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Di, 28.07.2015
TV | Tres
Drei, zwei, eins, deins!1 Stern
Dieser Film ist ein Nichts. Kein Drama, keine Entwicklung, keine Komik und kein Esprit. Ein Nullum. Wir sehen den Alltag einer Familie mit einer notgeilen, halbwüchsigen Tochter, die das tut, was für die Eltern Science Fiction ist. Außer diesen drei Figuren (Achtung Titel!) sehen wir noch eine Reihe übelgelaunter Mitmenschen, die ohne jegliche Emotionen durchs Leben treiben. Eine Abgrundtiefe, depressive Stimmung herrscht hier. Da fragt man sich doch, wie so ein Regisseur zum Festivalliebling werden kann. Mutter Graciela (Sara Bessio) tut das, was frustrierte Ehefrauen machen, wenn sie den Partner satt haben. Genau! Sucht sich einen Lover. Der tumbe Ehemann Rodolfo (Humberto De Vargas) schleimt sich an die Tochter ran und wird abgewiesen. Ersatzweise repariert er Abflüsse. Tochter Ana (Anaclara Ferreyra) hat Probleme in der Schule und im Sportverein keine Lust. Klar! Ihre Interessen liegen ja auf dem Sofa. Mutter und Tochter rauchen gemeinsam im Bett, Vater und Tochter begegnen sich ab und zu, gehen sich ansonsten aus dem Wege. Man das nervt ganz schön. Und weil wir gerade den Knopf zum Abschalten nicht finden, führen die drei (Titel!) gemeinsam ein Tänzchen vor. Grinsend. Unglaublich. Doch in Südamerika hat so ein Alltagslangweiler Tradition. Ich denke da u.a. an Daniel Burmans ‘Familiengesetz‘. Wie der ist TRES ohne Höhepunkt und Sinn. Da fragt man sich doch ‘Was soll’s?‘ Reif für die Goldene Gurke.
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Di, 28.07.2015
TV | In ihren Augen
Geheimnisvolle Blicke5 Sterne
Einer der genialsten Filme der letzten Jahre. Die Handlung vollzieht sich auf vier Ebenen, die kunstvoll miteinander verbunden werden. Dabei bleibt die Spannung voll erhalten bis zum Ende. Das Großartige daran ist, dass das Verständnis dafür aus der Dramaturgie des Films stammt. Die erste Ebene ist der Roman, an dem der Exkommissar Esposito (Ricardo Darin) arbeitet. Er beschreibt darin den Fall Morales. Die zweite Ebene ist eine vor 25 Jahren begangene Vergewaltigung und Ermordung von Liliana Colotto (Carla Quevedo), in der Esposito damals ermittelte. Die dritte Ebene ist eine schier endlose Liebesgeschichte der verpassten Gelegenheiten über den ganzen Zeitraum zwischen Esposito und seiner Vorgesetzten, der Richterin Irene Hastings (Soledad Villamil). Das allein könnte schon einen guten Film ausmachen, aber Campanella hat noch einen draufgesetzt: ein Seitenhieb auf das korrupte politische Systems Argentiniens. Ein verurteilter und geständiger Mörder kommt frei und arbeitet fortan für die Staatsmacht. Bei den Ermittlungen, die Esposito erneut und der Ehemann Ricardo (Pablo Rago) weiterhin betreiben, spielen Fotos eine Rolle, auf denen Blicke wichtige Hinweise geben. (Titel!). Es gibt sogar komische Situationen und Sprachwitz, für die meistens Espositos Kollege, ein tragisches, versoffenes Genie Sandoval (Guillermo Francella) verantwortlich ist. Wichtig für die Auflösung sind zwei zuvor eingeführte Elemente: gibt es im Arbeitszimmer von Irene Hastings etwas Wichtiges zu besprechen, macht sie die Tür zu. Lilianas Ehemann Ricardo hält die Todesstrafe für sehr human. Falls er den Mörder seiner Frau fasst, soll der lebenslang von unendlicher Leere gefangen sein. So gibt es am Ende zwei faustdicke Überraschungen: einen Schocker, den liefert Ricardo und einen Schmunzler, den steuert Irene bei. Zuvor hatte noch Esposito auf einem Memozettel einen Buchstaben ergänzt: TEMO wird zu TEAMO. Ein Geniestreich. Oscar!! Und Goya!!!
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Di, 28.07.2015
TV | Der schmale Grat
Die rote Linie5 Sterne
Terrence Malicks Antikriegs-Drama braucht sich vor den neun großen Vietnamfilmen keineswegs zu verstecken. (auch wenn es streng genommen im 2. Weltkrieg spielt und in einem anderen Teil der Welt). Das Ambiente und die Thematik sind gleich. Dieser hier unterscheidet sich von den anderen dieses Genres vor allem durch drei Dinge: ein Riesenangebot der Superstars, das vom Cameo bis zur tragenden Rolle reicht. Dann eine Begleitung der Handlung durch einen Off Kommentar, der kritische Fragen stellt, die richtig wehtun. So weh, dass ihm die zuständigen Gremien alle Oscars, für die er nominiert war, verwehrt haben. Rein formal hat der Film einen Rahmen von der Anlandung der amerikanischen Truppen bis zu ihrem Abzug von der kleinen Insel Guadalcanal. Zudem fasst er das Geschehen weiter als die anderen. Er schiebt immer wieder Tier- und Naturaufnahmen ein oder auch Liebesszenen als Retro mit der wunderbaren, hier wortlosen Miranda Otto, lässt die Eingeborenen zu Wort kommen, schildert die Stimmung in der Truppe und bringt durch einen gut getimten Tempowechsel von wilden Mann-gegen-Mann Kämpfen auch immer wieder philosophische Betrachtungen mit ein. (‘Diese Böse, woher kommt es? Wie stielt es sich in die Welt?‘ oder ‘Durch den Krieg macht man Menschen nicht edler. Man macht sie zu Hunden‘) Sinnlose Befehle werden schon mal verweigert. Das hat sonderbare Konsequenzen. Hier muss die herausragende Leistung und Nick Nolte erwähnt werden, der einen fanatischen Militaristen spielt, der einen vernünftigen Soldaten seines Kommandos enthebt und ihn gleichzeitig mit Orden überhäuft. All das gefällt Amerikas Zuschauern ebenso wenig wie ‘Die wollen, dass man tot ist oder ihre Lügen glaubt.‘ Allein schon der Titel, egal ob Original oder Deutsch ist Anlass zum Grübeln. Neben der kriegsmäßigen Ballerei, die ja wohl dazu gehört wie der Eifelturm zu Paris, gibt es auch noch emotionale Szenen, die unter die Haut gehen. Auch Ironie ist dabei ‘Fühlen sie sich auch manchmal einsam?‘ – ‘Nur wenn ich unter Menschen bin.‘ Der schmale Grat ist ein ganz großer seiner Art.
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Mo, 27.07.2015
TV | Johnny Guitar - Wenn Frauen hassen
Schwarz gegen Gelb4 Sterne
Ein Western Klassiker von Regie Legende Nicholas Ray. Seine Bildkompositionen waren 1954 bahnbrechend und seine komplexe Handlungsführung genial. Viele der hier agierenden Unbekannten, wurden später Kinostars (z.B. Borgnine, Caradine). Hier liefern sich zwei Frauen ein Duell auf Leben und Tod. Die Barbesitzerin Vienna (Diva Joan Crawford) und die Anführerin der Viehzüchter Emma (Mercedes McCambridge). Unterschwellig ist aber noch weit mehr im Busch. Vienna plant Investitionen wegen des zu erwartenden Eisenbahnbaus, der Emma und die Viehzüchter behindern würde. Sie holt Johnny Guitar Logan (Sterling Hayden) zum persönlichen Schutz und hatte mal ein Verhältnis mit ihm. Der Bankräuber Ted (Scott Brady) macht sich Hoffnungen auf Vienna und auf Emma. So entsteht ein vielschichtiges Geflecht von Beziehungen und Situationen, die ganz unprätentiös Spannung erzeugen. Dazu gibt es geschliffene Dialoge mit auffallend viel unterschwelliger Ironie. (‘ Was hält dich nachts wach?‘ – ‘Träume, böse Träume‘.) Manche Einstellungen sind symmetrisch (z.B. der Showdown der Heldinnen in Gelb und Schwarz) oder choreographisch wenn die Verfolgertruppe geschlossen vortritt. Dialoge und Handlung ergänzen sich, obwohl es äußerlich zwei Paar Schuhe sind: für Johnny und Vienna kommt das vorübergehende Aus im Gepräch, während die Mine in die Luft fliegt. Ein Wasserfall dient als Eingang zum Versteck und wird dramaturgisch genutzt. Die Situation ist spannend nicht nur, weil es zwei Hähne und eine Henne gibt, sondern auch weil die Entwicklung geistreich und spitzfindig vorangetrieben wird. Und ganz am Ende – nach leichten Blessuren – fährt die Actionkutsche gen Himmel: in den, der voller Geigen hängt. Peggy Lee singt ‘I love you‘ und Johnny schließt Vienna küssend in die Arme. Immer wieder gut.
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Mo, 27.07.2015
TV | Hexenkessel
Straßen des Bösen4 Sterne
Der deutsche Titel trifft den Kern des Films genau, obwohl Regisseur Scorsese eher an ‘Die Straßen des Bösen‘ gedacht hat. Johnny (Robert De Niro) und Charlie (Harvey Keitel) leben in einem wahren Hexenkessel in New York. (Die direkte Übersetzung mit ‘witch‘s cauldron‘ wäre zu banal.) In einer Atmosphäre von dunklen Spelunken, Go Go Girls und Gewalt schlagen sie sich so durch, wobei Johnny der durchgeknallte Loser ist und Charlie versucht, schützend seine Hand über seinen Freund zu halten. Scorsese verwendet dunkle Einstellungen, die das Lebensgefühl der beiden Kleinganoven verdeutlichen. Dabei geht er oftmals an die Grenze des Erkennbaren. Sie leben in einer Welt, in der man ständig von Gefahren umgeben ist. Man kann sie aber oftmals erst erkennen, wenn die Faust das Auge trifft oder der Revolver die Nasenspitze hochschiebt. Da ist es u.a. schwierig, eine Liebesbeziehung aufzubauen, wie es Charlie, der smartere der beiden, mit Teresa (Amy Robinson) versucht. Es passiert nicht viel in diesem Atmo-Thriller, einem frühen Scorsese (1973). Man verfolgt mit angestrengter Aufmerksamkeit wie die beiden Protagonisten sich gegen eine feindliche Umwelt und auch gegen einander behaupten. Dabei taumeln beide zwischen Zwietracht und Zuneigung. Was da zwischen De Niro und Keitel abgeht, ist geniales Kino. Manches wirkt improvisiert, anderes professionell. Sie lieben sich und prügeln sich und sind dabei immer authentisch. Und wenn die Gefahr zu groß wird, gehen beide auf Tauchstation. Und so lässt Scorsese den Film auch fast offen enden. Charlie und Johnny werden bei einer Schießerei verletzt… Für beide Schauspieler ist es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit dem Regisseur. Für den Zuschauer eine Milieustudie der Extraklasse.
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Sa, 25.07.2015
TV | Birthday Girl - Braut auf Bestellung
Comedy & Crime2 Sterne
Ein Banker (Ben Chaplin) bestellt sich per Katalog eine Russin (Nicole Kidman). Das lässt sich recht unterhaltsam an, wie die Sprachbarriere überwunden wird und sie im Bett wie eine Naturgewalt über ihn kommt. Sie können sich nicht verständigen, aber die Matratze ist schon mal eine gute Basis. Sie können nicht menscheln nur vögeln. Selten war die Kidman so sexy. Was sich im Anschluss daraus entwickelt, ist auch ganz nett. Sie ist Teil eines Gangstertrios. Da ist Vincent Cassel ihr alter Liebhaber und jähzorniger Grobian und Mathieu Kassovitz der freundlichere der beiden. Dann hängt es im Mittelteil etwas durch. Unklarheiten sollen wohl übersehen werden: die ausgeraubte Bank und die Polizei sind so gut wie nicht existent. Wie es ausgeht, ist vorhersehbar, wenn auch etwas unrealistisch. Unterm Strich bleiben zwei Hauptdarsteller: ein großer und ein kleiner Star, zwei schauspielerisch passable Szenen: die Übersetzung vom Russischen ins Deutsche und umgekehrt sowie zwei Jokes: einen an einer Rezeption und einen bei vertrauensbildenden Interaktionen in der Bank. Eine Gangsterkomödie mit viel Liebe und ebenso vielen Ungereimtheiten. Wenn die beiden nach Moskau entschwinden, weint man ihnen keine Träne nach. Und selbst wenn die in den Unterhaltungspool gefallen wäre, würde sie ihn nicht zum Überlaufen bringen. Ein Geburtstagsgeschenk, das keine Überraschungen enthält.
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Di, 21.07.2015
TV | Wilde Erdbeeren
Der Lieblingsort4 Sterne
In diesem Klassiker von Ingmar Berman sind bereits fast alle Weltstars seiner späteren Filme versammelt. Ein verdienter, alter Arzt, Professor Borg (Victor Sjöström) fährt mit seiner Schwiegertochter Marianne (Ingrid Thulin) nach Lund um eine Ehrung entgegen zunehmen. Daraus entwickelt sich eine Art Roadmovie, obwohl man das 1957 noch nicht so genannt hätte. In genialer Weise bringt Bergman hier surreale Träume, die Bunuel alle Ehre machen, sehr individuelle Bezüge wie Eheprobleme und Schwierigkeiten mit seinen Eltern ein. Aber auch viel Poesie (vgl. Originaltitel: ‘Das Lieblingsplätzchen‘, war da, wo die wilden Erdbeeren wachsen.) und sogar einen Hauch von Humor, wie das Verhältnis von Borg zu seiner Haushälterin Agda (Jullan Kindahl). Unterwegs begegnet Borg drei jugendlichen Anhaltern, die heute etwas übertrieben albern wirken, deren Gespräche sich aber um typische Bergman-Themen drehen wie ‘die Existenz Gottes‘. Ein streitsüchtiges Ehepaar kommt mit an Bord, Borg muss im Traum erneut sein Examen ablegen und fällt durch. Aber es gibt auch Korrekturen an seiner Persönlichkeit. Obwohl er doch recht altersweise daherkommt, wirft man ihm Selbstsucht, Gefühlskälte und verlogenen Edelmut vor. Zur Strafe wird er zur Einsamkeit verurteilt und da gibt es keine Gnade. Borg erfährt, dass ‘es die erste Pflicht des Mediziners ist, um Verzeihung zu bitten‘. Auch seine Frau wird entzaubert. Die ‘Fast-Heilige‘ nahm es mit der ehelichen Treue nicht sehr genau. Mal schaut er dem Treiben in der Retrospektive nur stumm zu, mal redet er auch mit den Figuren von damals. So ganz nebenbei entsteht ein Bild der Gesellschaft um 1900. Am Ende blickt der alte Jubilar zum Himmel und lächelt leise. Es kann Zufriedenheit mit seinem Leben signalisieren oder aber auch die Sehnsucht nach einem Lebensende.
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Di, 21.07.2015
TV | Die vier Söhne der Katie Elder
Vier Brüder3 Sterne
Mitten in der Blütezeit des Westerns hat Henry Hathaway einen Klassiker des Genres gemacht. Angefangen von der typischen Musik, die die Handlung untermalt hat, sind alle Zutaten dabei, die ein guter Western braucht. Und natürlich Superstar John Wayne, ohne den es ja kein echter Western wäre. Mutter Katie ist tot und lebt nur im Bild in Form eines leeren, schaukelnden Schaukelstuhls. John der Älteste regelt alles, Dean Martin ist der saufende Spieler, Earl Holliman, der etwas Farblose, schafft es nicht und der Kleine ist Michael Anderson Jr. Der soll es mal zu etwas bringen und aufs College gehen. So hat es Mutter Katie gewollt. Wie immer geht es um Land, Mord und falsche Aussagen. Die Söhne werden zu Unrecht verdächtigt, Clearwater wird von einem geldgierigen Halunken (James Gregory) beherrscht, der den Killer Curley (George Kennedy) anheuert. Der bringt zwar etwas Spannung, hat aber bald einen unrühmlichen Abgang. Im Laufe der Handlung werden die Guten zu immer besseren Menschen und die Bösen immer böser. Und kurz vor dem finalen Showdown hat stets Dennis Hopper seinen Auftritt. Als Sohn des Bösewichts hat er Skrupel und büßt dafür, rettet den Elders aber den Hals. Man kennt das alles und fühlt sich dennoch gut unterhalten, weil man sich zu Hause fühlt in der vertrauten Umgebung. Damit es kein reiner Männerfilm wird, hat noch Martha Hyer ihren Auftritt. Sie bringt das Essen ins Gefängnis und ermahnt John Stil zu zeigen und zwar mit Niveau. Ansonsten hat er keine weitere Verwendung für sie. Gemütliche Unterhaltung, wenn man mal wieder Westernhelden gucken und die Atmo der Gegend atmen will.
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So, 19.07.2015
TV | Sehnsucht nach Afrika
Schwarz-weiß in Farbe4 Sterne
Das Geniale am Originaltitel geht natürlich bei den deutschen Verleihern verloren. So wird diese Kolonialklamotte oft eigentlich zu Unrecht übersehen. Es geht von der Komödie zur Groteske unter Mitwirkung von namhaften Franzosen wie Jean Carmet und Jacques Dufilho. Zwecks der Balance sind zwei Mädels mit von der Partie: Dora Doll (Jahrgang 1922) und Catherine Rouvel. Um 1915 liegen zwei Militärstationen in Afrika an der Grenze zwischen den deutschen und den französischen Territorien. Man kennt sich, treibt Handel unter lebhafter Mithilfe der Missionare und plötzlich ist der 1. Weltkrieg ausgebrochen. Neben der Hilflosigkeit der französischen Offiziere wird die Arroganz der Weißen gegenüber der einheimischen Bevölkerung gegeißelt bzw. veralbert. Da hat sich Regisseur Annaud die alten s/w Aufnahmen genau angeschaut, auf denen Schwarzafrikaner barfuß mit Holzgewehren ausgerüstet paradieren. Dorfbewohner werden rekrutiert, lernen Deutsch/Französisch (Nachsprechen im Chor ‘Bajonett‘ wird zu ‘Banett‘). Der Krieg wird zum Picknick, als Handgranaten dienen Zitronen zur Übung. Das ist alles recht lustig, enthält aber immer ein Körnchen Wahrheit. Im Verlauf verliert der Film etwas an Konturen. Gibt es Kampfhandlungen oder sind das Manöver? Wo kommen in Afrika die Schützengräben her, die voller Regenwasser sind? Schottische Dudelsäcke spielen auf, ein indisches Regiment der Queen hat Verständigungsschwierigkeiten. Am Ende Verbrüdern sich die Deutschen mit den Franzosen. Der Film veralbert den Krieg und verdeutlicht das Irrsinnige daran. Das Groteske ist, dass es auch anders geht. Oscar! Chapeau!
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Sa, 18.07.2015
TV | Roter Drache
Francis & Reba5 Sterne
Obwohl die Titel sehr unterscheidungsfreundlich sind, kann man doch schon mal mit der Reihenfolge von den ‘ Schweigenden Lämmern‘, ‘Hannibal‘ bzw. ‘Hannibal Rising‘ oder dem ‘Roten Drachen‘ durcheinanderkommen. Zwei Dinge haben alle diese Filme gemeinsam: es gibt immer eine Spitzenbesetzung mit Hollywoods erster Garde und alle sind unheimlich spannend und bieten stets neue Perspektiven für den Gesamtstoff. Hier sitzt Dr. Hannibal Lecter ein. (Immer noch mysteriös, furchterregend und blitzgescheit Anthony Hopkins) Er spielt nicht die wirkliche Hauptrolle. Die fällt hier Ralph Fiennes als Francis Dolarhyde und Emily Watson als Reba McClane zu. Zwei Behinderte: sie ist blind, er hat eine Lippenspalte. Der Zuschauer weiß, wie gefährlich Francis ist. Das zeigte sein Umgang mit dem naseweisen Reporter Freddy Lounds (Philip Seymour Hoffman). Rebas kindliches Gottvertrauen zu ihm schafft eine knisternde Atmosphäre. Vor allem da beide allein im Haus von Francis sind. Unvergesslich ihr leerer Blick aus den himmelblauen Augen. Ein dramaturgischer Höhepunkt ist die Parallele von einem Kindheitsvideo von Francis mit einem Blowjob, den ihm Reba auf dem Sofa besorgt. Das zweite dramatische Highlight ist der finale Showdown des totgeglaubten Francis, der den kleinen Sohn des Sonderermittlers Graham (Edward Norton) in seiner Gewalt hat. Graham beschimpft plötzlich den kleinen Josh und trifft aber genau den Nerv von Francis. Nach der Hochspannung gibt es Entspannung mit einem finalen Joke: Fragt Graham Reba vor dem brennenden Haus ‘Alles in Ordnung?‘ Sie nickt. Graham ‘Bis auf ihr Haar.‘ Man kann durchschnaufen.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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