Do, 24.09.2015TV | Love Is All You NeedDie zweite LiebeEine nette Oldies Romanze mit italienischem Flair. Die an Krebs erkrankte, verheiratete Ida (Trine Dyrholm) trifft den Witwer Philip (Pierce Brosnan). Sein Sohn Patrick (Sebastian Jessen) und ihre Tochter Astrid (Molly Blixt Egelind) wollen in Italien heiraten. Das muntere Drum Herum eines Familientreffens hat Regisseurin Susanne Bier recht humorvoll eingefangen. Hier fällt am meisten die leicht durchgeknallte, rothaarige Tante Benedikte (Paprika Stehen) aus dem Rahmen, sie schwingt flotte Reden und versucht sogar Philip anzumachen.
Idas Ehemann bringt überraschend seine Freundin Thilde mit (Christiane Schaumburg-Müller), mit der Ida ihn zu Hause in flagranti erwischt hatte. Das birgt Sprengstoff und Komik mit sich.
Doch Susanne Bier bleibt nicht an der Oberfläche. Zwei Schocker bringen eine leicht melohafte Note mit ein: Philip überrascht Ida am Strand. Sie trägt nach ihrer Chemotherapie gerade keine Perücke und später outet sich der Bräutigam als schwul.
Dass es mit Ida und Philip klappen wird, darüber kann es ja keine zwei Meinungen geben. Die Frage ist bloß, wie?
Und da hat der Drehbuchautor Jensen einen stimmigen und stimmungsvollen Schluss gefunden. Klar hätte er den ‘Puderzuckerguss‘ von Idas völliger Heilung hätte anders einbauen können, aber da existieren wohl mehrere Versionen. Ganz OK Pierce Brosnan nach 007 als Familienmensch zu sehen. | |
Mi, 23.09.2015TV | Charles Bronson: Der GrenzwolfBronson jagt HarrisDer Film behandelt ein Thema, das die Amerikaner seit Jahrzehnten kennen und das jetzt in Europa plötzlich hochaktuell ist: Grenzkontrollen.
Dazu ein poetischer Titel, der nicht das Negative am Begriff ‘Wolf‘ beinhaltet. Denn Jeb Maynard (Charles Bronson) jagt nicht die armen mexikanischen Illegalen sondern die Schleuser. Wir sehen den ganzen Aufbau der Organisation von der Konzernspitze Henry Lydell (Michael Lerner) bis zum Organisator vor Ort dem Vietnamveteranen Hotchkiss (Ed Harris). Und wir sehen wie das Ganze funktioniert. Es ist ein Millionengeschäft und es gibt Tote. Man spricht von einer ‘Lieferung‘ und dann können mehrere hundert Mexikaner sein. Menschen!
Nachdem ein Feldversuch mit dem Ziel den Gangstern auf die Spur zu kommen gescheitert ist, versucht es Jeb auf die harte aber unterhaltsame Tour. Da muss schon mal ein Schleuser seinen Kopf ins Klo stecken nachdem er kräftig durchgewimmst worden ist.
Daneben leistet das Greenhorn Jimmy (Bruno Kirby) erfolgreiche Ermittlungsarbeit: Fußabdrücke, Reifenspuren, Tomatenproduzenten etc.
Der finale Showdown zwischen Hotchkiss und Jeb ist natürlich reine Formsache. Im Abspann werden wir aufgeklärt, dass jährlich an dieser Grenze 1 Mio. geschnappt werden und doppelt so vielen gelingt es rüber zu kommen. Und im Gerichtsprozess wurde Boss Lydell frei gesprochen wegen unzureichender Beweislage. Unterhaltsam und gut gemeint. | |
Mi, 23.09.2015Kino | Every Thing will be fineAlles wird gutOb der Titel sich am Ende bewahrheiten wird oder ironisch gemeint ist, werden Optimisten und Pessimisten wohl unterschiedlich beantworten.
Die Beziehung zwischen dem Schriftsteller Thomas (James Franco) und Sarah (Rachel McAdams) zerbricht, weil sie unterschiedliche Lebensentwürfe haben. Das neue Verhältnis, das Thomas mit Ann (Marie-Josée Croze) eingeht, leidet unter den Folgen eines Unfalls: Thomas ist der kleine Sohn von Kate (Charlotte Gainsbourg) vors Auto gerutscht.
In intensiven Bildern mit vielen Details und überwiegend Großaufnahmen der Gesichter geleitet die Kamera den Zuschauer durch dieses komplexe Handlungsgeflecht. Leise, anrührend, bisweilen erstaunlich. Versöhnung ist nicht jedermanns Sache. Also nicht auch noch die andere Wange hinhalten!? Sarah hat unter der Trennung jahrelang gelitten.
Thomas erlöst quasi den Bruder des getöteten Jungen, der in ihm einen Ersatzvater sieht. Dessen Mutter Kate begeht mit ihm ein Abschiedsritual, eine Art ‘Feuerbestattung‘ und am Ende versöhnt er sich auch noch mit seinem dementen Vater (Patrick Bauchau).
All diese Dinge spielen sich in wechselnde Jahreszeiten im wunderschönen Kanada ab, bieten Raum für Reflexionen. Die vier Hauptdarsteller liefern eine großartige Leistung ab, in der jeder einzelne als Solist und im Duo seine knisternden Momente hat, wie sie nur Wim Wenders aus ihnen herauskitzeln kann. | |
Di, 22.09.2015TV | Ein Moment der VerirrungVerirrung oder Verwirrung1977 war der Film noch ein Thema und seitdem ist es immer wieder mal abgehandelt worden. Vielleicht ist es ja wirklich so zeitlos. Zwei Freunde, Pierre (Jean-Pierre Marielle) und Jacques (Victor Lanoux) machen Urlaub mit ihren 17 jährigen Töchtern Martine (Christine Dejoux) und Francoise (Agnès Soral). Pierre schläft mit Francoise. Welche Tragik!? Doch der Titel besänftigt: es ist ja bloß ein Moment der Verwirrung gewesen. Von ihm? Von ihr? Von beiden?
Die beiden Freunde handeln die Problematik echt männlich ab. ‘Hau mir eine rein!‘ bietet Pierre an, der für Jacques Zeit seines Lebens erst Vorbild in der Schule war, dann Anführer in der Armee, schließlich hatten sie sogar Blutsbrüderschaft geschlossen. Und jetzt das!?
Es bleibt der moralische Zeigefinger oder ein Achselzucken, Empörung oder Gleichgültigkeit? Kein Voyeurismus oder Erstaunen, was es alles so gibt auf der Welt? Wahre Freunde teilen doch alles. Da hatte Jacques gesprächsweise Pierre angeboten ‘Hättest lieber meine Frau bumsen sollen‘.
Dialoge bleiben flach, die Argumente allseits bekannt. ‘Ich hab halt den Kopf verloren‘.
Und weil dann ein Ende kommt, wie es oft Marcel Reich Ranicki (selig) zitiert hat ‘Wir sehen betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen,‘ weiß auch Berri wohl keinen Rat. Pierre und Francoise stehen sich sprachlos gegenüber. Vorhang! Das ist noch unbefriedigender als die ähnliche Thematik in den Rohmer Filmen.
Berri hat ganz unterschiedliche Filme gemacht. Sie umfassen eine Wertetabelle, die von grandios über interessant bis witzig reicht. (‘Germinal‘ oder ‘Uranus‘ bzw. ‘Zusammen ist man weniger allein‘). Der hier gehört zur Kategorie K.V. ‘Kannste vergessen! | |
Di, 22.09.2015TV | Der alte Mann und das KindPepe & ClaudeDer kleine jüdische Bub Claude! (Alain Cohen) wird während des Zweiten Weltkrieges aufs Land verschickt. Hier freundet er sich mit dem alten Pepe (Michel Simon) an. Claude Berri hat seine eigenen Erfahrungen aus jener Zeit in diesem Film verarbeitet. Er betont hier die Zuneigung zwischen dem ungleichen Paar. Quasi Großvater und Enkel mögen sich unheimlich. Sie verbünden sich gegenüber der ‘Großmutter‘, wegen des Essens von Fleisch und stehen sich bei, wenn die Klassenkameraden Claude mobben oder er zur Strafe kahl geschoren wird.
Der Unterhaltungswert liegt unter andern in Claudes Wissen, dass er Jude ist, Pepe weiß es nicht und wird es nie erfahren.
Trotzdem ist es kein Drama, obwohl unterschwellig jede Menge Konfliktstoff lagert. Pepe ist ein extrem rechter Rassist, aber halt so liebenswert. Berri setzt aber immer nur Info-Tupfer. Mehrmals betont Pepe, der Feind seien die ‘Juden, die Freimaurer, die Sozialdemokraten und die Kommunisten‘. Heute dient das eher zur Belustigung. Es wird überhaupt nichts weiter ausgebaut. Es ist ein fröhliches Landleben zwischen Enten, Gänsen und Schweinen. Der uneingeweihte Zuschauer fragt sich vielleicht, warum will sich Claude von der Oma nicht abseifen lassen will oder es werden kurze optische Flashlights gesetzt, wenn bei der Siegesfeier geschorene Frauen kurz durchs Bild huschen. Die Zuschauer haben das 1967 anscheinend voll verstanden.
Wenn die beiden die Rassenmerkmale der Juden beschreiben und Claude feststellt, dass Pepe eigentlich Jude ist, begeben sich beide auf einen Grenzbereich, den sie aber nie verlassen werden. Harmlos, nett und voller Empathie. | |
Mo, 21.09.2015Kino | ChinatownDer Ex-Chinatown BullePolanskis Klassiker kommt aus der Ecke Hammett, Chandler Marlowe und Co. Der Drehbuchautor Robert Towne ist zwar von der schwarzen Serie ausgegangen (Detektivbüro erhält Überwachungsauftrag) hat die Handlung aber weiter gefächert und einen politischen Skandal draufgesetzt. Mitten in der Dürreperiode ertrinkt der Chef der Wasserbehörde in einem ausgetrockneten Flussbett. Privatdetektiv Gittes (Jack Nicholson) und die Witwe Evelyn (Faye Dunaway) versuchen teils gemeinsam teils gegeneinander den Fall aufzuklären. Was anfangs noch ein Paradebeispiel für Politik und Kapitalismus ist mit Vertuschungsversuchen und Korruption, entwickelt sich nicht zuletzt durch das Auftreten von Evelyn Vater (John Huston) zu einem Inzest und Vergewaltigungsdrama. Unglaublich eindrucksvoll wie Gittes dies aus Evelyn durch Ohrfeigen – Antworten herausprügelt.
Am Ende wird es wegen der familiären Verwicklungen (Vater ist gleich Großvater, Mutter ist gleich Schwester) etwas unübersichtlich. In einer ringförmigen Handlungsgestaltung geht es am Ende wieder zum ersten Fall zurück. Es ist Curly (Burt Young), Gittes erster Auftraggeber.
Das Oscar prämierte Drehbuch ist wirklich gut, wie z.B. im Dialog Gittes – Evelyn: ‘Sie gehen nicht zur Polizei, wenn ich ihnen die Wahrheit sage?‘
Gittes: ‘Ich gehe zur Polizei, wenn sie es nicht tun.‘
Die Optik überzeugt ebenso, wenn z.B. die Reflexion der Fotolinse das Gegenüber zeigt. Und nie zeigt sich Jack Nicholson so rauflustig wie hier. Das bleibende Bild des Films aber ist das leuchtend weiße Pflaster auf Gittes Nasenflügel. Es wurde ihm vom ‘Zwerg‘ verabreicht. Es ist Polanskis Cameo.
Zeitlose Qualität, gediegene Filmkunst. Immer wieder toll. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.