in dessen Verlauf jeder immer mehr über den anderen erfährt. Erste Belanglosigkeiten wie Namen oder Details von früheren One Night Stands werden ausgetauscht. Es entsteht sogar eine gewisse Schamhaftigkeit zwischen den beiden. Sie berühren sich nicht, vermeiden Blickkontakt. Erst später in der Badewanne kommen sie sich näher. Es folgt der zweite Teil des Lustgipfels (siehe Anfang!). Die Gespräche streifen subtilere Themen wie ‘Frauen kaufen besonders viel, wenn sie sexuelle Probleme haben. Der Austausch Ware gegen Geld ist einer Penetration nicht unähnlich‘. Frage nach Gott oder eine Untersuchung des Körpers auf Narben hin folgen. Von Bulimie und Krankheit der Eltern geht es weiter über eine mögliche Schwangerschaft und Aids.
Beide schwanken zwischen Beendigung des Liebesabenteurers und einer Fortsetzung. Sex bedeutet nichts. Die Leichtigkeit vom Sexkonsum verdeckt die Folgen oder etwaige Probleme. Oberste Maxime ist der Spaßfaktor. Drum eine Kissenschlacht.
Erst als Bruno in ihrer Handtasche eine Einladung zur Hochzeit findet, kann er 1+1 zusammenzählen. Daniela erzählt von ihrem gewalttätigen Bräutigam. Am Ende steht ein langes Schweigen und eine tröstende Umarmung, fast genauso lange wie das lustvolle Stöhnen in der Eingangsszene.
Die Handlung entfernt sich immer weiter vom reinen Sex und berührt letztendlich menschliche Qualitäten. Es stellt sich sogar die Frage nach dem Glück. Und da gibt es ganz unerwartet Tränen der Rührung und der Trauer und der Einsicht in die Notwendigkeit.
Da kann man schon die Preise verstehen, mit denen die Darsteller und das Drehbuch ausgezeichnet wurden. | |
Di, 06.10.2015TV | Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und WeißDas spanische SchneewittchenDer Vergleich zum ‘Artist‘ drängt sich förmlich auf. Nicht wegen des gleichen Erscheinungsjahres 2012, eher wegen der Stummfilmqualitäten und den Bildern in s/w, was beide Filme verbindet. Hier handelt es sich um ein Märchen, frei nach den Gebrüdern Grimm, der ‘Artist‘ ist eine Hommage an den Film ohne Ton und damit an eine untergegangene Zeit.
Der Film von Pablo Berger ist Schneewittchen (Macarena Garcia) mit viel spanischer Einfärbung: sie ist eine Torera, die Karriere macht. Die böse Stiefmutter (Mirabel Verdu) ist wirklich sehr böse. Sie kriegt der Schatten eines Stieres, Schneewittchen endet im Glassarg. Zuvor war ihr Auftritt in der Arena ein optischer und dramaturgischer Höhepunkt des Films. Und dann gibt es noch ein lyrisches Ende: die Zuschauer im Wanderzirkus versuchen sie wach zu küssen: sie entpuppt sich als Maschine. Nur als der in sie verliebte Liliputaner Rafita sie küsst…das ist noch schöner als wenn sie erwachen würde. Herrlich!
Blancanieves nutzt die Möglichkeiten des Stummfilms, der ‘Artist‘ überwindet sie, sodass man zeitweise vergisst, dass man einen Film ohne Ton anschaut. Beide zaubern eindrucksvolle s/w Bilder auf die Leinwand und setzen eine gekonnt schnelle Schnitttechnik ein. Während ‘Schneewittchen‘ ganz auf Drama und Tragik setzt, kommt beim ‘Artist‘ noch ein gehörige Portion Esprit hinzu.
Vielleicht hinkt der Vergleich ja auch, wenn man zwischen sehr gut und ausgezeichnet wählen muss. | |
Di, 06.10.2015TV | Die VergessenenSam oder Nicht-SamBereits das Poster zum Film ist symptomatisch für den Schluss. Alles unscharf! Man kann gerade noch das Gesicht von Julianne Moor verschwommen erkennen, weil man es kennt. Über ihre schauspielerische Leistung kann es keine zwei Meinungen geben. Seit dem grandiosen ‘ Still Alice‘ scheint sie auf solche Rollen zu stehen. Auch hier trägt die den ganzen Film, in dem sie (Telly Paretta) ihren Sohn Sam sucht. So ist es anfangs ein Psychodrama. Der Zuschauer meint lange Zeit, dass sie in Behandlung müsse. Ihr Psychiater Dr. Munce (Gary Sinise) erläutert ihren Zustand so ’Man sieht nur, was einem die Erinnerung eingibt zu sehen‘. Es kommen erste Zweifel. Kann eine Mutter nur ihren Sohn nicht vergessen. Auch einem Vater Ash (Dominic West) ergeht es ebenso. Steckt der NSA dahinter. Die lassen ja schon mal jemanden verschwinden. Flucht, Verfolgungen mit Autocrashs bieten ganz schön viel Action. Dann wird es ein Mystery: die Außerirdischen haben Sam entführt. Na gut, die kann man nicht erschießen, sie verflüchtigen sich in die Luft.
Und dann kommt der lauwarme, offene Schluss. Da meint Regisseur Joseph Ruben: suchen sie es sich aus. Alles wie bisher. Kein Sam, keine Erinnerung: April, April. Telly und Ash sind sich nie begegnet. He? Geht’s noch? Das zumindest haben wir gesehen. Ein interessanter Film ohne Schluss. Schade. Eineinhalb Stunden vertan. | |
Mo, 05.10.2015Kino | The CounselorDer ratlose BeraterIn diesem Hochglanzthriller gibt es eine lange Reihe von Superstars, die sich aber nicht ins Herz der Zuschauer spielen können, denn man kann nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden. Und nach altem Hollywood-Erfolgsrezept muss doch am Ende die Welt wieder den Guten gehören. Hier gibt es nur Agierende, die versuchen immer reicher zu werden und dabei ihren Hals (oder einen anderen Körperteil) zu retten. Zwischen zwei Pärchen steht der Titelheld Michael Fassbender, der immer mehr Partei wird. Einer der Gangster sagt ihm einmal ‘Sie können nicht in dieser Welt leben, ohne ein Teil davon zu sein.‘
Der Counselor und seine scharfe Frau Laura (Penelope Cruz) bilden noch das angenehmere Paar, sein Klient Reiner (Javier Bardem) und seine etwas undurchsichtige Flamme Malkina (Cameron Diaz) hingegen verkörpern eher die ganz Ausgeschlafenen. Und dann gibt es noch den Zwischenhändler Westray (Brad Pitt), der in seiner ganzen Unbedarftheit keine allzu gute Figur macht. Höchstens bei seinem Ableben nach einer Methode, die Reiner lange vorher beschrieben hat.
Bruno Ganz gibt uns eine kurze Einführung in die Diamantenkunde, was aber nur ein Auftakt zu längeren Dialogszenen ist. Ridley Scott geht es wohl hauptsächlich um die Atmosphäre, in der die superreichen Gangster leben: stinkreich aber gefährlich. Das verkörpern vor allem Reiner und Malkina. Ihn erwischt es, sie entpuppt sich als Bandenchefin. Gleich zu Beginn verdeutlicht sie, dass sie ihrem Schatzi überlegen ist. Nach einer ihrer kurzen Repliken bemerkt er ‘Ist das nicht etwas unterkühlt?‘ Antwort ‘Die Wahrheit hat keine Temperatur‘, dann schaut sie in den Sonnenuntergang und fügt hinzu ‘Sie geht unter.‘
Zwei spektakuläre Morde erhellen die Szene. Auch große Gangster beißen hier im Dienste der Unterhaltung ins Gras. Wer der Kadaver ist, der auf der Müllkippe landet, kann man nicht so genau sehen, nur vermuten. Wäre noch Malkinas Selbstbefriedigung im Spagat auf der Frontscheibe von Reiners Wagen zu erwähnen. Und dann ordern Malkina und der große Unbekannte (Goran Visnjic) das Siegermenu.
Die Mischung aus Brutalität und Gefühl, längeren Dialogen und sehenswerter Action, voll durchgestylt, bringt es hier voll. | |
So, 04.10.2015TV | Die SünderinDer blinde MalerAllein der Titel kommt eigentlich nur in kirchlichen Kreisen vor. Dass der Film in den 50er Jahren von maßgeblicher Stelle als gesellschaftlicher und moralischer Skandal empfunden wurde, zeigt wie verklemmt die damalige Zeit war.
Inhaltlich hat Regisseur Willi Forst aber schon eine ganze Menge hineingepackt: Prostitution, Vergewaltigung, aktive Sterbehilfe, einen Doppelsuizid und ein Leben in ‘Wilder Ehe‘. Dagegen ist vor allem die katholische Kirche Sturm gelaufen. Fest gemacht wurde das Ganze dann aber an der wenige Sekunden dauernden Nacktszene mit Hildegard Knef, während sie – weit entfernt und etwas überblendet - als Aktmodell für ihren Freund Alexander (Gustav Fröhlich)posiert. Dagegen ist die ‘Nackte Maja‘ von Goya in ihrer ganzen Deutlichkeit der reinste Porno.
Fest steht heute allerdings, dass der Film ein Kassenerfolg und für die Knef der Beginn einer Weltkarriere wurde. Die Reaktionen fundamentalistischer Christen (Stinkbomben und weiße Mäuse im Kino) waren vergleichbar mit den Demonstrationen gegen die Aufführung der ‘Letzten Versuchung Christi‘ von Scorsese in den späten 80er Jahren.
Fest steht aber auch, dass Hildes Off-Kommentar heute recht pathetisch wirkt und die Darsteller ziemlich hölzern vor der Kamera agieren. Etwas Einzigartiges hat dieser Film allerdings immer noch: er ist an Melodramatik und Altruismus nicht mehr zu überbieten. Prostitution zur finanziellen Lebensrettung des erblindeten Malers, Sterbehilfe aus Liebe mit Selbstbeteiligung.
Filmtechnisch fallen lediglich noch zwei Dinge auf: die Umsetzung von Alexanders auftretender Blindheit und seine Zeichnungen vom ‘Todesengel‘, der vorübergehend zum ‘ Engel des Lebens‘ wird. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.