Sa, 19.09.2015TV | Zähl bis drei und beteDuell im HotelWarum aus dem ‘Zug um 3:10 Uhr nach Yuma‘ oder ‘Todeszug nach Yuma‘ ein religiöser Spaßtitel wurde: so bis ‘drei zählen‘ und dann auch noch ‘beten‘, weiß der Himmel. Gemacht hat ihn Delmer Daves, der es nie unter erste Garde der Westernregisseure geschafft hat und wie man hier sehen kann zu Unrecht vernachlässigt worden ist. Hier gibt es nur zwei Hauptdarsteller: der kleine Verbrecher Wade (Glenn Ford) und der gute aber mittelose Farmer Dan (Van Heflin). Zwei Frauen spielen eine untergeordnete Rolle: die Ehefrau Alice (Leora Dana), die bewundernd ihrem Mann Dan den Rücken frei hält und die Bardame Emmy (Felicia Farr), die mehr auf Killer steht.
Ebenso klar die Situation im Hotel: oben Dan und Wade, unten die sich bald verdrückenden Hilfssheriffs. Die sehr subtilen Dialoge tun für die Spannung ein Übriges. Wade gibt sich äußerst freundlich stets mit einem ironischen Unterton. Er versucht Dan zu bestechen, der zögert, oder versucht ihn wegen Alice zu provozieren. Die finale Ballerei fehlt, der Weg zum Bahnhof (Titel!) wird für Dan und Wade zum Spießrutenlauf. Beide werden je nach Lage plötzlich zur tödlichen Zielscheibe für Freund und Feind. Optisch wird dieser Teil durch viel Dampf aus der Lok etwas unübersichtlich und deshalb aufregender gemacht. Zuvor sorgen die Uhr und der Pfeifton des heranrollenden Zuges für weitere Spannung.
Vielleicht war Delmer Daves für ein Massenpublikum zu sanft. Er kommt hier fast ohne Tote aus und der Farmer Dan wird durch den Regen, der sich durch leisen Donner angekündigt hatte, belohnt, denn das bedeutet Gras für die Kühe und sein finanzielles Überleben.
Sehr subtiler durchaus spannender Western, der ohne viele Klischees auskommt. Da braucht man nicht bis drei zu zählen oder zu beten. | |
Sa, 19.09.2015TV | Zwei Mann, ein Schwein und die Nacht von ParisQuer durch ParisDer deutsche Titel dieser charmanten Komödie ist Inhaltsangabe. Da kann man höchstens noch erklärend ergänzen, dass es sich um eine geschlachtete Sau handelt, deren Einzelteile während der deutschen Besetzung in 4 Koffern transportiert werden.
Drei Superstars lassen es recht locker flockig angehen, d.h. 70 Minuten lang. Metzger Jambier (Louis de Funès in einer seiner ersten Rollen), der Kriegsgewinnler und Kunstmaler Grandgil (Jean Gabin) und der arbeitslose Taxifahrer Martin (Bourvil). Der Schwarzmarkt blüht, es geht um Seife, Händewaschen und Kohlenklau und dank der politischen Lage gibt es hin und wieder doppelbödige Dialoge. Eine Schmunzelkomödie bisher.
Grandgil und Martin müssen sich auf ihrer Odyssee mit Hunden, einer Nutte und Polizeikontrollen herumschlagen. Kleiner Witz von Gandgil zu einem Flic mit Taschenlampe ‘Ich dachte, ihr seid die Straßenbeleuchtung.‘ Die beiden werden verhaftet und zur Gestapo transportiert.
Es folgt ein etwas verbogenes Ende, das so gar nicht zum bisher gesehenen zu passen scheint. Siegesparaden im befreiten Paris. Grandgil vereist und Martin ist der Kofferträger. Man kennt sich. Der Dreh stammt aus dem Jahre 1956. Hatten die Franzosen elf Jahre nach dem 2. Weltkrieg so einen Schluss nötig? Immerhin sind es noch sieben Jahre bis zum Elysee Vertrag, in dem wir uns mit unserem westlichen Nachbarn versöhnt haben.
Wie gesagt, über eine Stunde Unterhaltung zum Schmunzeln, den Rest kann man getrost vergessen. | |
Fr, 18.09.2015Kino | Mein Stück vom KuchenDer Börsianer & die PutzeBörsenmakler Stephan (Gilles Lellouche) engagiert Putze France (Karin Viard), die zum Kindermädchen aufsteigt und sogar in seinem Bett landet. Am Ende erfährt sie, dass er verantwortlich war, für die Schließung ihrer Fabrik.
Diese oberflächliche Betrachtungsweise übersieht allerdings die Vorzüge des Films.
Die beiden Spitzendarsteller sind überaus überzeugend in ihren menschlichen Gegensätzen. Beide bleiben verletzliche Wesen, die anrühren. Aus marxistischer Sicht sind sie Klassenfeinde, aus kapitalistischer sind ihre Intentionen gleich: beide wollen ein Stück vom großen Kuchen.
Die Story wird mit viel Witz erzählt. Dicht an der Wirklichkeit steuert sie ständig zwischen Feuer und Eis, Geschäft und Gefühl. Als France sein Telefonat mithört, begreift sie, dass er noch nicht kuriert ist. Also Frontalangriff.
Besonders der offene Schluss adelt den Film. Aschenputtel oder so wäre ein Fehlschlag gewesen. Man kann und soll sich sein Ende selbst zusammenreimen.
In vielen kleinen Details kommen aber auch noch Wertvorstellungen rüber wie ‘Ihr Sohn ist nicht mit Geld zu bezahlen‘ oder wenn France Stephan erklärt, wie die Frauen ticken und versucht ihn vom Womanizer zum mitfühlenden Menschen zu machen. Immerhin muss er ein Tränchen verdrücken, als France seinen Sohn entführt. Beide durchleben eine Katharsis in gegenläufiger Bewegung. Er erklärt ihr seine Zahlentabellen und wie der Kapitalismus funktioniert, sie geigt ihm seine Meinung, korrigiert seine Ausdrucksweise und begleitet ihn zu einem Geschäftsessen als seine russische Eroberung, die in der VHS die Landessprache gelernt hat. (‘Mit meinem Regenschirm esse ich Sahnetorte‘.) Jetzt versteht sie den Kapitalismus. Unter Insidern werden nämlich die finanziellen Aktivitäten mit Ausdrücken aus dem Sexualleben benannt. (‘Na, welche Bank fickst du heute?‘)
Charmant, unterhaltsam und mit viel Esprit. | |
Do, 17.09.2015Kino | Still the WaterDas zweite FensterEin anspruchsvoller Arthouse Film. Bereits der deutsche Titel macht Kopfzerbrechen. Es ist die Antwort auf die Frage ‘Und was sonst noch?‘ Antwort: “Da ist immer noch das Meer“. Der des Originals lautet ‘Das zweite Fenster‘ und bleibt kryptisch.
Im Dialog wird die Metapher vom Menschen als Welle verwendet. Sie hat Energie, bewegt sich eine zeitlang und vergeht. Nur das Meer an sich ist ewig. Es bleibt.
Der Film als Ganzes ist schön. Nichts als schön. Auch wenn schon mal ein Schocker eingebaut ist, wie die geöffnete Halsschlagader einer kopfüber aufgehängten Ziege, die unter kläglichem Gewimmer ausblutet.
Aber auch andere Dinge der aufgedröselten Handlung, die auf einer kleinen abgelegenen japanischen Insel spielt, erschließen sich uns nicht ganz leicht. Da stellen die taschenphilosophischen Gespräche über den Tod noch das geringste Hindernis dar.
Die Liebesgeschichte zwischen Kaito (Nijiro Murakami) und Kyoko (Jun Yoshinaga) steht zwischen ihren sehr unterschiedlichen Müttern. Ihre Mutter Isa (Miyuki Matsuda) ist sterbenskrank und Schamanin, seine Mutter Misaki (Makiko Watanabe) geht in Richtung Nymphomanin, was Kaito lange daran hindert Kyokos Drängen nachzugeben. Der Schamanismus ist uns ebenso fremd wie das Totenritual im Film. Der Fund einer Leiche am Strand wirft Fragen auf, ein Taifun bringt das Meer ganz schön in Wallung und Vater und Großvater verkünden allgemein gültige Weisheiten. Diese Insel im Meer ist inhaltlich und von der Machart her tausendmal weiter von uns entfernt als der Mond. Aber der große runde Erdtrabant ist auch schön anzuschauen. | |
Di, 15.09.2015TV | Am Rande der Nacht'Mach's gut Hampelmann'Das ist Claude Berris interessantester Film. Ein Rachedrama mit Vorstadtatmosphäre, kantig und düster wie das Leben folgt es doch einer gewissen Logik, dabei bleibt es doch ungerecht und mit einem einzigartig überraschenden Ende.
Ein Exbulle Lambert (Calouche) arbeitet als Tankwart, freundet sich mit dem Dealer Youssef (Richard Anconina) an, der für ihn wie ein Ersatzsohn ist. Interessant wie sich die beiden näher kommen z.B. über zögerliche Geständnisse. Youssef mag die Nutte Lola (Agnès Soral). Als er von der Unterwelt ermordet wird, startet Lambert einen Rachefeldzug. Professionell und umsichtig, Lola hilft ihm dabei. Nebenbei wird der menschliche Hintergrund von Lambert enthüllt. Der Schluss ist dann das, was man im Theater den ‘dramatischen Vorhang‘ nennt. Angekündigt von einer schwarzen Katze im Hausflur. Aber wenn man zurückdenkt, lief alles darauf hinaus. Irgendwann einmal hatte Lambert schon zu Lola gesagt, als sie ihn zurückhalten will ‘Ich bin doch schon tot! ‘ So hat der Film am Ende eine Bombe im Gepäck. Großartig und mit einem deutschen Titel, der auch ‘am Rande des Regens‘ oder ‘am Rande der Gesellschaft‘ lauten könnte. Doch Claude Berri bestand auf ‘Hampelmann‘. Das kann Lambert sein oder Youssef oder jeder von uns. | |
Di, 15.09.2015TV | Papas KinoDie BerrisWenn man Claude Berri schätzt und etwas über seine persönliche Entwicklung erfahren will, und wie er zum Film kam, dann sollte man sich diesen Film anschauen. Ansonsten wird man ihn fade und langweilig finden, weil er nichts hat, woran man Qualität messen kann. Abgesehen von der Vermischung von angeblichen ersten Filmszenen und der familiären Realität. Es ist keine Hommage an das Kino, eher an die Familie Berri. Und wieso die gleich auf Anhieb so erfolgreich war, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Da ist von einem Wunder die Rede. Der Regisseur überreicht sich und seinen Eltern ständig Blumensträuße. Eigenlob!? Kein Vergleich mit CINEMA PARADISO.
Es ist eine Lobhudelei in eigener Sache voller Albernheiten und unbegründeter Gefühlsausbrüche. So genial kann die Berri-Family ja wohl nicht gewesen sein, was man so von der Truppe hier so sieht. K.V. | |
So, 13.09.2015TV | Der KlientDer DealHochspannung für fast zwei Stunden mit einer Spitzenensembleleistung voller Promis (z.B. Kim Coates, Will Patton, W.H. Macy, J.T. Walsh, John Diehl) und einem Plot der von John Grisham stammt.
Es geht um die Aussage des jungen Mark Sway (Newcomer Brad Renfro), der einen Suizid beobachtet hat, nachdem ihm der Selbstmörder das Versteck einer Leiche genannt hat, die die Polizei sucht.
Die Spannung wird aufrechterhalten, weil ein komplexes Gefüge von Leuten, die aus ganz unterschiedlichen Gründen an Mark Sway Interesse haben. Da ist zum einen die Mafia (u.a. Anthony LaPaglia) und andere angestellte Killer, dann das FBI unter Bundesanwalt Foltrigg (Tommy Lee Jones) und Marks Verteidigerin Anwältin Reggie Love (Susan Sarandon).
Reggie muss Mark zum Teil überreden, sich helfen zu lassen. Da entsteht eine Mutter-Sohn Emotionalität, die noch durch Marks prollige Mutter (Mary-Louise Parker) verstärkt wird, die gar nichts peilt. Dieser menschliche Aspekt bringt Tiefe, die vom Krimiplot ablenkt und das Ende gefühlvoll ausklingen lässt ohne zu überzuckern.
Daneben gibt es noch das Duell Anwältin – Bundesanwalt. Die Sarandon spielt eine clevere, herzensgute Frau, die vom Leben gebeutelt und nicht auf den Mund gefallen ist. Ihr Gegenüber macht auf freundlich und eitel und ist Reggie oftmals verbal unterlegen. Trotzdem machen beide einen Deal, der am Ende alle Probleme löst: Zeugenschutzprogramm für die Sways.
Zur Entspannung zwischendurch gibt’s noch Humor, wie z.B. die hundert Pizzen für die Polizeistation oder die Insiderdiskussion über Led Zeppelin.
Gut gemischt, überzeugend gespielt und von einem totalen Spannungsbogen zusammengehalten. | |
Sa, 12.09.2015TV | Die Glenn Miller StoryDie Suche nach dem SoundDieser Klassiker ist ein akustischer Leckerbissen für die Freunde des Swing und außerdem ein Sahnetörtchen für Romantiker, die auch ohne Happy End auskommen und die die Box für die Taschentücher mit dabei haben. Beide Gruppen erleben James Stuart in einer seiner sympathischsten Rollen. Es ist ein Feel-Good- Movie durch und durch mit dem ganz speziellen Charme der 50er Jahre. Dabei spielt die Handlung vor und während des Zweiten Weltkrieges. Glenn Millers musikalische Entwicklung wird anhand der bekanntesten Evergreens wie ‘Pennsylvania 65000‘, der ‘Moonlight Serenade‘ und natürlich ‘In the Mood‘ dargestellt, seine private Welt mit Ehefrau Helen (June Allyson) bewirkt einen zusätzliche emotionalen Schub. Jazzidole wie Louis Armstrong haben einen kurzen Bühnenauftritt. Man kann nachvollziehen wie sich Glenn Miller vom damals üblichen Sound absetzte. Ganz unaufdringlich wird seine ungewöhnliche Instrumentalisierung erwähnt: 4 Posaunen, 5 Trompeten, 4 Saxophone und eine Klarinette.
Vierfünftel des Films ist zeitlos muntere Unterhaltung, aber am Ende weinen Helen, Glenns beste Freunde und große Teile des Publikums um die Wette. Glenn Millers Ende ist ein Paradebeispiel für Legendenbildung. Da Regisseur Anthony Mann einen abschließenden Blick in die Ewigkeit wirft, bleiben wir schwingend zurück, leicht gerührt aber swingend. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.