Do, 27.08.2015TV | Die andere HeimatDie armen Leute von SchabbachIm Mittelpunkt stehen die Dorfbewohner von Schabbach im Hunsrück. Wir sind Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Not viele Menschen zwang nach Südamerika auszuwandern. Stimmungsvolle s/w Bilder, die gelegentlich pointiert mit Farbtupfern versehen werden, schaffen eine Atmosphäre, die von gemeinsamem Leid und der Kraft des Familienverbandes bestimmt wird. Die Laiendarsteller reden Dialekt. So seziert Edgar Reitz mit dokumentarischer Präzision den Alltag der Leute, der von Armut und unterdrückter Lebensfreude geprägt ist. Sogar eine vormärzliche Stimmung kommt auf. Doch es geht letztlich neben Tod und Suizid um die Liebe. Jakob (Jan Dieter Schneider) schreibt die Geschichte des Dorfes auf und verliebt sich in Jettchen (Antonia Bill). Doch die wird von Jakobs Bruder Gustav (Maximilian Scheidt) geschwängert und muss ihn heiraten. Eine Liebesnacht im Wald ist Jakob und Jettchen dennoch vergönnt, bevor diese mit ihrem Mann auswandert. Da feiern die Emotionen fröhliche Urstätt. Das Ambiente des Dorfes wirkt authentisch und nicht gebaut sondern gewachsen. Die beiden Drehbuchautoren Reitz und Heidenreich haben gewissenhaft recherchiert und erwähnen liebevolle Details wie die Indianersprache. So gerät der Zuschauer im Verlauf der dreieinhalb Stunden in einen Sog der Ereignisse, die die Gefühle keineswegs außen vor lassen. Ein Meisterwerk! | |
Mi, 26.08.2015TV | Gute Nacht, Herr Advokat!Einfach Mist!Eine total verstaubte, heute etwas dümmlich wirkende Klamotte, die lieber im Archiv bleiben sollte. Die Handlung ist albern, die Dialoge dämlich und vor allem keineswegs neu. Ehemann (Alberto Sordi) ist für ein paar Tage allein zu Hause und prompt fliegt ihm ein Blondchen (Maria Berni) in die Arme. Ehefrau (Giulietta Masina) macht gute Miene zum plumpen Spiel des Hallodris. Auf den ist der ganze Film zugeschnitten. Und er macht sich zum Affen. Das liegt aber auch am Drehbuch. Die Masina in ihrer fadesten Rolle. Als ob es ihr peinlich ist, hier mitwirken zu müssen. Auch die Nebenrollen sind blutleer. So sieht doch kein Klassiker aus. Höchstens ein Staubfänger. Kein Wunder, dass die Frauen sie durchschauen, wenn die Männer so dümmlich wie hier agieren. Infantiler Gockel in unterster Schublade. Und am Ende fügt sich alles zu Friede, Freude, Eierkuchen. Mit dem kleinen Hinweis, dass sie sich durchsetzt und er als Sprücheklopfer entlarvt ist. Hohl und mau.
Kein Vergleich zum Klassiker von Billy Wilder ‘Das verflixte 7. Jahr‘. Auch der von Vittorio de Sica ist viel geistreicher. Ob da 1955 wirklich jemand drüber gelacht hat?
So ein Mist könnte höchstens als abschreckendes Beispiel dienen, wie es nicht gemacht werden soll, damit auf diesem Humus nix mehr wächst. Sonst ‘Gute Nacht‘ Qualität. | |
Di, 25.08.2015TV | Camille Claudel 1915Gequälte KreaturDieses Psychogramm einer gequälten Kreatur ist eine Paraderolle für die Binoche. Natürlich drängt sich der Vergleich mit dem großartigen Vorgänger auf. 1988 hatte Bruno Nuytten ein Biopic mit Isabelle Adjani vorgelegt, das dramatisch und darstellerisch nicht mehr zu toppen ist. Und ein Vergleich kann den beiden Filmen nicht gerecht werden, denn es sind zwei völlig unterschiedliche Ansätze, die nur die Titelfigur gemeinsam haben.
Damals eine Biographie einer Künstlerin, die Rodin durchaus ebenbürtig war, eine Frau zwischen großer Liebe und großer Kunst. Hier eine Frau zwischen Einsamkeit und Wahnsinn, von Gott und der Welt - vor allem ihrer wohlhabenden Familie - verlassen.
Außerdem sehen wir hier eine Zustandsbeschreibung vom Anstaltsalltag des frühen 19. Jahrhunderts. Dieser Film wird im Wesentlichen von drei längeren Monologen bestimmt: im ersten erklärt Camille die Gründe für ihr Leben in der Anstalt. Das bringt die Binoche recht dramatisch rüber. Im zweiten Monolog outet sich ihr Bruder Paul (Jean-Luc Vincent) als religiöser Fundi. Hier kommt etwas Subjektivität zum Tragen. Paul tickt nicht mehr ganz im grünen Bereich und so entsteht der Eindruck Camille könnte auch jenseits der grünen Linie angesiedelt sein. Quasi erblich veranlagt. Beide reden an einander vorbei. Im dritten Monolog bittet Camille ihren Bruder um Hilfe. Er versteht sie nicht.
Der Film wird zunehmend anstrengender: z.B. lange Pausen Stille Tränen Schreie “Halleluja!“
Und wenn echt Behinderte ein Theaterstück proben (zumal eine Liebeszene), ist das eigentlich nicht komisch. Soll’s aber wohl sein.
Für die Kunst ein Schuss ins Leere, vielleicht ein Frauenfilm oder für Binoche –Fans.
Übertrieben anstrengend. | |
Mo, 24.08.2015TV | Fesseln der MachtDer Priester & der PolizistMal ganz abgesehen von dem sinnfreien deutschen Titel. ‘Macht‘ und ‘Fesseln‘ haben nichts miteinander zu tun. Sie schließen sich höchstens aus. Wer die Macht hat, kann nicht gefesselt sein, sonst hat er sie nicht mehr. Also wenn schon dann ‘Grenzen‘. Das Original spricht von einer ‘wahren Beichte‘, genaugenommen sind es drei. Aber so einen Film kann man auch heute nicht mehr drehen. Regisseur Grosbard bricht bei diesem seltenen Thema mit einigen Kinokonventionen. Zwei Brüder: ein Priester Desmond (Robert De Niro) und ein Polizist Thomas (Robert Duvall). Der eine verfolgt einen Mord, der andere erfährt in der Beichte teilweise die Details. Die beiden Roberts sind hier grandios. Bodenständig, aber auch sensibel, distanziert aber auch emotional dabei. Und alles läuft völlig unspektakulär ab. Hier dominiert die Normalität des Faktischen mit Ausflügen in die brüderliche Gefühlswelt. Am Bett der Mutter z.B. oder an der Bahre einer guten Freundin, der Puffmutter Brenda (Rose Gregorio). Im personellen Umfeld erleben wir ganz professionell die Ikonen Cyril Cusack als Kardinal Danaher und Burgess Meredith als aufrechten Msgr. Fargo, der kein Blatt vor den Mund nimmt.
Die geschliffenen Dialoge lehnen sich eng an den Roman von J.G. Dunne an. (‘Er sieht aus wie ein Kobold, denkt aber wie ein Araber‘). Aber auch mal locker flockig ‘Der Gewinner geht zum Dinner‘. Und der korrupte Millionär, um den es hier geht, mit anrüchiger Vergangenheit ist Jack Amsterdam (Charles Durning). Er wird als katholischer Laie des Jahres prämiert. Es gibt keine Lösung, nur Andeutungen getarnt als Gespräche im Beichtstuhl und das genügt auch. Auch im richtigen Leben wird nicht jeder Verbrecher überführt. So kann man sich am Ende auf die beiden Brüder konzentrieren: Desmond ist todkrank, die Zuschauer durchleiden eine Schweigeminute. Fargo weilt auch nicht mehr unter den Lebenden. Auch ohne Lösung überzeugend, weil leider zeitlos. | |
Sa, 22.08.2015TV | The Minus Man - Der nette Mörder von nebenanDer etwas andere KrimiEin Psychothriller der etwas anderen Art. Wir glauben den Mörder Vann Siegert (Owen Wilson) zu kennen, wir kennen auch die Opfer, ja selbst die Methode bleibt uns nicht verborgen: Gift. Es gibt polizeiliche Ermittlungen, die dem Täter ganz dicht auf den Fersen sind. Nur den Mord selbst sehen wir nicht. Es gibt Nachrichten im Fernsehen, Leichen werden gefunden und beerdigt. Nur der Serienmörder läuft immer noch frei herum. Die Handlung enthält Lücken. Es bleiben offene Stellen, die wir sonst gewohnt sind, serviert zu bekommen. Die Vermieter (großartig Brian Cox, Mercedes Ruehl) sind nett, wenn auch vom Leben schwer geprüft. Und zu allem Übel verliebt sich Kollegin Ferrin (erfrischend offen Janeane Garofalo) auch noch in ihn. Einmal verliert er bei einer Kabbelei mit ihr die Kontenance, Ferrin kann sich befreien. Das ist die einzige handfeste Szene, die wir sehen. Er hätte…können. Regisseur Fancher lässt uns mit unseren Vermutungen allein. Das widerstrebt unserem Gerechtigkeitsempfinden, aber wo kein Kläger, da kein Richter.
Im Roman von Lew McCreary reicht das aus für die Spannung des Lesers, aber im Film…? Amerika ist so riesengroß, da kann sich ein Mörder schon mal übern Acker machen, ob’s einem gefällt oder nicht. Dem deutschen Untertitel werden wohl alle bis auf Ferrin zustimmen. Vann ist nett, aber ein kranker Verbrecher (Titel!?). Und Minus Man? Vann hat ein Minus, ihm fehlt das Unrechtsbewusstsein. Er ist eine Minuspotenz. Hoher Unterhaltungswert bei einem fragwürdigen Thema. | |
Sa, 22.08.2015TV | Der Tod ritt dienstagsTage des ZornsEin Paradebeispiel was deutsche Verleiher so mit Originaltiteln anstellen. Hier wird aus den ‘Tagen des Zorns‘ ein sinnfreier deutscher Titel, der mit der Handlung des Films so viel zu tun hat wie Fisch mit Fruchtsaft. Die beiden Weltstars Gemma und van Cleef argieren zwar als echte Westernhelden, wobei Gemma der Schüler und van Cleef der Lehrer ist, aber was und warum sie sich wieder entzweien, kann nicht überzeugen. Und wie in jedem guten Italowestern pflastern Leichen ihren Weg. Zu flott wechselt Guiliano die Fronten. Aber für Theatralik ist hier ja kein Platz. So bleibt es ziemlich spannend, auch wenn bald klar ist, dass Guiliano der Gute und van Cleef der Böse ist. Die Verhaltensregeln, die der Meister seinem Eleven mit auf den Weg gibt, wirken etwas überzogen. Nach der Fünf erwartet man schon die Sechs usw.
Was will man schon von einem Durchschnittswestern erwarten? Ballermann und Co? Der Revolverheld, der in die Jahre gekommen ist und der jugendliche Held, unehelich geboren und als Klo Mann tätig, ist ja auch nicht so ausgefallen. Woher der nur so gut schießen kann, nachdem zuvor Lee alles umgenietet hat, was mit einem Colt auf ihn zielte. Egal. Kann man lassen. Es gibt schlechtere Italowestern. Nur der dämliche deutsche Titel ist unverzeihlich. Der Soundtrack erinnert stellenweise an Ennio Morricone, ohne dessen Musikalität zu erreichen. | |
Fr, 21.08.2015TV | A Touch Of SinEin Hauch von SündeDer Film zeigt einen bunten Bilderbogen von der heutigen chinesischen Gesellschaft. Aber es ist nichts fürs Poesiealbum. Der Titel weist bereits darauf hin. Die lose nicht miteinander verbundenen Episoden reichen vom Feldzug des Arbeiters Dahai (Wu Jiang) gegen die Korruption, was er in echter Django Manier löst, über Erhebung einer Maut, wobei der Beleg für die Bezahlung in Form von Prügeln beglichen wird. Die gedemütigte Xiao Yu (Tao Zhao) greift schon mal zum Messer gegen ihre Peiniger und der Nachwuchs versucht sich im Service, sei es als Kellner oder als Balletteuse in einem proletarischen Ensemble. Hier sind die alten Junge Pioniere Uniformen angesagt.
Im modernen China mit iPad, Intercity und Hochhäusern gibt es aber immer noch Moped-Taxis, Wanderarbeiter und Gebete zu den alten Göttern. Auch wenn heute Zigaretten als Räucherstäbchen herhalten müssen. Die Gesellschaft verwestlicht größtenteils und wird zunehmend zur kapitalistischen Ellenbogengesellschaft. Regisseur Jia Zhang-ke betont den zunehmenden Hang zur Gewalttätigkeit.
In der zweiten Hälfte fasert die Handlung etwas aus und verliert an Drive. Das liegt auch an den harmloseren Vergehen, die hier den ‘Hauch von Sündenpfuhl‘ verdeutlichen sollen. Die sexuelle Gewalt ist unterschwellig und unübersichtlich. Der Erzählstil wird zum Plauderton. Kids lassen Fische frei, streben ganz allgemein nach Glück oder die Tochter verpfeift den Vater bei der Mutter. Selbst ein Sprung vom Dach bleibt da fast ohne Wirkung.
Insgesamt nicht schlecht, aber auf die Dauer aber ermüdend. | |
Do, 20.08.2015TV | Die fünfte JahreszeitDas Ende der WeltEine Endzeitgroteske, die erst verstört, dann erschreckt und letztendlich unter die Haut geht. Bereits die erste Einstellung weist den Weg: ein Mann gackert im Wohnzimmer einen Hahn an, der auf dem Tisch sitzt. Es folgt ein ganz gewöhnliches Dorfleben allerdings in ungewöhnlichen Bildern. Volkstanz mit Winteraustreiben und Glühwein. Die Junge Alice (Aurélia Poirier) ist verliebt, der alte Pol (Sam Louwyck) - neu ins Dorf gezogen – lebt in einem Wohnwagen. Plötzlich gerät der natürliche Kreislauf ins Stocken: Kühe geben keine Milch, Bienen produzieren keinen Honig, das Ackerland verdorrt. Der Bauer sagt zum Hahn ‘Frikassee‘ und tut’s. Das soziale Gefüge des Dorfes bekommt eine Schieflage. Das Klima spielt verrückt. Es schneit im Sommer. Alice verkauft sich, man bezahlt sie mit Zucker. Im Laden gibt es Würmer im Glas, Fliegen vom Fliegenfänger abgekratzt…
Ein Schuldiger ist schnell gefunden: Pol, der sich einen Philosophen nennt, hört von dem Chaos auf den Straßen. Seine Antwort ‘Man muss das Chaos in sich tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären.‘ Weil der Scheiterhaufen nicht brennen will, wird sein Wohnwagen angezündet. Die Dorfbewohner tragen vogelähnliche Masken, agieren wie der Ku Klux Klan. Es kommt zu Plünderungen.
Der mögliche Klimawandel zieht abartige Veränderungen bei allen Interaktionen der Menschen nach sich. Eine davon ist die Fremdenfeindlichkeit auf der Suche nach einem Sündenbock.
Die Natur wird zum Feind des Menschen, der zu einer uniformen Masse verschmilzt.
So viel Arthouse ist nichts fürs breite Publikum, dafür aber viel Raum und Zeit für Diskussionen. Die knappen Dialoge sind nicht sehr einladend zumal eine stringente Dramaturgie fehlt. Großer Pluspunkt sind die eindrucksvollen Bilder. | |
Do, 20.08.2015Kino | Night on EarthTaxi DriversAlle fünf Episoden spielen nachts und im Innern eines Taxis, allerdings in verschiedenen Städten. Sie sind inhaltlich alle mehr oder weniger humorvoll mitunter mit einem etwas leicht melodramatischen Einschlag.
Der Knaller des Films ist die New Yorker Geschichte. Hier spielt Armin Müller-Stahl einen Taxifahrer, der kaum fahren kann und eine Verständigung im besten Denglisch versucht. Das ist zeitlose Komik, gekonnt wie selten sonst. Armin gelingt es mit Sympathie zu punkten gepaart mit der Unsicherheit eines Einwanderers. Die Sprachschwierigkeiten sind vom Feinsten, die Namensgebung ausgesucht treffend. Auf der Effektivitätsskala dicht gefolgt von der Episode vier in Rom. Hier spielt Roberto Benigni sich selbst in Höchstform. Er quasselt in seiner pornographischen Beichte Hochwürden auf dem Rücksitz buchstäblich zu Tode. Dabei ist es nicht immer leicht bei seinem Redeschwall die deutschen Untertitel mitzulesen. Die Anfangsgeschichte ist zum Aufwärmen mit der älteren Castinglady Gena Rowlands und der jungen Kette rauchenden Fahrerin Winona Rider, die nicht zum Film will. In Paris wird Isaach de Bankolé vom blinden Fahrgast Béatrice Dalle geleitet und in ein Streitgespräch verwickelt. Ihr Ausstieg setzt neben einer kleinen Überraschung noch vorübergehend Spekulationen frei. Der Schluss spielt in Helsinki. Hier wird’s kaurismäkimäßig etwas melodramatisch, ob des Elends in der Welt.
Sehr unterschiedliche Geschichten angefüllt mit liebevollen Details und ganz unterschiedlichen Formen des Humors. Die Darsteller sind einsame Klasse. Und natürlich darf Tom Waits in Abspann nicht fehlen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.