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Fr, 07.08.2015
Kino | Tote schlafen fest OmU
Marlowe & das Lügengebäude5 Sterne
Was diesen Film so gut macht ist: • Der Hauptdarsteller Humphrey Bogart (auch mal kurz in einer Szene als seichter Bücherfreak mit hochgeklappter Hutkrempe). • Die Liebesgeschichte mit Lauren Bacall. Bevor es richtig losgeht, ist Schluss. • Die geschliffenen Dialoge mit Pfiff und voller Ironie von Falkner eng an Chandler orientiert: -‘Wie trinken sie ihren Brandy?‘ – ‘Aus dem Glas‘ oder Taxifahrerin: ‘Ruf mich an, Tag oder Nacht.‘ –‘Tag oder Nacht?‘ – ‘Nachts ist besser. Tagsüber arbeite ich‘. • Die konsequente Dunkelheit und der ständige Regen schaffen eine eigenartige, düstere Atmosphäre. • Die Handlung ist so leicht verworren, dass der Zuschauer gerade noch folgen kann, aber eigentlich ist sie völlig unwichtig: Dafür kann man zählen, wie oft sich Marlowe nachdenklich ans Ohrläppchen greift. Alter Millionär Sternwood (Charles Waldron) hat 2 Töchter Vivian (Lauren Bacall) und Carmen (Martha Vickers), die beide in kriminelle Machenschaften verwickelt sind. Marlowe ist der Privatdetektive, ‘der dafür bezahlt wird, dass er die schmutzige Wäsche anderer Leute wäscht.‘ • Ein kryptischer Titel, den jeder versteht, aber keiner weiß etwas damit anzufangen, weil er eine Selbstverständlichkeit enthält. All diese Kriterien zusammengenommen machen den Film zum Kultklassiker, den man sich von Zeit zu Zeit immer wieder mal anschauen kann wie einen guten, alten Expressionisten.
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Do, 06.08.2015
TV | Warriors of the Rainbow
Japanischer Imperialismus4 Sterne
Ein Heldenepos aus der nicht allzu ruhmreichen japanischen Imperialismus Epoche. 1930 hatten sie Taiwan eingenommen und die Ureinwohner unterdrückt und ausgebeutet. Ihr Häuptling Mouna ((Lin Ching-Tai) führte dann einen Aufstand gegen die Fremden an, für die die Taiwanesen nur‘ Wilde‘ waren. Die Japaner sind den indigenen Stämmen natürlich weit überlegen. Sie verfügen über Elektrizität, Eisenbahn, Flugzeuge und das Telefon. Ähnlich wie gut dreißig Jahre zuvor sich die Chinesen gegen die Europäer erhoben (Boxeraufstand) und Unverwundbarkeit für sich beanspruchten, kämpften die Taiwanesen eigentlich auf verlorenem Posten. Der lyrische Titel geht auf die taiwanesische Mythologie zurück. Ein Großteil des Films besteht aus gut gemachten Kampfstunts und Schlachtengetümmel. Überraschende Tempowechsel gestatten emotionale Ergriffenheit bei gekonnter Optik. Die Frauen, die hier eigentlich keine große Rolle spielen, erhängen sich massenweise und bringen ihre Babys um. Es regnet aber auch schon mal rote Kirschblüten. Nach der fernöstlichen Ideologie, die hier dahintersteht, ‘stirbt ein richtiger Mann auf dem Schlachtfeld‘. Ansonsten gilt ‘Frauen weben, Männer köpfen‘. Sogar für Gesangsuntermalung ist Platz, wodurch die Handlung näher kommentiert wird. Der Kampf um eine Hängebrücke mit vielen Explosionen ist das spektakuläre Ende, das den Sieg der Taiwanesen besiegelt. Hier sind die Bösewichte nun mal die Japaner und nicht wie meistens die westlichen Weißen. Das ist spannende Unterhaltung auf historischer Basis. Und die, bei den Kämpfen aus dem Leben scheiden mussten, gehen über die Regenbogenbrücke. So endet der Film mit einem Märchen. Nicht schlecht.
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Do, 06.08.2015
TV | Warschau '44
Liebe in Zeiten des Krieges2 Sterne
Es hätte eine großartige Darstellung der polnischen Situation zwischen Deutschland und Russland am Ende des 2. Weltkrieges werden können. Die Schilderung der polnischen Fehleinschätzung wegen Unkenntnis der Lage. Hitler und Stalin hatten sich bezüglich Polen bereits geeinigt. Hitler zog ab und die Rote Armee rückte vor. (Die 4. Polnische Teilung). Nicht zu verwechseln mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto. Doch was hier herausgekommen ist, ist eine Mischung aus Abenteuerurlaub und Pfadfinderlager. Ausgehend von einer militärisch strategischen Unübersichtlichkeit wird der Zuschauer mit einem emotionalen Overkill überschüttet. Über weite Strecken des Films ist der Krieg weit weg. Auch wenn die Pressefotos nur blutverschmierte Gesichter der Hauptdarsteller Jozef Pawlowski (Stefan) und Zofia Wichlacz (Ala) zeigen. Der Held kann zwischen den Mädels wählen und sogar Liebe im Kugelhagel machen. Na toll! Da wirken dann so urplötzlich dazwischen geschnittene Erschießungen von Mutter und Stefans kleinem Bruder oder die digitale Sprengung einer Brücke wie der Frosch auf dem Fahrrad. Im Großen und Ganzen geht der Zug in Richtung Schmonzette. Da würde sich Andrzej Wajda im Grabe umdrehen – wenn er denn drin läge – bei so viel Verleugnung bewährter polnischer Tradition. Diese Stadt kann man getrost vergessen auch wenn Komasa versucht hat, durch optische Spielereien sich bei einem jüngeren Publikum anzubiedern. So ist ein genuines Anliegen verspielt worden.
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Mi, 05.08.2015
Kino | Im Lauf der Zeit
Kamikaze & der Herr der Landstraße5 Sterne
Die Wenders-Filme spielen immer auf mehreren Ebenen. Hier ist es • eine Hommage an das alte Dampfkino, fast schon ein Nachruf. • ein Roadmovie • eine wortkarge Männerfreundschaft zwischen Bruno (Rüdiger Vogler) und Robert (Hans Zischler) • beide sind u.a. auf der Suche nach ihren Wurzeln • beide leben ohne Frauen, obwohl sie das eigentlich nicht wollen • eine visionäre Vorausschau: Amerikanisierung unseres Lebens Die Fahrt entlang der Zonengrenze macht den Film zu einem historischen Dokument. Die eindringlichen Bilder machen die fast menschenleere Gegend irgendwie fast spürbar. Nach 25 Jahren Wiedervereinigung ist diese Region heute ebenso wenig besiedelt wie das ehemalige Randgebiet der BRD in den 70er Jahren. Die kleinen Kinos, deren baldiges Ende hier vorhergesagt wird, hießen damals meist ROXY und die Tanken TEXACO. Dorfnamen wie ‘Machtlos‘ oder ‘Friedlos‘ fallen. Von Product Placement keine Spur: deshalb ungeniert Binding und Coca Cola. Und die Möbelwagen hatten noch keine hydraulischen Laderampen sondern Treppen. Die s/w Bilder sind mit einem sanften, sehr melodiösen Soundtrack (Roger Miller, Crispian St. Peters, Chris Montez) unterlegt. Über weite Strecken geht es ohne Worte dahin. Für die unschuldige Liebesgeschichte mit Pauline (Lisa Kreuzer) nimmt sich Wenders nicht viel Zeit. Frauen sind halt problematisch sagt einer. Und Robert erfährt erneut wie gestört das Verhältnis zu seinem Vater ist. Die Anlehnung an ‘Easy Rider‘(1969) kann man vernachlässigen, nicht aber den absoluten Schocker des Films: Bruno macht genüsslich und in aller Ruhe ‘ne Wurst! Aber nicht die vom Metzger. Dafür gibt es Theater im Theater (Schattenspiele) und ein verbal verspieltes Ende. Ein Dokument für den Filmolymp. Ewig gut!
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Di, 04.08.2015
Kino | Gestern, heute, morgen OmU
Dreimal Sophia4 Sterne
Drei sehr unterschiedliche Episoden, in denen die beiden italienischen Superstar Sophia Loren und Marcello Mastroianni brillieren. Drei Perlen der italienischen Komödie. Die Loren stellt drei verschiedene Frauentypen dar. Ihre Ganzrolle im ersten Teil ‘Adelina‘ ist die der Supermama, die durch ständige Schwangerschaften dem Gefängnis zu entgehen versucht. Eine typische italienische Präkariatskomödie, in der die ganze Nachbarschaft an allen Familienereignissenn teilnimmt, egal ob es sich um den Gerichtsvollzieher oder um eine Liebesaffäre handelt. In ‘Anna‘ spielt sie eine gelangweilte Millionärsgattin, die mit ihrem Geliebten eine Spritztour macht. Eine Panne offenbart ihre hohle Oberflächlichkeit und die Distanz zu ihrem Lover. Und in ‘Mara‘ ist sie eine Edelnutte, die einen Novizen (Giovanni Ridolfi) vorübergehend vom rechten Weg abbringt. Selten ist Vittorio de Sica eine Situationskomik so gelungen wie hier mit Sophias legendärem Striptease. Der so toll war, dass sie es 1975 unter Capitani nochmal versuchen durfte – und es auch nicht geschafft hat, Marcello zu verführen. Selten sprühten Sophia und Marcello so vor Spielfreude. Ein himmlisches Vergnügen, das nicht nur in den 60er Jahren Freude bereitet hat. Das ist Comedy at its best. Volkstümlich, vornehm, lose locker. Nur der Titel ist so weit gefasst, dass er sich selbst umarmt.
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Mo, 03.08.2015
TV | Beasts of the Southern Wild
die Wilden aus dem Süden4 Sterne
Eine ungewöhnliche Geschichte wird ungewöhnlich erzählt. Aus der Sicht der kleinen Hushpuppy (Quvenzhané Wallis) wird neben einem Vater-Tochter Drama auch der Kampf einer kleinen Gemeinschaft, ums nackte Überleben nach dem Wirbelsturm Katrina geschildert. Verstörender Realismus aus einer Welt zwischen Alkohol und Prügel, neben abenteuerlichen Aktionen im besten Sinne des Wortes kommt am Ende noch ein Hauch von Märchen hinzu. (Riesige schwarze Schweine wie aus dem Videospiel). Eine kurze Szene, in der Vater (Dwight Henry) und Tochter in Tränen vereint zeigen, wie sehr sie sich lieben. Erst ganz am Ende verliert der Film die Bodenhaftung mit der ‘indisch-germanischen‘ Bestattung des Vaters. Das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Wir sehen großartige, manchmal auch schockierende Bilder trotz Handlkamera und lebhaften Schnitten. Hier gibt es keinen festen Halt unter den Füßen. Eine Welt, die von Schrott und Latten notdürftig zusammengehalten wird und die man nur im Suff erträgt. Hushpuppys Kommentar aus dem Off erinnert an den Vorspann der TV Serie ‘Bloch‘. Schlicht und von kindlicher Klarheit erreicht er bisweilen universale Aussagen. Mal ganz was anderes aber saugut.
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Sa, 01.08.2015
TV | Just Like a Woman
Treffpunkt der Kulturen4 Sterne
Ein Mädelsfilm im positiven Sinne. Zwei großartige Hauptdarstellerinnen Marilyn (Sienna Miller) und Mona (Golshifteh Farahani) sind zwar äußerlich recht unterschiedlich: die strohblonde Amerikanerin und die Frau aus dem Iran. Die eine wird vom arbeitslosen Ehemann Harvey (Jesse Harper) betrogen, die andere, die keine Kinder bekommen kann, von der arabischen Schwiegermutter (Chafia Boudraa) drangsaliert. Beide büchsen aus und versuchen sich durch Bauchtanz-Auftritte durchzuschlagen. Gegen Mona ermittelt die Polizei. Das bringt nicht nur Spannung sondern, weil es zwischen dem sie verfolgenden Polizistenpärchen nicht so recht klappen will, gibt’s noch einen ironischen Seitenhieb auf die erzkonservative amerikanische Gesellschaft, in der der Rassismus immer noch weit verbreitet ist. Marilyn wird im Camp zusammengeschlagen, Mona tanzt für sie. Die Dialoge zwischen den beiden Frauen zeigen unter anderem die Parallele zwischen Zwangsehe (Mona) und dem Frisch-Verliebt-Sein in einer Frühehe (Marilyn). Und weil Mona und Marilyn in einem Indianerreservat Campen, wird auch noch die Indianerproblematik angesprochen. Da bekommt Thanksgiving eine ganz neue Bedeutung. Sagt Häuptling beim Festessen ‘Da wurden die Indianer umgebracht. Wir waren der Truthahn.‘ An der Oberfläche ist es eine lockere Emanzipationskomödie, aber mit Tiefgang. Und so findet Regisseur Rachid Bouchareb ein typisch weibliches Ende, das den Titel widerspiegelt: Mona und Marilyn werden genau das machen, was Frauen in ihrer Situation so tun. Nicht FFE, sondern Fortschritt. Toll!
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Fr, 31.07.2015
TV | Himmlische Kreaturen
Mordende Engel4 Sterne
Es ist Peter Jackson gelungen, einen der grausamsten Muttermorde in einen poetischen Rahmen zu stecken. Und die Vorlage stammt aus den 50er Jahren. Erwähnenswert sind außerdem zwei Dinge: der Beginn der Weltkarriere von Kate Winslet, die hier die Juliet spielt und die Distanzierung durch die wahre Juliet Hulme, alias Anne Perry, vom Aspekt der lesbischen Liebe, der im Film die Basis für den Mord ist. Der Film zeigt eine in sich stimmige Entwicklung von zwei Mädchen auf einander zu. Sie sind anders als ihre Altersgenossinnen und allmählich wird aus jugendlicher Ausgelassenheit Zuneigung. Sie sind sensibler und cleverer als die anderen. Den männlichen Part in der Beziehung übernimmt Pauline (Melanie Lynskey). Ihr böser Blick und ihr trampeliger Gang überzeugen durchaus. Juliet ist die Prinzessin. Das gilt aber nur innerhalb ihrer Beziehung. Der Außenwelt gegenüber sind beide rotzfrech und aufsässig und wenn sie in Bedrängnis kommen reagieren sie superhysterisch. Vielleicht ist es zeitgemäß vertretbar, wenn in den 50er Jahren viel mehr geweint und laut geschrien wurde. Das bemüht Jackson vielleicht etwas zu arg. Dafür setzt er die Albträume der Mädels in lebensechte Menschen aus Ton um. Das geschieht sehr fantasievoll und farblich abgesetzt. Und zwischen den Zeilen gibt es noch die Erklärung, dass Juliet und Pauline an überheblichem Größenwahn litten. Das Psychogramm eines Mordes wurde gekonnt gestaltet und von eindrucksvollen Darstellern interpretiert. Nichts zum Wohlfühlen, aber trotzdem klasse. Und der Titel weist darauf hin, dass es nur eine mögliche, wenn auch überzeugende Interpretation ist.
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Fr, 31.07.2015
TV | Bandidas
Banditinnen2 Sterne
Die beiden Bandidas Maria (Penelope Cruz) und Sara (Salma Hayek) sind von Haus aus optische Hingucker und beide haben auch schon bewiesen, dass sie schauspielerisch was drauf haben. Auf ersteres setzten wohl die beiden Regisseure Sandberg/Ronning vor allem, denn letzteres können beide hier nicht beweisen. Klar, dass man bei Klamotte auch schon mal auf Altbekanntes stößt wie Banküberfall, Zugüberfall etc., auch dass alles vorhersehbar ist, ist keine Überraschung. Selbst Sam Shepard kann als freundlicher, älterer Schießlehrer nicht viel retten. Schon eher punktet der Sherlock Holmes-Verschnitt Quentin (Steve Zahn). Seine Figur ist zwar nicht völlig neu, aber als Kussprojekt auf Probe ist er ganz amüsant, und hier können die beiden sexy Hexies ihr angeborenes Talent voll einsetzen. Die anderen wenigen Gags sind mittelmäßig, das Outfit der Heldinnen dafür vom Feinsten. Sagt der Bankdirektor beim Testen der Sicherheitsanlage im Boden zum Gehilfen “Treto aufo Bodo.“ Na ja!? Es drängt sich natürlich der Vergleich zu ‘Viva Maria‘ auf. Da war bereits die Vorgeschichte von ganz anderer Qualität. Die Bardot und die Moreau hatten Charme, hier gibt’s Melodramatik und Klamauk. Die hatten pfiffigen Esprit, hier sind es Plattitüden. Die Französinnen haben so ganz nebenbei den Striptease erfunden, die Bandidas kämpfen im griechisch-römischen Stil um die Position von Quentins Hut als Feigenblatt. Das alles ist so wie eine gelungene Überraschung beim Kindergeburtstag. Ganz hübsch, aber nicht großartig.

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TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

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