Sa, 03.10.2015Kino | Ich und KaminskiDer blinde Maler‘Der Esel nennt sich immer zuerst‘, hätte man früher gesagt. Der weltberühmte Maler ist ja wohl bedeutender als der kleine Kritiker Sebastian Zöllner (Daniel Brühl). Davon abgesehen ist es kein Film für Leute, die mit Kunst nichts am Hut haben. Für die andere kleine Zielgruppe ist der Film allerdings ein Hochgenuss. Eine ironische Betrachtung des Kunstbetriebes mit einem liebevollen Einblick in die intersoziale Komponente zwischen Künstler und seinem Werk und der Vermarktung von Kunst. Daneben ist es ein Roadmovie. Beide Männer machen sich auf, Kaminskis Modell und Jugendliebe Therese (Geraldine Chaplin) zu (be)suchen. Die fühlt sich offenbar recht wohl im Ensemble von so viel prominenten Kollegen (Hader, Kurt, Lavant u.a.), wirft aber gleichzeitig mit Alzheimer-Light einen nostalgischen Schatten auf das Geschehen im Sinne von ‘Es ist vorbei!‘
Für Nicht-Kunstinteressierte gibt es noch die wunderschöne Landschaft der Berge und eine gerade endende Liebesgeschichte mit Elke (Jördis Triebel) und eine nur optional angedeutete mit Kaminskis mystischer Tochter (Amira Casar), die letztlich aber genauso widerspenstig ist wie ihr Vater.
Interessant die Annäherung und die gleichzeitige Abstoßung des alten Malers (Jesper Christensen) und des jungen Zöllner. Beide brauchen einander. Die geniale Romanvorlage von Daniel Kehlmann, der so gekonnt mit der Wirklichkeit und ihrem Schein spielt, lässt Kaminski auch noch blind sein, obwohl man das nie so recht glauben kann. Das interessante an diesem Film ist das Intermezzo von finanziellem Erfolg und die gleichzeitige Ablehnung desselben. Da ist Witz drin, Egoismus stößt auf Eigensinn und findet oft eine humorvolle Lösung.
Gekonnt die mehrmalige Überblendung von der Realität in ein Gemälde und umgekehrt. Der Abspann mit einem Schnelldurchlauf durch die abendländische Kunst, wobei Klassiker animationsmäßig in Bewegung gesetzt werden, ist ein eigenes kleines Kunstwerk für sich. | |
Fr, 02.10.2015TV | Ipu - A Farewell to FoolsDer Dorfdepp gehtInhaltlich hat der Film durchaus Qualitäten, die leider nicht ausgeschöpft wurden: ein deutscher Soldat wird ermordet, die Besatzer wollen ein Exempel statuieren und die Honoratioren des Städtchens als Vergeltungsmaßnahme erschießen. Die ehrenwerte Gesellschaft will den Dorfdeppen Ipu (Gérard Depardieu) als Sündenbock opfern. Der ist gar nicht so blöd wie er aussieht und verlangt Land und Geld, notariell beglaubigt. Selbst ein Probebegräbnis wird inszeniert. Doch dann war alles plötzlich für die Katz. Wahrscheinlich war der Krieg vorbei. April, April!
Nimmt man den Film ernst, ist er zu oberflächlich. Hält man ihn für eine soziale Parabel, ist er zu albern. Die Handlung kommt etwas märchenhaft daher und bleibt im Plakativen stecken dank aufgesetzter unfreiwilliger Komik. Es reicht nicht mal dazu, dass der Narr die Narren an der Nase rumführt. Hätte gut sein können. Der arme Depardieu geht immer weiter, weg aus dem Städtchen. Nicht mal ein würdiges Ende ist ihm vergönnt. Dabei hat er sogar eine Pistole. Und Harvey Keitel als Pater Johanis macht nur halbherzig mit, wenn er nicht gerade die hysterische Margherita (Laura Morante) abwatscht.
Selbst die durchschimmernde Spiralform der Handlung bleibt zu vage, wenn Ipu und sein kleiner Freund Alex (Bogdan Iancu) am Ende wie am Anfang kurz auf napoleonischen Krieg machen. Da kann Ipu nur salutieren. Der Narr verabschiedet sich. Und das ist gut so! Selbst die Superstars können den Film nicht retten. K.V. | |
Fr, 02.10.2015TV | Bitter MoonErst süß dann giftigDas ist Polanskis konsequentester Schocker. Ein Lehrstück über die große, absolute Liebe, die in abgrundtiefen Hass umschlägt. Mimi und Oscar lieben sich bis zum Wahnsinn. Eine Obsession, die beiden kaum Luft zum Atmen lässt. Oscar (Peter Coyote) ein erfolgloser Schriftsteller löst die Verbindung allerdings, demütigt und beschimpft Mimi, ja sie prügeln sich sogar. Mimi (Emmanuelle Seigner in einer ihrer besten Rollen) erst verführerisch lasziv, dann hündisch winselnd, umklammert seine Knie. Das ist schlimm genug. Aber als aus der Kindfrau eine Rachegöttin wird, zeigt der Vergleich, dass Oscars Aktivitäten Peanuts waren, zu dem, was sie jetzt mit ihm anstellt.
Zwischen diesen beiden laufen so fast alle Emotionsebenen ab, die man sich vorstellen kann: von Sado/Maso über prollige Domina Spielchen, Rasiermessereinsatz, Maske und Peitsche. Alles nur zu Steigerung der unersättlichen Lust – von beiden. Dann läuft sein Liebespegel gegen Null.
Fast alles wird in der Retrospektive erzählt, denn Oscar sitzt schon bald im Rollstuhl. Mimi genießt seine Qualen. So kommt Spannung auf. Ein Ehepaar Fiona (Kristin Scott Thomas) und Nigel (Hugh Grant) bildet den Kontrast zum Liebespaar und gleichzeitig den Rahmen für deren diabolisches Spiel. Diese beiden sind herrlich ausgetrocknet und werden quasi erweckt.
Sogar der Titel des Films wird erklärt, bevor Oscar eine finale Lösung findet. Er nutzt ein Geschenk von Mimi. Ein großartiger Film, ein echter Polanski eben. Drehbuch, Darsteller und Ambiente formt Polanski zu einer grandiosen Einheit. Und die Seigner spielt sie alle an die Wand. | |
Mi, 30.09.2015TV | The Rum DiaryDie Schöne & der SuffkoppAuch wenn es die Verfilmung der Romanvorlage von H.S. Thompson ist, die wiederum auf viele Details aus seinem Leben beruht, ist das noch lange kein Grund, dass ein mittelmäßiger Film rauskommen muss.
Dabei tut der Protagonist Johnny Depp sein Möglichstes, damit der Film ein Erfolg wird. Reicht aber nicht. Die Handlung ist zu wirr, zu wenig zwingend und macht zu viele gedankliche Schlenker ins Ungewisse. Trotz viel Karibik Feeling.
Vor allem das Ende dieses bizarren Abenteuers erzeugt verdutztes Staunen und unzufriedenes Kopfschütteln. Na gut, so war halt das Leben dieses Paul Kemp. Markante Sätze aus dem Roman lassen hinhören wie das Oscar Wilde Zitat “Von allem kennt man den Preis, von nichts den Wert“.
Neben nebulösem Journalismus und stinkreichen Amis, die erzkonservativ und zielstrebig ein Naturparadies kaputt machen wollen, erlebt man vor allem eins: Saufen bis der Arzt kommt. Hier wäre noch Giovanni Ribisi zu nennen als versoffenes Genie. Er übertrifft sich selber. Aaron Eckhart hingegen ist nur schön und reich und teilt mit Paul alles, sogar seine Freundin Chenault (Amber Heard). Der ist hier Mr ‘Ich-weiß-nicht-so-recht‘ persönlich. Dazwischen wird mehr oder weniger deutlich auf den amerikanischen Traum hingewiesen. Aber man weiß nicht so genau lebt er noch oder ist er tot?
Ein letzter Freundschaftsdienst von Johnny Depp, der eher ein Bärendienst wurde und der größtenteils am Zuschauer vorbeizielt und so das Hohle-Fass-Gefühl mit sich bringt. Hohl aber schick. Auch der Rum ist alle. K.V. | |
Mi, 30.09.2015TV | Das SchmuckstückDie VerwandlungFrancois Ozon hat eine erfrischende Emanzipationskomödie gemacht und das zugrunde liegende Theaterstück ganz auf Catherine Deneuve als Madame Pujol zugeschnitten. Neben ihr sorgen zwei Superstars Gérard Depardieu als Bürgermeister Babin und Fabrice Luchini als Monsieur Pujol für genügend ernsthafte Komik, die bisweilen italienische Ausmaße annimmt. Sie werden vom darstellerischen Umfeld u.a. mit Karin Viard (Nadège) und Judith Godrèche (Tochter Joelle) voll unterstützt.
Madame Pujol mausert sich von einem echten Schmuckstück (Originaltitel), das für Enkel, Garten und Gedichte lebt, zu einer erfolgreichen Managerin, die als Krönung sogar den Weg in die Politik schafft. Ihr Ehemann wird zum neuen Schmuckstück. Der schwungvolle Witz und besonders der Charme der Deneuve überdecken die Klischees und machen sie erträglich. Für Insider enthält die Rolle des reaktionären Monsieur Pujol Elemente, die auf Sarkozy hinweisen. (‘Wenn die Arbeiter mehr Geld wollen, sollen sie auch mehr arbeiten.‘)
Die Verneigung vor der Deneuve enthält nicht nur durch ihre an sich seltene Gesangseinlage, sondern auch durch die Tatsache, dass ihre Fabrik ‘Regenschirme‘ produziert, liebevolle Hinweise an ihren Karrierebeginn in Cherbourg. Ihre deutsche Synchronstimme stammt von Senta Berger.
Romantische Retros, als Madame noch etwas mit dem Bürgermeister hatte, sowie Vermutungen über ein gemeinsames Kind, verschönern die französische Note. Auch der Spagat zwischen Business und Familienstrategie, Aufsichtsratsmehrheit und Streik bleibt stets leicht und locker. Amüsante Unterhaltung. | |
Di, 29.09.2015TV | Eine LiebesgeschichteNutte CastaDieses gedankliche Konstrukt stellt an den Zuschauer hohe Anforderungen. Allein der deutsche Titel verteilt jede Menge Fragezeichen. Nicht nur die langen, sehr ruhigen Einstellungen, sondern auch die Ideen, die hier versucht werden filmgerecht an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Dabei gibt es Filme über obsessive Liebe en masse, die fast immer als orgiastischen Höhepunkt die Tötung des Partners vorstellen.
Eine junge Frau (Laetitia Casta, langbeinig bis zum Hals) macht Sado- Maso mit dem reichsten Mann Frankreichs (Benoit Poelvoorde). Richard Bohringer ist ihr verständnisvoller alter Liebhaber und Reda Kateb ein verständnisvolle Fluggast. Aber diese beiden sind nur schmückende Beiwerke als ruhige Gegenpole zum gewalttätigen Sex. Eigentlich passiert nicht viel in diesem Kammerspiel. Nur die Atmosphäre und das konsequent durchgestylte Ambiente fallen auf. An sich in Farbe gedreht, sind die Räume in s/w gehalten. Das schafft eine Eishöhle Wortloser Sex im Halbdunkel mit Gewalt („Sie küssten und die schlugen sich!“). Wenn das eine Liebesgeschichte sein soll, dann ist es eine der besonderen Art. Endlos lange, stumme Blicke, oft ins Leere. Da lob ich mir das fernöstliche ‘Reich der Sinne‘. Da geht noch was ab! Hier gibt es ebenfalls den angedeuteten Todeswunsch des Bankiers und einen Vorversuch mit Platzpatronen. Ob beim zweiten Mal echte Patronen verwendet werden, will uns Regisseurin Hélène Fillières nicht verraten. Casta schießt, er liegt am Boden und sagt ‘Nochmal.‘ Soll wohl unersättlich wie beim Sex sein. Liebe ist es ohnehin nicht.
Also geht es wieder um Machtspielchen und Quälereien, um Unterwerfung und Stimulation. Ich musste mit dem Schlaf kämpfen und hätte fast verloren. K.V. | |
Sa, 26.09.2015Kino | Am Ende ein FestDie apokalyptischen OldiesDie beiden Macher des Films haben schon versucht ein ernstes Thema heiter aufzubereiten und man kann auch öfters herzhaft lachen, wie z.B. beim Telefonat einer alten Freundin mit Gott, doch im Grunde ist das alles nicht lustig, denn es geht um Sterbehilfe. Bei den fünf apokalyptischen Oldies kommt dann noch Demenz hinzu und schließlich ist einer auch noch geldgierig. Es ist ausgerechnet einer der beiden Schwulis, von denen einer verheiratet ist.
Aber alle Figuren sind mit viel Liebe gezeichnet und hier ist es vor allem das Alphapärchen Yehezkel (Ze’ev Revach) und Levana (Levana Finkelstein), deren Liebesleid besonders unter die Haut geht. Aber bevor den Zuschauer ‘der Blues‘ packt ist Schluss.
Egal ob man mit einem Lächeln das Kino verlässt oder deprimiert, zu mindest muss man sich mit dem Tod – vielleicht sogar dem eignen – auseinandersetzen.
Dabei ist es kein Appell zur aktiven Sterbehilfe. Nicht schlecht. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.